Erfahrungsbericht
von Sonja
Triggerwarnung: Notsectio nach äußerer Wendung
Reflexion der Geburt entsprechend der passenden Hypnose der friedlichen Geburt.
1) Beginn der Geburt:
- Was hast Du empfunden?
- Wie ging es Dir körperlich?
- Was hast Du gedacht?
Es war eine lockere, gelöste Stimmung im Kreißsaal mit den Ärztinnen und Hebammen. Mir ging es körperlich sehr gut vor dem morgendlichen Termin (über zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin) zur äußeren Wendung aufgrund einer seit Wochen eingenommenen Beckenendlage. Ich war ganz ruhig und gelassen. Die Anspannung der Zeit zuvor mit meiner Intuition "es wird etwas passieren" war weg, denn ich fühlte mich vorbereitet auf alle Szenarien von erfolgreicher Wendung und natürlicher Geburt über Einleitung bis Kaiserschnitt. Die Selbsthypnose hat prima geklappt und ich bin bei der Tranceinduktion nach einer Skitour auf unserem Hausberg in den Ammergauer Alpen von oben runter gefahren mit bester Aussicht und bis unten zum Parkplatz und zum Werbeplakat am Schuppen mit einem Bernadinerhund drauf.
2) Geburt im Ganzen:
- Was waren besonders intensive oder besonders schöne Momente, an die Du Dich gerne ein Leben lang zurückerinnern möchtest?
- Vielleicht gibt es auch etwas, dass Du auf Deiner Geburtsreise gelernt hast, dass Du in Deinem Herzen bewahren möchtest?
Schön war die lustige Auflösung der Geschlechtsüberraschung mit dem kommunikativen Missverständnis und der irritieren Nachfrage der Oberärztin: wissen Sie das Geschlecht jetzt doch? Wir sprachen eigentlich vor dem Beginn der äußeren Wendung mit "der" von der Lage des Kopfes beim Check mit dem Ultraschall. Und meine humorvolle Antwort war: " Eigentlich nicht." Auch wenn dann schon klar war, dass es ein Junge sein muss, der nur noch wenige Minuten in meinem Bauch sein sollte.
Intensiv war das Registrieren, dass es nach der positiven Freude über die erfolgreiche Wendung schnell einen Umschwung und eine Anspannung im Kreißsaal mit den zwei Ärzt*innen und Hebammen gab: hier ist etwas nicht in Ordnung. Welche Herztöne gehen so rapide runter? Ist es die Mama oder das Baby?
Gelernt habe ich neben "vorbereitet sein" auf der Geburtsreise: "Vertrauen haben", "ruhig bleiben", "loslassen können" und "Teamwork anerkennen" (wie oft in meinem Leben) der Schlüssel zum Gelingen sind.
3) Geburt von außen:
- Wie mag es wohl von außen aus der Vogelperspektive ausgesehen haben?
- Wie war es wohl zu Beginn?
- Wie ging es dann weiter? Was war Dein Geburtsort?
- Wie war es wohl als es schwer war bei der Geburt, als Du Dich sehr angestrengt hast?
- Wie war es, als Dein Baby dann wirklich kam? Wie mag es ausgesehen haben, wenn Du in Deiner Vorstellung über der Szene schwebst?
- Wie war der Moment, als Du Dein Baby dann endlich spüren konntest. Schau Dir auch das von oben an. Der erste Kontakt mit Deinem Kind. Spüre nochmal die Situation...
Zu Beginn war noch gar nicht klar, dass heute die Geburt sein wird. Nach der äußeren Wendung lief es in der Dramaturgie wie im Film. Der Geburtsort war der OP und weder der nochmal werdende Papa (stehen gelassen vor dem OP-Bereich vom mich im Bett schiebenden und dabei sprintenden Klinikteam) noch ich als nochmal werdende Mama (unter sofortiger Vollnarkose) haben etwas von der Geburt mitbekommen. Ganz liebevoll hat die Anästhesistin mir noch gesagt "ich bin bei Ihnen". Für das gesamte Klinikteam mit Gynäkologie, Pädiatrie, Anästhesie, Hebammen und OP-Personal empfinden wir eine große Dankbarkeit und sind beeindruckt von ihrer Teamleistung. Das haben wir allen Beteiligten bis zur Chefärztin hinterher in den gemeinsamen Reflexionsgesprächen gesagt. Den Moment, als sie etwa 30 Sekunden nach den möglichen nur 90 Sekunden ab Vollnarkose (damit diese nicht auf das Baby übergeht) ein "lebensfrisches Kind" per Notsectio geholt haben, stelle ich mir mit einem "wir haben ihn. Lebt" zur Übergabe von den Gynäkolog*innen an die Kinderärzt*innen und die Hebamme vor.
Schwer war für mich das Inferno an Schmerzen auf der Intensivstation im Anschluss etwa 3,5 Stunden nach der Operation mit nochmaligem Check der begleitenden Ärztinnen, Gabe von viel Schmerzmittel, ständiger Übelkeit und meiner rationalen Entscheidung, dass sie erst mich stabilisieren müssen, bevor ich zu meinem Kind kann. Das war wie eine Wiederholung der Situation nach der Geburt der großen und mittlerweile dreijährigen Schwester nach meiner Plazentalösungsstörung mit Operation und enormem Blutverlust und anschließender Bluttransfusion. Das Bonding hat wieder Papa stundenlang liebevoll gemacht und die Versorgung war mit den Hebammen und der Kinderärztin in bester Betreuung. Mühsam habe ich noch benommen von der Narkose über den Namen für den kleinen Jungen nachgedacht. In Andenken an meinem Opa, der mit seiner sozialen und fürsorglichen Art mein Vorbild im Leben ist, wollte ich dann unbedingt seinen Vornamen mindestens als Zweitnamen weitergegeben.
Der Moment, als ich mein Baby dann endlich spüren durfte, wurde vom Papa in einem Foto festgehalten und hat viele Stunden nach Alarm stattgefunden, als ich von der Intensivstation zurück in den Kreißsaal transportiert wurde. In dem Moment lag ganz viel Liebe in meinem Kuss mit geschlossenen Augen auf den Kopf meines kleinen Sohns, der die Augen ein bisschen geöffnet hat, während er in meinem Arm liegt.
Übrigens war die Entscheidung der Notsectio goldrichtig: mit der Nabelschnur um das Bein gewickelt, was erst bei Geburt ersichtlich war, hat unser Kleiner die komplette Versorgung durch das Strammziehen nach der erfolgreichen, äußeren Wendung unterbunden. Der Herzschlag lag nur noch bei 50 statt 150 Schlägen pro Minute. Durch die Entschlusskraft und die Schnelligkeit des Klinikteams in sieben Minuten ab Alarm die Geburt zu schaffen, war am Ende nicht einmal eine Beatmung nötig und er ist ein kerngesundes, entspanntes Kind.
Diese Geburt war für uns alle spektakulär und betrifft statistisch nur 0,4% der Fälle nach einer äußeren Wendung. Mein Ziel einer schnellen Geburt ist (zwar anders als gedacht) voll erfüllt.

)
)
)