Erfahrungsbericht
von Lena

Liebe Kristin, ich danke dir und deinem Team für diese wunderbare, selbstbestimmte Geburtserfahrung.

Verschiedene Faktoren haben mich dazu bewogen, in der 27. Woche in deinen Kurs zu investieren. Der wohl größte: Ein Geburtstrauma in meiner direkten Familie, mein älteres Geschwisterkind erlitt wegen Sauerstoffmangel aufgrund eines ausbleibenden Kaiserschnitts eine geistige Behinderung.

Ich habe immer schon gespürt, dass ich "trotzdem" bewusst, mit Mut und Selbstvertrauen, vor allem in mein eigenes Körpergefühl, an das Thema Geburt herangehen möchte. Da ich zudem schon einmal eine sehr positive Hypnoseerfahrung gemacht habe, war dein Kurs perfekt.

Perfekt war auch meine Geburtserfahrung - denn sie war zu 100% selbstbestimmt. Wenn mir eine Sache wichtig war, dann war es, selbst zu entscheiden, aufgrund der Einschätzung und des intuitiven Vertrauens in mein Körpergefühl. Alles andere kam ganz anders als geplant und ich mir vorgenommen hatte; auch das macht die Geburt unserer Tochter nicht weniger schön.

Gewünscht hatte ich mir eine interventionsfreie, natürliche Geburt in der Wanne, ohne PDA und Oxytocingabe zur Plazentageburt - zur Sicherheit aber alles im Krankenhaus.

Am Abend vor ET kamen die ersten Wellen, die stärker wurden, als ich um 1 Uhr schlafen gehen wollte. Rasch hatten sie ab da einen Abstand von 5-7 Minuten, ich konnte aber gut in der heißen Dusche bei gemütlichem Licht entspannen, die Hypnose genießen und habe ab 3 Uhr das Tensgerät benutzt, das mir sehr gut tat.

Gegen 10 Uhr am nächsten Morgen sind wir ins Krankenhaus gefahren und wurden dort mit 2cm Muttermund zurück nach Hause geschickt. Dort wurden die Wellen überraschend weniger, ich schlief noch einmal und als ich um 22 Uhr schlafen gehen wollte, kamen die Wellen wieder mit deutlicher Intensität zurück. Ich war so müde, dass ich zwischen den Wellen einschlief und dann von einer Welle, die ich bereits vertönen musste, wieder geweckt wurde. Das war für mich als auch für meinen Mann, der fleißig die Wehen trackte, wenig erholsam.

Gegen 3 Uhr bat ich ihn, ins Gästezimmer zu wechseln, damit er Schlaf fand und damit ich mich besser bewegen kann. Die Stunden bis zum nächsten Morgen waren intensiv und dennoch sehr schön, weil sie sich so selbstwirksam anfühlten. Die Hypnose lief in Dauerschleife, den Muttermund "auf" zu atmen, wenn eine Welle kam, klappte hervorragend für mich.

Bei einer stärkeren Welle bin ich in den Kniestand oder Vierfüßler gewechselt, zwischen den Wellen konnte ich relativ erholsam wegnicken. Auf diese Phase bin ich stolz und ich hätte sie niemals ohne die Hypnose und die Vorbereitung geschafft.

Dennoch war sie natürlich kräftezehrend, es war die zweite Nacht ohne Schlaf und ich trotz Tensgerät erschöpft von den Schmerzen. So sehr, dass ich kurz bevor wir gegen 8:30 Uhr losfahren wollten, aus Angst nun keine Kraft mehr für die eigentliche Geburt zu haben, anfing zu weinen. Mein Mann beruhigte mich und ich sagte, dass ich sollte der Muttermund unter 7cm sein, eine PDA haben möchte.

Ich hatte mich aus Angst, meinen Körper nicht mehr genug spüren zu können, sehr gegen die Idee einer PDA gesträubt. Aufgrund der langen Zeit (24h seit dem letzten Krankenhausbesuch, 32h Wehen), etwas Fruchtwasserabgang um 4 Uhr und der Atmung, rechnete ich aber mit einem guten Ergebnis.

Und wurde enttäuscht. 2cm Muttermund. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass sich von meinem Gefühl her "nichts" gelohnt und gewirkt hatte. Dem Gefühl, dass meine Schmerzen und meine Arbeit "umsonst" gewesen sind. Ich bat um eine PDA, die jedoch zunächst abgelehnt wurde, weil ich nicht unter Geburt war.

Als ich so verzweifelt war, dass ich um eine Sectio bat (absolut unvorstellbar in meiner Vorstellung und meinem Plan), sagte die Hebamme, dass wir dann erst anderes versuchen, aber nicht einfach aufschneiden, ohne etwas versucht zu haben. Die Fruchtblase ließ sich unten noch tasten und war wohl nur oben ein Stück auf, ging jedoch bei einem erneuten Tasten des Muttermundes vollständig auf.

Ich bekam eine großartig gesetzte PDA, die mir enorme Schmerzlinderung bereitete und schlief für mehrere Stunden auf dem Kreißsaalbett ein. Als ich aufwachte, fühlte ich mich endlich wieder wie ich selbst. Gestärkt, mit neuem Mut und entspannt hatten wir - das kann ich nicht anders sagen - einen wunderschönen Nachmittag im Kreißsaal.

Wir wurden toll betreut, beispielsweise wurde mir ein Spaziergang nach dem Schlafen vorgeschlagen, anstatt medikamentöse Förderung der Geburt, weil mein Muttermund weiterhin bei 2cm war. Dieser brachte jedoch keine weitere Öffnung, weshalb wir mit Oxytocingabe begannen (auch hier wieder: vorher für mich unvorstellbar und in der Realität überhaupt nicht schlimm).

Mein Geburtsbericht liest sich über den Nachmittag sehr entspannt: Gravida hört Hypnose, Paar geht spazieren, spielt Gesellschaftsspiel, bestellt leichtes Abendessen. Für diesen Nachmittag bin ich unglaublich dankbar. Mein Muttermund öffnete sich langsam auf 3-4cm, es passierte aber hier immernoch wenig. Die inzwischen erhöhte Oxytocingabe verstärkte auch die Wehentätigkeit erheblich, davon spürte ich aufgrund der PDA aber kaum etwas.

Gegen 21 Uhr tat sich tatsächlich etwas am Muttermund: 7 cm! Leider bekam ich gleichzeitig Fieber und auch die Herzfrequenzen unserer Tochter gingen langsam hoch. Die Hebamme eröffnete uns, dass es nun ein "Wettrennen" zwischen Fieber und Muttermund sei. Da bei einer Freundin mit ähnlich langer Latenzphase und Fieber bei Eintritt des Fiebers ein Kaiserschnitt gemacht wurde, schlug ich meinem Mann vor, dass wir dies nun auch tun sollten. Es war ein erstes, aber auch kein starkes Bauchgefühl von mir.

Ich spürte die Wehen stärker und auch ein Druckgefühl. Die Hebamme und mein Mann ermutigten mich aber, dass es jetzt schnell gehen kann, weil sich etwas tat. An dieser Stelle schlug übrigens mein Mann proaktiv vor, dass ich die Hypnose wieder anmachen sollte. Gesagt, getan. Leider ging es mir durch die überhöhte Wellentätigkeit, die zum Wehensturm auswuchsen, die steigende Infektion als auch dem Nachlassen der PDA, die schon 10h lag, rasant schlechter.

Der folgende Teil war ganz und gar nicht schön und er ist nur ein Teil meiner Geburt. Der größte Teil war sehr schön, die nächsten 1,5h waren die Hölle. Die Schmerzen wurden innerhalb von 10 Minuten von veratem- und vertönbar zu unaushaltbar und überfordernd für mich. Weder Hypnose, noch mein Duftöl oder der Geburtsanker halfen und ich schrie nur noch vor Schmerzen.

Um 22:10 kam mit der nun dritten Hebamme, eine Gynäkologin hinzu und deutete vorsichtig an, dass wir die Geburt "vielleicht auf anderem Wege zu Ende bringen" müssen, sollte sich jetzt nicht bald etwas tun, worauf ich nur noch "Kaiserschnitt. Jetzt sofort!" hervorbrachte.

