Erfahrungsbericht
von Melina
Ich habe meinen Sohn in einem Krankenhaus in Schweden geboren. Die Geburt hat insgesamt 46 Stunden gedauert, daher ist dieser Bericht etwas länger geworden :)
2 Tage vor dem errechneten Termin begann ich gegen 22 Uhr, leichte Kontraktionen zu spüren, die sich anders anfühlten als die, die ich in den letzten Wochen schon gespürt hatte. Ich sagte meinem Partner Bescheid und wir beschlossen, direkt ins Bett zu gehen, um noch so viel Kraft wie möglich zu sammeln.
In der Nacht wurde ich mehrmals wach, jedes Mal mit dem starken Gefühl, aufs Klo gehen zu müssen. Irgendwann mitten in der Nacht wurde ich dann auf dem Klo sitzend komplett von einer Welle überrollt, sodass mich mein Partner nach einer Weile zitternd und weinend vom Badezimmerteppich aufkratzte.
Das war für mich der Zeitpunkt, an dem mir klar wurde, dass ich hier meine Strategie verändern muss und bin bei den darauffolgenden Wellen nicht direkt aufs Klo gegangen, sondern habe mich stattdessen auf die Atemtechnik konzentriert – siehe da, die folgenden Wellen ließen sich schmerzfrei veratmen. Im Verlauf der Nacht wurde ich anschließend einige Male von Kontraktionen geweckt, konnte diese aber gut veratmen.
Gegen 7 Uhr am nächsten Morgen wurden die Wellen dann regelmäßiger, etwa alle 10-15 min. Ich blieb zunächst im Bett, entschloss mich im Endeffekt dann aber doch dazu aufzustehen. Im Verlauf des Tages wurden die Kontraktionen mehrmals stärker, jedoch nie kürzer als 5 min. Mit jedem Mal, das die Kontraktionen stärker wurden, hatte ich das Gefühl, die Atemtechnik besser zu verstehen, sodass ich das Gefühl hatte, dass mir mein Körper Zeit gibt, mich in den Prozess reinzufinden.
Als ich gegen 22 Uhr ins Bett gehen wollte, kamen die Wellen regelmäßig alle 5 min. Da mir klar war, dass ich so nicht schlafen können würde, ließen wir mir noch ein Bad ein und ich konnte mich dort noch eine Weile entspannen.
Gegen Mitternacht versuchte ich dann, nochmal eine Weile zu schlafen, konnte das aber aufgrund der Regelmäßigkeit der Wellen nicht mehr. Um 1 Uhr verließ mich dann die Kraft und ich war zu müde, um mich auf die Intensität der Wellen einlassen zu können. Zu diesem Zeitpunkt erlebte ich sie wieder als schmerzhaft, und wir entschlossen uns, ins Krankenhaus zu fahren.
Im Krankenhaus wurden wir von einer extrem lieben Hebamme empfangen, die ein CTG schreiben ließ und mich untersuchte. Ich hatte eigentlich vermutet, dass der Muttermund noch kaum geöffnet sein kann, da ich ja noch nicht wirklich schmerzhafte Wellen hatte, aber ich war tatsächlich schon bei 5 cm.
Da ich aber zu diesem Zeitpunkt dann doch übermüdet war und nochmal Kräfte für den Rest der Geburt sammeln wollte, entschied ich mich dazu, eine „Schlafdosis“ zu nehmen, also eine Spritze mit Morphium, mit dem Ziel, dass die Wehen für ein paar Stunden aufhören und ich schlafen kann. Die Hebamme buchte uns dann ein Zimmer im Patientenhotel des Krankenhauses, sodass wir nicht mehr nach Hause fahren mussten, aber trotzdem für uns sein konnten.
Gegen 3 Uhr konnte ich mich dann endlich ins Bett legen und etwas lang ersehnten Schlaf bekommen. Kurz nach 5 Uhr wachte ich dann das erste Mal wieder von Unterleibsschmerzen auf. Ich denke, es muss sich dabei auch um Wehen gehandelt haben, allerdings war das Gefühl ganz anders als vorher, irgendwie stechend und nicht gut auszuhalten.
Da ich bei den Hypnosen zum Üben auch immer eingeschlafen bin, machte ich mir nun die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“ an und schlief wie immer dabei ein. Mit Hilfe der Hypnosen konnte ich dann tatsächlich noch bis zum Frühstück weiterschlafen und auch als die Wellen anschließend wieder an Fahrt aufnahmen, zwischendurch immer wieder eindösen.
Gegen 13 Uhr hatten die Wellen dann wieder ungefähr die gleiche Intensität als am Vorabend, als wir in die Klinik gefahren sind. Mit dem Unterschied dass sie in ausgeschlafenem Zustand sehr gut zu veratmen waren. In den kommenden Stunden stieg die Intensität stetig an und ich hatte das Gefühl, mich mehr und mehr einzuschwingen und zu verstehen, wie genau ich atmen muss, damit die Welle schmerzfrei bleibt.
Ich bin mir sicher, dieses Körpergefühl hätte ich ohne die friedliche Geburt nicht erleben dürfen- diese Kräfte, die in meinem Körper wirken zu spüren und aber gleichzeitig keine Schmerzen, nur das Gefühl, dass ich einfach alles schaffen kann. Man könnte mich zu diesem Zeitpunkt vermutlich als euphorisch beschreiben.
