Erfahrungsbericht
von S.
Vorab
Dieser Geburtsbericht ist etwas ausführlicher geworden, weil ich selbst nach einer Geschichte gesucht habe, die mir nach einem Kaiserschnitt und dem Verlust unseres Sternenkindes Mut für einen positiven Schwangerschaftsausgang und eine natürliche Geburt macht – und leider keine gefunden habe.
Deshalb möchte ich unsere Geschichte gerne teilen und vielleicht damit anderen Frauen in einer ähnlichen Situation Mut machen. Der Bericht ist bewusst positiv und mutmachend gehalten und enthält keine detaillierten Schilderungen unseres Verlustes.
Bevor ich von unserer Geburt erzähle, möchte ich erst einmal Danke sagen, Kristin. Dein Kurs und deine Arbeit haben mich durch diese Schwangerschaft und vor allem durch die Geburt begleitet. Auch der persönliche Kontakt mit dir und deine Sprachnachrichten mit deinen Tipps haben mir unglaublich viel bedeutet.
Danke auch an dein gesamtes Team für die Begleitung und Unterstützung auf diesem Weg.
Der Weg zu meiner Wunschgeburt
Schon bei der Schwangerschaft mit unserer Tochter hatte ich eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie ich mein Baby gerne zur Welt bringen wollte. Ich hatte mich damals bereits mit „Die Friedliche Geburt“ vorbereitet und wollte ursprünglich sogar ins Geburtshaus. Dann kam es anders als gedacht und unsere Tochter wurde 2022 per sekundärem Kaiserschnitt geboren.
Relativ schnell danach war ich wieder schwanger. Leider endete diese Schwangerschaft im Dezember 2023 mit unserem Sternenkind, das in der 40. Schwangerschaftswoche auf natürlichem Weg zur Welt kam. Und danach wurde ich wieder schwanger – mit unserem dritten Kind und zweiten Sohn.
Diese Schwangerschaft war für mich deshalb natürlich nicht ganz einfach. Die Angst war immer wieder da. Gerade vor den Pränataluntersuchungen hatte ich jedes Mal diesen Bammel. Ich dachte vorher schon: Hoffentlich wird jetzt nichts gefunden. Hoffentlich ist alles gut. Und dann hieß es wieder: „Alles gut.“ Eigentlich genau das, was man hören möchte. Aber dieses „Alles gut“ hatte ich auch während meiner Schwangerschaft mit unserem Sternenkind gehört. Deshalb konnte ich mich dieses Mal nicht einfach darauf verlassen.
Ein Teil von mir wollte sich so gerne freuen und darauf vertrauen, dass alles gut wird. Der andere Teil dachte immer wieder: Was, wenn wieder etwas passiert? Was, wenn wieder alles anders kommt? Ich hatte teilweise wirklich einen richtigen Kampf in meinem Kopf. Auf der einen Seite wünschte ich mir von Herzen, dass ich dieses Mal eine natürliche Geburt erleben durfte. Ich stellte mir vor, wie es sein könnte, mein Baby selbst zur Welt zu bringen.
Und auf der anderen Seite waren da diese Gedanken: Warum sollte ausgerechnet ich diese Geburt erleben dürfen? Bestimmt geht doch wieder irgendetwas schief. Am Ende wird es doch wieder ein Kaiserschnitt. Und dann waren all diese Mühen und die ganze Vorbereitung umsonst. Warum sollte ich jetzt Glück haben? Das Glück haben doch andere.
Ich glaube, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen. Man kann sich etwas von Herzen wünschen und gleichzeitig große Angst davor haben, dass es einem wieder genommen wird. Beides darf gleichzeitig da sein.
Und vielleicht war genau deshalb mein Wunsch nach einer schönen Geburt so groß. Ich hatte die Hoffnung, dass eine solche Erfahrung vielleicht etwas in mir heilen könnte. Denn so eine Geburt vergisst man sein Leben lang nicht – und ich wollte nicht, dass meine Erinnerungen an das Thema Geburt irgendwann nur von diesen schweren Erfahrungen geprägt sind. Ich wollte meinem Körper und mir selbst auch die Erfahrung schenken, dass Geburt etwas Schönes, Friedliches und Kraftvolles sein kann.
Vertrauen und Vorbereitung
Auf diesem Weg hat mir auch mein Partner unglaublich viel Sicherheit gegeben. Für ihn war zu Beginn eigentlich ganz klar: Nach allem, was wir erlebt hatten, würde unser zweiter Sohn per Kaiserschnitt zur Welt kommen. Eine natürliche Geburt war für ihn zunächst gar nicht wirklich eine Option.
Aber je mehr er gemerkt hat, wie wichtig mir die natürliche Geburt war, desto mehr hat er sich darauf eingelassen. Er hat meine Wünsche respektiert und mir immer wieder gesagt, dass ich mich selbst am besten kenne und er mir vollkommen vertraut. Er hat mich zu nichts gedrängt und keine Entscheidung für mich getroffen. Er hat mir seine Gedanken und auch seine Bedenken gesagt, aber am Ende immer wieder betont: „Du entscheidest.“
Dafür bin ich ihm heute unglaublich dankbar. Denn wenn ich meinen Geburtsbericht jetzt im Nachhinein lese, denke ich an manchen Stellen selbst: „Boah, S., da hast du dich aber ganz schön was getraut.“ Mir war durchaus bewusst, dass meine Entscheidungen von außen betrachtet vielleicht sehr mutig wirkten.
Und ehrlich gesagt hat auch mein Verstand immer wieder dagegen argumentiert. Ich hatte Zweifel und wusste, dass es auch anders kommen könnte. Aber mein Herz und mein Bauchgefühl waren sich trotzdem sicher. Irgendetwas in mir hat mir immer wieder gesagt, dass dieser Weg für uns der richtige ist. Und auch wenn mein Verstand zwischendurch laut wurde und mir alle möglichen Szenarien ausgemalt hat, konnte ich dieses Gefühl nicht ignorieren.
Während der Schwangerschaft hatte ich außerdem immer wieder das Gefühl, Unterstützung von unserem kleinen Mann zu bekommen. Er hat mir auf seine ganz eigene Art immer wieder das Gefühl gegeben: „Hey, ich bin da.“ Es gab diese kleinen Momente, in denen ich dachte: Ja. Alles gut.
Einmal hat er das sogar auf einem Ultraschallbild ganz besonders deutlich gemacht. Er lag da und hatte einen Arm so angewinkelt, als würde er seine Muskeln zeigen – und für mich sah es in diesem Moment fast so aus wie: „Wir schaffen das. Ich bin stark.“
Meine Frauenärztin und ich mussten darüber beide schmunzeln. Für mich wurde dieses Bild zu einem dieser kleinen Momente, die mir Kraft gegeben und geholfen haben, mich auf das Gute zu konzentrieren, auch wenn mein Kopf zwischendurch wieder voller Zweifel war.
Natürlich wusste ich, dass ich keine Garantie hatte. Aber ich vertraute mir, meinem Körper und unserem kleinen Mann. Und dieses Vertrauen wurde während der Schwangerschaft immer stärker. Ich hatte in dieser Schwangerschaft auch das große Glück, viel Zeit für mich zu haben, weil ich nicht gearbeitet habe.
Diese Zeit hat mir unglaublich gutgetan. Ich war regelmäßig in der Sauna, habe Yoga gemacht und konnte mich ganz bewusst mit mir selbst, der Schwangerschaft und allem, was mich beschäftigt hat, auseinandersetzen.
Dabei wurde ich von meiner Hebamme begleitet und habe mir zusätzlich auch spirituelle Begleitung gesucht. Ich habe viel mit meinem Partner und meinen Freundinnen gesprochen und hatte einfach Menschen um mich herum, mit denen ich meine Gedanken, Ängste und Hoffnungen teilen konnte. Ich glaube, dass all diese Dinge zusammen einen großen Anteil daran hatten, dass mein Vertrauen mit der Zeit immer stärker wurde. Es war nicht die eine Sache, sondern das Zusammenspiel aus all dem, was mir in dieser Schwangerschaft gutgetan und Sicherheit gegeben hat.
Mit der Zeit wurde aus meinem Wunsch nach einer natürlichen Geburt immer mehr ein ganz konkretes Bild davon, wie ich diese Geburt erleben wollte. Für mich war dieses Bild ganz klar: natürlich, möglichst vor dem errechneten Termin, in der Geburtswanne, bei gedämpftem Licht und in Ruhe. Ich wollte mein Baby selbst entgegennehmen und es mit meinen eigenen Händen auf die Welt begleiten. Ich wollte spüren, wie es geboren wird, und es selbst aus meinem Körper heraus in meine Arme nehmen.
Ich habe diese Geburt immer wieder visualisiert. Ich habe Geburtsvideos von wunderschönen, ruhigen Geburten angeschaut und die Hypnosen von Kristin gehört. Ich stellte mir immer wieder vor, wie unser Sohn ganz natürlich und in Ruhe im Wasser zur Welt kommt und ich ihn am Ende gesund in meinen Armen halte. Und ich stellte mir vor, wie ich bei jeder Welle ruhig bleibe, mich öffne und mein Baby immer weiter nach unten kommt. Damals wusste ich noch nicht, wie wichtig genau diese Bilder später für mich werden würden.
Aufgrund meiner Vorgeschichte kam eine Geburt im Geburtshaus für uns nicht infrage. Wir haben uns deshalb ein Krankenhaus gesucht, das unsere Wünsche möglichst gut mitträgt. Und wir hatten wirklich großes Glück. Wir waren mehrfach dort, haben mit den Hebammen gesprochen und wurden von Anfang an unglaublich herzlich aufgenommen.
Trotzdem hatte ich für mich eine Grenze gesetzt: Wenn es zwei Wochen vor dem Termin noch nicht losgeht, wollte ich einen Kaiserschnitt. Ich wusste einfach, dass ich es nervlich wahrscheinlich nicht ausgehalten hätte, immer weiter auf den Geburtsbeginn zu warten. Und tatsächlich haben wir deshalb einen Kaiserschnitt geplant. Diese Entscheidung war für mich zu diesem Zeitpunkt richtig und gab mir auch eine gewisse Sicherheit.
Gleichzeitig hing mein Herz weiterhin an dem Wunsch nach einer natürlichen Geburt. Und dann war da immer wieder unser kleiner Mann, der mir einfach ein gutes Gefühl gegeben hat. Solange sich alles gut anfühlte, merkte ich, dass ich auch vom Kopf her bereit war, noch ein bisschen weiter zu warten.
Deshalb haben wir den Termin für den Kaiserschnitt immer wieder nach hinten verschoben. Und letztendlich kam dann noch „ungeplant“ ein Wochenende dazwischen, sodass wir den Kaiserschnitt erst auf einen Dienstag legen konnten – vier Tage vor dem errechneten Termin. Dass wir es überhaupt so weit schaffen würden, hätte ich vorher nie für möglich gehalten.
Als ich wusste: Jetzt geht es los
Dann kam der Samstag – das Wochenende vor dem Dienstag, an dem eigentlich unser Kaiserschnitt geplant war. Es war Mitte Januar und richtig kalt. Ich hatte nichts Besonderes vor und bin mit unserer großen Tochter noch zum Spielplatz gegangen. Und irgendwie hatte ich an diesem Tag dieses ganz komische Gefühl: Das wird jetzt wahrscheinlich das letzte Mal sein, dass wir beide so alleine zum Spielplatz gehen. Ich kann das gar nicht richtig erklären. Ich war einfach unglaublich ruhig.
Wenn ich meinen Geburtsbericht heute selbst lese, kann ich manchmal kaum glauben, dass ich das wirklich so erlebt habe. Diese Ruhe vor dem Sturm, von der man immer mal wieder hört – ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas selbst einmal spüren würde. Ich dachte immer, vielleicht sind manche Menschen einfach sensibler für solche Dinge oder haben ein besseres Gespür dafür. Ich selbst hatte mich da eigentlich nie gesehen. Und trotzdem war es genau so.
Diese unglaubliche Ruhe am Samstag, dieses Gefühl auf dem Spielplatz mit unserer großen Tochter, dass es vielleicht das letzte Mal zu zweit sein könnte – und dann ging es tatsächlich an diesem Tag los. Im Nachhinein betrachtet fügt sich einfach so vieles ineinander, dass ich manchmal selbst denke: Wow. Das war wirklich unsere Geschichte. Wir hatten einen wunderschönen Nachmittag, haben gespielt, Fotos gemacht und die Zeit richtig genossen.
Als wir wieder zu Hause waren, haben wir uns ganz in Ruhe auf den Boden gesetzt und zusammen gespielt. Und irgendwann merkte ich: Irgendetwas tut sich. Die Wellen fühlten sich anders an als die Übungswellen. Also sind wir abends noch ins Krankenhaus gefahren. Einfach zum Checken. Der Muttermund war ungefähr ein bis zwei Zentimeter geöffnet. Wir hätten bleiben können und entschieden uns auch dafür – einfach, um einmal zu schauen, wie es sich entwickelt.
In der Nacht wurde gar nicht mehr untersucht. Die Wellen wurden irgendwann schwächer und wir versuchten einfach, etwas zur Ruhe zu kommen. Am nächsten Morgen wurde noch einmal kontrolliert, aber es hatte sich nicht wirklich weiterentwickelt. Und für uns war zu diesem Zeitpunkt klar: Den Kaiserschnitt würden wir nicht mehr machen. Wir wollten unserem Kleinen die Zeit geben und stattdessen, wenn nötig, mit einer Geburtseinleitung nachhelfen. Also fuhren wir erst einmal wieder nach Hause.
Die nächsten Tage waren ein bisschen ein Hin und Her. Die Wellen waren immer mal wieder da, aber noch nicht richtig kräftig. Am Montag war dann schon klar, dass eine richtige Geburtseinleitung wahrscheinlich gar nicht mehr nötig sein würde. Falls die Geburt aber nicht von selbst weiter voranging, sollte sie gegebenenfalls mit einem Wehentropf ein bisschen angeschoben werden. Viel länger warten konnten und wollten wir zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr.
Und dann kam der Dienstag – vier Tage vor dem errechneten Termin. Der Tag, an dem eigentlich unser Kaiserschnitt geplant war – und damit unser letzter gemeinsamer Tag mit unserem Sohn im Bauch. Weiter hätten wir es nicht mehr hinausgezögert. Wir fuhren wieder ins Krankenhaus und blieben diesmal stationär. Wir bezogen unser Zimmer, hatten sogar ein Einzelzimmer und wurden wirklich unglaublich liebevoll umsorgt.
Als wir Dienstagvormittag ankamen, gingen wir deshalb zunächst davon aus, dass die Geburt wahrscheinlich mit einem Wehentropf ein bisschen angeschoben werden müsste. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch gar nicht untersucht worden. Dann wurde der Muttermund noch einmal untersucht. Und plötzlich hieß es: Brauchen wir alles gar nicht mehr.
Mein Muttermund war inzwischen deutlich weiter geöffnet und die Geburt war richtig schön in Gang gekommen. Das war der Moment, in dem ich wusste: „Jetzt wird es tatsächlich passieren.“
„Jetzt bin ich an meinem Ort“
Zunächst durften wir in einem anderen Kreißsaal bleiben, weil der Raum mit der Geburtswanne noch gereinigt werden musste. Dort waren die Wellen noch gar nicht so super intensiv. Ich war weiterhin entspannt, wir haben geredet, rumgeflachst und einfach gewartet.
Vorsichtshalber hatte ich eine Wärmflasche im Rücken, weil ich bei meinen vorherigen Geburten immer so starke Rückenwehen hatte. Die Wärme tat mir richtig gut und mein Rücken blieb dieses Mal tatsächlich ganz entspannt. Und dann wurde endlich der Kreißsaal mit der Geburtswanne frei.
Als wir dort ankamen, hatte ich sofort dieses Gefühl: „Jetzt bin ich an meinem Ort.“ Und genau da veränderte sich etwas. Die Wellen wurden plötzlich richtig intensiv. Aber gleichzeitig konnte ich mich unglaublich gut darauf einlassen. Ich hatte die ganze Zeit meine Bluetooth-Kopfhörer auf und Kristin im Ohr. Ich hätte vorher wirklich nicht gedacht, dass ich mich so gut in die Wellen hinein entspannen könnte.
Aber plötzlich hatte ich das Prinzip wirklich verstanden. Nicht gegen die Welle arbeiten, nicht versuchen, sie wegzumachen, sondern mich mit ihr bewegen und meinen Körper machen lassen. Wenn eine Welle kam, schloss ich die Augen und dachte immer wieder: „Auf. Auf. Schön.“ Ich stellte mir richtig vor, wie sich alles nach unten öffnet und unser Kleiner immer weiter seinen Weg findet. Und genau das hat mir unglaublich geholfen.
Die Wellen wurden zwar immer kräftiger, aber ich konnte sie super veratmen. Ob ich dabei Schmerzen hatte, kann ich heute gar nicht mehr genau sagen. Wahrscheinlich hatte ich, wenn überhaupt, nur sehr leichte Schmerzen. Der Druck war irgendwann einfach so präsent und intensiv, dass ich gar nicht sagen konnte, ob da überhaupt noch Schmerz dabei war. Ich habe ihn jedenfalls nicht wirklich als Schmerz wahrgenommen. Ich war während der gesamten Geburt erstaunlich ruhig und sehr bei mir.
Die Hebamme fragte mich irgendwann, ob sie mich noch einmal untersuchen dürfe, um zu schauen, wie weit ich inzwischen war. Erst nach der Geburt erzählte sie mir, dass sie beim Tasten tatsächlich das Gefühl hatte, dass ich schon bei ungefähr acht Zentimetern war. Sie war sich aber so unsicher, weil es sich für sie irgendwie anders angefühlt hatte, dass sie mir diese Einschätzung nicht sagen wollte. Kurz darauf ließ sie direkt die Geburtswanne für mich ein.
Während der ganzen Geburt hatte ich immer wieder dieses Gefühl, dass wir Unterstützung von oben bekommen. Nicht nur ich – auch mein Partner hatte dieses Gefühl. Es war irgendwie, als wären wir nicht ganz alleine. Gerade weil so vieles genau in dem Moment passiert ist, in dem es passieren musste, hat sich dieses Gefühl für uns beide immer weiter verstärkt. Ich ging ins Wasser und die Wellen waren inzwischen richtig kräftig. Aber ich konnte mich weiterhin gut darauf einlassen.
Und dann gab es plötzlich einen ganz deutlichen Moment, in dem es einmal richtig „ba-bumm“ machte. Ich spürte sofort, wie unser Kleiner nach unten kam. Ich hatte mich dabei schon kurz erschrocken und wollte unbedingt wissen, was gerade passiert war. Also fragte ich die Hebamme, ob das jetzt wohl die Fruchtblase gewesen sei. Sie konnte es mir natürlich nicht sicher sagen und untersuchte mich im Wasser auch nicht.
Kurz danach wurden die Wellen noch einmal deutlich kraftvoller. Nicht schmerzhaft, aber anstrengender. Ich musste mich jetzt richtig in die Wellen hinein entspannen und habe gemerkt, wie viel Kraft da gerade in meinem Körper steckt. Ich wusste schon währenddessen: Wenn ich mich jetzt nicht mehr entspannen kann, wenn ich aus dieser Ruhe herauskomme und gegen die Welle arbeite, dann könnte es richtig heftig werden. Aber dazu kam es nicht. Ich konnte mich immer wieder hinein entspannen und die Wellen annehmen.
Mein Partner und die Hebamme unterhielten sich zwischendurch darüber, wie unser Kleiner eigentlich durchs Becken kommt. Die Hebamme holte sogar eine Puppe dazu und erklärte es ihm. Für ihn war das total spannend, weil wir vorher keinen gemeinsamen Geburtskurs gemacht hatten und er gar nicht genau wusste, wie das Baby seinen Weg durch das Becken nimmt. In den Wellenpausen habe ich tatsächlich interessiert zugehört und mir das Ganze auch angeschaut.
Sobald die nächste Welle kam, habe ich aber ganz klar gesagt: „Jetzt wieder Pause. Stopp, nicht weiterreden.“ Und dann waren die beiden auch sofort ruhig und ich konnte mich wieder ganz auf die nächste Welle konzentrieren.
Ich durfte ihn selbst entgegennehmen
Irgendwann ging die Hebamme zu ihrem Stuhl, um etwas aufzuschreiben. Genau in diesem Moment kam eine Welle, die sich plötzlich mittendrin verändert hat. Die erste Hälfte fühlte sich noch wie die vorherigen Eröffnungswellen an. Und dann hat sich innerhalb derselben Welle plötzlich etwas verändert. Ich habe richtig gemerkt: Das ist jetzt anders.
Mein Körper fing an, von selbst zu pressen. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet. Ich rief sofort: „Ich glaube, ich muss pressen!“ Und obwohl ich keine Schmerzen hatte und auch keine wirkliche Angst bekam, habe ich in diesem Moment ein bisschen Panik geschoben. Ich merkte einfach sofort: „Das geht so nicht in Rückenlage. Ich muss irgendwie hochkommen, irgendwie anders!“
Und dann habe ich direkt gesagt: „Mehr Wasser, mehr Wasser!“ Die beiden haben natürlich sofort reagiert und mir geholfen, aus meiner Position in eine tiefe Hocke zu kommen. Mein Partner war direkt hinter mir, hatte seine Arme unter meinen und ich konnte mich richtig an ihn anlehnen. So war er ganz nah bei mir und hat mir Halt gegeben.
Und als ich dann so in der tiefen Hocke war, war ich mir plötzlich ganz sicher: „Ich schaffe es, ihn selbst entgegenzunehmen.“ Das hatte ich der Hebamme vorher überhaupt nicht gesagt. Aber in diesem Moment wusste ich einfach, dass ich es kann, und habe es ihr gesagt. Sie hat mir sofort vertraut und gesagt, dass sie dann das CTG für mich halten würde.
Mein Partner hat es tatsächlich noch geschafft, mir genau in dieser Situation die zweite Hypnose von Kristin für die Austrittsphase anzumachen. Wie er das gleichzeitig mit dem Festhalten hinbekommen hat, weiß ich nicht. :D Aber irgendwie hat es funktioniert.
Die Hebamme hielt weiter das CTG. Zwischendurch fragte sie mich noch, ob es für mich okay sei, wenn sie eine Ärztin dazuholt. Ich sagte ja. In meinem Kopf dachte ich einfach: Ärztin bedeutet Sicherheit. Nur fiel ihr beim Versuch, die Ärztin zu rufen, tatsächlich das Telefon ins Wasser. Ich habe davon überhaupt nichts mitbekommen, weil ich meine Augen geschlossen hatte.
Und so waren wir am Ende einfach da. Mein Partner, die Hebamme und ich. Die Hebamme hielt weiter das CTG, während unser Kleiner sich immer wieder bewegte und mir damit das Gefühl gab: Alles ist gut. Und dann spürte ich seinen Kopf. Meine Hand lag die ganze Zeit auf seinem Köpfchen und ich konnte tatsächlich richtig in meiner Hand spüren, wie er sich noch weiter durch mein Becken drehte und immer weiter nach unten kam. Das war ein unglaublich besonderes Gefühl, weil ich dadurch so unmittelbar mitbekommen habe, was gerade passiert.
Bei einer Welle kam dann tatsächlich nur der halbe Kopf heraus. Ich weiß noch genau, dass ich sofort gesagt habe: „Es ist nur der halbe Kopf! Was mache ich jetzt?“ Die Hebamme blieb ganz ruhig. Sie sagte nichts. Und irgendwie war genau das richtig. Bei der nächsten Welle kam sein Kopf vollständig. Bei den Presswellen habe ich auf „M“ getönt.
Noch eine Welle – und dann war er da. Unser Sohn. Ich durfte ihn selbst entgegennehmen und direkt in meine Arme schließen. Ich war einfach überwältigt. Von der Geburt, von ihm und auch davon, was mein Körper da gerade ganz von selbst gemacht hatte. Diese Kraft hat mich wirklich sprachlos gemacht. Klar, ich habe ein ganz bisschen mitgeschoben, wenn ich mich richtig erinnere – einfach weil ich irgendwann so ungeduldig war und wollte, dass er endlich kommt. Aber eigentlich durfte mein Körper einfach machen.
Am späten Nachmittag war unser Sohn tatsächlich da – gesund und munter und mit knapp über vier Kilo Geburtsgewicht. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich tatsächlich so eine schöne Traumgeburt erleben darf. Mein erster Gedanke und gleichzeitig meine ersten Worte nach der Geburt waren: „Boah, war das schön.“ <3
Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war, waren wir beide noch immer völlig überwältigt und haben der Hebamme die Ehre überlassen, sie zu durchtrennen. Auch körperlich ging es mir nach der Geburt sehr gut. Ich hatte nur eine kleine Geburtsverletzung, die mit einem Stich versorgt werden musste.
Was von dieser Geburt bleibt
Wenn ich heute auf diese Geburt zurückblicke, glaube ich, dass vieles zusammengekommen ist, was mir geholfen hat, Vertrauen aufzubauen. Besonders die Visualisierungen und die Hypnosen waren für mich während der Geburt unglaublich wertvoll. Ich hatte mir diese Geburt so oft vorgestellt: ganz in Ruhe, natürlich, im Wasser – und vor allem mit dem Bild, unseren Sohn am Ende gesund in meinen Armen zu halten.
Wie wichtig diese Bilder für mich tatsächlich werden würden, habe ich wahrscheinlich bis zum Schluss unterschätzt. Während der Geburt konnte ich immer wieder darauf zurückgreifen. Sie haben mir geholfen, bei mir zu bleiben, mich zu öffnen und mich auf das einzulassen, was gerade passiert.
Auch das Loslassen war für mich ganz wichtig. Nicht gegen die Wellen anzukämpfen oder sie kontrollieren zu wollen, sondern sie anzunehmen und meinem Körper zu erlauben, einfach zu machen.
Trotzdem glaube ich nicht, dass man sich eine bestimmte Geburt erarbeiten oder durch die richtige Vorbereitung garantieren kann. Für mich war es am Ende das Zusammenspiel aus Vorbereitung, Vertrauen, Loslassen und dem Gefühl, dass wir auf unserem Weg sind – und natürlich auch großes Glück, dass sich die Geburt so entwickeln durfte.
Was mir heute besonders viel bedeutet: Diese Geburt begleitet mich bis heute. Gerade in schwierigen Zeiten schwelge ich immer wieder in den Erinnerungen daran. Ich denke an diese Stunden zurück und daran, wie vieles von dem, was ich mir vorher so sehr gewünscht und vorgestellt hatte, tatsächlich Wirklichkeit werden durfte. Und daran, wie unser Sternenkind die ganze Zeit über auf uns alle aufgepasst hat. Diese Erinnerung baut mich immer wieder auf.
Heute ist K. bereits eineinhalb Jahre alt, gesund und munter. Seinen zweiten Namen trägt er in liebevoller Erinnerung an unser Sternenkind. Für uns ist das eine ganz besondere Verbindung zwischen unseren beiden Söhnen.
Was ich anderen Frauen mitgeben möchte
Wenn ich anderen Frauen nach dieser Erfahrung etwas mitgeben möchte, dann vor allem das: Man weiß vorher nie, wie eine Geburt wirklich werden wird. Aber man darf sich trotzdem erlauben, sich eine schöne Geburt vorzustellen. Auch nach schwierigen Erfahrungen dürfen neben der Angst, Hoffnung und Vertrauen ihren Platz haben. Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Geburt erzwingen zu wollen. Jede Frau darf für sich herausfinden, was sich für sie und ihr Baby richtig anfühlt.
Unterstützung kann dabei ganz unterschiedlich aussehen – für mich waren Kristin und ihr Team, meine Hebamme, meine spirituelle Begleitung, mein Partner, meine Freundinnen und die Zeit für mich selbst wichtige Teile davon. Und auch wenn Zweifel da sind, muss das Vertrauen nicht perfekt sein. Man darf unsicher sein und trotzdem Schritt für Schritt seinen eigenen Weg finden.
Vielleicht ist genau das das Wichtigste: Sich eine schöne Geburt vorstellen zu dürfen, ohne dass daraus ein Muss wird. Und darauf zu vertrauen, dass man seinen eigenen Weg finden darf. Bei mir durfte es tatsächlich so kommen. Und dafür bin ich von Herzen dankbar. <3

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