Erfahrungsbericht
von M.

Ich erfuhr durch den Sex-Podcast «Ist das normal?» schon früh während der Schwangerschaft von diesem Online-Kurs. Bereits Ende Erstes Trimester habe ich Lektionen geschaut und Hypnosen geübt. Im ersten Trimester war mir oft übel, die Hypnosen waren willkommene kleine Ruhepausen.

Nach unzähligen Übungen verging mir während den letzten Wochen der Schwangerschaft die Lust auf das Hypnose-Training. Die Geburtsvorbereitung nahm zu viel Raum ein: Damm-Massage, Heubad, Yoga, Hypnose, Arzt-Termine, Hebammen-Termine, Diabetes-Beratung, Blutzucker messen... zusätzlich zum sowieso schon strengen Alltag war es mir zu viel, ich hatte das Bedürfnis, vor der Geburt einfach auch mal loszulassen und nicht ständig meinen Pflichten nachzurennen. Ich übte dann nur noch ein, zwei Mal pro Woche.

Als der errechnete Termin näherkam, hatte ich zwar nicht die Fähigkeit, mühelos in eine tiefe Trance zu finden, ich fühlte allerdings eine innere Überzeugung, die Geburt im Geburtshaus meistern zu können und war mir sicher, dass ich meinem Körper während der Geburt vertrauen kann. Und so war es dann auch!

Als zwei Tage nach dem Termin nachts die Wellen einsetzten, merkte ich bereits bei den eher sanften Wellen, dass ich in keinen hypnotischen Zustand finden würde. Der Schmerz war einfach zu präsent. Es waren definitiv Schmerzen, nicht bloß ein "intensives Gefühl". Eine Audio zu hören, kam nicht in Frage, mein grösster Wunsch war, meine Ruhe zu haben und mich auf die Wellen zu konzentrieren. Dank den Hypnose-Übungen fiel es mir während den ersten zehn Stunden allerdings leicht, mich während den Wehenpausen zu entspannen.

Immer wieder schlief ich während den Pausen kurz ein und hatte das Gefühl, mich sehr gut erholen zu können. Die Bauchatmung probierte ich zu Beginn der Geburt, sie brachte mir allerdings keine Erleichterung. Das Visualisieren des Muttermunds ging gut. Das heisst: Ich bin nicht der visuelle Typ, ich kann mir schlecht Bilder vorstellen, ich dachte aber während jeder Welle: «weeeiit! weeeiit!».

Die ersten 15 Stunden der Geburt verbrachte ich zuhause im Bett oder in der Badewanne, entweder schlafend oder in voller Konzentration. Am Nachmittag waren die Wellen dann schwerer auszuhalten, in Absprache mit der Hebamme fuhren wir den weiten Weg ins Geburtshaus. Nach 45 Minuten Autofahrt kam ich weinend und aufgelöst im Geburtshaus an. Im Auto, sitzend, überrollten mich die die Wehen, es war sehr schmerzhaft.

Im Geburtshaus wollte ich dann vor allem einfach auf der Seite liegen und mich wieder auf die Wellen konzentrieren. Was für eine Erleichterung, nicht mehr sitzen zu müssen! Ich konnte die Wellen wieder besser veratmen. Die Hebamme war skeptisch, ob es überhaupt produktive Wehen seien, so entspannt wie ich da lag.

Als sie den Muttermund tastete, war er allerdings schon 4cm geöffnet, das motivierte mich sehr! Mit der Hebamme hatte ich schon vor der Geburt abgemacht, dass ich gerne mit möglichst wenig Interventionen gebären möchte – falls möglich! Die Hebamme respektiert meinen Wunsch ganz wunderbar. Ein paar wenige Mal sie mir eine neue Position vor, ich probierte das dann kurz aus und wollte dann doch wieder seitlich liegen. Vor allem, weil ich so nach der Wehe direkt in die Entspannung gleiten konnte.

Ansonsten lobte mich die Hebamme oft, was sehr hilfreich war, nach ein paar Stunden brachte sie mir eine kalte Cola, was ebenfalls grossartig war. Ansonsten intervenierte sie nicht. Mein Mann war die ganze Zeit an meiner Seite und gab mir hin und wieder zu trinken und tupfte pausenlos den Schweiss aus meinem Gesicht. Es war ein Hitzetag, im Geburtsraum hatte es deutlich mehr als 30 Grad.

Die paar wenigen unwichtigen Fragen, die mir mein Mann oder die Hebammen stellten (z.B. ob ich mir einen bestimmten Duft wünsche) beantwortete ich nicht oder mit einem Kopfschütteln. Für so etwas hatte ich keine Zeit, ich brauchte jede Sekunde der Wehenpausen, um mich zu erholen! Schliesslich schlug mir die Hebamme vor, in die Wanne zu wechseln. Das warme Wasser war eine grosse Erleichterung, auch dort lag ich, gestützt auf ein schwimmendes Kissen, auf der Seite.

Ich verlor das Zeitgefühl und nahm einfach Welle für Welle. Es wurde Nacht und die Wellen veränderten sich. Statt dass die Wellen nach dem höchsten Punkt wieder verebbten, wurden sie intensiver. Vor lauter Schmerzen verschlug es mir immer wieder den Atem, ich musste nach Luft schnappen und mein Bauch begann jeweils ohne mein Zutun, zu schieben.

Dass mein Bauch mitschob, verunsicherte mich, die Hebamme lobte mich jedoch nach jeder starken Wehe und bestätigte, dass das alles genau richtig sein. Das half mir, den Schmerz anzunehmen und den Bauch schieben zu lassen.

Während der Austrittsphase spürte ich, dass meine Energie langsam weniger wurde. Ich versuchte, nicht darüber nachzudenken, wie lange ich wohl noch durchhalten müsse und mich nur auf den Moment zu konzentrieren. Irgendwann fragte mich die Hebamme, ob ich das Köpfchen fühlen möchte. Ich hatte keine Energie dafür, freute mich aber, dass das Kind bald kommen würde.

Immer wieder schob sich das Köpfchen während den sehr schmerzhaften Wellen ein wenig nach unten, nur um dann in der Pause wieder zurückzugleiten. Die Hebamme beruhigte mich, dass das genauso sein müsse, damit sich das Gewebe gut dehnen könne. Irgendwann bemerkte ich ein neues Gefühl. Statt einfach alles zuzulassen, kam plötzlich eine Wut in mir auf. Ich merkte: Jetzt will ich nicht mehr, jetzt musst du raus! Ich vertonte die Wellen noch lauter, fast schon aggressiv, so konnte ich die Schmerzen quasi «niederschreien».

Und ich schob jetzt auch aktiver mit. Ich wollte einfach nicht mehr, dass der Kopf wieder zurückgleitet, ich dachte nur noch: «Raus! Jetzt musst du raus, weitermachen kommt nicht in Frage!» Die Hebamme schlug mir dann vor, in der Wanne in die Hocke zu gehen. Ich wollte zunächst nicht, probierte es dann aber doch aus, und schon nach wenigen Wellen spürte ich: Das Köpfchen kommt!

Jetzt mobilisierte mein Körper die verbleibende Kraft um zu schieben, und auch mein Kopf dachte nur noch «raus, raus, raus, ganz egal ob es weht tut, oder der Damm reisst, einfach nur raus». Das war dann auch gar nicht mehr besonders schmerzhaft, ich spürte nur ein Ziehen und dass sich etwas bewegt. Und plötzlich sagte die Hebamme: Ich reiche dir das Kind durch die Beine durch, du kannst es in die Arme nehmen. Ich konnte es kaum glauben!

Ich konnte mit der Unterstützung von meinem Mann und der beiden Hebammen raus aus der Wanne, mein Mann und ich legten uns mit unserer Tochter aufs Bett. Wir waren alle nass, blutverschmiert und glücklich. Wir liessen die Nabelschnur auspulsieren und ich konnte mich kurz erholen, ehe ich mich auf die Plazenta konzentrieren musste. Ich war erschöpft und mochte nicht mehr, auf die Plazenta zu warten brauchte dann wirklich noch etwas Geduld!

Irgendwann frühmorgens durften wir dann ins Bett. Ich war wahnsinnig froh, dass mein Mann die ganze Zeit an meiner Seite war und auch im Familienzimmer im Doppelbett neben mir schlafen konnte. Die Geburt war rückblickend schmerzhaft, lang und definitiv nicht schön. Ich hatte allerdings während diesen fast 24 Stunden nie Panik, ich fühlte mich nie bevormundet oder ernsthaft überfordert.

Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, mir und der Hebamme vertrauen zu können und ich wusste während der meisten Zeit: ich mache alles richtig, so muss es sein. Die Hebamme gab mir dann am nächsten Tag das Feedback, dass es für sie eine wunderbare Geburt gewesen sei. Verhältnismässig kurz (auch wenn sich das für mich nicht so angefühlt hat) und ganz natürlich. Sie habe gestaunt, wie gut ich selbst wusste, was ich tun sollte, sie habe mich kaum anleiten müssen.

Ich denke, das Wichtigste ist für mich, dass ich mich während der Geburt zu jedem Zeitpunkt selbstbestimmt gefühlt habe. Nie hat die Hebamme Druck gemacht, mich zum Beispiel aufgefordert zu pressen oder mich anzustrengen. Die Schmerzen waren sehr stark, die Situation aber nie traumatisch. Wenn ich an die Geburt zurückdenke, habe ich nur positive Gefühle, ich bin sehr dankbar.

Ich weiss nun: Die Kraft, ein Kind zu gebären, steckt in mir, und mein Körper weiss, wie es geht. Das fühlt sich ermächtigend an! Die «Friedliche Geburt» hat mir dabei geholfen. Das Hypnose-Training hat mir zwar die Schmerzen nicht genommen, mir aber das Vertrauen gegeben, die Schmerzen auszuhalten – ich würde es wieder so machen!

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina