Erfahrungsbericht
von Saskia W.
2 Geburten: eine selbstbestimmte vag. Geburt und ein sekundärer KS - mit Die friedliche Geburt
Ich habe 2020 das erste mal den Kurs gemacht und während des Lockdowns die Zeit intensiv damit verbracht, den Podcast zu hören sowie den Kurs zu belegen. Damals galt es noch, dass Väter erst ab der Hälfte dazu dürfen und mein Patner war 400km entfernt, als die Fruchtblase riss. Wir sind in der Nacht zuvor noch einmal alles durchgegangen, weil da so ein Bauchgefühl war.
Ein Bekannter fuhr mich gegen 6 Uhr in die Klinik, keine Wehentätigkeit also auf Station. Um 7:30 Uhr mit dem Frühstückstablett in der Hand ging es plötzlich schlagartig los. Ich griff nach meinen Kopfhörern und trackte die Aktivitäten. Keine 5 min Pause. Ich fuhr allein mit dem Aufzug in den Kreißsaal und ließ dort ein CTG schreiben- im Stehen. Nichts ging mehr. Außer lauschen und atmen. Von außen muss ich sehr ruhig gewirkt haben, weil das erst keiner glauben konnte. Da mir kalt wurde, fragte ich, ob ich baden könne. Und bei der Kontrolle kurz vorher um 9 Uhr wurde bereits die 5cm Eröffnung festgestellt.
Etwa um 9:30 Uhr kam mein Partner dazu und wir tranken Wasser und Kaffee, während ich in der Wanne saß. Doch es war entgegen meiner Erwartungen sehr unangenehm. Ich hielt es kaum aus und wollte wieder raus, weil alles so viel intensiver wurde. Wir wurden in den Kreißsaal geführt und ab dort hatte ich meine Augen verschlossen. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren. Hörte keine Türen, keine Gespräche. Selbst als ich irgendwo zwischendrin meine Kopfhörer verloren hatte. Mein Mann musste meinen Rücken massieren und die Hebammenschülerin respektierte den Wunsch, nicht angefasst zu werden.
Irgendwann fühlte es sich an, als würde ich eine Sportübung machen, bei der man nicht weiß, wann man eigentlich fertig ist. Als zählte ein Trainer immer wieder "noch 5 min", und kurz darauf wieder "noch 5min" - wann denn jetzt endlich?! Also machte ich meinem Frust Luft und die Hebammenschülerin entgegnete "wenn sie doch mit mir die Position ändern würden, dann wäre das Kind vermutlich schon demnächst da, weil der Kopf war schon zu sehen."
Und da wurde mir klar "oh das sind Presswehen. Ich ließ mich in die Position auf der Seite führen und holte tief Luft. 2 oder 3Mal blieb sie mir beinahe weg von der Stärke des Körpergefühls. Es war unglaublich. Und dann verschwand der Druck plötzlich und ich tastete und fühlte etwas samtig Wabbeliges. Die Nabelschnur. Kurz darauf öffnete ich meine Augen.
Es war 14 Uhr, das Kind in meinen Armen. Wie die Nabelschnur durchtrennt wurde, hatte ich nicht mitbekommen und auch nicht, woher die ganzen Leute in dem Raum kamen und seit wann sie da waren. Es brauchte eine Weile, bis ich im Hier und Jetzt angekommen war. Und später erzählte mir mein Partner alles, was in den Stunden passierte, während ich mit geschlossenen Augen am Atmen war.
Bei Kind Nr. 2 2025 verlief alles etwas anders. Ich hatte die Tage zuvor solche Rückenschmerzen und Fieber, war im KH und es wurde eine Nierenbeckenentzündung sowie ein positiver Coronatest festgestellt. Ich bekam Medikamente und sollte mich daheim ausruhen.
48h später setzten die Wehen ein. Viel langsamer mit größeren Abständen. Kind 1 wurde in den Kindergarten gebracht und wir fuhren los. Aufgrund des positiven Tests bat man mich, eine Maske aufzusetzen für die Untersuchungen und irgendwann hörten die Wehen nicht mehr auf. Das CTG bewegte sich konstant zwischen 50 und 100. Ich befand mich in einem Hebammen geführten Kreißsaal und bat um eine Pause. Doch der Wehenhemmer wirkte kaum. Ich befand mich bei 6-7cm und ich spürte die enorme Erschöpfung bereits jetzt. Ganz anders als beim ersten Mal. Mir stiegen die Tränen auf, weil ich tief in mir wusste, dass ich es durchaus schaffen könnte, aber mir jegliche Kraft fehlte. Lachgas war unklar wegen der Nutzungsdauer für 2h und ich könne eine PDA bekommen.
Ich lehnte ab und entschied mich für den Kaiserschnitt. Der Wehensturm hielt weiter an. Ich war am Atmen und konnte mich nicht bewegen. Ich schaltete auf die spontane Vorbereitung einer Bauchgeburt und versuchte zu entspannen. Auf dem Weg in den OP platzte plötzlich die Fruchtblase. Presswehen setzten ein. Aber die Stunden anhaltenden Wehen und die Erkrankung ließen mich deutlich spüren, dass ich eine Pause brauchte. Im OP wurde mir erklärt, dass das Kind entweder ziemlich bald so auf die Welt kommen würde oder sie jetzt ganz schnell handeln müssen, um meinem Wunsch nachkommen zu können. Doch der Wehenhemmer wirkte kaum, um die PDA im Sitzen setzen zu können. Nach der nächsten Gabe klappte es plötzlich, ich konnte mich hinlegen und spürte, wie die ganze Anspannung mit unfassbar starkem Zittern aus dem Körper wich. Ich gab Bescheid, dass ich nun aufhöre zu sprechen aus Angst, meine Zunge versehentlich zwischen die klappernden Zähne zu bekommen.
Und dann hörte ich plötzlich diesen unfassbar süßen Schrei des Babys. "Ist es etwa schon geschafft?" Und kurz darauf wurde mir ein gefühlt riesiges Bündel auf die Brust gelegt. Wir durften bonden. Und dann ging es mit dem Papa mit, bis ich fertig war. Ich entschuldigte mich bei dem wundervollen OP Team für meinen gestressten Umgang und war dankbar, dass mein Körper die Pause bekommen hatte. Die Betäubung war so stark, dass ich 6 Stunden später noch nicht die Zehen wackeln konnte. Doch entgegen aller Erwartungen war ich sehr glücklich mit meiner Entscheidung. Es war selbstbestimmt. Gewünscht und auch irgendwie zufrieden, beide Erfahrungen gemacht haben zu können.
Nach 2 Nächten verließ ich das Krankenhaus und trug das Baby in meinen Armen raus, anstatt eine Babyschale zu nutzen. So stark hatte ich mich mein ganzes Leben vorher nicht gefühlt. Und ich bin den Hypnosen unfassbar dankbar, dass ich so gut durch beide Situationen begleitet wurde.

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