Erfahrungsbericht
von Sandra C.
M.
Unsere friedliche Geburt zu Hause
28. September 2026 · 20:38 Uhr
Manchmal gibt es im Leben Momente, von denen man schon lange vorher weiß, dass man sie niemals vergessen wird. Und manchmal gibt es einen Moment, in dem man plötzlich versteht, warum all die Monate davor genau so sein mussten. Warum man gewartet hat. Warum man gezweifelt hat. Warum man immer wieder Angst hatte. Warum man sich vorbereitet hat. Warum man loslassen musste. Für mich war die Geburt meiner Tochter genau so ein Moment.
Es war nicht einfach nur die Geburt meines dritten Kindes. Es war der Abschluss einer Reise. Eine Reise von „Ich will“ über „Ich kann“ hin zu: „Ich vertraue.“
Die Geburt begann für mich schon Monate vorher.
Wie schon bei meinen ersten beiden Kindern war mir auch dieses Mal wichtig, mich nicht nur körperlich auf die Geburt vorzubereiten. Ich wollte mehr. Ich wollte verstehen, was in mir passiert. Ich wollte lernen, mit meinem Körper zu arbeiten und nicht gegen ihn. Ich wollte mich nicht ausschließlich mit Geburtspositionen und praktischen Dingen beschäftigen, sondern mich auch innerlich auf die Geburt einlassen. Ich wollte Vertrauen.
Deshalb entschied ich mich in dieser Schwangerschaft für den Kurs „Die friedliche Geburt“ von Kristin Graf. Und ich habe diese Vorbereitung wirklich gelebt. Über Monate. Woche für Woche. Ich habe meinen Bauch eingeölt, morgens meine Meditationen und Hypnosen gehört, Affirmationskarten gestaltet und die verschiedenen Säulen der friedlichen Geburt immer wieder visualisiert. Hingabe. Visualisierung. Atmung. Entspannung. Mein sicherer Ort.
Ich habe meinen Geburtsraum vorbereitet und mir immer wieder vorgestellt, wie ich mich dort fühlen möchte. Und während ich all das tat, wuchs in mir nicht nur mein Baby. Es wuchs auch etwas anderes: Vertrauen.
Mein größter Wunsch war schon immer eine Hausgeburt. Ich wollte mein Baby dort bekommen, wo ich mich sicher fühle. Wo ich mich frei bewegen kann. Wo ich mich nicht fremd fühle. Ich wollte bei mir sein. Also tat ich alles dafür, diesen Wunsch möglich zu machen. Ich fand eine Hebammenbegleitung, die Hausgeburten anbot, bekam einen Platz und besuchte zusätzlich einen Geburtsvorbereitungskurs, der noch einmal sehr viel Wert auf Entspannung und die mentale Vorbereitung auf die Zeit vor, während und nach der Geburt legte.
Ich merkte dabei immer wieder: Es geht nicht darum, eine Geburt kontrollieren zu können. Es geht darum, sich selbst so gut kennenzulernen, dass man sich auch dann halten kann, wenn die Geburt anders verläuft als erwartet.
Und dann kam der errechnete Termin
Meine beiden ersten Kinder waren am errechneten Termin geboren worden. Auch dieses Mal hatte ich bereits etwa zwei Wochen vorher Senkwehen gespürt. Immer wieder zog es im Rücken, ich bemerkte verschiedene Geburtsanzeichen und dachte: „Okay. Bald geht es los.“
Doch der errechnete Termin kam. Und ging. Und meine Tochter blieb noch in meinem Bauch. Und plötzlich wurde aus Vorfreude Ungeduld. Aus Vertrauen wurde zwischendurch Angst. Denn ich kannte meine Geschichte. Meine ersten beiden Kinder waren groß gewesen und meine Geburten hatten jeweils sehr lange Latenzphasen gehabt. Ich wusste also, dass mein Körper durchaus mehrere Tage brauchen konnte.
Und irgendwann kamen Gedanken, die ich eigentlich gar nicht haben wollte: Was, wenn ich doch in die Klinik muss? Was, wenn eingeleitet werden muss? Was, wenn Interventionen nötig werden? Was, wenn am Ende alles ganz anders kommt, als ich es mir so sehr gewünscht habe? Diese Gedanken waren intensiv.
Aber genau darin lag auch eine wichtige Erfahrung für mich: Vertrauen bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Vertrauen bedeutet, Angst wahrzunehmen und trotzdem immer wieder zu sich zurückzufinden.
