Erfahrungsbericht
von Mirjam S.
Liebe Kristin und Team,
der Bericht zur Geburt unseres Sohnes ist etwas ausführlich geraten, aber vielleicht ermutigt er die eine oder andere, die wie ich auch große Angst hat(te). Mit der mentalen Geburtsvorbereitung konnte ich eine total bestärkende Geburt erleben und danke dir und euch mehr als herzlich!
Seit ich denken kann, löste der Gedanke an Geburt und Schwangerschaft bei mir eine große Panik aus. Mein tiefer Glaubenssatz: Schmerz und Geschrei, eine Geburt MUSS furchtbar sein. Gleichzeitig hatte ich schon immer einen großen Kinderwunsch – ein Zwiespalt. Nach der Geburt meiner Nichte öffnete ich mich dem Thema gedanklich nach und nach und irgendwann kam ich an den Punkt, dass ich mir zumindest vorstellen konnte, eine Schwangerschaft und Geburt über mich ergehen zu lassen, schließlich gibt es ja ein Ziel.
Ziemlich schnell wurde ich schwanger. Nach einem ersten Schock trotz Planung passierte: nichts. Ich brach nicht in Panik aus. Das überraschte und ermutigte mich für den weiteren Weg. Zum Glück fanden wir schnell eine sympathische, junge Hebamme, die sich meinen Ängsten annahm, ohne sie kleinzureden. Bei ihr machte ich auch alle Vorsorgeuntersuchungen.
Ein großes Glück, denn durch die Zeit, die sie sich nehmen konnte, und die sanften Untersuchungen, konnte ich mich gedanklich richtig gut an die körperlichen Veränderungen heranwagen, fühlte mich gut aufgehoben und verstanden. Im Gegenteil, anders als erwartet fand ich schwanger sein sogar schön!
Ermutigt von der guten Betreuung fand ich bei einer Internetrecherche zu mentalen Geburtsvorbereitungen auch Die Friedliche Geburt. Bereits in der 20. Woche etwa kaufte ich den Kurs und machte mich langsam an die Videos. Ich bin eine sehr gewissenhafte Person, die so viel wie möglich dafür tun wollte, sich auf die Geburt vorzubereiten. Dass ich mit der Friedlichen Geburt selbst jeden Tag meine Vorbereitung aktiv in die Hand nehmen konnte, kam mir sehr entgegen.
Bald schon übte ich alle paar Tage die Hypnosen und genoss die Auszeit und meine Übungsroutine. Durch die gedankliche Auseinandersetzung mit Geburt veränderte sich langsam mein Blick: Früher konnte ich mir nur vorstellen, in einer Klinik mit der Möglichkeit zur Schmerzlinderung zu gebären oder mich gleich für einen geplanten Kaiserschnitt zu entscheiden.
Zu den Info-Abenden der Kliniken ging ich deshalb schon sehr früh, doch gut fühlte sich kein Ort an. Erst auf Anraten meiner Hebamme sah ich mir auch das örtliche Geburtshaus an, eigentlich eher, um es final auszuschließen. In meiner Vorstellung passte es nicht zusammen, dass ich eine Person sein könnte, die sich eine außerklinische Geburt zutraut.
Beim Info-Besuch dort stellte ich plötzlich fest, dass etwas tief in mir berührt wurde. Nach und nach gestand ich mir ein, dass meine zuerst geglaubten Bedürfnisse ganz andere waren. Statt vermeintlicher Absicherung wollte ich einen vertrauten Rahmen, wollte wissen, wer mich begleiten wird auf der Geburtsreise, und währenddessen nicht allein sein. All das fand ich im Geburtshaus und so war bald klar, dass das der Ort sein würde, den ich nie für möglich gehalten hätte.
