Erfahrungsbericht
von Nadine
Sonntag – ET + 9 – 9 Uhr – CTG Kontrolle Geburtsklinik
Da ich schon seit einigen Wochen deutliche Vorwehen hatte, ging ich stark davon aus, in dieser Schwangerschaft nicht über den errechneten Termin hinaus zu gehen. Turns Out: Ich war an ET+9, sonntags, zur CTG Kontrolle in meiner Geburtsklinik... Ich wollte gerne vorab wissen, wie der weitere Plan (Einleitung?!) ab ET+10 wäre.
Aber kaum war ich an das CTG angeschlossen, bemerkte ich sehr leichte, regelmäßige Wehen im Abstand von 3-4 Minuten. Na wenn das kein Zeichen war, dass ich mich an dem für mich richtigen Geburtsort befand! Die Hebamme beendete das CTG mit den Worten: „Na, du bist hier diejenige mit den meisten Wehen! Wäre ja gelacht, wenn wir da noch eine Einleitung bräuchten!“ Ich bekam eine Eipol-Lösung, welche ich als ziemlich schmerzhaft empfand, und einen Nelkenöl-Tampon.
Zuhause
Den Vormittag verbrachten mein Mann und ich entspannt kuschelnd im Bett. Unser zweijähriger Sohn war den Vormittag bei den Großeltern. Ich hatte den ganzen Tag über regelmäßige Kontraktionen (alle 3-5 Minuten), allerdings sehr kurz (30 Sekunden) und sehr leicht. Wir hatten einen schönen Nachmittag, ich konnte essen, ruhen und ein wenig mit meinem Sohn spielen.
Ab 18 Uhr wurden die Kontraktionen stärker und ich musste mich ab dem Zeitpunkt während der Wehen konzentrieren. Als mein Mann unseren Sohn ins Bett brachte, beschloss ich, mich nun ganz auf die Wehen einzulassen. Wir warnten die Oma vor, dass es vermutlich in der Nacht losgehen wird. Ich zündete meine Geburtskerze an und verbrachte den Abend auf der Couch und in der Badewanne.
21 Uhr
Die Wehen wurden kräftiger und länger. Ich startete die „Meditation zur Eröffnungsphase“ und begann, die Wehen über die Bauchatmung zu veratmen. Ich schlug meinem Mann vor, nochmal ins Bett zu gehen, aber er wollte bleiben. Ich wartete darauf, dass entweder die Fruchtblase platzt oder mein Körper automatisch anfängt zu tönen – das wäre mein mir bekanntes Signal gewesen, dass die Geburt „richtig“ startet und wir in die Geburtsklinik fahren sollten. Ab diesem Zeitpunkt verlief meine erste Geburt schnell.
23 Uhr
Die Wehen wurden stetig intensiver. Uns wurde bewusst, dass die Geburt definitiv diese Nacht stattfinden wird und wir in nächster Zeit in die Geburtsklinik fahren werden. Mein Mann rief die Oma an und bat sie, einfach schon mal vorbei zu kommen. Genau während des Telefonats sprang meine Fruchtblase im Wasser – ich habe es gehört, gespürt und „Blubberblasen“ im Wasser bemerkt. Das empfand ich gleichzeitig witzig und aufregend, denn ich wusste von meiner ersten Geburt, jetzt geht’s richtig los!
Ich rief meinen Mann und sagte ihm, dass Oma direkt los fahren soll. Wie erwartet wurden die Wehen sofort intensiver, mein Körper übernahm automatisch die Atmung und begann zu tönen. Ich hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, los zu fahren. Mein Mann half mir, mich anzuziehen und wir fuhren sofort los, sobald die Oma da war. Die Fahrt war erstaunlich gut auszuhalten, indem ich die Wehen auf das Wort „aaaatmen“ veratmete.
00 Uhr – Ankunft im Kreißsaal
Hebamme V. begrüßt mich. Ich war happy, ich kannte sie schon vom Vorgespräch zum Hebammen-geleiteten Kreißsaal und sie war mir sehr sympathisch. Es ging in den Kreißsaal mit der großen Gebärwanne, welche direkt eingelassen wurde. Ich veratmete ein paar Wellen in den Armen meines Mannes, was erstaunlich gut ging – dann ging ich in die Wanne.
Die Badewanne war bei meinem ersten Kind der absolute Gamechanger, daher wollte ich unbedingt wieder in die Wanne. Beide Hebammen schauen ein paar Minuten zu und fragten dann, ob sie mich untersuchen sollen – die Wehen klangen für die beiden so, als wäre ich schon vollständig eröffnet. Ich sagte direkt, dass dies nicht der Fall sei, willigte aber ein.
Es waren tatsächlich nur 3-4 cm, was mich aber absolut nicht verunsicherte. Ich „wusste“ es ja schon vorher und sagte den Hebammen, dass es nun trotzdem schnell gehen wird. Die Hebammen ließen uns nochmal alleine. Sie sagten, ich solle mich melden, falls ich in circa einer Stunde ein Druckgefühl merken sollte. Ich fühlte mich wohl, die Wehen waren intensiv, aber durch mein automatisches Tönen gut zu veratmen. Im Hintergrund lief die Eröffnungs-Meditation.