Meine Hebamme kontrollierte mich nach dem errechneten Termin regelmäßig und es war alles unauffällig. Mein Baby war gut versorgt. Und so versuchte ich immer wieder, mich daran zu erinnern: Mein Körper arbeitet bereits. Ich muss nur noch darauf vertrauen, dass der richtige Zeitpunkt kommt.
Sonntagabend
Dann kam dieser ganz unspektakuläre Sonntag. Mein Mann und ich verbrachten einen ruhigen Tag. Unsere beiden Jungs waren bei den Großeltern und sollten dort auch übernachten. Abends waren wir wieder zu Hause. Und wir machten genau das, was wir in den Monaten zuvor so oft gemacht hatten: Wir schauten eine weitere Miniserie. Wir machten es uns gemütlich, ich streichelte meinem Mann den Rücken und er massierte meine Akupressurpunkte. Vielleicht würde es ja helfen. Vielleicht würde unsere kleine Tochter sich nun endlich auf den Weg machen.
Zwischen etwa 20 und 23 Uhr spürte ich immer wieder merkwürdige Schmerzen. Im Bauch. Nach unten. Anders als typische Wehen. Ich konnte sie nicht richtig einordnen. Also machten wir einfach weiter. Serie schauen. Rücken streicheln. Zusammen sein. Irgendwann gingen wir nach oben. Auf dem Weg die Treppe hinauf kam wieder eine solche Kontraktion. Ich ging auf die Toilette. Und da sah ich einen Teil des Schleimpfropfes.
Und in diesem Moment wusste ich: Jetzt beginnt es. Ich wusste nicht, wann meine Tochter kommen würde. Aber ich wusste: Jetzt ist etwas in Bewegung. Ich ging ins Bett. Und tatsächlich kamen die Kontraktionen nun regelmäßig – ungefähr alle zehn bis fünfzehn Minuten.
Und plötzlich erinnerte ich mich an meine ersten beiden Geburten. An die langen Latenzphasen über Tage hinweg mit Wellen. Und ich dachte: Wenn das wieder zwei oder drei Tage dauert, brauche ich meine Kraft. Also traf ich eine bewusste Entscheidung: Ich gehe jetzt schlafen. Ich döste zwischen den Wellen, atmete sie teilweise durch und schlief tatsächlich immer wieder ein. Bis fast acht Uhr morgens.
Der Morgen
Als ich morgens aufstand, war ich fast überrascht. Meine Tochter war in der Nacht bei jeder Kontraktion sehr aktiv gewesen. Jetzt war sie plötzlich ganz ruhig. Zwischen acht und zehn Uhr machte die Geburt eine Pause. Und ich dachte: Vielleicht doch nicht heute. Diesmal konnte ich diesen Gedanken erstaunlicherweise annehmen. Dann ist es eben so. Ich legte mich noch einmal hin.
Wir frühstücken spät. Und irgendwann spürte ich: Ich möchte mich bewegen. Ich möchte raus. Also fuhren mein Mann und ich in unseren Garten.
Die Bewegung
Ich wollte nicht einfach irgendwo spazieren gehen. Die Wellen waren inzwischen so deutlich, dass ich mich gerne auf sie konzentrieren wollte. Im Garten konnte ich einfach ich selbst sein. Mein Mann werkelte ein bisschen. Wir hörten Musik. Und ich lief. Wenn eine Welle kam, blieb ich stehen. Am Trampolin. An der Rutsche. Am Gartenhäuschen. Ich atmete. Ich bewegte mein Becken. Ich ließ die Welle nach unten fließen.
Und dabei hatte ich ein ganz anderes Gefühl als bei meinen ersten beiden Geburten. Es fühlte sich an wie sinnige Arbeit. Wie etwas, das voranging. Ich dachte immer wieder: Vielleicht bewirkt diese Bewegung jetzt tatsächlich etwas. Nach ungefähr zwei Stunden fuhren wir wieder nach Hause. Wir wollten Mittag essen.
Der Mittag
Zu Hause aß ich Reste: Frikadellen mit Senf. Und natürlich war unsere Miniserie noch nicht fertig. Also legten wir uns wieder auf die Couch hin und schauten sie weiter - noch 1,5 Folgen, das Ende zum Greifen nahe. Während der nächsten Folge kamen einige Wellen, bei denen ich plötzlich nicht mehr einfach weiterschauen konnte. Ich musste mich vollständig auf die Welle konzentrieren.