Inzwischen hatte sich mein Blick auch durch die Auseinandersetzung durch Kristins Kurs total geändert. Ich konnte mir inzwischen vorstellen, dass Geburt nicht das schlimmste und schmerzhafteste Erlebnis meines Lebens sein muss, sondern dass sie die Möglichkeit bietet, über sich selbst hinauszuwachsen. Zunehmend fühlte ich mich selbstbewusster. Durch die Hypnosen und die Atmung etwas in der Hand zu haben, das mich mit den Wellen würde umgehen lassen, gab mir Mut und Selbstvertrauen.
Meine lebenslange Angst wich einer Freude über meinen sich verändernden Körper. Selten hatte ich so ein gutes Körpergefühl, ich liebte alles an der Schwangerschaft. So hatte ich zwar gegen Ende der Schwangerschaft noch einzelne Momente der ängstlichen Unruhe in Bezug auf das Unwissen, wie eine Geburt sein wird, aber sie überrollte mich nie vollständig und ich konnte damit umgehen.
Unser Sohn ließ sich noch etwas Zeit. Sechs Tage nach ET hatte ich am Abend die Vermutung, einen Blasensprung gehabt zu haben, war mir jedoch nicht sicher. Etwas aufgeregt hörte ich am Abend noch „Geburtsbeginn mental fördern“ an. Am nächsten Tag ließ ich es im Geburtshaus abklären. Es war wohl kein Blasensprung, aber ich spürte leichte Kontraktionen. Übungswellen? Im Laufe des Tages stellte sich allerdings eine Regelmäßigkeit ein und die Wellen kamen etwa alle 20 Minuten. Ich hörte einzelne Hypnosen, war mir aber unsicher, ob es schon wirklich losging.
Am späten Abend dann lagen die Wellen schon etwa bei allen fünf Minuten. An irgendeinem Punkt beschloss ich, in die Hypnose zur Eröffnungsphase reinzuhören und es fühlte sich gut an. Die Wellen pendelten sich in dieser Frequenz ein und so verbrachte ich die ganze Nacht damit, zu veratmen und die Hypnose im Loop zu hören.
An meinem sicheren Ort zu bleiben, fiel mir eher schwer, die Atmung und die Visualisierung taten aber sehr gut, so hatte ich immer die Oberhand. Am frühen Morgen weckte ich meinen Mann, um im Geburtshaus anzurufen, da ich nicht mehr richtig wusste, wo ich im Prozess stand. Beim Aufbruch aus dem Haus war ich etwas abgelenkt, da ich gerne alles selbst organisieren wollte und es hektisch wurde, und die Schmerzen dadurch stärker, aber zu keinem Zeitpunkt stoppte ich die Aufnahme.
Im Geburtshaus angekommen, konnten wir uns erst einmal in Ruhe einrichten. Ich freute mich über die herzliche Begrüßung, fühlte mich gut aufgehoben, war aber trotzdem etwas enttäuscht, dass der Muttermund erst 1-2 cm geöffnet war. Trotzdem motivierte ich mich von Welle zu Welle und probierte viel aus. Leider war für mich keine Position angenehm, nur auf die eigenen Knie gestützt konnte ich die Wellen gut verarbeiten. Auch die Wanne half nicht.
Nach weiteren Stunden kamen die Wellen in unregelmäßigen, teils sehr kurzen Abständen, weswegen ich den Hebammen Bescheid sagte, dass ich damit gerade nicht gut umgehen konnte. Eine vaginale Untersuchung später ergab, dass das Baby sich nicht optimal ins Becken eingefunden hatte, sondern auf die Symphyse geschoben wurde, was auch erklären würde, warum alle Positionen so unangenehm waren.
Auch die tiefe Bauchatmung funktionierte nicht mehr so gut, sie war aber trotzdem noch mein Anker in jeder Welle. Die Visualisierungen habe ich zu dem Zeitpunkt nur noch hinbekommen, wenn sie zeitgleich in der Audioaufnahme vorkamen. Einige versuchte Positionen, damit der Kopf des Babys vielleicht etwas zurechtrutschen konnte, zeigten keine Wirkung, weswegen ich nach bis dahin rund 30 Stunden Wellenarbeit den Hebammen zustimmte, die Geburt ins Klinikum zu verlegen. Mithilfe einer PDA brauchte ich Pause.
Beim Zusammenpacken und der Fahrt ins Klinikum hörte ich die Aufnahme nur ganz leise im Hintergrund, da ich doch resigniert und nervös war und mich nur noch auf den Weg ins Klinikum konzentrieren konnte. Dort angekommen, nahm ich die Kopfhörer ganz ab. Ich wollte vor allem endlich eine Pause von den Wellen haben, wenn es schon zu Komplikationen kam. Als die PDA saß, konnte ich mich mit der neuen Situation auseinandersetzen.
Zu diesem Zeitpunkt war ich gedanklich weit weg von der Friedlichen Geburt und Hypnose. Die Hebamme, die mir das weitere Vorgehen erklärte, war freundlich, aber reserviert. In Anbetracht der Zeit, die schon vergangen war, sollte die Fruchtblase eröffnet werden. Ich hatte etwas Angst vor Interventionen von außen, stimmte aber zu. Dies war scheinbar eine gute Entscheidung. Die eröffnete Fruchtblase brachte das Baby final in die richtige Position.
Es stand noch ein Schichtwechsel an und uns begrüßten eine motivierte Studentin und eine tolle Hebamme, die viel Sicherheit und Kraft ausstrahlte. Ich vertraute ihr sofort. Als sie mir dann sagte, der Muttermund sei vollständig offen, wir würden die PDA und den Wehentropf nun auslaufen lassen können, war ich wieder motiviert und bat meinen Mann doch nochmal, mir die Kopfhörer zu reichen und die Audioaufnahme wieder zu starten. Das half für den Übergang, denn die Wellen kamen schnell und intensiv zurück und ich war plötzlich voll in der Austrittsphase.
Die Kopfhörer riss ich mir hier vom Kopf und konzentrierte mich nur noch auf die Intensität und den Kontakt mit den Hebammen und meinem Mann. Ich sollte mehrere Positionen ausprobieren. Diese Phase war unglaublich herausfordernd und ich zweifelte immer wieder an mir. Gleichzeitig war diese Körperkraft unglaublich zu spüren. Letztendlich ging es am Ende in der tiefen Hocke schnell. Das Gefühl, das Baby durchs Becken zu schieben, war unglaublich und so gebar ich doch noch spontan meinen Sohn.
Insgesamt war ich während der Geburt zwar viel in meinem Kopf unterwegs, hatte aber so oft wie möglich die Augen geschlossen, um, wie im Kurs geübt, ganz bei mir zu sein. Die Audioaufnahme war ein großes Glück für mich, insgesamt hatte ich diese in der Latenzphase 20 Stunden ohne Unterbrechung gehört. Sie ist zu meinem Mantra geworden. Die wohlbekannte Melodie und Stimme haben viel zu meiner Beruhigung beigetragen.
Durch die positive Auseinandersetzung mit der Friedlichen Geburt verspüre ich zwar etwas Wehmut über die Verlegung, sehe vor allem aber meine Leistung, die unterschiedlichen Situationen aus Geburtshaus UND Klinikum gemeistert zu haben. Wenn ich mich nun manchmal kraftlos und überfordert fühle, dann denke ich vor allem an den Moment, in dem ich nach langer Wellenarbeit mein Baby aus eigener Kraft auf die Welt geschoben habe. Eine Tatsache, die vor ein paar Monaten noch undenkbar schien.
Die Geburt meines Kindes gehört mit zu den besten Erfahrungen meines Lebens, in denen ich mir selbst meine Kraft bewiesen habe, und das will und werde ich in die Welt hinaustragen, um das Bild von Geburt hoffentlich mit zu verändern.

)
)
)