Erfahrungsbericht
von Lisa
Es gäbe noch mehr zu sagen, aber schriftlich habe ich versucht, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Unsere Geburtsreise plante ich bereits lange, bevor ich unser 2. Wunder erwartete. Unser erster Sohn wurde ET-8 eingeleitet und nach endlosen Interventionen, überfülltem Kreißsaal und schlussendlich Geburtsstillstand per sekundärer Sectio geholt. Für mich stand fest - eine VBAC muss es werden. Doch wir wissen alle - Geburt ist nicht planbar.
SPOILER „ich hatte keine VBAC.“ ABER eine heilsame Geburtsreise, die ich der friedlichen Geburt und ein bisschen Glück zu verdanken habe und möchte mich mit meinem Bericht bedanken, aber auch anderen Frauen Mut machen, wenn der Weg anders verläuft als geplant.
Am Samstag untertags verspürte ich bereits öfters einen harten Bauch. Öfter als sonst. Mein Mann fragte mich, ob wir noch mit unserem Sohn zum Spielplatz wollen. Da der ET bereits zwei Tage verstrichen waren, lehnte ich ab. Als sie das Haus verließen, bin ich binnen 2 Minuten eingeschlafen und wirklich 3 Stunden tief geschlafen. Abends dann gewohnte Routine und meinen Sohn ins Familienbett gelegt.
Um 23 Uhr habe ich gemerkt, dass ich aufgrund der Wehen nicht mehr einschlafen kann. Bis dahin waren sie noch leicht zu veratmen und kamen nur alle 8-10 Minuten. Ich schaltete also meine Hypnose zur Eröffnungsphase ein und legte mich auf die Couch. Ich wollte gerne noch baden gehen oder duschen - allerdings hatten wir an diesem Tag kein heißes beziehungsweise warmes Wasser, daher musste ich darauf verzichten.
Diesmal hab ich mir vorgenommen, solange wie möglich zu Hause zu bleiben, die Wellen zu veratmen und wirklich versuchen, zu entspannen. Kurz nach 1:00 Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag hab ich dann entschieden, noch mal auf die Toilette zu gehen - wurde ja auch im Kurs gesagt, dass man alle 2 Stunden gehen soll - als ich mich niedersetzen wollte, merkte ich, wie etwas aus mir heraus tropfte und ich dachte noch: "Hmm komisch, eventuell Fruchtwasser?"
Da ich den Schleimtropf bereits verloren hatte, hatte ich schon eine Einlage drinnen und sah rosa Fruchtwasser. Da einem jeder sagt, dass bei einer zweiten Geburt alles viel viel schneller geht, hatte ich wirklich Angst, dass wir das jetzt nicht mehr ins Krankenhaus schaffen oder es jetzt wirklich ratzfatz losgeht.
Spoiler: Es ging nicht los. Da man als Zweitgebärende nach einem Kaiserschnitt medizinisch wie eine Erstgebärende behandelt wird, hätte ich mir eigentlich keine Sorgen machen müssen. Die Nervosität tat aber ihr übriges, also weckte ich meinen Mann und wir beschlossen, unseren dreijährigen Sohn zu meiner Mama zu bringen und ins Krankenhaus zu fahren.
Glücklicherweise war unser Sohn trotz der Aktion mitten in der Nacht nur positiv aufgeregt und ich war froh, dass er wusste, dass wir jetzt ins Krankenhaus fahren und ich niemanden einfach in unser Haus einladen musste und er womöglich am nächsten Morgen erfahren würde, dass Mama und Papa gerade im Krankenhaus sind. Es gab mir sehr viel Sicherheit, zu wissen, dass er gut aufgehoben ist und auf alle Fälle Bescheid weiß.
Als wir ins Krankenhaus fuhren, waren die Wehen bei etwa allen 8 Minuten manchmal auch etwas kürzer manchmal etwas länger, eher unregelmäßig. Die Hebamme, die uns im Kreißsaal empfing, brachte mich ins Untersuchungszimmer und untersuchte mich dort vaginal. Sie war der Meinung, dass dies kein Fruchtwasser wäre. Ich verlangte aber zu Sicherheit noch einen Fruchtwassertest, welcher positiv ausfiel. Ich wurde also aufgenommen, bekam ein Zimmer und durfte dort die restliche Nacht verbringen.
Mein Mann fuhr dann noch mal nach Hause und kam erst gegen 11:00 Uhr am Vormittag wieder zurück, wo die Wehen dann schon wieder Fahrt aufgenommen hatten. Ich möchte anmerken, dass ich in der Nacht beziehungsweise in den einigen Stunden mich sehr gut entspannen konnte aufgrund der Hypnose und dort auch noch ordentlich Kraft tanken konnte.
Gegen Mittag habe ich mich dann in diesem Zimmer nicht mehr wohl gefühlt und im Kreißsaal nachgefragt, wann ich denn etwa dableiben dürfte. Die Hebamme vom Tagdienst war sehr zuvorkommend und hat gesagt, jederzeit und mir daraufhin einen schönen Kreißsaal mit Badewanne zugewiesen. Ich bekam dann ein Entspannungsbad, die Hebamme machte eine Akupunktur noch bei mir und ich fühlte mich sehr gut aufgehoben und das Setting war wirklich genauso, wie ich es in meinem Kopf manifestiert hatte.
