Erfahrungsbericht
von M.

Hallo liebes friedliche Geburt Team,

vor genau 8 Wochen ist mein Sohn zur Welt gekommen - und es kam alles anders als gewünscht und geplant. Schon vor meiner Schwangerschaft wusste ich, dass ich mein erstes Kind mit der friedlichen Geburt zuhause zur Welt bringen möchte.

Nach einer frühen Fehlgeburt, war ich unglaublich glücklich, als ich mir den Kurs nach der 12. Schwangerschaftswoche gegönnt habe. Ich habe direkt angefangen, zu üben und die Hypnosen und Atemübungen wurden zu einer täglichen Routine. Schon zu Beginn meiner Schwangerschaft habe ich eine Hausgeburts- und Beleghebamme gefunden und dort auch alle Vorsorgen machen lassen.

Nach einigen Wochen im Kurs hatte ich ein ganz tiefes Vertrauen in mich, meinen Körper und mein Baby. Der ET war der 24.10. doch ich war mir seit Beginn der Schwangerschaft sicher, dass er am 21.10. geboren wird. So machte ich am 19.10. gegen 21 Uhr die Hypnose "Geburtsbeginn mental fördern". Ich stellte mir meinen Muttermund vor, wie er ganz weich wird und redete meinem Sohn zu, dass ich jetzt bereit bin.

Um Mitternacht wurde ich durch ein leichtes Ziehen im Bauch wach, ich ging auf Toilette und sah Zeichnungsblutungen. Mir war direkt klar: Es geht los. Baby K. macht sich auf den Weg. Ich war voller Vorfreude und Aufregung. Im Bett wurde das Ziehen immer intensiver und öfter - doch ich konnte noch was schlafen. Durch meine Endometriose war ich Kontraktionen gewöhnt und gespannt, wie sich "echte" Wellen anfühlen würden.

Gegen 2 Uhr wurde ich wieder wach, musste auf Toilette und bemerkte, dass die Kontraktionen alle 10 Minuten kamen - trotzdem konnte ich noch was dösen. Um 5 Uhr war das dann vorbei, ich wollte die Hypnose auf den Ohren haben und ging leise nach unten, um meinem Mann noch etwas Schlaf zu gönnen. Liegen konnte ich nicht mehr. Auf der Couch fand ich eine gemütliche Position und begann, bei jeder Welle tief in den Bauch zu atmen.

Um 8 Uhr weckte ich meinen Mann, die Wellen kamen jetzt alle 5 Minuten und ich musste mich sehr auf meine Atmung konzentrieren. Ich informierte meine Hebamme und schickte meinen Mann mit unserem Hund Gassi, nachdem er mich gut versorgt hatte.

Gegen 10 Uhr ging ich in die Wanne und hörte die Hypnose. Ich war voller Vorfreude auf meinen Sohn. Um 13 Uhr kam meine Hebamme, die Wellen kamen alle 3 Minuten und ich surfte gut auf ihnen - und das, obwohl ich mich übergeben musste (das mag ich gar nicht und hat mich tatsächlich zunächst rausgebracht).

Als ich aus der Wanne stieg und mich weiter den Wellen hingab, gab es einen Moment, der ganz klar in meiner Erinnerung ist. Ich tauchte aus der Hypnose auf und sagte: Irgendwas stimmt nicht. Und von da an hatte ich Schmerzen - ich tönte laut und mit meiner Hebamme versuchte ich herauszufinden, was gerade passiert war.

Nach weiteren zwei Stunden war klar: Mein Sohn rutschte statt tiefer ins Becken, immer weiter nach oben. Mir war klar, dass ich jetzt ins Krankenhaus muss - und: das es wohl auf einen Kaiserschnitt hinauslaufen würde. Dennoch war mir klar, dass ich auf jeden Fall in die Klinik wollte, wo meine Hebamme Beleghebamme war - also fuhren wir mit Wellen alle 1-2 Minuten eine Stunde zur Klinik.

Da ich panische Angst vor Nadeln und Krankenhäusern habe, war die Entscheidung schwer, aber ich hatte ein so starkes Bauchgefühl, dass ich jetzt meine Angst überwinden und dorthin muss, damit uns geholfen wird.

In der Klinik angekommen, wurde mir direkt ein Zugang gelegt und CTG geschrieben. Die Wellen taten mittlerweile richtig weh, weil ich merkte, dass sie nichts bringen. Meinem Sohn ging es aber die ganze Zeit super. Nach einem Ultraschall war klar: Irgendwas blockiert meinen Sohn, er kommt nicht tiefer - ich entschied, dass ich jetzt einen Kaiserschnitt brauche.

Im OP war ich sehr schnell und mein Sohn kam eine Stunde nach Ankunft in der Klinik zur Welt. Und dann war klar, warum die Geburt so verlief: Die Nabelschnur war nur 20-30 cm lang und hatte sich beim nach unten ins Becken rutschen, um den Oberkörper meines Sohns gewickelt, sodass er wie an einem Bungee-Seil immer wieder nach oben ging - statt tiefer ins Becken.

Die Oberärztin erklärte mir nach der OP, dass es wohl in einem Notkaiserschnitt geendet hätte, hätten wir nicht auf mein Bauchgefühl gehört. Ab der Fahrt ins Krankenhaus war die Hypnose aus - ich merkte, dass ich mich nicht mehr hingeben konnte, weil ich merkte, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Aber die Stunden bis dahin habe ich total entspannt und in mich ruhend verbracht.

Danke für die Entspannungsmomente in der Schwangerschaft und für die Verbindung mit meiner Intuition unter der Geburt. Zwar war der Klinikaufenthalt für mich die Hölle, aber zu wissen, dass ich entschieden habe und gemerkt habe, das etwas nicht stimmt - hat wohl dafür gesorgt, dass ich keinen Groll auf die Geburt habe, sondern sie annehmen kann.

VideoberichteMehr Videoberichte
Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina