Erfahrungsbericht
von Nikola

Meine zweite Geburt erlebte ich mit „die friedliche Geburt“ und ich bin so dankbar für diese Erfahrung! Der Weg dahin begann mit meiner ersten Geburtserfahrung – der Geburt meiner Tochter. Eigentlich wollte ich unbedingt in ein Geburtshaus, doch es war kurz nach Corona und das war komplett ausgebucht.

So entschied ich mich für das Krankenhaus vor Ort, das einen guten Ruf hat. Ich hatte mich auf die Geburt auch „vorbereitet“ und wünschte mir so sehr eine natürliche Geburt, aber es war schlussendlich sogar ein „Notkaiserschnitt“.

Ich hatte trotz Geburtsvorbereitungskurs kein Wissen darüber, dass es ganz normal ist, dass Kinder bis zum 14. Tag über dem ET auf die Welt kommen und dass eine Einleitung nur in bestimmten Lagen Sinn macht und nicht einfach ab dem 10. Tag nach ET. Ich war nicht aufgeklärt.

Unsere Tochter kam am 11.Tag über ET zur Welt. Das Warten auf die Geburt hat mich damals ganz unruhig gemacht und so beschlossen wir, eine Einleitung zu machen, obwohl es keine Kindesgefährdung im Bauch gab. Erst mit einem Nelkenöltampon begann die Einleitung und dann mit einer Einleitung mit Prostaglandin – nur wenige Stunden nach Beginn der Einleitung kam es zu einem Wehensturm, die Herztöne waren abgeflacht, der Muttermund bei 1cm und ich wurde sofort notoperiert und unser Mädchen war da.

Ich habe mich vom Pflegepersonal überhaupt nicht gesehen gefühlt oder unterstützt im Umgang mit dem Wehensturm. Ich würde sagen, die Auseinandersetzung mit der ersten Geburt und das Programm der friedlichen Geburt hat mich aufgeklärt und wirklich vorbereitet! Und ich wusste, die zweite Geburt musste anders werden und ich wollte nochmal neu beginnen.

Ich hatte ziemlich große Ängste vor den Schmerzen der zweiten Geburt, habe mir den Geburtsbericht von unserer Tochter angefordert, eine neue Hebamme auch zur Aufarbeitung gesucht und dieses Mal verschiedene Krankenhäuser angeguckt. Ich wollte einfach nochmal neu beginnen. Das Anschauen der verschiedenen Krankenhäuser brachte dann die Auseinandersetzung über meine erste Geburt mit sich. Was die ersten Schritte zur Heilung der ersten Geburtserfahrung beigetragen haben.

Mein Mann und ich sind auf die Suche und ich hatte mir alle Geburtsorte überlegt, ernsthaft auch eine Hausgeburt, allerdings merkte ich, dass ich mich doch mit einem OP vor Ort wohler fühlte. Es war ein intensiver Weg der Auseinandersetzung zwischen meinem Mann und mir. Bis unsere Nachbarn von ihrer Geburt in der Filderklinik in Filderstadt bei Stuttgart erzählten… mein Mann hat diese Klinik ernsthaft bei uns ins Spiel gebracht, obwohl die Klinik 1,5h von uns entfernt ist.

Ich konnte mir das erst nicht vorstellen und irgendwie hatte die Idee was. So sind wir einfach mal zum Infoabend in diese Klinik und es hat uns sofort ins Herz getroffen. Meine Unsicherheiten, dass ich nicht einleiten wollte, wenn es nicht nötig ist, nicht sofort Antibiotika nach Blasensprung nehmen wollte (das war komischerweise bei meiner ersten Geburt so), konnten die mir nehmen und wir überlegten, wie wir es umsetzen konnten mit diesem Geburtsort.

So planten wir einen Urlaub nach Filderstadt. Und es war wirklich ein Urlaub. Unsere Tochter konnte so mit dem Erkunden vor Ort Monate vorher alles schon kennenlernen, wo das Baby auf die Welt kommen sollte, wie das dann alles abläuft, dass meine Eltern nach Stuttgart reisen, wenn es losgeht usw. Schlussendlich konnten wir ein kleines Appartement mieten vom Verein der Filderklinik, weil die zufällig im Juni frei war.

Die haben diverse Zimmer für Fortbildungen und wir hatten so Glück, da diese Wohnung 50 Meter neben der Hebammenpraxis der Filderklinik lag und 250 Meter neben der Klinik. Es war so ein Geschenk und es hat sich alles wunderbar gefügt. Denn wir konnten diesen Urlaub machen, da der Geburtstermin in der Mitte der Pfingstferien lag.

Mein Mann ist Lehrer, so konnten wir das gut umsetzen und meine Eltern nahmen die zweistündige Fahrt und einen Kurzurlaub auf sich. 6 Monate vor der Geburt hatte ich mit dem Einüben der Hypnose begonnen. Ich bin überzeugt, dass mich die positive Ausrichtung der Hypnosen geheilt haben! Ich habe so eine Zuversicht und Freude entwickelt. Dazu die Klinik, zu der ich Vertrauen gefasst habe, war das eine gute Voraussetzung für eine andere Geburtserfahrung.

Die Hypnosen haben mich so entspannen lassen in der Schwangerschaft. Die Kursmodule dazu und auch die Podcasts haben mich wirklich aufgeklärt, viel besser als der Geburtsvorbereitungskurs in der ersten Schwangerschaft! Und ich hatte durch die Hypnosen Zeit für mein Baby im Bauch. Ich finde, mit einem Kind ist man so eingespannt, dass die Hypnosen wirklich Raum für mich und das Baby gegeben haben.

Nun aber zu meiner „friedlichen Geburt“. Mit Start der Pfingstferien haben wir drei uns aufgemacht Richtung Stuttgart. Wir hatten den ganzen Juni das Appartement gemietet und wirklich Urlaub gemacht, haben die Gegend erkundet, so konnte ich schon am ET zu einer Untersuchung in der Klinik sein und somit war schon eine Woche von den Pfingstferien vergangen und es war klar, das Baby kommt wieder nach ET.

Nach dieser ersten Woche, nachdem im Bauch noch alles ruhig war, vielleicht ein bisschen Ziehen im Rücken (also Senkwehen), beschlossen wir, das Wochenende nochmal nach Hause zu fahren. Daheim Wäsche zu wasche, denn es könnte ja sein, dass wir noch weitere drei Wochen Urlaub machen und das Baby 14 Tage später kommt und das schien uns dann doch lange, bis wir wieder mal zu Hause sein können.

Und das Wochenende daheim war wunderbar. Wir haben nochmal so richtig entspannt. Da ich ja überm ET war, musste ich ja alle zwei Tage zum CTG und da kam meine Hebamme zur Untersuchung und das war irgendwie auch nochmal schön, sie zu treffen, bevor das Baby zur Welt kam. Ja und dann… in der Nacht auf Sonntag hatte ich das erste Mal ein etwas anderes Ziehen im Unterbauch und ich spürte, so, jetzt möchte ich an einem Ort sesshaft werden.

Und wir packten unsere Sachen am Sonntag und fuhren los. Bei der Abfahrt hatte ich auch das erste Mal ein krampfartiges Ziehen, was ich bisher noch nicht kannte. Dann waren wir wieder in Stuttgart, ich ging am Montag in die Hebammenpraxis an der Klinik zum CTG und die Hebamme hatte schon eindeutige Wellen im CTG gesehen. Das hat mich total motiviert. Allerdings war gefühlt immer noch ruhig.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte ich ziemliche Schmerzen nachts und auch sehr viel Ausfluss, was mich verunsichert hatte, wo ich dann am Mittwochvormittag in die Klinik zur Untersuchung bin, ob die Fruchtblase geplatzt ist. Allerdings war sie noch zu, aber nachmittags begann es mit regelmäßigem Ziehen.

Um 18Uhr hätte ich wieder eine Untersuchung in der Hebammenpraxis gehabt. Da ich aber vormittags dann schon CTG hatte, wollte ich dort einfach nochmal kurz mit der Hebamme sprechen. Ich konnte fast nichts anderes mehr machen als Sitzen oder Liegen. Die Hebamme meinte im Witz, vielleicht sehen wir uns ja morgenfrüh um 6Uhr in der Klinik mit Baby im Arm und wir lachten alle… aber es kam so. ;)

Den Abend wollten wir eigentlich noch draußen im Klinik-Park ein Picknick machen, allerdings spürte ich, dass ich mich zurückziehen möchte mit meiner Hypnose „in meine Höhle“ und so war es. Ich lag nur noch im Bett, vertieft mit meinen Ohrhörern. Mein Mann las unserer Tochter nebenan was vor und um 21Uhr meinte er, du ich zähle so langsam mal die Abstände und tatsächlich es waren schon alle 5 Minuten Wellen da...

Das hieß: Mein Mann telefonierte mit meinen Eltern, dass sie losfahren sollen und wir sind zur Klinik gefahren, die wenigen Meter. Ich konnte nicht mehr gut laufen vor Schmerzen. Mein Mann und meine Tochter halbschlafend im Kinderwagen brachten mich zur Entbindungsstation. Ich klingelte und es öffnete eine so nette Hebamme. Und ich freute mich drauf, endlich da zu sein, für mich zu sein.

Sie brachte mich in ein Zimmer, oranges Licht, eine große rosa Rose auf dem Tischchen und ich wusste, hier kann ich jetzt loslassen und wirklich das Kind bekommen, wie in meiner „ausgemalten Höhle“. Die zwei Hebammen, die mich die Nacht begleitet hatten, waren so liebevoll, das habe ich gleich gespürt. Mein Mann ging mit unserer Tochter spazieren und sie ist auch gleich eingeschlafen.

Und ich spürte genau, was ich brauchte, zwei Decken eingeklemmt zwischen den Beinen, zwei Massagebällen in die Hände, das Licht aus und ich veratmete so einige Wehen. Ich habe mich wohlgefühlt und freute mich, dass es losging. Dieses Gefühl habe ich immer noch, wenn ich die Hypnose-Melodie höre: Die Vorfreude darauf, dass es endlich losging.

Die Zeit verging und irgendwann war mein Mann wieder da, unsere Tochter war versorgt mit meinen Eltern. Ich spürte sehr klar, dass ich nicht möchte, dass mein Mann während der Zeit der Wellen dabei ist, weil ich mich oft sehr um ihn gucke, wie es ihm geht und wir uns gegenseitig verunsichern können.

Mein Mann und ich hatten das schon vor der Geburt besprochen, dass ich die Geburt gerne alleine mit dem begleitenden Personal machen würde, bis ich in den Kreißsaal komme. Das heißt, wir sahen uns nochmal und er legte sich im Klinikeingang auf ein Sofa und versuchte, zu schlafen.

Mit der Zeit wurden meine Wellen stärker und ich klingelte der Hebamme, ob sie nicht zu mir kommen kann und das machte sie und hielt mir die Hand und unterstützte mich einige Zeit, bis ich spürte, jetzt brauchte ich etwas anderes. Und wir gingen in die Badewanne, die Wärme war so wohltuend.

Die Hebamme legte in warmem Wasser eingelegte Handtücher um mich und ich entspannte, hörte meine Hypnose weiter, atmete, tönte, ich konnte gut zulassen und meine Hebamme war da. Ich habe mich so wohlgefühlt. So ging es weiter bis ca. 3.30Uhr und ich sagte, so langsam kann ich nicht mehr… die Hebamme bot mir einen Obsttrunk an und ich habe ihn angenommen. Er war so lecker!

Die Wellen danach waren schon sehr stark und plötzlich machte es “Blupp“ und meine Fruchtblase platzte und ich hatte schon Pressdrang, aber die Hebamme meinte, ich darf noch nicht drücken, das habe ich als sehr unangenehm empfunden. In dieser Phase waren die Schmerzen schon groß und nachdem mir meine Hebamme Schmerzmittel angeboten hatte und ich lange keine wollte, spürte ich da, jetzt so langsam könnte ich was vertragen.

Mein Mann kam übrigens alle zwei Stunden vorbei, um zu gucken, ob alles ok ist. Das war süß! Für mein Gefühl war es trotzdem gut zu wissen, er ist in der Nähe. Dann meinte die Hebamme, dass es nach Platzen der Fruchtblase Zeit ist, ein CTG zu machen. Dann sagte sie, wir rufen jetzt Ihren Mann an und fahren in den Kreißsaal. Ich bekomme jetzt noch Tränen, ich hätte nie gedacht, dass es so „schnell“ gehen würde, also 5 Stunden Wellen, bis ich in den Kreißsaal komme. Das heißt, zu den Schmerzmittel kam es dann gar nicht.

Ich kam im Kreißsaal an und mein Mann stand schon da. Er stand hinten an meinem Bett, hat mich gehalten und das war so schön, ihn bei mir zu haben. Im Kreißsaal war ich in der Rückenlage, das hat mich ein wenig irritiert, dass das Personal wollte, weil ich eher mit der Schwerkraft arbeiten wollte. So waren wir gleich beim Pressen. Ich merkte, dass die Ärztin etwas beunruhigt war und ich war etwas mehr im Außen, meine Hebamme meinte dann aber ganz klar: „Bleiben sie bei sich!“ Und das machte ich auch und drückte bestimmt zwei Mal.

Dann meinte sie, dass es ein großes Köpfle ist und sie ließen mich die Haare spüren vom Baby – wow, das war auch berührend und finde ich, nach wie vor so beeindruckend. So schlug die Ärztin das Einsetzen einer Saugglocke vor und einen Dammschnitt zu machen – wir stimmten zu und beim nächsten Drücken war unser kleine Sohn schon da…

Ich hatte immer Respekt vor einem Dammschnitt und auch vor der Saugglocke und ich habe beides gar nicht unangenehm empfunden! Sie haben mir unseren Sohn direkt auf den Bauch gelegt, wir wussten lange nicht, was für ein Geschlecht es ist. Es war so eine schöne Atmosphäre. Das Baby war einfach nur da und wir waren alle glücklich!

Dann kam aber gleich noch die Plazentageburt ins Spiel. Da war ich schon noch gespannt, wie es wohl mit der Plazenta klappt. Allerdings musste ich noch einmal fest drücken und dann war sie da… ich bin so dankbar, dass ich auch die Plazentageburt miterleben durfte. Ich hatte es bei meiner ersten Geburt so vermisst, meine Plazenta nach dem Not-Kaiserschnitt nie gesehen zu haben oder das Kind auf meinem Bauch zu spüren.

Es war echt ein großes Glück! Die Atmosphäre war so entspannt. Die Hebammen waren auch glücklich, da ihr Nachtdienst mit meinem Kommen in die Klinik begonnen hat und mit dem Dienstende das Baby schon da war und dann tatsächlich: meine Hebamme aus der Hebammenpraxis kam dann morgens zu uns in den Kreißsaal und das war auch wunderschön.

Das Vorgespräch dort und die Untersuchungen waren so nett mit ihr und es war so rund so, dass wir uns nochmal begegnet sind und uns verabschieden konnten. Auch wenn ich jetzt an die Zeit um die Geburt denke in Filderstadt, in der Klinik - das macht mir Verliebtheitsgefühle. Ich habe alle Klinik-Angestellten so nett wahrgenommen und ich habe mich richtig gesehen gefühlt. So dankbar bin ich über diese Erfahrung!

Und es zeigt mir einfach, dass es sich lohnt, seinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn es eine intensive Auseinandersetzung mit mir und auch mit meinem Mann war, es hat sich gelohnt, genau hinzugucken, was „unser“ Weg ist. Mir war irgendwie wichtig, eine natürliche Geburt zu erleben. Jetzt würde ich mir auch noch eine nächste Geburt zutrauen. Das finde ich auch ein Geschenk, dass es mich nochmal gestärkt hat in meinem Frau-Sein und auch das Wissen, mein Körper kann das.

Nach meiner ersten Geburtserfahrung hatte ich diese Sorge um die Geburtsschmerzen und auch immer das Gefühl, kann mein Körper Wellen erzeugen!? Im Nachgang weiß ich auch, dass ich bei meiner ersten Geburt noch nicht bereit war für dieses große Loslassen und Zulassen dieser Schmerzen.

Und nach dieser Begleitung in der Filderklinik, empfinde ich meine erste Geburtsbegleitung noch schlimmer, weil ich mich vom Pflegepersonal einfach im Stich gelassen gefühlt habe. Mir und uns wurde echt nicht geholfen. Und ich fühlte mich nach der ersten Geburt oft so, als hätte ich was falsch gemacht. Was ich auch so beeindruckend fand in Geburt: meine Intuition war so da. Ich spürte genau, was dran war, was ich brauchte, auch dass mein Mann während der Geburt nicht da sein sollte und erst in den Kreißsaal kommen sollte. Ich konnte mir richtig vertrauen.

Für mich ist eine Geburt wirklich Frauensache und ich finde es ist ein Mythos, dass der Mann dabei sein muss, was so gesellschaftlich vorherrscht. Es hat gedauert, bis wir das auch richtig zulassen konnten, aber es hat sich gelohnt, auch da genau hinzuhören, was unser Ding ist!

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina