Erfahrungsbericht
von Nora

Verlegte Hausgeburt / Komplikationen / Sekundärer Kaiserschnitt (ET+4)

Seit zwei Wochen war ich schon sehr ungeduldig und wünschte mir, dass die Geburt endlich beginnt. Immer wieder versuchte ich mithilfe der Hypnose Hingabe loszulassen und nicht so sehr im Kopf zu sein – eine Einleitung wollte ich unbedingt vermeiden.

An diesem Morgen gingen wir noch einmal in unseren Schrebergarten. Ich jätete etwas Unkraut, pflückte Brombeeren und wir brachten sie später am Nachmittag zum Vorsorgetermin unserer Hebamme. Dort setzte sie mir noch einmal Akupunkturnadeln und untersuchte mich. Alles war in bester Ordnung: Das Baby lag zufrieden im Bauch, der Kopf fest im Becken – wir sollten einfach weiter abwarten. Kaum war sie gegangen, wollte ich mich ausruhen und legte mich ins Bett.

Keine zwei Minuten später spürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz in der Vagina, tönte instinktiv – und merkte etwas Nasses in meiner Unterhose. Mein Mann, der gerade das Haus verlassen wollte, eilte zurück. Wir stellten fest: Der Schleimpfropf hatte sich gelöst und etwas Fruchtwasser war abgegangen. Wir freuten uns riesig – es ging endlich los!

Ich duschte, legte mich wieder hin und wollte gerade die Hypnose Geburtsbeginn mental fördern starten, da kamen schon die ersten Wellen. Sie waren noch leicht, aber im Liegen kam ich nicht gut damit zurecht. Mein Mann startete sofort seine To-Do-Liste: Hebamme informieren, meiner Mutter Bescheid geben, dass sie unseren Hund abholt, das Schlafzimmer in eine gemütliche Geburts-Höhle verwandeln und den Geburtspool aufbauen.

Währenddessen hörte ich die vertraute Stimme von Kristin, wechselte zwischen Schneidersitz im Bett und Gymnastikball und konzentrierte mich auf meine Atmung – langes Ein- und Ausatmen half mir am besten. Die Stunden vergingen wie im Flug. Mein Mann brachte mir Wasser und Snacks, begleitete mich zur Toilette – wobei sich das Abendessen vom Vortag verabschiedete, um Platz fürs Baby zu machen.

Gegen 12 Uhr wurden die Wellen intensiver und ich verspürte beim Ausatmen den Drang, zu tönen. Ich wollte in den Pool und bat meinen Mann, die Hebamme zu rufen. Das warme Wasser war eine Wohltat. In den Wellen ging ich instinktiv in den Vierfüßlerstand. Um 13 Uhr kam die Hebamme, lobte mich und beobachtete einfach, bis ich sie brauchte. Schon bald spürte ich ein leichtes Druckgefühl nach unten.

Um 15 Uhr bat ich um eine Untersuchung, da ich das Gefühl hatte, es gehe nicht voran. Mein Muttermund war bei 7 cm, die Fruchtblase aber noch intakt und der Kopf des Babys lag nicht optimal auf. Also arbeitete ich weiter – die Wellen wurden teils sehr intensiv, manchmal kamen sie in kurzen Abständen, dann wieder mit längeren Pausen. Die Pausen nutzte ich, um kurz wegzudösen. Die Hypnose nahm ich nun kaum noch wahr und allmählich kippte meine Stimmung. Ich sagte, dass ich nicht mehr könne.

Eine weitere Untersuchung ergab: keine Veränderung. Die Frustration war groß, ich verlor den Fokus und die Wehen überwältigten mich. Nach mehreren schmerzhaften Untersuchungen beschlossen wir gemeinsam, ins Krankenhaus zu fahren, um mit einer PDA zu schauen, ob sich etwas verändern würde. Allein die Aussicht auf Schmerzlinderung gab mir Kraft für den Weg.

Im Krankenhaus wurden wir herzlich empfangen. Unsere Hebamme machte die Übergabe, und schon erhielt ich die PDA. Wir durften zwei Stunden in Ruhe schlafen. Doch auch danach hatte sich nichts getan und die Wehen waren schwach. Ich bekam Oxytocin, um sie anzuregen – das vertrug unser Baby jedoch nicht gut, die Herztöne wurden auffällig. Die Ärztin erklärte, dass ein Kaiserschnitt nun die beste Option sei. Wir besprachen Alternativen, die mir zu riskant erschienen.

Die Entscheidung für den Kaiserschnitt fiel mir schwer, brachte aber auch Erleichterung. Ich wusste: Es war die richtige Entscheidung. Kurz darauf wurde ich für die OP vorbereitet. Die Hypnose für die Bauchgeburt hatte ich dabei, brauchte sie aber nicht – ich vertraute einfach darauf, dass wir in guten Händen waren. Und dann geschah das Unwirklichste und Schönste: Wir hörten unseren Sohn das erste Mal schreien. Mein Mann und ich brachen in Tränen aus. Sie hoben ihn über den Vorhang, damit wir ihn sehen konnten – und erfuhren so auch, dass es ein Junge war.

Nach einer kurzen Untersuchung legten sie ihn mir direkt auf die nackte Brust, wo er sofort andockte. Er blieb dort liegen, während ich genäht wurde, dann ging mein Mann mit ihm zur U1. Im Aufwachraum traf ich meine beiden Jungs wieder, und wir konnten ausgiebig bonden. Auch wenn ab dem Wechsel ins Krankenhaus vieles anders lief als erhofft, kann ich sagen: Es war eine wunderschöne Geburt und ein wunderschöner Kaiserschnitt. Ich habe alles gegeben, und manches lag einfach nicht in meiner Hand.

Die Vorbereitung mit den Hypnosen und das Lesen vieler Geburtsberichte haben mir geholfen, die Geburt nicht als traumatisch zu empfinden und immer offen für Plan A-Z zu bleiben. Es war nicht die Traumgeburt, die ich mir visualisiert hatte – aber es war unsere ganz individuelle Geburtsreise. Unser Sohn ist ein entspanntes Kerlchen, und auch ich bin überrascht, mit welcher Gelassenheit ich in diese neue Lebensphase starte. Kristin und ihre Methode haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen.

Ich bin dankbar für dieses Werkzeug, das in so vielen Situationen hilfreich ist – und das mich schon während der Schwangerschaft eng mit meinem Baby verbunden hat.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina