Erfahrungsbericht
von P.

Im 3. Trimester der Schwangerschaft bin ich zufällig über den Podcast auf die friedliche Geburt aufmerksam geworden. Nachdem ich erfahren habe, dass meine Krankenversicherung den Kurs unterstützt, habe ich in der 32. Schwangerschaftswoche damit begonnen. Auch wenn ich keine Angst vor der Geburt hatte, fand ich das richtige Mindset besonders wichtig. Zudem hat mir der Kurs in der Schwangerschaft geholfen, im Alltag zu entspannen.

Ich war im Geburtshaus München angemeldet und daher besonders erleichtert, als wir den Geburtszeitraum erreicht und sie sich kurz vor knapp wieder in Schädellage gedreht hatte. Aus gegebenem Anlass hörte ich mir zuvor oft die Hypnose zur Beckenendlage an. Es durfte also losgehen – alles war vorbereitet. Ich war froh, dass ich mich am Ende gegen die äußere Wendung sowie weitere Termine und Untersuchungen entschieden hatte, da ich davon gestresst war.

Zuhause kehrte Ruhe ein, ich genoss die Sonne im Garten, redete mit unserem Baby und hörte mir verschiedene Hypnosen an. Bereits 2,5 Wochen vor dem errechneten Termin löste sich mein Schleimpfropf. Übungs- oder Senkwehen habe ich nie richtig gespürt.

Am nächsten Tag platzte spät abends nach einem langen Spaziergang unerwartet meine Fruchtblase – das Fruchtwasser war klar. Wie vorab besprochen, ging ich ins Bett und versuchte, mich zu erholen. In der Nacht hatte ich erste, unregelmäßige Wehen. Morgens waren diese wieder weg und ich kontaktierte das Geburtshaus. Ich verspürte untertags circa alle zwei Stunden noch ein Ziehen und die Untersuchungen waren unauffällig. Ich hörte mir die Hypnosen zum Abschied der Schwangerschaft und zum Geburtsbeginn an.

Um eine Einleitung zu umgehen, musste die Geburt bald von selbst starten. Mit ein paar natürlichen Mitteln vom Geburtshaus unterstützte ich die Wehen. Ich war sehr zuversichtlich, dass es in er Nacht losgehen würde und war bereit dafür.

Ab 23:30 Uhr hatte ich dann häufigere Geburtswehen. Ich machte es mir zuhause in unterschiedlichen Positionen mit Kirschkernsäckchen, Seitenschläferkissen, Gymnastik- sowie Igelball bequem und hörte nun die Eröffnungsphase. Spontan schaltete ich eine geschenkte Schildkröte an, die Meeresrauschen abspielte und im Schlafzimmer ein angenehmes Licht verbreitete. Das Tensgerät lag zwar bereit, jedoch habe ich es nicht gebraucht. Mein Mann hielt unsere Geburtshebamme telefonisch auf dem Laufenden.

Ich empfand die Wehen zu keinem Zeitpunkt als schlimm und die Atemtechnik half mir in dieser Phase sehr. Ich konnte stets mit meinem Kind zusammenarbeiten, war ganz bei mir und meisterte in Ruhe eine Wehe nach der anderen. Nach gut zwei Stunden ging ich zuhause in die Badewanne.

Die Wehen kamen öfter und stärker. Daher beschloss ich, dass wir um kurz nach 2 Uhr Richtung Geburtshaus aufbrechen sollten. Leider hatte ich die Hypnose in Bewegung noch nicht geübt und im Auto eine ungünstige Sitzposition eingenommen, sodass die Autofahrt der unschönste Teil der Geburt war. Trotzdem ließ ich die Hypnose weiterlaufen und konnte mich damit zumindest in den Wehenpausen super erholen. Eine Übergangsphase mit dem Drang aufzugeben, habe ich nie wahrgenommen. Auch der Wunsch nach Schmerzmittel ist mir nicht in den Sinn gekommen.

Als wir um 2:45 Uhr ankamen, entschied ich mich spontan, dass ich ab jetzt lieber meine Musikplaylist anstatt der Hypnose anhören wollte. Bei der ersten Untersuchung war der Muttermund schon 8cm weit geöffnet. Ab diesem Moment empfand ich das Tönen als angenehmer und wechselte die Atemtechnik. Das Mindset blieb jedoch das gleiche. Positiv eingestellt und selbstsicher arbeiteten wir uns weiter voran. Meine Beine zitterten sehr vom Adrenalin, sodass ich ins Wasser wollte. Eine Stunde später stieg ich also in die Geburtswanne.

Von meinem äußeren Umfeld nahm ich wenig wahr. Ich wechselte von der linken in die rechte Seitenlage und in den Vierfüßlerstand mit Halt am Beckenrand. Die Hebamme und mein Mann massierten das starke Ziehen im unteren Rücken und wärmten die Stelle. Während der Geburt trank ich oft aus meiner Flasche mit Strohhalm. Die Hebamme sprach selten mit mir und machte nur die nötigsten Untersuchungen.

Zwischendurch fühlte ich selbst einmal den Kopf unserer Tochter. Fachwissen half mir beispielsweise kurz vor der Geburt des Kopfes, da ich das mehrfache Zurückziehen sonst als frustrierend empfunden hätte.

Um viertel nach fünf kam der Kopf und sie öffnete bereits die Augen unter Wasser. Eine Wehe später wurde - nach einer gefühlt ewigen letzten Wehenpause - unsere Tochter ins Wasser geboren. Die Hebamme tauchte sie zwischen meinen Beinen durch, ich drehte mich um und bekam sie auf die Brust gelegt. Ich fühlte mich stark, energiegeladen und glücklich. Nach einem ersten Laut waren meine ersten Worte zu ihr: „So hörst du dich also an.“ Kurz darauf haben wir die Wanne verlassen und die Plazenta wurde auf dem Bett in der Hocke geboren.

Nach dem ersten Bonden und Stillen sowie der Wundversorgung und der U1 haben wir gegen 9:30 Uhr das Geburtshaus verlassen. Zuhause starteten wir zufrieden ins Wochenbett. Ab und zu hörte ich mir eine Hypnose zur Entspannung, Wundheilung und Schlafsynchronisation an. Ich weiß nicht, ob es wirklich an den Hypnosen lag, aber unsere Tochter ist ein sehr ruhiges, entspanntes und zufriedenes Baby.

Auch nach fünf Monaten kann ich das noch bestätigen. Schlafen und Stillen wurden nie zum Problem. Beim zweiten Kind möchte ich fast alles genauso machen - nur für die Autofahrt werde ich mich besser vorbereiten. Rund um die Geburt war das Wichtigste für mich von jeglichen Interventionen abzusehen und meinem Körper zu vertrauen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass das für uns so funktioniert hat und denke gerne an die Geburt zurück.

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina