Erfahrungsbericht
von M.

Liebe Kristin,


ich möchte dir von der wundervollen Geburt unseres zweiten Kindes erzählen. Während ich hier sitze, mein Baby beobachte und schreibe, bin ich immer noch zutiefst berührt von dieser Erfahrung. In den letzten Podcastfolgen ging es um Trauma in Schwangerschaft und Geburt. Als betroffene Frau möchte ich teilen, wie ich während der Geburt einen Flashback erlebt habe – und warum ich das heute als wertvoll, ja sogar als großes Geschenk empfinde.

Meine Muttersprache ist Spanisch. In der 21. SSW habe ich deinen Kurs aus dem Krankenhaus heraus gebucht, nachdem ich wegen eines verkürzten Gebärmutterhalses eine Nacht dort verbringen musste. Obwohl es im spanischsprachigen Raum ähnliche Hypnobirthing-Kurse gibt, wollte ich mich bewusst mit dir vorbereiten. Als ich mich später für eine Hausgeburt entschieden habe, war mir klar: Es geht vor allem um den Weg – den Prozess – und nicht nur um das Ergebnis.

Und deshalb möchte ich genau diesen Weg erzählen, weil er für mich das Wertvollste war. Hintergrund:
 Unser erstes Kind kam im Dezember 2020 per Kaiserschnitt zur Welt, mitten in der Corona-Pandemie. Ich hatte mich mit Hypnobirthing „vorbereitet“, doch in der 39. Woche bekam ich selbst Corona. Nach mehreren Tagen Wehen und 8 cm Muttermundöffnung wurde schließlich aufgrund eines pathologischen CTG ein Kaiserschnitt gemacht.

Ich weiß noch genau, wie ich nach der Geburt, wieder allein im Zimmer, endlich zur Ruhe kam. In dieser Stille spürte ich tief in mir, dass etwas zerbrochen war. Ich fühlte eine tiefe Traurigkeit und Enttäuschung, sagte mir aber: „Es ist vorbei, es war wie es war. Jetzt hast du dein Baby – das ist das Wichtigste.“ 
Ich habe diese Traurigkeit in mir vergraben und das Thema „Geburt“ komplett aus meinem Leben gestrichen. Ich wollte nicht darüber sprechen.

Damit begann ein neuer Abschnitt in meinem Leben – eine Reise der persönlichen Transformation, die unbewusst schon mit der Geburt meines Sohnes begonnen hatte. Ich stillte ihn fast drei Jahre und habe in dieser Zeit beruflich einen ganz neuen Weg eingeschlagen. Vier Jahre später war ich wieder schwanger. Anfangs konnte ich noch immer nicht an eine Geburt denken.

Doch eines Tages, etwa in der 15. SSW, wachte ich auf und fühlte: Ich suche jetzt eine Beleghebamme. Gleichzeitig spürte ich sehr deutlich in meinem Brustkorb den Wunsch nach einer Hausgeburt. Also suchte ich eine Hausgeburtshebamme – und entgegen meiner Erwartungen hatten viele Hebammen noch Kapazität. 
Ich entschied mich für I.

Wir telefonierten, und schon ihr Bild auf der Website, ihr Blick und ihre Ausstrahlung haben mich sofort überzeugt. Obwohl sie im Urlaub war und wir uns noch nicht persönlich kannten, wusste ich: Sie ist die Frau, die ich auf diesem Weg an meiner Seite haben möchte.

Etwa zur gleichen Zeit verspürte ich das Bedürfnis, positive Berichte nach Kaiserschnitt zu lesen. Im Internet stieß ich auf einen Bericht, in dem „Die friedliche Geburt“ erwähnt wurde. Auf Spotify öffnete sich sofort die Folge über Hausgeburt, die ich 2020 schon einmal angefangen hatte – für mich ein Zeichen, dass dies mein Weg sein sollte.

Natürlich kamen zwischendurch Zweifel: Ist das zu riskant? Aber das Körpergefühl war so stark, dass ich es nicht ignorieren konnte. Ich besprach alles mit meinem Partner und sagte: „Wenn es klappt, perfekt. Aber ich kann mich nicht von Angst leiten lassen. Ich muss es probieren und schauen, was auf uns wartet. Was am Ende passiert, ist mir egal – aber ich muss alles von mir geben, um es zu versuchen.“ 
Er unterstützte mich voll und ganz – trotz der belastenden ersten Geburt.

Da mir klar war, dass ich für eine Hausgeburt meine erste Geburt verarbeiten muss, suchte ich mir eine Hebamme in Hamburg, die mit Hypnose arbeitet.
 In der 20. SSW hatte ich meine Sitzung. Durch die Hypnose erlebte ich die erste Geburt noch einmal – und war fasziniert davon, wie präzise mein Körper Gefühle ausdrückt, um Belastendes loszulassen.

In vier Jahren hatte ich nur „Enttäuschung“ gefühlt, doch in der Hypnose kam von mir das Wort „hilflos“.
 Plötzlich verstand ich alles: Die Enttäuschung ist die Folge – im Moment selbst fühlt man sich hilflos. Ich konnte diese Hilflosigkeit mit Krankenhausaufenthalten aus meiner Kindheit verbinden. Unter der Geburt war ich emotional wieder dieses kleine Kind.

Eine Woche später musste ich erneut ins Krankenhaus. Ich konnte es nicht glauben, dass ich eine Woche nach der Hypnosesitzung wieder in die Klinik musste. Aber diesmal war alles anders. Ich spürte, dass das Universum mir eine zweite Chance gab, meine Themen mit dem Krankenhaus zu heilen. Eines Tages bekam ich beim Obstessen am Tisch Rückenschmerzen. Ich wollte Yoga machen, ging aber stattdessen ins Bett.

Am nächsten Tag wollte ich aufs Fahrrad steigen und fühlte: „Hmmm, lieber nicht – du solltest erstmal keinen Sport machen und kein Fahrrad fahren.“ Am nächsten Tag ging ich zur Ärztin. Dort stellte man fest, dass mein Gebärmutterhals sehr kurz geworden war und ich Vorwehen hatte. Das Frühgeburtsrisiko war hoch. Ich sollte in die Klinik gehen.

In dieser Nacht war ich voller Angst. Ich vereinbarte sofort einen Notfall-Therapietermin. Danach wurde es ruhiger in mir. Ich verstand: Genau wie wir uns gegen pränatale Tests entschieden hatten – weil wir jedes Baby annehmen wollten, so wie es kommt – war es auch hier: Wenn dieses Baby wirklich so früh kommen wollte, würde ich es annehmen.

Wenn das der Seelenplan meines Babys ist, akzeptiere ich es. Ich werde das überstehen, auch wenn wir uns nur kurz in diesem Leben begegnen sollen. Dieses Wissen gab mir Frieden.


Am nächsten Tag hatte sich der Gebärmutterhals verlängert, und ich durfte nach Hause. Ab diesem Tag machte ich täglich deine Hypnosen – manchmal mehrmals täglich. Ich genoss diese Zeit sehr. Ich dachte nicht an die Geburt, sondern nur an Entspannung und Vertrauen.

Bis zur 37. SSW war Ruhe angesagt. Kein Yoga, kein Fahrrad. Aber die Wochen vergingen friedlich. Die Vorsorgen mit meiner Hebamme waren wunderschön. Ich dachte schon, es würde keine Hausgeburt werden, doch meine Hebamme sagte: „Ich glaube nicht, dass dein Baby früher kommt. Wenn ein Baby kommen will, kann man es nicht aufhalten.“

In der 28. SSW war der Gebärmutterhals wieder stabil. Ich spürte, dass mein Körper bereit war für leichtes Yoga. 
In einer weiteren Hypnose-Sitzung visualisierte ich meine Geburt und spürte in einer tief berührenden Weise die Weisheit meiner Gebärmutter – diese Verbindung mit meinem Uterus und der Natur ließ mich vor Glück weinen.

Die Zeit verging schnell, ich erreichte die 37. SSW – und mein Baby blieb brav bei mir. Die Hausgeburt war möglich.
 Ich meditierte täglich, machte Yoga und hörte deine Hypnosen, die mich in eine tiefe Ruhe brachten und gleichzeitig mein Unterbewusstsein vorbereiteten. Ich war so stolz auf mich und habe mich immer wieder gelobt, wie gut ich mich vorbereitet habe und wie konsequent ich geübt habe.

In der 39. SSW fühlte ich mich so fit wie nie. Ich dachte sogar, vielleicht kommt das Baby sehr spät.
 Der ET kam – und mein Baby war immer noch bei mir! 
Bei einer Hypnose schlief ich ein und wachte genau bei dem Satz „Du bist so stark“ auf. Im Halbschlaf antwortete ich: „Ich bin so stark.“

Eine Woche nach ET ging ich zur ärztlichen Kontrolle. Das CTG war gut, nur das Fruchtwasser wirkte reduziert. Die Ärztin wollte einleiten. Ich sagte Nein – ich bespreche das mit meiner Hebamme. Der Chefarzt bestätigte schließlich, dass alles in Ordnung sei. Ich war völlig ruhig.

Mein Körper hatte dieses Baby 42 Wochen perfekt versorgt – warum sollte er plötzlich „versagen“, nur weil ein Datum überschritten war? 
Niemand hätte mich davon überzeugen können, dass ich „zu spät“ dran bin. Ich spürte nur: Siento el poder de la madre en mi. Ich fühlte eine unglaubliche Kraft.

Am 10. Tag nach ET stand Akupunktur zur sanften Einleitung an. Ich war unsicher.
 Ich wollte mein Baby mit bedingungsloser Liebe empfangen – seinem eigenen Zeitplan entsprechend. Vor dem Termin meditierte ich und schrieb intuitiv, um herauszufinden, was richtig ist. Dann schrieb ich meinem Baby einen Brief und verabschiedete mich von der Schwangerschaft. Ich dankte ihm für all die Lehren dieser Zeit.


Dann entschied ich: Ich mache dem Baby ein Akupunktur-Angebot. Mein Baby darf aber auch ablehnen. Es muss nach seiner Zeit gehen. In der Nacht bekam ich starke Rückenschmerzen. Ich dachte, es geht los, hörte die Hypnose für die Eröffnungsphase – doch am Morgen war wieder alles ruhig.

Am nächsten Tag verabschiedete ich mich innerlich von der Idee der Hausgeburt. Ich war traurig, aber gleichzeitig unglaublich stolz auf meinen Weg. An diesem Tag hatte ich Akupunktur und auf dem Weg nach Hause dachte ich: Auch wenn es keine Hausgeburt wird, bin ich stolz auf mich, dass ich alles durchgezogen habe und so viel Lebenslehre gewonnen habe – und dass ich dadurch meine tollen Hebammen kennenlernen durfte. Es hatte sich alles gelohnt, und ich weinte vor Emotion.

Zuhause wartete mein Partner auf mich, und wir gingen spazieren. Die Kreuzbandschmerzen waren leicht wieder da. Als ich ihm erzählte, dass ich in einem anderen Krankenhaus entbinden wollte, diskutierten wir. Er fand, es sei keine gute Idee, so kurzfristig die Klinik zu wechseln, da Krankenhäuser uns ohnehin stressen.

Wieder zuhause, redeten wir nochmals. Er schaute mir in die Augen und sagte: „Was ich mir vor allem wünsche, ist, dass du deine Hausgeburt hast – genauso, wie du sie dir vorgestellt und geträumt hast. Das ist alles, was ich mir wünsche.“


In diesem Moment fühlte ich mich so geliebt. Er hatte sich das wirklich für mich gewünscht und mich die ganze Zeit unterstützt – obwohl er nicht zu 100 % sicher war. Er hatte den Geburtspool aufgebaut, alles vorbereitet, mir Zeit für die Hypnosen gegeben, mit den Hebammen gesprochen, alles für mich mitgetragen. Plötzlich kamen die Rückenschmerzen wieder.
 Wellen. Stark. Regelmäßig. 
Ich bekam Angst. Alte Gedanken. Der Flashback.
 Ich dachte, ich hätte alles falsch gemacht, meine Hebamme würde nicht kommen. Mein Trauma der „Verlassenheit“ meldete sich.


Mein Partner beruhigte mich und rief die Hebamme an. Sie bestätigte: Alles gut. Kein Risiko. 15 Minuten später wusste ich: Ich brauche sie jetzt bei mir.
 Die Wellen kamen alle 5 Minuten.
 Eine halbe Stunde später war meine Hebamme da – kurz vor Mitternacht.
 Muttermund: 4–5 cm.
 Ich konnte es kaum glauben. Ich ging in den Geburtspool – und war sofort in einer ganz eigenen Welt.


Ich sah und hörte nichts mehr um mich herum. Ich war in einem tiefen Trancezustand, kroch, bewegte mich instinktiv. Während der Wehen war ich auf allen Vieren, zwischen den Wellen ruhte ich. Zwischendurch kamen Gedanken von Angst, aber sie zogen einfach weiter. Dreimal hat meine Hebamme die Herztöne kontrolliert, sie sagte, es läuft alles wunderbar. Ich konnte hören, aber nicht antworten, Ich sprach kaum – ich war ganz in meinem Körper.


Ein uralter Instinkt führte mich. Ich tastete einmal selbst und fühlte etwas Weiches.
 Meine Hebamme bestätigte nur, dass alles wunderbar sei.
 Später rief sie die zweite Hebamme – mein Baby war auf dem Weg. Die Intensität stieg plötzlich enorm.
 Eine innere Stimme sagte: Atme ein. Lass los. Atme. Gib dich hin.
 Und genauso tat ich es. Beim Austritt tat mein Körper alles von allein. Keine bewusste Bewegung, keine Anstrengung. Nur Hingabe.


Um 2:22 Uhr wurde der Kopf geboren, um 2:24 Uhr der Körper. 
Ich hatte noch die Schlafmaske und Kopfhörer auf – Die Hypnose von der Eröffnungsphase war noch an. Wir hatten mein Handy nicht gefunden. Am Ende spielte es keine Rolle mehr. Mein Körper wusste, was zu tun ist. Ich nahm die Maske ab – und sah mein Baby, wach, rosig, mit riesigen Augen. 
Ich spürte sofort: Siehst du? Du kannst vertrauen. Es war alles gut.
 Der Kopf wurde sogar noch in der Fruchtblase geboren.

Wir legten uns zu dritt aufs Sofa. Keine Hektik. Kein Getrenntwerden. Nur wir. Dieses Mal waren wir zusammen. 
Ich war neugierig – Mädchen oder Junge? 
Ein wundervolles Mädchen.
 Es passte so sehr zu der weiblichen Kraft, die ich die ganze Schwangerschaft gefühlt hatte. Meine Hebamme sagte später: Schon bei ihrer Ankunft war mein Muttermund fast 5 cm, weich, der Kopf tief im Becken. „Ein Muttermund ist keine Barriere.“


Ich erzählte ihr, wie verbunden ich mich an diesem Tag fühlte, und sie sagte: „Ich bin nur ein Katalysator. Das warst alles du.“ In der ganzen Eröffnungsphase kamen die Wellen maximal alle 4 Minuten – genug Zeit für meine Gebärmutter, sich perfekt zu regulieren. Die Herztöne waren die ganze Zeit wunderschön. 
Niemand sagte mir, was ich tun „sollte“. Niemand tastete unnötig. Ich war einfach da – bewusst, verbunden mit meinem Körper und meinem Baby, liebevoll gehalten von meinem Partner und meiner Hebamme.

Als ich später erfuhr, wie kraftvoll meine Gebärmutter gearbeitet hatte, kamen mir die Tränen. In diesem Moment erinnerte ich mich daran, wie ich in der Hypnose die Weisheit der Natur in meinem Uterus wahrgenommen hatte. Die lebendige Intelligenz von Mutter Natur in mir – sie war spürbar. Sie wirkt in mir. In uns Frauen. Ich verstand auch: Die Intuition, die ich in meiner Hebamme sah, war meine eigene Intuition, die sie mir spiegelte. Da ich sie in mir noch nicht richtig erkennen konnte. Deine Methode hat mir Halt, Sicherheit und Vertrauen gegeben.


Ab der 28. Woche habe ich die Hypnosen morgens, mittags und abends gemacht – manchmal fünfmal am Tag.
 Auch mit dem Flashback zu Beginn der Geburt war alles genau richtig. In den Tagen danach fühlte ich mich kraftvoll und mächtig – aber auch verletzlich. Ich dachte daran, wie viel ich als kleines Mädchen erlebt hatte, und gleichzeitig war ich sehr stolz darauf, welche Frau aus diesem Mädchen geworden ist.

Manchmal müssen wir schwierige Situationen durchleben, um anschließend die andere Seite erleben zu können – um Erfahrungen ganz anderer Art zu machen. Uns dem Liebevollen zu öffnen. Der Schmerz macht uns zu sensiblen Wesen, er schenkt uns Menschlichkeit. Aus diesem Bewusstsein heraus treffen wir Entscheidungen, die einzigartige Erfahrungen formen, die uns Erfahrung und Weisheit schenken. Ich habe das Gefühl, dass wir Frauen noch lernen müssen, unseren Körpern wieder zu vertrauen, uns selbst wieder zu spüren und uns daran zu erinnern, woher wir kommen.

An dir, liebe Kristin, vielen lieben Dank für deine herzliche und wertvolle Arbeit.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
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