Erfahrungsbericht
von Marlen K.
Lange und schmerzhafte Geburt im Geburtshaus
Unsere Geburt verlief irgendwie ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Und trotzdem war sie wunderschön und meine Traumgeburt! Ich habe schon früh angefangen, mich mit den Hypnosen vorzubereiten und habe da schon gemerkt, dass es mir doch recht schwer fällt, in Hypnose zu kommen. Aber ich dachte mir, ich übe weiter und wenn es soweit ist, wird es schon funktionieren. Naja so ganz hat das glaube ich doch nicht geklappt...
Am 8.1.25 spürte ich gegen 5:30 Uhr, dass die Wellen intensiver wurden (ich hatte bereits in dieser und den vorherigen Nächten öfter Senkwehen gehabt). Doch jetzt wurde es regelmäßiger! Gegen 6:30 Uhr habe ich beschlossen, aufzustehen, etwas zu frühstücken und dann den Wannentest zu machen.
Als ich um ca 9:30 Uhr in den Wanne lag, wurden die Wellen unregelmäßiger. Die Aufregung steigt, dann werden wir wohl heute irgendwann ins Geburtshaus fahren. Ich sage meinen Mann Bescheid, dass er sich schonmal darauf einstellen kann. Der Tag verging weiterhin mit regelmäßigen Wellen. Ich versuche mich, so gut es geht, zu entspannen und höre die Hypnose.
Nach etwa 10 Stunden merke ich immer mehr, wie mein Körper arbeitet. Müdigkeit, Rückenschmerzen und leichte Übelkeit machen sich bemerkbar. Auch wenn es noch nicht soweit ist, rufe ich im Geburtshaus an und spreche kurz mit der H., der diensthabenden Hebamme, dass sie ebenfalls informiert ist.
Mittlerweile kann ich nicht mehr liegen und veratme die Wellen auf dem Petziball und stütze mich dabei auf der Sofalehne ab. Ich höre immer noch die Hypnose, aber habe nicht das Gefühl, dass ich in Hypnose bin. Trotzdem sind die Wellen gut auszuhalten und die Hypnose gibt mir dennoch Kraft.
Gegen 23:40 Uhr, als ich ein weiteres Mal in der Wanne war, werden die Wellen nun so regelmäßig, dass sie alle 4 Minuten kommen. Mittlerweile muss ich diese auch deutlich mehr verarmten und fühle mich zuhause nicht mehr wohl. Wir haben ca. 45-50 Min. Fahrweg zum Geburtshaus. Daher rufe ich H. an und sage Bescheid, dass wir in der nächsten Stunde da sind. Ich gehe meinen Mann wecken, der sich um 23 Uhr erst hingelegt hat...
Um 0:40 Uhr kommen wir im Geburtshaus an. Das Zimmer ist schwach beleuchtet und sieht sehr gemütlich aus. H. nimmt uns in Empfang und sagt uns als erstes, dass wir nun alles komplett ihr überlassen und uns entspannen können. Sie lässt uns in Ruhe ankommen und zieht sich erstmal zurück. Ich bin froh, dass die Fahrt und der Ortswechsel nicht dazu geführt haben, dass die Wellen aufhören oder weniger werden. Ich nehme wieder auf dem Petziball platz und stütze mich auf den Sessel ab. Es wird immer anstrengender und ich werde immer müder.
Gegen 2.50 Uhr versuche ich nochmal, mich im Bett (im Liegen) auszuruhen. In diesem Moment "erwischt" mich eine Welle so stark, dass ich sie kaum veratmen kann. H. kommt einmal in der Stunde, um nach uns und den Herztönen zu sehen.
Um 4:10 Uhr werden die Wellen so stark, dass ich keine gute Position mehr finde und Angst habe, wenn es noch länger dauert (Spoiler es WIRD noch länger dauern!), keine Kraft mehr haben werde. H. schlägt vor, in die Wanne zu gehen, was eine absolute Erleichterung war. Sofort werden die Wellen weniger schmerzhaft und ich kann mich wieder entspannen.
Um ca. 6:00 Uhr wird es wieder intensiver und ich töne mittlerweile, um die Schmerzen zu kanalisieren und habe einen Geburtskamm als zusätzliche Hilfe. Ich bin nun seit über 24 Std. in den Wehen! Dass es so lange dauern würde. hatte ich nicht erwartet. In der Zwischenzeit habe ich nun doch den Muttermund abtasten lassen, weil ich langsam ungeduldig werde, mir aber keine Zahl nennen lasse. Dass H. sagt, es geht voran, reicht mir!
Mein Mann und H. motivieren mich immer wieder zwischen den Wellen und sagen mir, wie gut ich das mache. Auch wenn ich nach wie vor nicht den Eindruck habe, dass ich in Hypnose bin, hilft mir die vertraute Stimme. Und oft kam auch von Kristin über die Hypnose genau im richtigen Moment der Part, wo sie nochmal motiviert und Mut gibt, dass alles gut ist, so wie es ist.
Um 7:25 Uhr gehe ich auf Toilette, wo sich der Schleimpfropf löst. Ich freue mich, weil es ein Zeichen ist, dass es voran geht. Da an Land die Wellen wieder stärker werden, gehe ich zurück in die Wanne, wo ca. 1 Std später plötzlich ein Schwall Wasser zwischen meinen Beinen zu spüren ist. Die Fruchtblase ist geplatzt.
Danach werden die Schmerzen nochmal intensiver und der Druck im Kreuzbein stärker. Berührungen von anderen kann ich nicht "ertragen", daher töne ich lauter und versuche, mit dem Schmerz mit zugehen. Trotzdem wird es immer schwerer und ich frage H., ob sie nochmal nach dem Muttermund sehen kann. Obwohl ich weiß, dass es eigentlich nichts zu bedeuten hat. Sie sagt, dass nur noch ein letztes Stückchen fehlt (ich vermute also, dass es ca 8-9 cm sein werden).
Das gibt mir neue Kraft, auch wenn die Schmerzen so stark sind, dass ich kurz über eine Verlegung nachdenke. Aber die Vorstellung, was dann möglicherweise an Interventionen kommt, stoppt den Gedanken direkt wieder.
Nach ca. einer Stunde gehe ich nochmal auf Toilette und endlich kommt plötzlich der Impuls, bei einer weiteren Welle mit zuschieben. Es ist plötzlich ein komplett anderes Gefühl, es fühlt sich kraftvoll und gut an, endlich mitschrieben zu können! Nach ca. 30 min, die ich wie auf einem Gebärhocker auf der Toilette mit geschoben habe, möchte ich wieder in die Wanne.
Ich hatte schon längst das Gefühl, dass der Kopf nun endlich zu spüren sein müsste und nach ein paar weiteren Wellen fühle ich nochmal. Dieses weiche Gefühl von dem kleinen Köpfchen werde ich nie vergessen, als er endlich da ist. Ich muss kurz schmunzeln, als ich die vielen weichen Haare am Köpfchen von meinem Sohn fühle. Die Vorfreude steigt immer mehr!
Um 10:42 und nach über 27 Stunden ist es endlich geschafft! Mit einer letzen Welle kommt der Körper von meinem Sohn und ich bin, so wie ich es mir gewünscht hatte, die erste, die ihn aus dem Wasser holt und auf meine Brust legt. H. wickelt noch die Nabelschnur ab, die sich wie zwei Hosenträger um ihn gewickelt haben. Ich schaue erst meinen kleinen Sohn an und dann zu meinem Mann, der sich vor Erleichterung ein paar Tränen aus den Augen wischt.
Auch wenn es eine lange Geburt war (was nichts schlechtes sein muss, da sich dafür das Gewebe langsam dehnen kann und ich daher auch keine Verletzungen hatte) und ich anfangs etwas "enttäuscht" von mir war, dass ich das Gefühl hatte, nicht wirklich in die Hypnose gekommen zu sein, bin ich sehr Stolz auf mich und meine Geburt.
Denn es war trotzdem meine Traumgeburt, da ich wie ich es mir gewünscht habe, ohne Interventionen und OHNE ZEITDRUCK meine Geburt erleben durfte. Ich würde es immer wieder so machen und weiß, dass mir die Hypnosen trotzdem geholfen haben. Ich habe mich Dank der Hypnosen einfach immer wieder auf die nächste Welle konzentriert und versucht, dazwischen zu entspannen.

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