Erfahrungsbericht
von Lisa B.

Triggerwarnung: Regenbogenschwangerschaft nach Totgeburt

Meine dritte Schwangerschaft war aufgrund der vorangegangenen Totgeburt unseres Sohnes geprägt von pausenlosen Ängsten um unser Baby. Als ich auf Kristins Seite stieß, war ich schnell überzeugt davon, mich während der Schwangerschaft mit der friedlichen Geburt auseinanderzusetzen und diese Methode für meine dritte Geburt lernen zu wollen.

Also machte ich ab der 20. SSW regelmäßig Hypnosen und konnte dadurch oft und intensiv in Verbindung mit unserem Baby gehen. Gleichzeitig wurde ich immer zuversichtlicher, was die Schwangerschaft und die Geburt betraf.

Am Sonntag, dem 19. November 2023 (ich war bei 39+4), merkte ich ab dem Aufstehen ein leichtes, harmloses Ziehen, das jedoch im Laufe des Vormittags wieder verschwand. Am Abend, etwa um 20:15 Uhr, hatte ich dann einen hohen Blasensprung. Anfangs war ich nicht sicher, was das war, zumal meine erste Geburt mit Wehen begonnen hatte und die zweite Geburt eingeleitet worden war (da unser Kind verstorben war). Wehen hatte ich nämlich noch keine.

Meine Schwiegermutter kam sofort, als wir anriefen, um sich um unseren Ältesten zu kümmern, sodass wir gleich ins Krankenhaus fahren konnten. Dort wurde ich untersucht und spazieren geschickt, damit die Wehen einsetzen würden. Die Wehen blieben jedoch aus. Ich wurde stationär aufgenommen und am nächsten Tag begann um 12:15 Uhr die Einleitung der Geburt.

Am ersten Tag standen sechs orale Einleitungstabletten am Plan, und zu jeder Einnahme wurde ein CTG geschrieben. Immer wieder hörte ich die Hypnosen „Abschied von der Schwangerschaft“ und „Geburtsbeginn mental fördern“, da ich wollte, dass die Geburt losging, ich mich aber dennoch von der Schwangerschaft verabschieden wollte, weil ich sie als eine der schönsten Zeiten empfinde.

Während der fünften und somit vorletzten Tablette für diesen Tag lag ich um 20:20 Uhr also wieder beim CTG. Um ca. 20:35 Uhr spürte ich so etwas wie einen „Rumpler“ in meinem Bauch – entweder war das der richtige Blasensprung oder, wie meine Hebamme, die die Geburt begleitete, vermutete: Das Baby war tiefer gerutscht und hatte den endgültigen Anstoß gegeben.

Von einer Sekunde auf die andere spürte ich heftige Wellen – von 0 auf 100. Also läutete ich nach der Hebamme und teilte ihr mit, dass die Geburt jetzt losgegangen war und ich meinen Mann anrufen würde. Sie meinte, dass ich damit noch warten könne, und wollte mich erst einmal untersuchen. Der Befund: Der Muttermund war bei 4 cm – zu Mittag, bei Beginn der Einleitung, war er 2 cm geöffnet gewesen. Die Hebamme verließ daraufhin für ein paar Minuten das Kreißzimmer.

Währenddessen rief ich meinen Mann um 20:41 Uhr an, um ihm zu sagen, dass die Geburt losgegangen war und er sich bereit machen solle, bald zu kommen. Die Hebamme kam zurück und da ich während der Geburt immer wieder wissen wollte, wie weit der Muttermund geöffnet war, untersuchte sie mich erneut – der Muttermund war nun bei 5 cm. Daraufhin schrieb ich meinem Mann um 20:53 Uhr die Nachricht: „Kommen.“ Er rief seine Mutter an und machte sich dann auf den Weg ins Krankenhaus, das zum Glück nur etwa 17 Minuten entfernt ist.

