Erfahrungsbericht
von Rebecca R.
Liebe Kristin, liebes Team,
Erstmal danke für eure wundervolle Arbeit! Ihr habt mir zwei völlig unterschiedliche, dennoch selbstbestimmte und tolle Geburten beschert und mich bei beiden Geburten wunderbar angeleitet.
Meine erste Geburt 2022 ist gefühlt schon ewig her und ich will nur wenige Stichworte dazu loswerden: Gestationsdiabetes, 30 Stunden im Belegkreisssaal, PDA, verzögerte Plazentageburt, hoher Blutverlust nach Geburt, Kreislauf komplett weg - Anästhesie kam gerannt und hat mich von Blutdruck 18/35 zurück geholt, Bluttransfusion, Plazenta unvollständig gelöst und Kyretage nach 5 Wochen und trotz allem: zu jeder Zeit in dem ganzen Prozess hab ich mich gut und stark gefühlt, wusste ich was ich mache und hab mich mit Musik und deinen Meditationen tragen lassen.
Wichtiger ist mir jedoch von meiner zweiten Geburt zu erzählen, denn hier sind die Umstände noch spannender und dennoch hatte ich wieder eine wundervoll selbstbestimmte starke Geburt. Da ich über 35 bin, hatte ich wieder eine Risikoschwangerschaft. Dieses Mal ohne Diabetes, dafür mit einer nun diagnostizierten leichten Blut-Gerinnungsstörung.
Die Schwangerschaft an sich verlief - abgesehen von dauerhafter Übelkeit und anfänglichen Blutungen - problemlos und das Baby entwickelte sich prächtig. Eine Eisentransfusion in SSW 33 habe ich gut vertragen und dadurch konnte ich mich wieder auf das örtliche Krankenhaus einstellen.
Meine Angst vor Spritzen und Nadeln und meine Unsicherheit in Krankenhäusern habe ich bei der ersten Schwangerschaft schon einigermaßen kuriert. Da ich bis zum Mutterschutz noch voll gearbeitet habe, hab ich fast alles an Vorbereitung auf das Ende der Schwangerschaft gelegt, habe aber einen super verständnisvollen Arbeitgeber, sodass ich alle Arzttermone davor flexibel und easy wahrnehmen konnte.
Mit meinem Mann hab ich mich entschieden, zur Einstimmung im 8. Monat nochmal einen klassischen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen - zum einen, um unser Wissen nochmal aufzufrischen und zum anderen, um das erste Mal für zwei volle lange Tage an einem Wochenende von unserer Erstgeborenen getrennt zu sein und zu schauen, wie das mit Oma und Opa klappt. Da dies nicht so gut geklappt hat, habe ich den Sonntag den Kurs dann alleine fertig gemacht und mein Mann ist bei unserem großen Kind geblieben.
An diesem Wochenende haben wir gemeinsam beschlossen, dass ich mich auf eine Geburt ohne Partner vorbereite und es eher ein Bonus wäre, wenn mein Mann mitkommen würde. Mir war es wichtiger, dass ich weiß, dass es meinem großen Kind gut geht und sie in vertrauter Umgebung ist und ihr Papa bei ihr ist, als dass er bei mir ist.
Ich hatte (und habe immernoch) großes Vertrauen in uns, dass wir das so meistern. Im Kopf hab ich mir als „happy path“ ausgemalt, dass morgens die Geburt losgeht, die Große in die Kita geht und wir ins Krankenhaus fahren. Kam ein wenig anders, war aber dennoch ein absoluter happy path.
Dann begann der Mutterschutz und ich hatte endlich Zeit, ein bisschen was für mich zu machen: Fitnessstudio mit leichtem Training, ganz viel Aquagymnastik und Nest bauen. Dazu immer mal wieder Kristins Stimme auf den Ohren und bewusstes Atmen üben. Erschwerend kam in der Zeit dazu, dass mein Mann mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, ich somit fast den kompletten mental load für unsere Familie getragen habe.
Ich hab mich in der örtlichen Klinik gemeldet und sowohl mit den Hebammen als auch mit den Ärzten vor Ort alles besprochen: alles kann, nichts muss; wenn ein Kaiserschnitt notwendig werden sollte, fände ich das zwar doof, aber dann ist es so; meine Gerinnungsstörung ist zwar da, aber da die erste Geburt unterm Strich gut geklappt hat, spricht nix gegen eine Spontangeburt. Ich soll mich bei 39+5 nochmal vorstellen, da 40+0 auf einen Sonntag gefallen ist.
Bei meiner Gyn in der Praxis war ich 38+5 und sie meinte schon, das Baby könnte bisschen größer sein und es könnte mehr Fruchtwasser haben, aber alles noch in Ordnung. In der Kreisssaalambulanz bei 39+5 wurde es bestätigt, sehr wenig Fruchtwasser und evtl. eine Wachstumsverzögerung, aber alles noch ok, nur wenn’s übers Wochenende nicht los geht, dann machen wir Montags die Einleitung, spätestens Dienstag müsse ich dann in der Klinik bleiben.
Ich war weiterhin entspannt, auch wenn es ein komisches Wochenende war: Ich wusste, dass ich in der nächsten Woche mein zweites Kind in den Armen halten werde und ich wusste, dass es das letzte Wochenende mit meinem großen Kind alleine ist. Vorfreude auf die Zeit zu viert, Trauer um die endende Zeit zu dritt, positive Anspannung, wie die Geburt wird. Bei meinem Mann kickte die psychische Instabilität und er verfiel in blinden Tatendrang und begann den Keller aufzuräumen.
Montags haben wir dann gemeinsam unsere Große zur Kita gebracht und sind dann in die örtliche Kreisssaalambulanz gefahren, um dort mit der Einleitung zu beginnen. Als erstes wurde ein Ballonkatheter gelegt (fühlt sich an wie ein Tampon, auch wenn es merkwürdig aussieht) und ein CTG wurde geschrieben. Da alles unauffällig war, ging es auf Station, um dort zu warten.
Dort hat mich eine Hebamme in Empfang genommen und ich hab einen Zugang bekommen und wir haben Geburtsvorbereitende Akupunktur gemacht - vor 5 Jahren bin ich beim Gedanken an Akupunktur mit Nadeln noch ohnmächtig geworden, dieses Mal hat es mir nichts ausgemacht, die Geburt ging allerdings auch nicht los dadurch. Währenddessen hatte ich immer Kopfhörer auf „Geburt mit Einleitung“.
Dann haben mein Mann und ich uns mit Freunden, die im Krankenhaus arbeiten, zum Mittagessen getroffen und wir haben noch nett geplaudert. Und irgendwie wusste ich, dass ich unser Kind am nächsten Nachmittag in den Armen halten werde. Ein Gefühl, dass ich ab mittags ganz stark spürte, auch wenn es geburtstechnisch keinerlei Anzeichen gab, war ich mir sicher. Ich hab sogar meiner Wochenbett Hebamme, die mich bereits nach der ersten Geburt betreut hat, eine Nachricht geschrieben, dass sie in den nächsten Tagen unser zweites Kind kennenlernen wird.
Auf dem Weg von der Cafeteria auf Station zurück rief mich die Hebamme aus dem Kreisssaal an, dass ein Arzt gern mit mir sprechen würde. Ich hab mit meinem Mann noch gescherzt, dass irgendwelche Werte (Labor wurde morgens genommen) schlechter sind und sie das Kind direkt holen müssen.
Da kam ein junger Arzt ins Zimmer mit einem etwas verzweifelten Blick: „Wir müssen sie leider jetzt in eine der nahen Universitätskliniken verlegen, weil das Medikament für die Gerinnungsstörung haben wir mangels Gerinnungsexperten nicht hier und wenn bei der Geburt wieder so viel Blutverlust ist, wie bei der ersten, wäre das nicht ideal. Es tut mir unendlich leid.“
Ich merkte in dem Moment, wie entspannt ich war und meine Reaktion verblüffte den Arzt sehr, denn ich sagte: „Ok, dann machen wir das so. Kann ich noch selbst fahren oder organisieren Sie den Transport?“
Und der Arzt so: „Damit hab ich jetzt ehrlich nicht gerechnet, es tut mir total leid, dass wir sie verlegen müssen, vor allem weil wir ja mit der Einleitung schon begonnen haben, sie schon einen Zugang haben usw.“
Ich erinnere den Dialog noch, als wäre er gerade erst gewesen, denn ich sagte: „Naja, ich verstehe, dass es nicht das übliche Vorgehen ist, aber ich gehe auch davon aus, dass Sie bzw. der Oberarzt diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen hat und sie alle Optionen abgewogen haben. Und bevor sie mich nach der Geburt mit dem Heli zum nächsten Gerinnungszentrum fliegen, weil ich sonst verbluten könnte und sie mich dann evtl. weil logistisch einfacher von meinem Baby trennen, fahre ich lieber jetzt - ohne Geburtsbeginn - gemütlich in die nächste Uniklinik und habe dort alles um mich was ich hoffentlich nicht brauchen werde“
Dies verblüffte den Arzt sehr und er war echt dankbar. Und ich war weiterhin entspannt, denn ich wusste, ich werde von einer Level 1 Klinik, die deutschlandweit unter den Top 5 Geburtskliniken (leider ohne Gerinnungsexperten) in eine der Top 10 Unikliniken verlegt, die einen guten Kreißsaal haben UND mir im Ernstfall helfen können.
Also ging es mit dem KTW in die 40 Minuten entfernte Stadt, weiterhin ohne Wehen, aber mit Podcast auf den Ohren. Mein Mann konnte sich dadurch in Ruhe um unsere Große kümmern und mit ihr das übliche Nachmittagsprogramm starten, was mich wiederum beruhigte, dass ihr Alltag (noch) nicht unterbrochen wurde.
Vor Ort wurde ich dann erst nochmal untersucht, die Ärztin vor Ort sah die Werte nur halb so kritisch, meinte aber „Jetzt wo sie hier sind, machen wir auch hier weiter und da die Einleitung schon angefangen wurde, werden wir das jetzt nicht nochmal ändern“ da ich schon komplett davon überzeugt war, mein Baby am nächsten Nachmittag in den Armen zu halten, habe ich ihr zugestimmt, bin mir jedoch sicher, dass wenn ich gesagt hätte, wir warten nochmal, sie mich auch voller Überzeugung hätte wieder gehen lassen.
Es erfolgte eine kurze Aufklärung über die Medikation, die zur Einleitung empfohlen wurde und kurz darauf - begleitet von einem CTG - hab ich die erste Angusta genommen. Ich spürte weiterhin nichts, mein Baby schlief während des CTGs ein wenig und war ansonsten recht entspannt - ähnlich wie ich. Auch alle um mich herum waren entspannt und ich fragte die Hebamme, ob sie wüsste, wie gut sowas anschlägt und sie meinte nur: wir schauen mal, aus ihren Erfahrungen geht’s erst morgen los, da es schon Richtung Abend ging.
Das schrieb ich meinem Mann und auch meinen Eltern. Diese wohnen ca. eine Stunde von unserem Zuhause entfernt, haben sich aber angeboten, für ein paar Stunden auf unsere Große aufzupassen, wenn es mit der Geburt losgeht. Nach dem CTG und der Tablette, ging es für mich erstmal auf Station mit der Aussicht, wenn ich wollte, kann ich um 21 Uhr nochmal runter in den Kreißsaal, die nächste Angusta nehmen.
Gesagt getan, kleines Abendessen auf Station, „einchecken“ Podcast hören, Zeit vertreiben und dann auf 21 Uhr runter in den Kreißsaal. Ich musste dann noch eine Stunde unten warten, da zwischen der Einnahme 4 Stunden liegen müssen. Mit der Hebamme besprach ich dann schon, wie wir am nächsten Tag die Tabletten machen werden und auch, dass ich am Nachmittag vom nächsten Tag mein Baby in den Armen halten werde.
Ein ganz leichtes ziehen war am Ende des CTGs zu merken, da ich bei der ersten Geburt jedoch ca. 30 Stunden Wehen hatte, war ich weiterhin sehr entspannt und meinte beim Rausgehen noch zur Hebamme: „schauen wir mal, wie lange ich schlafen kann - vielleicht komm ich um 3 Uhr runter für ein Entspannungsbad.“
Gegen 22:30 Uhr lief ich durch ein schlafendes Krankenhaus zurück zur Wöchnerinnenstation auf mein Zimmer und das Ziehen wurde ein bisschen mehr und ein wenig regelmäßiger. Dennoch legte ich mich erstmal ins Bett - wenn es wieder 30 Stunden werden, wollte ich davor nochmal schlafen. Ich zog mir eine bequeme Schlafhose an, hab aber sonst noch nix weiter gerichtet und hab mich hingelegt.
Ca. 30 Minuten habe ich es liegend ausgehalten, dann war mir klar, dass Laufen doch besser ist als Sitzen oder Liegen. Die Wellen kamen in regelmäßigeren Abständen, aber irgendwie noch nicht so, dass ich das Gefühl hatte, jetzt geht’s richtig los. Ich hab mir dann mal meine Tasche für den Kreißsaal zusammengepackt, Bikini, Lautsprecher, Limonade, Dattelbälle, Handtuch, rotes Bondingtuch und Haargummi.
Währenddessen weiter viel und sehr bewusst geatmet, was echt gut war. Mit gepackter Tasche und einem wellenabstand von 3-5 Minuten ging es dann durch das nächtliche Krankenhaus Richtung Kreißsaal und die Wellen wurden unterwegs weniger - nur noch 2 Stück in einer viertel Stunde (ich ging recht langsam).
Ca. 0:15 Uhr kam ich im Kreißsaal an und die Hebamme grinste mich an: „Es ist noch nicht 3 Uhr, die Badewanne hab ich noch nicht vorbereitet.“ Ich war recht entspannt und meinte nur: „Ich dachte, wir schauen einfach mal, ob sich am Muttermund schon irgendwas tut, die Wellen kamen vor dem Loslaufen recht regelmäßig in kurzen Abständen.“ Wir sind dann zu dritt mit einer Hebammenstudentin in ein Untersuchungszimmer gegangen und haben geschaut und ich war bei 4cm.
Bei der ersten Geburt kamen dann noch 15 Stunden weitere Geburt, daher war ich in keinster Weise in Eile. Da die Wellen während der Untersuchung wieder mehr wurden, sind wir dann zusammen in einen Kreißsaal und es folgte ein weiterer Dialog, den ich nicht vergessen werde: Die Hebamme: „Willst du dennoch ne Runde in die Badewanne?“
Ich: “Am liebsten würde ich in der Badewanne gebären, weiß aber, dass das mit Gerinnung nicht ideal sein könnte.“
Die Hebamme: „Mega, ich liebe Wassergeburten! Das machen wir! Und sollte was sein, dann holen wir dich da ganz schnell raus.“
Ich: „Ganz schnell? Ich wiege schon ein bisschen was…“
Die Hebamme: „Wir sind hier alles starke Frauen - das bekommen wir schon hin. Jetzt lass ich mal Wasser ein. Und willst du deinen Mann anrufen? Könnte bald soweit sein…“ Ich also im Kreißsaal angekommen, regelmäßig am Wellen veratmen und entspannt am Hin und herlaufen. Hab dann meinen Mann angerufen, den ich geweckt hab und mit ihm vereinbart, dass er erstmal wach wird und ich meine Eltern anrufe.
Gesagt, getan und wer ging nicht an das Telefon: meine Eltern. Weder an eines der Handys (die sie immer dabei haben, auch beim schlafen) noch an eines der beiden Festnetztelefone, die sie noch besitzen und nutzen. Ich hab es glaube 10 mal auf allen Leitungen probiert und niemand ging dran.
Dann hab ich meinen Mann angerufen: „Schatz, ich geh jetzt ne Runde in die Badewanne und wir schauen was passiert - komm du so vorbei, wie es passt, wenn meine Mutter auf die Große aufpassen kann, schön und wenn das nicht hinhaut, dann ist sie morgen früh in der Kita und dann kommst du vorbei.“
An Schlaf war für meinen Mann nicht mehr zu denken und er machte ein wenig Telefonterror bei seinen Schwiegereltern. Ich hab mir meine Entspannungsfilm Musik auf dem Lautsprecher angemacht und bin umsorgt von zwei wunderbaren Frauen - einer Hebamme und einer angehenden Hebamme - schwanger und Wellen veratmend in die Badewanne gestiegen.
Einen kurzen Moment dachte ich: was für Tage - psychisch verletzten Mann zuhause, großes Kind, dass nun große Schwester wird, Einleitung, Verlegung, medikamentöse Einleitung, Geburtsbeginn. In diesen Gedanken und dennoch komplett zufrieden und bei mir kam ich im Wasser an. Dort wollte ich es mir erstmal bequem machen und hab mich - wie sonst auch in der Badewanne - erstmal ausgestreckt und da ich relativ groß bin, hab ich das ausstrecken genossen, bis die nächste Welle kam, denn so ausgestreckt in die Welle gehen, war für mich absolut nicht passend.
Das hat sich so überraschend falsch angefühlt, dass ich schnell korrigiert habe und mich gekniet hab. Die Position auf Knien fand ich so viel angenehmer und so konnte ich es im Wasser gut aushalten. Ich wurde von den beiden Hebammen sehr gut umsorgt, ich konnte was trinken und viel wichtiger in Ruhe meine Musik hören und bei mir und meinem Baby sein. Die Geburt ging in großen Schritten voran, denn die Wellen wurden größer und kraftvoller.
Kurz darauf wurde mir schlecht und ein schneller Handgriff ermöglichte mir das Erbrechen in einen Beutel. Da wusste ich, das Kennenlernen meines Babies ist nicht mehr fern und ich war voller Vorfreude. Meine Hebamme zeigte der Hebammenstudentin während ich ganz bei mir war, wie sie mit einem Spiegel und einer Taschenlampe den Geburtsprozess gut beobachten kann, besonders, wenn es auf das Ende der Geburt zu geht.
Das Licht warf in der Badewanne unter Wasser interessante Schatten, ein kleines Bild in meinem Kopf, dass ich noch immer mit der Geburt und diesem wundervollen Moment verbinde. Zwischendurch schaute ich mit Hilfe der Studentin kurz auf mein Handy und stellte fest, dass mein Mann alles klären konnte und irgendwann noch kommen wird.
Das war schön zu wissen, änderte aber für mich und die Geburt und den Prozess nichts - ich war und blieb bei mir und meinem Kind. Irgendwann meinte die Hebamme, dass nun die Ärztin da wäre, das aber nur zur Info ich solle bitte einfach so weitermachen, wie die ganze Zeit, denn das ist gut so! Sie fragte dann noch, ob ich im Wasser bleiben wolle zur Geburt oder nicht, was ich mit einem gebrummelten im Wasser oder so ähnlich beantworten konnte.
Nur noch eine starke kraftvolle Welle später war der Kopf meines Babies geboren und ich freute mich so sehr, dass ich die nächste Welle kaum mitbekam. Das nächste was ich erinnere, ist dass ich im Wasser kniete und zwischen meinen Beinen mein Baby zu mir geschwommen kam und ich es aus dem Wasser heben konnte. Es war so ein schöner Moment, sie in den Armen zu halten.
Ich musste dann recht zügig aus dem Wasser raus und auf das Bett, wegen Plazenta und Blutungen und so. Das hat mit Hilfe der Hebammen überraschend gut geklappt auch wenn ich eine nasse, etwas blutige Spur hinterlassen habe. Auf dem Kreisbett habe ich mein Baby auf den Bauch/die Brust gelegt und konnte schon fast direkt das erste Mal stillen.
Zeitpunkt der Geburt war 03:09 Uhr - deutlich schneller als ich erwartet habe. Die Nabelschnur durfte ausbluten, bevor sie durchgeschnitten wurde und kurz danach kam auch schon die Plazenta - ganz und vollständig auf die Welt. Dann kam der Moment, auf den ich die letzten Tage und Wochen hingearbeitet habe: das Zittern - mein ganzer Körper zitterte und bibberte. Der Hormonabfall und gleichzeitig die Anstrengung und das Oxytocin ließen meinen Körper unkontrolliert kurz zittern. Ich habe mich gefreut.
Die Ärztin, die die Geburtsverletzungen versorgen wollte, musste kurz warten, bevor sie mich nähen konnte. Als das erledigt war, kam mein Mann in den Kreißsaal und durfte seine zweite Tochter kennenlernen. Er war froh und sehr erleichtert, dass wir alle beide wohl auf waren und hat die U1 sehr genau beobachtet. Danach habe ich mit der kleinen gekuschelt, bevor er ein wenig bonden durfte. Die Hebamme und die Ärztin entschuldigten sich und die Studentin blieb bei uns im Raum, um die Dokumentation zu machen und uns in einen kleinen anderen Raum zu bringen.
Bei der ersten Geburt konnte ich danach kaum stehen und dieses Mal bin ich direkt aufgestanden und konnte ebenfalls kurz nach der U1 schauen und auch, wie die ersten Fußabdrücke gemacht wurden. Es war ein schöner Moment und eine wundervolle Geburt. Am Nachmittag kam mein Mann dann mit der großen Tochter vorbei und es gab ein kleines Kennenlernen. Am nächsten Nachmittag sind wir dann schon nach Hause, um dort in Ruhe zu kuscheln und uns alle neu kennenzulernen als Familie zu viert.

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