Und dann sagte ich zu meinem Mann: „Bitte lass Wasser in den Geburtspool.“ Der Pool stand bereits seit dem Morgen. Mein Mann begann, Wasser einzulassen. Wir schauten noch ein bisschen weiter. Bis ich plötzlich hörte: „Ach du Scheiße!“ Der Wasserschlauch war geplatzt.
Unser Haus stand unter Wasser. Mitten in meiner Geburt. Und was machte ich? Ich holte den Nasssauger und saugte das Wasser auf. Der Teppich war nass. Das Haus war nass. Später hatten sogar die Hebammen irgendwann nasse Füße. Aber: Der Geburtspool stand. Und das war das Wichtigste. :)
Ins Wasser
Gegen 14 Uhr stieg ich in den Pool. Und ich hatte sofort das Gefühl: Jetzt bin ich angekommen. Ich hatte meinen Geburtsraum schon lange vorher vorbereitet. Meine Affirmationskarten standen bereit. Meine Visualisierungen. Mein sicherer Ort. Mein Diffusor. Mein Duftanker. Alles war da. Ich setzte mein Stirnband mit integrierten Kopfhörer auf (absolute Empfehlung!) und startete die Hypnose für die Eröffnungsphase.
Und dann war ich einfach da. Nur ich. Mein Baby. Das Wasser. Und meine Geburt. Das Wasser war unglaublich angenehm. Mein Mann kümmerte sich immer wieder darum, dass die Temperatur angenehm blieb, und ich konnte mich ganz auf mich konzentrieren.
Ich hatte meine Körperarbeit aus der Schwangerschaft im Kopf. Ich dachte an Bewegung. An mein Becken. An die Geburtsspirale. Und ich bewegte mich intuitiv. Ich kreiste. Ich öffnete. Ich verkrampfte nicht. Ich versuchte nicht, die Wellen aufzuhalten. Ich ging mit ihnen.
Und es war tatsächlich schön. Nicht schmerzfrei. Aber total stimmig. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mein Körper gegen mich arbeitet. Ich hatte das Gefühl: Mein Körper arbeitet mit mir.
Mein Handy musste weg
Zwischendurch nahm ich zwei- oder dreimal mein Handy. Ich wollte wissen, wie es meinen Kindern ging. Aber sobald eine Welle kam, merkte ich: Das hier braucht meine ganze Aufmerksamkeit. Also legte ich das Handy wieder weg. Zurück in die Hypnose. Zurück zu meinem Anker. Mein Fingernagel unter den anderen Fingernagel. Atmen. Atmen. Atmen. Dieser kleine körperliche Anker half mir, wieder ganz in die Geburt zurückzufinden. Und ich ging immer tiefer.
„Ich möchte meine Hebamme sehen.“
Gegen 17 Uhr merkte ich: Ich möchte, dass meine Hebamme kommt. Nicht, weil ich Angst hatte, dass etwas nicht stimmte. Ich wusste, dass es meinem Baby gut ging. Aber ich wollte wissen: Arbeitet mein Körper wirklich? Oder war ich wieder in einer dieser langen Latenzphasen?
Denn die Wellen wurden inzwischen immer intensiver. Die Abstände wurden kürzer. Erst ungefähr alle fünf Minuten. Dann immer dichter. Irgendwann kamen sie teilweise nur noch alle ein bis eineinhalb Minuten. Ich hatte kaum noch Verschnaufpausen. Und plötzlich wollte ich nicht mehr alleine sein. Meine Hebamme wusste, dass ich sie brauchte, und machte sich auf den Weg.
Und während ich auf sie wartete, kamen wieder Gedanken: Was, wenn es wieder zwei Tage dauert? Was, wenn ich das nicht schaffe? Heute weiß ich: Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich bereits in der Übergangsphase. Aber damals wusste ich es nicht.
Dann kam meine Hebamme
Als meine Hebamme gegen 19 Uhr kam, war plötzlich alles gut. Sie gab mir ihre Hände. Und ich konnte mich daran festhalten. Wir veratmeten die Wellen gemeinsam. Sie erinnerte mich immer wieder ans tiefe Tönen. Ich hatte weiterhin meine Kopfhörer auf. Meine Hypnose lief. Ich hörte die vertraute Stimme. Ich atmete. Manche Wellen bekam ich wunderbar hin. Andere waren unglaublich intensiv. Aber ich blieb. Ich blieb bei mir. Die Herztöne meines Babys waren wunderbar. Alles war gut.
Und dann wollte ich wissen, was mein Körper tatsächlich geschafft hatte. Ich wollte Gewissheit. Ich wollte nicht wieder stundenlang arbeiten, ohne zu wissen, ob sich etwas verändert hatte. Ich wollte einfach nur hören: „Du bist weiter.“
„Du bist bei acht Zentimetern.“
Dann wurde ich untersucht. Und meine Hebamme sagte: „Du hast nur noch einen kleinen Saum.“ Ich verstand es zunächst gar nicht. „Was heißt das?“ Und dann: „Du bist schon bei acht Zentimetern.“ Acht Zentimeter. Nach wenigen Stunden intensiver Geburt. Ich konnte es kaum glauben. Und plötzlich war da dieses Gefühl. Diese tiefe Zufriedenheit. Dieser Schalter.
Denn ich kannte diesen Moment aus meiner zweiten Geburt. Auch damals hatte eine Untersuchung bei acht Zentimetern etwas in mir verändert. Dieser Satz bedeutete für mich: Es ist wirklich so weit. Jetzt kommt mein Baby. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken, ob ich es schaffen kann. Ich schaffe es. Und dieses Mal war ich zu Hause. In meinem sicheren Ort. Bei mir. Und plötzlich wusste ich: Sie kommt heute.
Der Druck
Schon die nächste Welle nach dieser Aussage fühlte sich bereits anders an. Ich spürte Druck. Mein Körper sagte mir: Jetzt geht es nach unten. Dann begann die Suche nach der richtigen Position. Und plötzlich war keine Position richtig. Ich probierte verschiedene Möglichkeiten. Stuhl. Stehend. Vierfüßler. Hocker. Immer wieder eine Welle. Immer wieder atmen.
Und meine Hebamme sagte zu mir: „Du kannst jetzt wirklich alles loslassen.“ Sie sagte mir, dass alles vorbereitet war. Das Baby konnte kommen. Und ich sagte: „Ich habe losgelassen. Ich lasse jetzt los.“ Diesen Satz hatte ich wochenlang vorbereitet. Hingabe. Loslassen. Vertrauen. Und plötzlich wurde aus einem Satz eine Erfahrung.
Die Austrittsphase
Ich war schließlich im Vierfüßlerstand vor unserer Couch und bemerkte plötzlich: Ich hörte immer noch die Hypnose für die Eröffnungsphase. Ich ließ mir mein Handy geben und startete zum ersten Mal die Hypnose für die Austrittsphase. Ich hatte sie vorher noch nie gehört. Und als die vertraute Stimme begann, geschah etwas in mir. Mein Körper wusste offenbar: Jetzt. Jetzt ist die Austrittsphase.
Und genau in diesem Moment rutschte meine Tochter mit nur einer einzigen Welle tief ins Becken. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Glückshaube
Plötzlich war der Kopf da. Meine Hebamme sagte: „Der Kopf ist da.“ Und ich sagte einfach: „Ja.“ Dann kam der Körper mit der nächsten Welle. Meine Tochter wurde in der Glückshaube geboren. Die Fruchtblase war nicht vorher geöffnet worden. Sie war von selbst während der Geburt geplatzt. Nichts musste beschleunigt werden. Nichts musste erzwungen werden. Mein Körper und mein Baby machten es einfach. Und dann war sie da.
20:38 Uhr
Ich sah sie unter mir. Rosig. Ganz frisch. Und unglaublich rutschig. Ich hob sie hoch. Und ich konnte es nicht glauben. Sie war da. Meine Tochter. Mein drittes Kind. Unser Mädchen. Geboren zu Hause. In unserem sicheren Ort. Und dann hörte ich: „20:38 Uhr.“ 20:38 Uhr. Da war sie.
Auf meiner Brust
Ich durfte mich auf die Couch legen und meine Tochter lag auf meiner Brust. Und ich konnte sie einfach nur anschauen. Dieses kleine Wesen, das ich neun Monate lang unter meinem Herzen getragen hatte, war plötzlich wirklich da. Bei mir. Ich hatte keine Augen für irgendetwas anderes. Die Hebammen kümmerten sich um alles, was im Hintergrund notwendig war. Aber ich sah nur sie. Meine Tochter.
Auch die Plazenta durfte ihren Weg gehen
Etwa zwanzig Minuten später spürte ich wieder eine Welle. Ich wusste sofort: Da kommt noch etwas. Und tatsächlich wurde kurz darauf, 20 Minuten nach der Geburt, die Plazenta geboren. Ohne künstliches Oxytocin. Ohne Medikamente. Ohne Intervention. Mein Körper machte einfach weiter. Ganz alleine. Und ich erinnere mich an dieses Gefühl von Vollständigkeit. Als würde mein Körper sagen: „Ich mache das schon.“ Ich wurde untersucht. Trotz der schnellen Austrittsphase keine Dammverletzug. Plazenta vollständig. Alles super.
Die Nabelschnur
Wir warteten, bis die Nabelschnur auspulsiert war. Und dann durfte ich selbst abnabeln. Das war mir wichtig. Denn ich hatte mich monatelang auf diese Geburt vorbereitet. Ich hatte mit meinen Ängsten gearbeitet. Mit meinen Gedanken. Mit meinem Körper. Mit meiner Vergangenheit. Mit meinen Vorstellungen. Und jetzt durfte ich selbst diesen letzten Schritt machen. Es war ein wunderschöner Moment.
Und dann kam die U1
Meine Tochter wog 4.240 Gramm, war 54 Zentimeter groß und hatte einen Kopfumfang von 36 Zentimetern. Ein großes, kräftiges Mädchen. Und gesund. Gut versorgt. Bereit für diese Welt. Und ich musste lächeln. Denn wieder einmal hatte mein Körper mich überrascht.
Vertrauen statt Kontrolle
Vielleicht war das für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Geburt. Ich hatte solche Angst davor gehabt, über den errechneten Termin zu gehen. Ich hatte Angst vor einer möglichen Einleitung. Angst vor Interventionen. Angst davor, dass meine Geburt nicht so stattfinden könnte, wie ich es mir wünschte.
Und gleichzeitig hatte ich gelernt: Vertrauen bedeutet nicht, dass man alles vorher wissen muss. Vertrauen bedeutet auch nicht, dass man niemals Angst hat. Vertrauen bedeutet: Ich darf Angst haben und trotzdem bei mir bleiben. Ich darf Fragen haben und trotzdem meinem Weg folgen. Ich darf mich medizinisch begleiten und kontrollieren lassen und gleichzeitig auf meine Intuition hören. Ich muss mich nicht zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung entscheiden. Ich darf beides miteinander verbinden.
Meine Hebamme kontrollierte mein Baby regelmäßig. Es war alles unauffällig. Und gleichzeitig durfte ich mich selbst immer wieder daran erinnern: Sie ist gut versorgt. Mein Körper arbeitet. Der richtige Zeitpunkt wird kommen. Und er kam.
Meine drei Geburten
Wenn ich heute auf meine drei Geburten zurückblicke, sehe ich nicht drei voneinander getrennte Geschichten. Ich sehe einen Weg. Bei meinem ersten Kind war ich vom starken Wollen langsam ins Fließen gekommen. Ich hatte mich mental vorbereitet und trotzdem noch einige Hürden erlebt.
Bei meinem zweiten Kind war ich bereits selbstbestimmter. Ich wusste mehr über meinen Körper und darüber, was mir guttut. Und mit meiner dritten Geburt durfte ich etwas erleben, das ich mir schon so lange gewünscht hatte: Ich war wirklich bei mir. In meiner Mitte. In meinem Vertrauen.
Was mir die friedliche Geburt gegeben hat
Ich glaube nicht, dass mir die mentale Vorbereitung eine bestimmte Geburt „garantiert“ hat. Aber sie hat mir etwas gegeben, das für mich noch viel wertvoller war: Werkzeuge. Werkzeuge, mit denen ich arbeiten konnte. Meine Atmung. Meine Hypnosen. Meine Visualisierungen. Meine Affirmationen. Meinen sicheren Ort. Meinen körperlichen Anker. Die Erinnerung daran, mich zu öffnen, statt anzuspannen. Die Erlaubnis, mich zu bewegen.
Und vor allem: Die Möglichkeit, immer wieder zu mir zurückzukehren. Nicht jede Welle war leicht. Nicht jede Welle war friedlich. Es gab sehr intensive Momente. Aber ich hatte nicht das Gefühl, ihnen ausgeliefert zu sein. Ich hatte das Gefühl: Ich kann mit ihnen arbeiten. Und genau das war für mich ein riesiger Unterschied.
„Ich lasse los.“
Dieser Satz begleitet mich besonders. Ich lasse los. Nicht nur körperlich. Auch mental. Die Angst davor, dass es wieder tagelang dauern könnte. Die Angst, dass ich es nicht schaffen würde. Die Angst, dass mein Körper vielleicht nicht so funktioniert, wie ich es mir wünsche. Die Angst, dass ich Kontrolle brauche. Ich durfte erleben: Mein Körper weiß mehr, als mein Kopf manchmal glauben kann. Und meine Tochter wusste offenbar genau, wann sie bereit war.
An alle Frauen, die diesen Bericht lesen
Ich selbst habe vor dieser Geburt unzählige Geburtsberichte gelesen. Und jeder einzelne hat mir auf seine Weise etwas gegeben. Manche haben mir Mut gemacht. Manche haben mir neue Perspektiven eröffnet. Manche haben mir gezeigt, dass eine Geburt ganz anders verlaufen kann, als ich dachte. Und manche haben mir einfach nur das Gefühl gegeben: Ich bin nicht allein.
Deshalb möchte ich auch meine Geschichte teilen. Nicht, weil sie ein Rezept für eine Geburt ist. Nicht, weil eine Geburt auf eine bestimmte Weise stattfinden muss. Und auch nicht, weil eine Hausgeburt oder eine bestimmte Geburtsform für jede Frau der richtige Weg sein muss. Sondern weil ich zeigen möchte, was mentale Vorbereitung für mich bewirken konnte.
Vielleicht liest eine Frau diesen Bericht, die gerade schwanger ist und Angst vor der Geburt hat. Vielleicht zweifelt sie an sich. Vielleicht fragt sie sich, ob ihr Körper das kann. Vielleicht ist sie gerade dabei, sich vorzubereiten und weiß noch gar nicht, ob sie diesen Hypnosen wirklich vertrauen kann.
Dann möchte ich ihr gerne etwas mitgeben: Du musst nicht heute schon wissen, wie du unter der Geburt sein wirst. Du musst nicht angstfrei sein. Du musst nicht perfekt vorbereitet sein. Du musst nicht jede Technik beherrschen. Du musst nicht wissen, wann dein Baby kommt.
Du darfst einfach Schritt für Schritt lernen, dich selbst kennenzulernen. Deinen Körper. Deine Atmung. Deine Gedanken. Deine Bedürfnisse. Deine Ängste. Und vielleicht wächst während dieser Vorbereitung etwas, das viel wichtiger ist als jede einzelne Technik: Vertrauen.
Bei mir begann die Geburt nicht erst mit der ersten Wehe. Für mich begann sie viele Monate vorher. Mit jeder Hypnose. Mit jeder Meditation. Mit jeder Affirmation. Mit jedem Moment, in dem ich mich bewusst für Vertrauen statt Angst entschieden habe. Und am Ende lag meine Tochter auf meiner Brust. Zu Hause. Friedlich. Selbstbestimmt. In meinen Armen. Und ich wusste: Ich war da. Ganz. Mit meinem Körper. Mit meinem Herzen. Mit meiner Angst. Mit meiner Kraft. Mit meiner Intuition. Und mit meinem Vertrauen.
Mein persönlicher Weg in einem Satz
Vom Wollen ins Fließen. Vom Fließen ins Vertrauen. Und vom Vertrauen ins Loslassen. Drei Geburten. Drei Kapitel. Ein Weg. Und am Ende: Meine Tochter. Meine M. Mein kleines Mädchen. Und ein Gefühl, das ich wohl nie vergessen werde: Ich habe meinem Körper vertraut – und er hat mich getragen.
Danke Von Herzen
Danke an Kristin Graf - du warst die komplette Geburt über auf meinen Ohren, und deine Hypnose zur Austrittsphase war der Startschuss für unsere Tochter in nur zwei Wellen komplett geboren zu werden, Wahnsinn. Danke an das gesamte Team von „Die friedliche Geburt“ für dieses Konzept und all die Werkzeuge, die mich über viele Monate begleitet haben. Danke für die Hypnosen, die Affirmationen, die Gedankenanstöße und vor allem dafür, dass ich dadurch meinen ganz eigenen Zugang zu Vertrauen, Hingabe und Geburt finden durfte.
Ich habe vor meiner Geburt so viele Berichte anderer Frauen gelesen. Sie haben mir Mut gemacht, mich inspiriert, mich beruhigt und mir immer wieder gezeigt, wie unterschiedlich und gleichzeitig wie kraftvoll Geburt sein kann. Deshalb möchte ich nun auch meine Geschichte weitergeben. Vielleicht schenkt sie einer anderen Frau genau das, was mir die Berichte anderer Frauen geschenkt haben: Ein kleines bisschen Mut. Ein kleines bisschen Vertrauen. Und vielleicht den Gedanken: „Wenn andere Frauen ihren Weg finden können, darf auch ich meinen finden.“

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