Gegen 16 Uhr hatte ich das Gefühl, dass sich irgendetwas verändert, daher liefen wir wieder zum Kreißsaal, um nochmal eine Untersuchung machen zu lassen. 6 cm. Ich lachte kurz über die Absurdität des Ganzen, wie ich stundenlang gearbeitet hatte und scheinbar nichts passiert ist. Die Hebamme meinte dann zu mir (auf Schwedisch), dass sie jetzt ein „svepning“ machen würde, was mir recht war, auch wenn ich nicht wusste was das bedeutet. Später habe ich erfahren, dass sie eine Eipollösung vorgenommen hat.
Sie fragte mich dann, ob ich nochmal in die Badewanne möchte, was ich bejahte – aber ich wollte vorher unbedingt noch das Abendessen im Patientenhotel mitnehmen. Ich schickte also meinen Partner los, um mir einen Rollstuhl zu holen, denn die Wellen hatten schlagartig an Fahrt aufgenommen und kamen nun im Abstand von 1-3 Minuten. Wir rannten/ rollten also zum Restaurant, aßen so schnell es ging und dann wollte ich nur noch in die rettende Badewanne. Ich hatte immernoch keine Schmerzen, die Intensität der Wellen war allerdings kräftezehrend.
Um 18 Uhr war ich dann in der Badewanne, wo sich alles wieder machbarer anfühlte. Die Wellen flachten ab und mir gelang es tatsächlich, nochmal einzuschlafen. Eine kleine Oase der Ruhe bevor ich dann irgendwann zwischen 19 und 20 Uhr plötzlich von einem Pressdrang geweckt wurde. Ich sollte also wieder zurück in den Kreißsaal.
Als ich in der Badewanne aufstand, platzte plötzlich meine Fruchtblase und ab da ging gar nichts mehr. Ich wurde also im Rollstuhl zum Kreißsaal bugsiert, untersucht und… war bei 8 cm. In dieser Phase wurde ich dann von den Wellen überrollt. Ich wusste nicht, was ich machen sollte - würde ich etwas „kaputtmachen“, wenn ich mit meinem Körper mitgehen würde und presse, wenn ich erst 8 cm offen bin? Auf meine Frage, ob ich pressen dürfe, antwortete die Hebamme nicht.
Mir fehlte für diese neue Art der Welle die richtige Technik und daher schrie ich etwa eine Stunde lang wie am Spieß. Im Nachhinein war das Schreien allerdings kein Ausdruck von Schmerz, sondern Ausdruck dieser gewaltigen Kraft, die sich da in mir befand. Ich bin überzeugt davon, dass ich diese Phase nur deshalb als so extrem herausfordernd wahrgenommen habe, weil ich versucht habe, gegen meinen Körper anzukämpfen, anstatt ihm zu vertrauen.
An dieser Stelle hätte ich mir im Nachhinein gewünscht, mich auch auf diese Eventualität vorbereitet zu haben und zu wissen, wie man sich in einer solchen Situation verhält. Denn zu versuchen, gegen den eigenen Körper zu arbeiten, hat einfach wirklich nicht funktioniert.
Als ich schließlich nach einer PDA fragte, da ich das Gefühl nicht mehr aushalten (ihm nichts mehr entgegensetzen?) konnte, setzten ungefähr gleichzeitig die richtigen Presswehen ein. Ab dort hatte ich dann eine weitere erfahrene Hebamme an meiner Seite, die mich anleitete, wie genau ich pressen sollte.
Ab diesem Zeitpunkt fand ich wieder zurück in den hypnotischen Trancezustand und konnte auf mein Körpergefühl vertrauen. Sie gab mir Hilfestellung und korrigierte meine „Presstechnik“, sodass ich im Endeffekt einfach zu konzentriert war, um Schmerzen wahrnehmen zu können.
Um 20:37 kam mein Sohn dann mit einer Welle aus mir „herausgeschossen“ (Worte meines Partners). Ich ließ ihn mir auf die Brust legen und wir bekamen ein bisschen Zeit für uns. Nach einer Weile meinte die Hebamme, ich solle versuchen, zu pressen, damit die Plazenta eventuell schon kommt. Vor diesem Teil der Geburt hatte ich vorher eigentlich am meisten Angst gehabt, einfach weil darüber irgendwie häufig nicht gesprochen wird. Tatsächlich kam die Plazenta aber einfach rausgeflutscht, ein Gefühl was ich sogar als angenehm empfand.
Anschließend bekamen wir neben der Wundversorgung, Hilfe beim ersten Stillen und belegten Brötchen viel Zeit für uns und durften so lange im Kreißsaal bleiben, wie wir wollten.
Wenn ich auf die Geburt zurückblicke, bin ich froh, den Kurs „die friedliche Geburt“ gemacht zu haben, da ich davon überzeugt bin, dass sie es mir ermöglicht hat, die Geburt als positiv und schmerzarm zu erleben.
Ich habe während der Geburt selbst die Hypnosen zwar nur als Einschlafhilfe zum Kräfte sammeln genutzt, befand mich aber trotzdem den Großteil der Zeit im hypnotischen Trancezustand. Ich hätte nicht erwartet, dass es mir so leicht fallen würde, während den Wellen so tief abzutauchen und in den Pausen trotzdem so „da“ zu sein.
Tatsächlich freue ich mich nun sogar auf die nächste Geburt, danke Kristin!

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