Mein Mann konnte mich sehr gut unterstützen. Er hat darauf geachtet, dass ich genug trinke, mich immer wieder entleere und mir immer wieder auch den Duft unter die Nase gehalten, damit ich in der Entspannung bleibe.
Gegen 22:00 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag habe ich dann um ein Schmerzmittel gebeten, da ich Schwierigkeiten hatte, die Atmung beizubehalten. Auch gaben sie mir ein wehenhemmendes Mittel, damit ich mich wirklich entspannen konnte. Leider wirkte beides unzureichend, heißt, ich konnte die Schmerzen spüren, fühlte mich aber vollkommen high.
Also ging ich gegen Mitternacht von der Wochenstation wieder in den Kreißsaal, weil ich nochmals die Badewanne versuchen wollte. Zu keinem Zeitpunkt hat mich jemand gefragt, was ich mit meinen Kopfhörern höre oder was ich dort mache - lediglich der Nachtdienst in der Nacht von Sonntag auf Montag war sehr viel im Kreiszimmer bei mir, was ich als störend empfand, weil sie immer so bisschen neben mir standen und dann auch so ein bisschen Smalltalk angestrebt hatten und das mochte ich nicht so gerne.
Die Kopfhörer habe ich meistens ausgemacht, sobald jemand den Kreissaal betreten hat. Zwischen drei und 6:00 Uhr am Morgen war ich dann wirklich am Ende meiner Kräfte und als bei der Untersuchung immer noch der Befund nur fingerdurchlässig war, war ich wirklich am Boden zerstört und hinterfragte meinen Körper. Zu diesem Zeitpunkt kamen die Wellen wirklich regelmäßig alle 3 Minuten und ich verstand nicht, warum der Muttermund sich nicht öffnete.
Aufgrund der Schmerzen versuchten wir noch Lachgas, davon wurde mir allerdings nur übel. Und dann bat ich trotz des noch nicht fortgeschrittenen Befundes um eine PDA. Diese brachte mir die gewünschte Entspannung, ich konnte die Wehen allerdings noch spüren und meine Beine bewegen. Ich versuchte dann noch verschiedene Positionen, allerdings war der Befund nach drei weiteren Stunden immer noch erst bei 2 cm. Die Hebamme eröffnete daraufhin die Fruchtblase vollständig, da diese unten noch intakt war.
Daraufhin kam auch die Oberärztin und untersuchte mich und äußerte, dass sie eine Geburtsgeschwulst spüre und sie mir jetzt noch 2 Stunden Zeit geben würden und dann vorschlagen, eine Sectio durchzuführen, da ich ja zu diesem Zeitpunkt bereits 30 Stunden starke Wehen hatte und sie die Narbe nicht weiter belasten wollen. Die Hebamme äußerte auch, dass sie glaubt, es gäbe einen Grund, warum das Köpfchen nicht tiefer rutscht.
Um 13:00 Uhr war dann der Befund immer noch der gleiche und ich wurde für die Sectio vorbereitet. Da ich bei meiner ersten Geburt fürchterlich gezittert hatte und mir beim Kaiserschnitt so übel geworden ist und ich auch schmerztechnisch nicht gut eingestellt war, versuchte ich dieses Mal, die hypnotische Trance für mich zu nutzen. Ich war wirklich entspannt, mir war zu keinem Zeitpunkt schlecht, ich habe nicht gezittert und keinerlei Schmerzen verspürt.
Voller Vorfreude habe ich auf den ersten Schrei meiner Tochter gewartet und konnte diesen Moment in vollen Zügen genießen. Da wusste ich auch, dass sich die Vorbereitung vollkommen ausgezahlt hatte. Auch wenn das Outcome nicht die Traumgeburt war, die ich mir erhofft hatte, hat diese Geburt in mir ganz viel geheilt. Ich war selbstbestimmt, konnte mir selbst helfen, fühlte mich nicht ausgeliefert und war auf jedes Szenario eingestellt. Die Hingabe, welche Kristin in ihrem Kurs immer wieder erwähnt, war bestimmt in diesem Fall der Schlüssel zum Erfolg.
Nach dem Kaiserschnitt kam die Oberärztin zu mir und erklärte, dass der Beckeneingang zu schmal gewesen sei für das Köpfchen. Dies war bereits bei meinem Sohn der Fall, allerdings hätte es sein können, dass sich das Becken diesmal mehr öffnet oder das kindliche Köpfchen etwas kleiner ist. Da leider beides nicht der Fall war und ich dies auch innerlich spürte, konnte ich mich der Bauchgeburt hingegeben und sie als wunderschön empfinden.
Für meine Geburtsreise bin ich zu tiefst dankbar. Ich konnte - anders wie zu Corona Zeit mit meinem Sohn - dieses Mal die komplette Zeit mit meinem Mann die Wellen veratmen, im Kreißsaal sein, freie Enscheidungen treffen und fühlte mich zu jeder Zeit umsorgt und gut betreut.
Danke Kristin, für deine wertvolle Arbeit! Ich bin beseelt von dieser wunderbaren Erfahrung und konnte gestärkt ins Wochenbett gehen.

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