Gegen 01:20 änderte ich meine Position in der Badewanne und spürte einen leichten, aber deutlichen Druck nach unten. Ich bat meinen Mann, nach der Hebamme zu rufen. Eine erneute Untersuchung zeigte, dass ich gute 8 cm eröffnet war. Kaum wusste ich dies, nahmen die Wehen nochmals stark an Intensität und Länge zu. Direkt wusste ich: Das ist die Übergangsphase, jetzt wird es wild.
Ich musste mich bewusst bei jeder Wehe dazu entscheiden, mich mental ganz hinzugeben. Ich tönte sehr lang, laut und sagte in den Wehenpausen immer wieder, dass dies bei der ersten Geburt doch nicht so krass war?! Ich wechselte zwischen knien, hocken, liegen und tönte mich durch die Übergangsphase, bis ich einen unausweichlichen Pressdrang spürte.
Hebamme V. untersuche mich erneut, ich war vollständig eröffnet – bis auf einen Muttermundsaum. Sie bat mich, wenn es geht nicht mitzupressen, da der Saum sich unter Druck nicht gut „auflösen“ würde. Das war eine unglaubliche Herausforderung, die mich mental nochmals voll forderte. Ich bat um Hilfe und die Hebammen gaben mir den Tipp, auf „O“ zu tönen. Das ging tatsächlich einigermaßen.
Trotzdem war ich am fluchen, fand keine gute Position und drehte mich durch die enorme Intensität in der Wanne im Kreis wie eine Robbe. Dieser Part war definitiv überfordernd – aber nicht schmerzhaft. Immer wieder konnte ich den Pressdrang nicht unterdrücken.
Nach circa 20 (?) Minuten bemerkte ich aber, dass der Kopf während einer nicht unterdrückbaren Presswehe nach unten rutschte. Meine Hebamme bat daraufhin, mich unter einer Wehe untersuchen zu dürfen. So könne sie spüren, ob sich das Köpfchen am Muttermundsaum vorbei nach unten schieben kann. Die Untersuchung empfand ich – wie alle vaginalen Untersuchungen – als nicht unangenehm.
Glücklicherweise trat der Kopf tatsächlich tiefer und ich durfte nun endlich den Presswehen nachgeben. Was für eine Erleichterung! Ich wechselte vom Liegen ins Knien, da ich so besser spürte, wohin ich pressen musste. Zudem hatte ich mir für diese Geburt vorgenommen, eine aufrechte Geburtsposition während der Presswehen auszuprobieren.
Schnell konnte ich das Köpfchen schon ertasten und nach wenigen Presswehen stand das Köpfchen schon am Ausgang. Die Dehnung des Gewebes nahm ich als schmerzhaft war und äußerte dies auch. Wieder musste ich mich mental bewusst für ein „weiter“ entscheiden, um in den Schmerz hinein zu pressen. Ich wusste, es ist nicht mehr weit – ich schaffe das! Ich erkannte das intensive Gefühl wieder, als der Kopf kronte – und sagte den Hebammen, dass sie jetzt kommt. Ich traute mich, den Kopf heraus zu pressen.
Dann baten mich die Hebammen, mich etwas anders zu positionieren, da sie durch meine tief kniende Position in der Wanne gar nichts sehen konnten (falls ich Hilfe bei der Geburt des restlichen Körpers brauchen sollte). Das tat ich gerne und wechselte in eine leicht zurück gelehnte Position mit aufgestelltem Bein. In der recht langen Wehenpause merkte ich erschrocken, dass sich mein Baby stark bewegte und gefühlt vor- und zurück ruckelte. Vermutlich die nötige Drehung vor der Geburt der Schultern?!
02:54 – Sie ist da! Mit der nächsten Wehe halfen die Hebammen den Schultern sanft durch das Becken und mein Baby war geboren! Mit den Worten „Schnapp sie dir“ überließ die Hebamme es wie gewünscht mir, mein Baby aus dem Wasser auf meine Brust zu heben. So ein tolles Gefühl! Ich war unglaublich stolz, es wieder geschafft zu haben, mein Kind aus eigener Kraft zu gebären – aber was war das für ein Ritt!
Die Plazenta ließ sich ordentlich Zeit und löste sich erst circa 50 Minuten nach der Geburt, als wir schon auf dem Bett kuschelten. Die Nachwehen bis zur Geburt der Plazenta waren allerdings stark, was ziemlich nervte. Insgesamt war diese, meine zweite, Geburt deutlich herausfordernder und nicht so schmerzfrei wie die Geburt meines ersten Babys. Ich war ab der Übergangsphase ordentlich am fluchen und war mir direkt nach der Geburt sicher, dass zwei Kinder reichen und ich nicht noch eine Geburt machen werde.
Aber schon nach wenigen Tagen hatte sich meine Sichtweise komplett geändert: Was war das für eine krasse, ermächtigende und schöne Geburt! Ich habe es trotz der Intensität, die mich am Ende fast überrannt hatte, geschafft mich mental voll hinzugeben. Dadurch war es zwar unglaublich intensiv und anstrengend – aber an wirkliche Schmerzen kann ich mich – bis auf beim Austreten des Kopfes – nicht erinnern.
Zudem war ich mir zu jeder Zeit sicher, dass die Geburt schnell verlaufen wird und ich diese Intensität nicht lange aushalten muss. Es war also wieder eine wunderschöne Geburt.

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