Die Wellen waren schon sehr intensiv und der Druck nach unten heftig. Die Wellen waren von Beginn an sehr intensiv. Ich wollte meine Hypnose zur Geburt einschalten, hatte jedoch meine Kopfhörer im Zimmer gelassen. Also fragte ich die Hebamme, ob es sie störte, wenn ich die Hypnosen laut abspielte, was sie verneinte. Im Nachhinein meinte sie zu mir, dass sie die Hypnosen mit der Musik und Kristins Stimme als angenehm und beruhigend empfunden hatte.

Während der Geburt hatte ich eine Zeit lang mit der Trauer um unser verstorbenes Baby zu kämpfen, was von der Hebamme unglaublich liebevoll und verständnisvoll begleitet wurde. Sie beruhigte mich, baute mich auf und bestärkte mich, als ich sagte, dass ich das nicht könne und Angst hatte, die Geburt nicht zu schaffen.

Die Wellen hatten mich durch die Hypnosen nicht so sehr im Griff wie bei meinen anderen beiden Geburten. Ich verspürte durchaus Schmerzen und intensiven Druck, aber ich merkte, wie die Hypnosen alles erträglicher machten und wie ich an meinem sicheren Ort gemeinsam mit meinem Baby arbeitete, um zu gebären. Ich bemerkte immer wieder, wie extrem ich mich am ganzen Körper verkrampfte, wenn ich aus der Hypnose fiel.

Umso schöner war es, wieder in die Hypnose zu kommen und dieses Schmerzgefühl besser im Griff zu haben. Die Hebamme meinte während der Geburt zu mir, dass das Baby ein ordentliches Tempo hinlegte und unbedingt zu mir herausmöchte – und genau so fühlte es sich auch an.

Mein Mann kam um ca. 21:15 Uhr bei mir im Kreißszimmer an. Kurz darauf wurde ich erneut untersucht, woraufhin die Hebamme meinte: „Es soll ja nicht zu schnell gehen.“ Meine Gedanken waren: „Toll, das wird dann wohl nichts mehr, dass das Baby heute noch geboren wird.“ Die Hebamme hatte mir jedoch nicht mitgeteilt, dass der Muttermund bereits bei 7 cm war; das erzählte sie mir erst nach der Geburt.

Ein paar Minuten später verspürte ich einen Pressdrang und sagte dies auch der Hebamme. Sie wollte zuerst noch den Muttermund kontrollieren, meinte aber gleichzeitig, dass ich dann pressen könne. Ich dachte: „Wie kann das sein? Wir sind doch erst bei 5 cm?!“ Während der Untersuchung grinste meine Hebamme und sagte: „Ich hab’s mir gedacht – er ist verstrichen.“

Ich presste dreimal, und unser Regenbogenbaby, unser kleines Wunder, wurde um 21:41 Uhr geboren. Unsere Tochter wurde mir sofort auf die Brust gelegt, während die Nabelschnur auspulsieren konnte und wir die ersten Momente mit unserem Baby verbringen durften.

Die Geburt ging unglaublich schnell – nicht einmal eine Stunde und 10 Minuten. Sie war so intensiv und gleichzeitig so unfassbar schön, wie ich es mir gewünscht hatte. Das Besondere war und ist für mich nach wie vor, dass ich Wellenpausen erleben durfte, in denen ich verschnaufen konnte. Meine erste Geburt war sehr heftig und mit knapp fünfeinhalb Stunden Geburtsdauer auch nicht gerade lang.

Die zweite Geburt dauerte ca. 1 Stunde und 45 Minuten und war extrem schmerzhaft – was sicher auch am emotionalen Schmerz über unseren Verlust lag. Aber eine Geburt erleben zu dürfen, die nur knapp über eine Stunde dauerte und so kraftvoll war, während ich gleichzeitig Wehenpausen zum Ausruhen hatte – darüber bin ich heute noch unendlich dankbar.

Ich habe von der ersten Minute des CTGs bis zur letzten Minute der Geburt in der rechten Seitenlage gelegen, mich nie bewegt, bin nicht aufgestanden – nichts. Ich lag da und war die meiste Zeit an meinem sicheren Ort, zusammen mit unserem Baby. So eine Geburt würde ich mir immer wieder wünschen.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
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Nina