Erfahrungsbericht
von Lisa
Alles kam anders als gedacht...
In meiner Schwangerschaft habe ich mich schon frühzeitig intensiv mit dem Thema Geburt auseinandergesetzt und mich für eine Geburt im Geburtshaus entschieden. Als Ärztin wusste ich, dass eine Klinikgeburt nicht zu mir passen würde. Im Geburtshaus war die Atmosphäre familiär, das Team unglaublich engagiert und freundlich. Dort wollte ich zusätzlich gern einen Hypnobirthingkurs besuchen, war an dem angebotenen Termin aber leider verhindert.
Auf der Suche nach Alternativen stieß ich auf die Friedliche Geburt und war sofort begeistert von Kristins sympathischer und ruhiger Art. Nach einigen Podcastepisoden entschied ich mich für den Kurs und fand das Angebot bis zum Ende sehr sehr gut. Auch meinem Partner hat die Vorbereitung Spaß gemacht.
Zum Ende der Schwangerschaft, circa ab der 30. SSW, wurde die Friedliche Geburt mein täglicher Begleiter. Ab dem Mutterschutz habe ich jeden Tag mindestens 2 Hypnosen geübt und hatte ein klares Bild meiner Geburt vor mir und die Vorfreude war groß. In der 37. SSW stieß ich beim Aufräumen auf einen medizinischen Befund in meinen eigenen Krankenakten, der mich sehr verunsichert hat. Eine anatomische Variante meines Steißbeines schien meinen Beckenausgang einzuengen. Ich ließ mich von meiner ambulanten Gynäkologin beraten und so ging eine Kaskade los, die darin endete, dass das Universitätsklinikum mir dringend zu einer geplanten Sectio riet. Ich ging mit einem OP-Termin nach Hause, aber es fühlte sich nicht richtig an.
Als Ärztin kenne ich mich aus und konnte in der wissenschaftlichen Literatur prüfen, dass es für die Sectio außerdem keine klare Evidenz gab. Ein Großteil meines Umfeldes riet mir, ,,kein Risiko'' einzugehen und ,,lieber die Sectio'' durchzuführen. Mein Partner war sehr unterstützend und hat vertraut, dass ich die richtige Entscheidung treffen werde. Die Hypnosen von Kristin haben mich in dieser Zeit der Unsicherheit und Entscheidungsfindung getragen. Auch ihre Podcastepisoden zum Thema Sectio haben mir geholfen, mich mit dem Thema emotional intensiver auseinander zu setzen, aber mir auch Mut gemacht, auf meinen Körper und meine fachliche Einschätzung zu vertrauen. Mit dem Kreißsaalteam vereinbarte ich anschließend einen Versuch einer vaginalen Geburt in der Klinik, mit der Option einer Sectio in der Hinterhand.
Schon früh in der Schwangerschaft hatte ich viele Übungswehen und war mir sicher, dass die Geburt vor dem ET stattfinden würde. 5 Tage vor dem ET platzte schließlich 0.30 Uhr meine Fruchtblase, als ich bereits im Bett lag. Circa eine halbe Stunde später setzten allmählich die Wellen ein. Zu diesem Zeitpunkt machte ich es mir im Wohnzimmer auf dem Boden mit Kissen, Kerzen und einem Duftöl gemütlich und hörte die Geburtshypnose in Dauerschleife. Immer wieder schlief ich kurz ein und wachte von den Wellen, die sich zu diesem Zeitpunkt wie Menstruationsschmerzen anfühlten, auf. Ich fühlte mich innerlich sehr ruhig.
Gegen 5.30 Uhr morgens ging langsam die Sonne auf, die Vögel begannen zu zwitschern und ich saß am offenen Fenster und freute mich auf die nahende Geburt. Mein Partner bereitete währenddessen die Kliniktasche und Snacks vor und meldete sich morgens im Kreißsaal. Aufgrund des Fruchtblasensprungs wurde uns geraten, bis mittags in die Klinik zu kommen.
Gegen 12 Uhr wurden die Wellen auch stärker, sodass ich begann sie zu veratmen, ich wollte dennoch etwas mehr Zeit zu Hause verbringen. Ich spürte die Wellen im Verlauf vor allem im Steißbereich und fand eine vornübergebeugte Haltung mit Abstützen der Hände auf einem Tisch am angenehmsten. Durch die Hypnose gelang es mir jedoch, die Wellen nicht als schmerzhaft wahrzunehmen.
Gegen 14 Uhr kamen die Wellen alle 2 Minuten und wir beschlossen, in die Klinik zu fahren. Ich musste im Kreißsaal zunächst auf dem Flur circa 15 Minuten warten, bis ich in ein Zimmer zum CTG-Schreiben gebracht wurde. Währenddessen parkte mein Partner das Auto um und meldete mich an. Zu meiner großen Überraschung kam ca. 14. 30 Uhr eine Hebamme der Spätschicht ins Zimmer, die ich sofort aus meinem Schwangerschaftsyoga wiedererkannte. Dass ich nun in der Klinik gebären würde, fühlte sich nicht mehr falsch an, denn ich habe mich bei ihr sehr wohl gefühlt.
Da die Intensität der Wellen weiter zunahm, gingen wir kurz darauf in das Kreißsaalzimmer, wo ich erst einmal ankommen durfte. Ein junger Assistenzarzt, sichtlich nervös, legte eine periphere Venenverweilkanüle (ich bestand darauf diese auf der Unterarmstreckseite zu legen, damit sie mich nicht stören würde). Die Hebamme samt einer Hebammenschülerin haben sich wunderbar um mich gekümmert und mir viele Optionen angeboten, um die Wellen in verschiedenen Positionen zu veratmen. Schließlich entschied ich mich für die Badewanne, wo ich mehrere Stunden verbrachte. Kristins Stimme stets meine Begleitung, ich hatte das Handy lautgestellt und am Badewannenrand abgelegt. Die Hebammen reagierten positiv darauf und kannten Kristins Methode.
Gegen 18 Uhr wurden die Wellen so intensiv, dass ich sie über dem gesamten Bauch- und Steißbereich spürte. Die Hebamme tastete zum 1. Mal meinen Muttermund, der zu meiner großen Freude bereits 10 cm geöffnet war. Die Hebammen und mein Partner begleiteten mich durch diese Phase sehr intensiv, bis die Hebamme schließlich sagte: ,,Du darfst jetzt mitschieben''.
Nun spürte ich, wie das Baby gegen den Beckenboden drückte, es kam immer tiefer, es ging jedoch nur langsam voran. Ich stieg aus der Badewanne und wir probierten viele Positionen und Hilfsmittel. Nach fast 4 Stunden Austrittsphase merkte ich meine körperliche Erschöpfung zunehmend. Die Hebammen versicherten mir, dass die Geburt so weit vorangeschritten sei, dass keine Sectio notwendig würde, was mich motivierte durchzuhalten. Die Hebammen baten mich, auf der Liege verschiedene Postionen auszuprobieren, hier merkte ich jedoch schnell, dass es nur wenig voranging und ich die Position nicht sehr angenehm fand. Nach dem Klinikprotokoll war auch der Moment gekommen, ärztlich zu besprechen, wie es weitergeht.
Das Team entschied sich für die Saugglocke und ich vertraute und stimmte zu. Es wurde etwas voller im Zimmer, hinter meinem Kopf wurden Dinge vorbereitet. Ich bat meinen Partner, die Hypnose zu beenden, zu diesem Zeitpunkt wäre es zu viel für mich gewesen. Die Prozedur wurde von einem Oberarzt durchgeführt, da ich keine PDA hatte, war das Einführen schmerzhaft, allerdings ging es sehr schnell und der Kopf wurde zügig geboren.
Nach zwei weiteren Presswehen hatte ich das Baby geboren und es wurde mir sofort auf die Brust gelegt - ein unbeschreibliches Gefühl. Der einsetzende Hormoncocktail übergoss mich mit tiefer Dankbarkeit für das Baby, meinen unterstützenden Partner und das Klinikteam. Ich werde diesen Moment nie vergessen.
Es kam anders, ich hatte nicht die lang vorgestellte Traumgeburt im Geburtshaus, aber meine Klinikgeburt war dennoch sehr schön. Das Team, insbesondere die Hebammen, haben eine fantastische Arbeit geleistet und mich in meinem Wunsch unterstützt, vaginal zu gebären. Dass eine Intervention nötig wurde, war kein Problem für mich und ich bin dankbar, dass es diese Methode gibt, um eine vaginale Geburt zu unterstützen. Natürlich ist ein Kliniksetting anders als ein Geburtshaus, aber nach meiner Erfahrung kann man sehr gut mit dem Team sprechen und zusammenarbeiten und meine Wünsche wurden ernst genommen und berücksichtigt.
Ich wünsche allen Schwangeren viel Erfolg für ihre bevorstehende Geburt - ihr seid so stark, ihr schafft das!

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