Nach kurzer Rücksprache mit der Oberärztin, bekam ich ein wehenhemmendes Mittel und die PDA wurde aufgespritzt. Leider wirkten beide Mittel kaum (vermutlich aufgrund des vielen Oxytocins), ich konnte mich nicht mehr über die Atmung regulieren und bekam Panik, sobald ich die nächste Welle spürte.

Aufgrunddessen spürte ich auch auf dem OP-Tisch noch Reize, sodass der Anästhesist die Dosis immer weiter erhöhte, wartete und testete. Ich spürte und kommunizierte, dass "das nichts mehr wird" und ich intubiert werden muss. Ich spürte ganz stark, dass ich eine traumatische Geburt erleiden würde, wenn bei dieser Reizempfindlichkeit eine Sectio gemacht würde.

Ich spürte auch, dass ich, sofern ich jetzt gleich einmal das Bewusstsein verlöre und einen Reset finden kann, es mir danach gut gehen wird. Eine Bauchgeburt in Vollnarkose könnte nicht weiter weg von meinem Wunsch nach einer natürlichen, interventionsfreien Geburt liegen und dennoch bin ich sehr, sehr glücklich.

Ich habe all diese Entscheidungen selbstbestimmt und in bestem Gefühl dafür, was richtig für unser Kind und für mich ist, getroffen. Im Rückblick hätte unsere Tochter gar nicht vaginal geboren werden können (ihr Köpfchen drehte sich nicht richtig ins Becken ein, sodass der Muttermund keinen Druck bekam und sich nicht öffnete) und dennoch fühlte es sich für mich in dem Moment so an, dass ich den Kaiserschnitt bekam, den meine Mutter und mein Bruder nicht bekommen hatten.

Ich bin unsagbar stolz auf mich, mein Körpergefühl und die Entscheidungen, die ich im Rahmen der Geburt getroffen habe.

Ab hier ging alles sehr schnell: Mein Mann verabschiedete sich, ich wurde narkotisiert und nur 3 Minuten nach OP-Freigabe um 22:54 Uhr wurde unsere wundervolle, starke, gesunde Tochter geboren. Trotz Vollnarkose schrie sie direkt, war rosig und hatte beste Vitalwerte.

Als ich aus der Narkose erwachte, ging es mir sehr gut und ich bedankte mich direkt bei der Anästhesie. Diese begrüßten mich damit, dass mein Mann ganz emotional war, als unsere Tochter geboren wurde und ich jetzt zu ihnen dürfte. Meine Gebärmutter hatte nicht ausreichend kontrahiert, weshalb ich etwa doppelt so viel Blut wie normal verloren hatte. Ich durfte mit unserer kleinen M. bonden, die bald auf meiner Brust einschlief.

Die Hebamme lobte mich für die Entscheidung, um eine Vollnarkose zu bitten, weil sie mitbekommen hatte, wieviel ich trotz der starken Medikamente noch spürte, was mich erneut bekräftigte. Auf dem Familienzimmer schliefen wir alle bald stolz, glücklich und zufrieden ein.

Der Grund, weshalb ich trotz dieser schönen Geburtserfahrung Hilfe bei einer Traumatherapeutin gesucht habe, ist dass die Nachwehen am nächsten Tag einen Flashback auslösten, der mich wieder in Hilflosigkeit und Panik versetzte. Zum Glück trat dies nur einmal und im Krankenhaus auf, weshalb mir mit starken Medikamenten Abhilfe geleistet werden konnte.

Dennoch und das ist mir für unsere Tochter und mich sehr wichtig, möchte ich nicht, dass irgendwelche "Traumareste" in meinem Uterus und in mir bleiben. Außerdem wurde mir das Hilfetelefon für schwierigere Geburt empfohlen, was mir direkt geholfen hat.

Ich möchte alle Menschen ermutigen, sich nach einer Geburt Hilfe zu suchen, wenn Hilfebedarf besteht. Es ist ein Zeichen von Stärke. Meine Geburtserfahrung hat mich noch stärker und selbstbewusster gemacht. Die Bindung zu unserer Tochter, die trotz des Stresses ein absolutes "Anfängerbaby" ist, ist wunderbar und auch das Stillen klappte schnell.

Liebe Kristin - von Herzen vielen, vielen Dank für diese tolle Erfahrung, die ich Dank dir machen durfte.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina