Erfahrungsbericht
von Lara

Liebe Kristin, mein Sohn ist nun schon sieben Monate alt – und trotzdem denke ich noch immer unglaublich gerne an seine Geburt zurück. Es ist mein zweites Kind, und wie schon bei meiner Tochter habe ich mich auch diesmal mit „Der friedlichen Geburt“ auf die Geburt vorbereitet.

Die Geburt meiner Tochter fand damals im Ausland statt und war eine sehr schöne Erfahrung. Trotzdem gab es ein paar Dinge, die ich mir dieses Mal anders wünschte. So reifte schnell der Entschluss, meinen Sohn im Geburtshaus zur Welt zu bringen. Meine gesamte Vorsorge – bis auf die drei Ultraschalltermine – habe ich im Geburtshaus gemacht und fühlte mich dort von Anfang an richtig aufgehoben. Es fühlte sich einfach stimmig an. Meine Tochter habe ich meist mitgenommen, damit sie wusste, wo Mama hingeht, wenn es dann losgeht. Sie war damals etwa zweieinhalb Jahre alt.

Ab dem errechneten Termin waren meine Eltern als Babysitter in Rufbereitschaft – ein sehr beruhigendes Gefühl.

Am Tag der Geburt rief ich noch im Geburtshaus an, um einen Termin zu vereinbaren, da ich am nächsten Tag bereits bei ET+6 gewesen wäre. Ans Telefon ging meine Hebamme, mit der ich mich von Anfang an wunderbar verstanden habe. Sie sagte lächelnd: „Oder du rufst mich später an und wir treffen uns zur Geburt.“ Irgendwie war das der Startschuss. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch im Garten und spürte ein leichtes Ziehen im Rücken. Die Wellen habe ich – wie schon bei meiner ersten Geburt – ausschließlich im Rücken gespürt. Dieses Ziehen hatte ich allerdings schon seit ein paar Tagen und abends auf der Couch verschwand es meist wieder. An diesem Abend jedoch nicht.

Ich ging noch baden, und tatsächlich ließ das Ziehen nach. Trotzdem hatte ich so ein Gefühl. Ich sagte meinem Mann Bescheid, der den Film ausmachte und meinte, er würde sich lieber noch etwas hinlegen – falls es in der Nacht losgeht. Zum Schlafen kamen wir dann allerdings nicht mehr. Im Bett wurden die Wellen regelmäßiger. Ich begann zu tracken – etwa alle 15 Minuten, gleichmäßig. Da erinnerte ich mich an die Worte meiner Wochenbetthebamme: „Fahr bei den ersten Wehen los. Beim zweiten Kind geht es oft schneller.“ Ich gab meiner Tochter noch einen Kuss, stand auf und trackte weiter.

Ich rief im Geburtshaus an, dort sagte man mir zunächst, ich solle weiter beobachten. Dann informierte ich meine Eltern, dass es vermutlich losgeht. Interessanterweise war ich mir selbst gar nicht sicher – obwohl man ja sagt, beim zweiten Kind merkt man es sofort. Eine halbe Stunde später waren meine Eltern da, und ich rief erneut meine Hebamme an, um Bescheid zu sagen, dass wir uns auf den Weg machen. Die Fahrt dauerte nur etwa 15 Minuten. In dieser Zeit veratmete ich drei Wellen und bestaunte den wunderschönen Vollmond am Himmel.

Im Geburtshaus wurde ich herzlich von meiner Hebamme empfangen. Da der große Geburtsraum noch belegt war, gingen wir in Geburtsraum 2. Nach einem kurzen Check kuschelte ich mich mit meinem Mann aufs Bett und veratmete weiter konzentriert die regelmäßigen Wellen. Meine Hebamme zog sich noch einmal kurz zurück. Aus dem Nachbarzimmer hörte ich, dass sich eine andere Frau in der Endphase der Geburt befand. Irgendwann hörte ich auch ihr Baby schreien. Für einen kurzen Moment dachte ich: „Das kommt alles noch auf mich zu.“ Doch dann verschwand ich wieder ganz in meiner eigenen Bubble und fokussierte mich auf meine Geburt.

Als die Wellen intensiver wurden und ich begann hörbar zu tönen, schlug meine Hebamme einen Positionswechsel vor. Ich kniete mich vor das Bett und stützte mich auf den Beinen meines Mannes ab – das gab mir unglaublich viel Halt. Die Wellen waren kräftig, aber dank der Hypnose und meiner Atmung konnte ich gut mit ihnen arbeiten. Irgendwann sagte meine Hebamme, sie ziehe mir jetzt Hose und Unterhose aus. Kurz darauf zog ich auch mein T-Shirt aus. Ich erinnere mich noch genau, wie ich sagte: „Ich kann nicht mehr.“ Gleichzeitig wusste ich: Das ist die Übergangsphase. Dann spürte ich auch schon den Druck nach unten.

Meine Hebamme kündigte an, dass es nun sehr schnell gehen könnte – schließlich war es mein zweites Kind. Und genauso war es. Nach nur zwei Presswehen war der Kopf geboren. Seine Schultern brauchten einen kleinen Moment, sodass ich noch eine kleine „Übung“ machen durfte. Mit der nächsten Welle wurde dann auch der restliche Körper geboren – und mein Sohn war da. Ich nahm ihn hoch und drückte ihn überglücklich an meine Brust. Wenn ich an diesen Moment denke, steigen mir noch heute die Tränen in die Augen.

Wir kuschelten uns gemeinsam ins Bett zurück, und die Hebammen gaben uns Zeit, ganz in Ruhe anzukommen. Etwa 30 Minuten später wurde die Plazenta geboren. Schon drei Stunden nach der Geburt waren wir wieder zu Hause und konnten unseren kleinen Sohn seiner Schwester und den Großeltern vorstellen.

Liebe Kristin, von Herzen danke ich dir. Deine Methode hat mir zwei so wundervolle, selbstbestimmte und friedliche Geburten geschenkt. Und wer weiß – vielleicht folgt ja irgendwann noch eine.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina