Erfahrungsbericht
von T.
Geburtsbericht – 20.12.2025
Liebe Kristin, Fast 6 Monate nach der Geburt meines Sohnes komme ich nun endlich dazu, meinen Geburtsbericht zu vollenden. Obwohl – es wird wohl etwas mehr als ein Geburtsbericht. Meine Geschichte beginnt schon viel früher und die Bedeutung, die „die friedliche Geburt“ für mich hatte, kommt, glaube ich, nur zur Geltung, wenn man die ganze Geschichte kennt und versteht.
TEIL 1 – Kinderwunsch
Im Herbst 2023 haben mein Mann und ich uns entschieden, eine Kinderwunschklinik aufzusuchen. Wir hatten schon länger einen Kinderwunsch und haben es auch schon einige Zeit probiert, da ich aber mein Leben lang sehr unregelmäßige Zyklen hatte und nach Absetzen der Pille 9 Monate lange überhaupt keine Periode bekommen hatte, war uns klar, dass wohl kein Weg an einer Kinderwunschklinik vorbeiführen würde.
Wir haben uns eine private Praxis in Koblenz gesucht und fühlten uns in guten Händen. Das Praxisteam war sehr nett und wir wurden stets liebevoll betreut, dennoch war diese Kinderwunschzeit für mich körperlich und seelisch eine immense Belastung.
Am schlimmsten war es für mich, dass mein Körper eigentlich nur noch als Gefäß diente. Warum meine Periode ausblieb oder wie es mir während all dieser Behandlungen ging, wurde immer unwichtiger. Das Ziel der Ärzt/innen war nur noch ein positiver SS-Test.
Im Laufe des Jahres hatte ich 3 frühe Fehlgeburten. Wir rannten von Ärzt/in zu Ärzt/in und machten unglaublich viele Tests, aber eine Ursache für die Fehlgeburten konnte nicht gefunden werden. Für mich war der Ursprung des Problems immer noch das Ausbleiben meiner Periode, wofür ja auch noch nie eine echte Begründung gefunden wurde.
Ich verzweifelte mehr und mehr und wurde gleichzeitig wütend. Wütend auf die Ärzt/innen, die mir nicht helfen konnten und wütend auf meinen Körper, der einfach nicht tat, was er sollte, obwohl ich mich doch so sehr bemühte, ihm alles zu geben, was er brauchte und gut auf ihn zu achten.
Zusätzlich verlor ich immer mehr das Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeit, meinen Körper zu lesen und auf ihn zu hören. Alles, was ich empfand, wurde mir von den Ärzten und Ärztinnen strittig gemacht. Meine Empfindungen und Theorien, was vielleicht gerade in meinem Körper los war, wurde weggewischt und mit einem „das ist sehr unwahrscheinlich“ verworfen, wenn man mir überhaupt Raum gab, mich zu äußern. Ärzt/innen wurden immer mehr zum Feindbild und ich fühlte mich unglaublich im Stich gelassen.
Mein Mann und ich spielten bereits mit dem Gedanken, die Behandlung ins Ausland zu verlagern, wo uns noch andere Maßnahmen ermöglicht werden würden, und hatten auch schon Kontakt mit Kliniken in Tschechien aufgenommen. Nach der dritten Fehlgeburt mussten wir aber ohnehin nochmal eine Pause einlegen und wollten noch ein paar Tests durchführen lassen, weshalb wir unsere Pläne um ein paar Monate verschoben.
Im 2. Zyklus nach der Fehlgeburt hatte ich plötzlich das Gefühl, dass sich etwas in meinem Körper verändert hatte. Meine Haut wurde besser, meine Haare voller und ich fühlte mich plötzlich viel wohler. Also sagte ich zu meinem Mann: „Ich mach diesen Monat LH-Tests. Vielleicht habe ich einen natürlichen Eisprung, wer weiß.“
Und tatsächlich konnten die Tests 2 Wochen später einen Eisprung messen. Also haben wir das Wochenende genutzt und so wurde unser Sohn gezeugt. Ganz natürlich, ohne Hormone, ohne Ärzt/innen, nur wir zwei und ein entspanntes Wochenende.
Teil 2 – Schwangerschaft
Das erste Trimester der Schwangerschaft war für mich und meinen Mann sehr schwierig. Wir hatten ständig Angst, dass auch diese Schwangerschaft in einer Fehlgeburt enden würde. Obwohl die Werte diesmal von Anfang an viel besser waren und es sich für mich auch anders anfühlte, kann man nach 3 Fehlgeburten solche Gefühle natürlich nicht einfach abschalten.
Als das Erst-Trimester-Screening vorbei war und die „gefährlichste“ Zeit überstanden war, konnten wir aber endlich durchatmen und loslassen. Zu Weihnachten sind wir nach Österreich gefahren und haben unseren Familien endlich die frohe Botschaft verkündet. Ich hatte von verschiedenen Seiten bereits „die friedliche Geburt“ empfohlen bekommen und fand die Thematik spannend, dachte aber eher nicht daran, den Kurs zu buchen.
„Vielleicht kaufe ich mir mal das Buch“, dachte ich. Das habe ich tatsächlich nie gemacht, dafür aber so gut wie alles andere. Im Januar sind mein Mann und ich nach Teneriffa auf Urlaub gefahren. In diesem Urlaub haben wir beide den Podcast kennen und lieben gelernt. Die vielen Infos und Interviews haben uns enorm beeindruckt und in mir wuchs mehr und mehr das Gefühl, dass dieser Kurs vielleicht doch etwas für mich sein könnte.
Ich habe immer mehr verstanden, dass ich diese Schwangerschaft und die Geburt nur dann gut und positiv empfinden werde können, wenn ich das Selbstvertrauen habe, meine Bedürfnisse klar zu formulieren und wieder mehr Vertrauen in meinen eigenen Körper entwickeln kann, aber auch, mein Empfinden gegenüber Ärzt/innen und in Krankenhäuser musste wieder ein positives werden. Also entschied ich mich, den Schnupperzugang zum Kurs zu starten und war von Anfang an begeistert.
Also habe ich meine Familie gebeten, mir den vollen Kurs zum Geburtstag zu schenken und startete im Februar mit dem vollen Zugang. Von diesem Zeitpunkt an habe ich täglich geübt. Ich habe mindestens einmal am Tag eine Hypnose gemacht, mich mit dem Kursmaterial beschäftigt und weiterhin den Podcast regelmäßig und intensiv gehört. Die Kombination aus Entspannungszeit für mich, mentale Arbeit und Fürsorge und den überaus informativen Folgen aus dem Podcast hat für mich extrem gut funktioniert.
Mehr und mehr habe ich das Vertrauen in meinen Körper zurückgewonnen. Ich habe gelernt, wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu vertrauen und mich durch Information und Wissen zu stärken. Die Schwangerschaft verlief sehr gut, ich fühlte mich fit und wurde immer zuversichtlicher, eine gute Geburt erleben zu können.
Meine Mutter hatte bei beiden Kindern einen Kaiserschnitt und auch die Hausgeburt meiner Schwester endete in einem Kaiserschnitt. Irgendwie hatte ich deshalb immer den Gedanken, dass auch ich vermutlich einen Kaiserschnitt haben würde, dass unsere Körper vielleicht nicht für natürliche Geburten gebaut sind. Durch die „friedliche Geburt“ wuchs der Wunsch nach einer natürlichen Geburt in mir.
Ich hatte mir rechtzeitig eine Beleghebamme organisiert und wollte gerne eine ambulante Geburt in einem kleinen Krankenhaus in der Nähe von Koblenz haben. Desto mehr ich mich mit der friedlichen Geburt beschäftigte, umso interessanter wurde für mich aber auch der Gedanke, eine Hausgeburt zu versuchen. Auch mein Mann fand die Idee einer Hausgeburt immer interessanter.
Unsere Hebamme teilte uns mit, dass sie 30% ihre Geburten als Hausgeburt durchführte und wäre sofort mit an Bord. Wir hatten also eine optimale Situation. Wir würden die Geburt zu Hause starten und wenn es zu Komplikationen kommen würde, könnten wir jederzeit abbrechen und mit unserer Beleghebamme in das geplante Krankenhaus fahren. Ich war überglücklich, dass ich alles so perfekt geplant hatte, doch dann kam alles ein bisschen anders.
In der 30. Woche ging ich zu einem Kontrolltermin bei meinem Frauenarzt und er teilte mir mit, dass das Baby noch immer mit dem Po nach unten lag. Diese Information hat mich zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich aus der Ruhe gebracht. Kristin hatte in ihrem Podcast doch erzählt, dass 95% der Babies sich bis zur 36. Woche noch in die Schädellage drehen würden, also noch genügend Zeit. In den folgenden Wochen haben wir dennoch angefangen, das Baby zum Drehen zu bewegen mit den üblichen Hausmitteln, wie indische Brücke etc.
In der 34. Woche hatte sich der kleine Mann aber dennoch nicht bewegt und langsam wurde ich nervös. Also versuchten wir es mit Moxen, Purzelbäume im Schwimmbad und indische Brücke jeden Abend. Das Ergebnis dieser Bemühungen war ein Nierenstau 2. Grades, aber das Baby hatte sich nicht gedreht.
Also haben wir uns damit auseinandergesetzt, dass das Baby eventuell in der BEL bleiben würde und was das für die Geburt bedeuten würde. Glücklicherweise gab es auch zu diesem Thema reichlich Material in Kristins Podcast und wir fanden heraus, dass es zwar in Koblenz keine Klinik gab, die eine natürliche Geburt in BEL bei Erstgebärenden machen würde, dafür gab es aber zwei sehr gute Kliniken in der Umgebung - das Marienhospital in Bonn und die Uniklinik in Frankfurt.
Beide Krankenhäuser waren mit dem Auto ein bisschen über eine Stunde entfernt, diese Entfernung trauten wir uns zu. Also vereinbarten wir einen Termin für eine Risikosprechstunde in beiden Kliniken. In Bonn hatten wir eine tolle Ärztin, die uns genau über alle Risiken & Möglichkeiten aufklärte. Die Proportionen des Babys waren gut und es sprach nichts gegen einen Versuch einer vaginalen Geburt in BEL.
Wir sollten uns dennoch auch überlegen, ob wir vielleicht eine äußere Wendung versuchen wollen würden, aber auch für diese Entscheidung sollten wir uns ein paar Tage Zeit lassen. Ich war überglücklich. Obwohl wir in Bonn bereits ein sehr gutes Gefühl hatten, wollten wir dennoch noch in die Uniklinik nach Frankfurt, da wir wussten, dass Dr. Louwen dort Chefarzt ist.
Lange hatte ich ein sehr gutes Gefühl, nach Frankfurt zu fahren, ich war davon überzeugt, dass wir auch dort ein „GO“ für die natürliche Geburt bekommen würden und uns dadurch nur eine weitere Option eröffnet werden würde. Zwei Tage vor dem Termin bekam ich aber plötzlich ein schlechtes Gefühl. Ich wusste, dass es in Frankfurt üblich war, zusätzlich zu den Vermessungen des Babies auch ein MRT des Beckens der Schwangeren zu machen und plötzlich stiegen Ängste in mir auf.
Was wenn mein Becken das Problem ist? Was wenn mir gesagt wird, dass mein Körper nicht geeignet ist zum Kinder kriegen? Was wenn ICH einfach keine Kinder zur Welt bringen kann? Ich sprach mit meinem Mann über alles, aber wir entschieden uns, dennoch zu fahren. Mein Mann sagte auf gut österreichisch: „Warum zum Schmiedel gehen, wenn man zum Schmied kann.“
Also fuhren wir zwei Tage später nach Frankfurt. Auch diese Sprechstunde verlief sehr gut und die Ärztin war mit den Proportionen des Kindes sehr zufrieden. Dann wurde das MRT gemacht und meine schlimmsten Befürchtungen wurden war. Die Ärztin eröffnete das Gespräch mit den Worten: „Sie haben ein enges Becken.“
Um eine vaginale Geburt in BEL als Erstgebärende in dieser Klinik machen zu dürfen, muss man einen CV – Wert von mindestens 12cm haben. Die Ärztin meinte bei 11,8cm würden sie manchmal auch noch eine Ausnahme machen. Mein Wert lag bei 10,6cm. Also viel zu klein. Die Ärztin teilte uns mit, dass eine Geburt in BEL deswegen ausgeschlossen wäre und das ihrer Erfahrung nach bei so einem engen Becken auch eine Geburt in Schädellage meistens in einem Kaiserschnitt endet.
Deshalb würden sie hier in Frankfurt nicht einmal eine äußere Wendung versuchen wollen, sondern uns direkt zum Kaiserschnitt raten. Für mich brach eine Welt zusammen. Ein geplanter Kaiserschnitt? Das war so das Letzte, was ich wollte. Dennoch besprachen wir direkt vor Ort diese Möglichkeit und nachdem uns die Ärztin eine Kaisergeburt 2 Tage nach dem errechnet ET anbot, vereinbarten wir gleich einen Termin und fuhren nach Hause. Ich war am Boden zerstört.
Die nächsten Tage waren schrecklich für mich. Alle Ängste aus der Kinderwunschzeit brachen über mich herein. Mein Körper ließ mich erneut im Stich. Ich war das Problem. All die Arbeit mit der friedlichen Geburt, all das mentale Training, alles umsonst. Es fühlte sich an wie ein schlechter Scherz. Als würde das Universum mich bestrafen: „Du hast gedacht, du kannst deine Geburt beeinflussen? Falsch gedacht!“
Mein Mann war in diesen Tagen eine unglaubliche Unterstützung für mich und half mir sehr, meine Gefühle zuzulassen und zu verarbeiten. Wir entschieden uns, nochmal in Bonn anzurufen und um eine zweite Meinung dieser Einschätzung zu bitten.
Die Ärztin, die uns behandelt hatte, nahm sich sehr viel Zeit und besprach die Befunde aus Frankfurt mit uns. Sie erklärte uns, dass sie in Bonn diese Messungen nicht vornehmen würden, da sie die Erfahrung gemacht haben, dass sich das Becken unter der Geburt noch sehr verändern kann.
Natürlich war es schwierig, die Einschätzung aus Frankfurt außer Acht zu lassen, aber die Ärztin in Bonn bot uns an, dass wir erneut zu einem Termin nach Bonn kommen sollten. Sie würde alles noch einmal vermessen und wir könnten in Ruhe entscheiden, was der richtige Weg für uns wäre. Zusätzlich vereinbarten wir für denselben Tag einen Termin für eine äußere Wendung, den wir aber bis zum letzten Tag auch noch absagen konnten.
Da ich nach wie vor sehr verunsichert war und irrsinnige Angst davor hatte, fahrlässig zu handeln, entschied ich mich dazu, jemanden um Rat zu fragen, den ich in den letzten Wochen und Monaten über den Podcast etwas kennenlernen konnte und von dessen Ansichten ich sehr beeindruckt war. Ich entschied mich dafür, Dr. Lütje um Rat zu fragen.
Über den Podcast habe ich erfahren, dass er mittlerweile eine Website hatte, über die er ein Geburtcoaching anbot und ich dachte mir, das wäre jetzt genau die richtige Situation, um ein solches Coaching in Anspruch zu nehmen. Also vereinbarten wir einen Termin und hatten ein paar Tage später einen Video Call mit dem berühmten Doktor Lütje.
Dieses Gespräch war für mich irrsinnig hilfreich. Dr. Lütje hat mich sehr darin bestärkt, meinem Instinkt zu vertrauen und meinte, dass die Vorgehensweise in Bonn eine sehr professionelle und sinnvolle Variante für uns wäre. Dennoch riet er uns dazu, den Wendeversuch in Anspruch zu nehmen, denn eine Geburt in Schädellage wäre sowohl für uns als auch für das Klinikpersonal natürlich wesentlich entspannter.
Gesagt, getan. Wir fuhren erneut nach Bonn und ließen die Proportionen des Babys noch einmal überprüfen. Die Ärztin war nach wie vor der Meinung, dass eine natürliche Geburt in Beckenendlage sehr wohl möglich wäre, aber wir entschieden uns dennoch dazu, die äußere Wendung zu versuchen. Ich war von Anfang an sehr unsicher, ob ich eine Wendung machen wollen würde, denn ich hatte immer das Gefühl, dass es vielleicht einen Grund dafür geben könnte, warum sich mein Baby nicht drehen wollte.
Meine Schwester ließ damals eine äußere Wendung machen und diese funktionierte auch. Am Ende musste das Kind dann aber dennoch per Kaiserschnitt auf die Welt kommen. Mich ließ das Gefühl nicht los, dass für unsere Familie vielleicht eine Beckenendlage die bessere Geburtsposition sein könnte. Dennoch entschied ich mich für den Wendeversuch in der Hoffnung, dass die Geburt dann für alle etwas entspannter ablaufen würde. Der Wendeversuch klappte leider nicht.
Ich habe mich die Tage davor mit der passenden Hypnose auf die Wendung vorbereitet und auch während der Prozedur eine Hypnose gehört dennoch empfand ich den Versuch als etwas schmerzhaft und es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an. Als die Ärztin entschied, den Versuch abzubrechen, war ich sehr froh.
Trotzdem war es im Nachhinein gut, dass wir es versucht haben, so konnte ich mir nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben, um die Geburt so sicher wie möglich zu gestalten. In den letzten Wochen vor der Geburt beschäftigte ich mich eingehend mit den verschiedenen Möglichkeiten, wie die Geburt verlaufen könnte.
Ich hörte sehr oft die Hypnose Traumgeburt visualisieren und stellte mir beide Szenarien sehr detailliert vor. Einerseits die Variante einer natürlichen Geburt in der ich, trotz allem die Diagnose aus Frankfurt nie ganz aus meinem Kopf bekommen konnte und deshalb sehr viel Mut und Zuspruch von meinem Mann und dem Krankenhauspersonal benötigen würde.
Andererseits eine Geburt, die in einem Kaiserschnitt enden würde, der bestimmt sehr schön sein könnte, aber nicht ganz so selbstbestimmt, wie ich es mir gewünscht hätte. Mehr und mehr konnte ich mich mit beiden Szenarien anfreunden, auch wenn ich insgeheim damit rechnete, dass es am Ende ein Kaiserschnitt werden würde. Ich war mir sicher, dass irgendjemand im Laufe der Geburt den Mut verlieren würde und auf Nummer sicher gehen wollen würde, entweder die Ärzte oder ich.
Trotzdem hatte ich ein paar Tage vor der Geburt das dringende Bedürfnis, mich noch einmal intensiv mit einer BEL-Geburt auseinanderzusetzen. Ich wusste, es gab verschiedene Handgriffe und Möglichkeiten, die die Ärzte vornehmen könnten, wenn es zu Komplikationen kommen würde, und ich wollte noch einmal genau wissen, welche diese sind.
Also suchte ich im Internet nach Videos von BEL-Geburten und fand einige Videos von echten BEL-Geburten, aber auch Trainingsvideos für Hebammen verschiedener Handgriffe in verschiedenen Geburtspositionen. Als mein Mann nach Hause kam, erzählte ich ihm, dass ich mir solche Videos angeguckt hätte und er fragte, ob ich verrückt sei.
Ich war mir selber nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee gewesen wäre, aber dennoch wollte ich einfach genau wissen, was auf mich zukommt. Am Ende hat sich auch mein Mann 1-2 Videos von dem Kanal angesehen. Wir verbrachten die letzten Tage gemütlich auf unserer Terrasse, da das Wetter sehr schön war und genossen die letzten Tage der Schwangerschaft.
Teil 3 - Geburt
Am 24.06. war der errechnete ET und wir hatten an diesem Tag einen Termin im Marienhospital in Bonn, um noch einmal alles zu kontrollieren und die Biometrie des Kindes noch einmal zu überprüfen. Ich hatte die Tage davor immer wieder leichte Senkwehen, aber hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass es bald losgehen würde. Beim Ultraschall stellte die Ärztin erneut fest, dass die Lage und die Biometrie des Kindes für eine vaginale Geburt gut waren, allerdings war der Doppler nicht mehr optimal, weshalb sie uns dazu riet, die Geburt nun einzuleiten.
Das hat mich im ersten Moment etwas überfordert, denn damit habe ich am ET wirklich noch nicht gerechnet. Die Ärztin meinte aber, wenn wir eine natürliche Geburt versuchen wollen, dann wäre es gut, so früh wie möglich zu starten, damit das Baby genügend Kraft für die Geburt zu Verfügung hat. Das leuchtete mir ein. Also gingen mein Mann und ich noch etwas Essen und am Nachmittag wurde mir ein Propess-Bändchen gelegt.
Danach fuhr mein Mann nochmal nach Koblenz, um ein paar Sachen zu holen und kam dann gegen 22:00 Uhr wieder zurück ins Krankenhaus, wo wir Gott sei Dank ein Familienzimmer bekommen konnten. Bis dahin hatte ich kaum etwas gespürt, ein paar leichte Wehen, die sich aber nicht ernsthaft nach Geburt anfühlten.
Um 23:20 legten wir uns ins Bett und gaben uns einen „Gute Nacht - Kuss“. Als ich mich übers Bett beugte, um meinen Mann zu küssen, gab es plötzlich einen recht lauten „Knall“ - die Fruchtblase war geplatzt. Nur Sekunden danach kamen die Wellen richtig heftig und auch recht schnell hintereinander. Wir sind hinunter in den Kreißsaal und ich habe mich in meine Hypnose begeben.
Der MM war ca. 2cm offen und die Wellen waren von nun an sehr stark und kamen alle 1-2 Minuten. Ich versuchte mit Hilfe der Hypnose, die Wellen zu veratmen und konnte sehr gut bei mir bleiben, richtig tief in die Hypnose sinken, konnte ich aber nicht. Da ich so wenig Zeit hatte, mich auf das neue Körpergefühl einzustellen, und die Wellen sofort so schnell nacheinander kamen, blieb mir gar keine Zeit, mich einzuwehen und mich in Ruhe auf die Hypnose zu konzentrieren.
Mein Mann hat sich um alles gekümmert, dennoch war ich mir ziemlich bewusst, dass noch nicht sonderlich viel Zeit vergangen ist und die Wellen immer heftiger wurden. Es fiel mir immer schwerer, in Trance zu bleiben und den Schmerz im Griff zu behalten.
Gegen 1:30 bat ich um eine PDA - ich brauchte eine Pause. Gegen 02:00 wurde mir die PDA gelegt, diese war sehr gut gestochen. Ich konnte die Wellen immer noch spüren, aber es war wesentlich angenehmer. Ich konnte mich immer noch perfekt bewegen und bekam meine erhoffte Pause.
Um 03:00 habe ich mit der Hebamme gesprochen, weil ich bereits einen recht starken Druck verspürte. Also kontrollierte sie den MM - 9cm. Ich war hin und weg. In so kurzer Zeit hatte ich so viel geschafft, damit hatte ich nicht gerechnet. Danach kam aber alles ein wenig ins Stocken, weshalb mir die Hebamme einen Oxytropf anlegen wollte. Leider hat der Kleine auf das Oxytocin zweimal mit abfallenden Herztönen reagiert und wollte nicht so recht tiefer rutschen. Ich lag in Seitenlage und versuchte, Kraft zu schöpfen.
Dann kam die Hebamme und meinte, wir würden jetzt noch ein wenig abwarten, aber wenn es nicht weitergehen würde, würde die OÄ dann doch gerne abbrechen und ob das für mich in Ordnung wäre. Ich stimmte natürlich zu. Ich war einfach so froh, dass ich so weit gekommen war und wollte einfach nur, dass mein Sohn gesund zur Welt kommen konnte. Mein Mann meinte, ob wir nicht doch noch eine Lageänderung probieren wollten.
Also bin ich aus dem Bett aufgestanden und wir sind ein bisschen im Raum umhergegangen. Dann wurde noch einmal der Oxytropf angelegt und siehe da - die Herztöne blieben top. Also durften wir doch noch weitermachen. Langsam, aber stetig rutschte der kleine Mann tiefer und tiefer.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich nur noch darauf gewartet, dass mir jemand sagen würde, dass es nun einfach schon zu lange dauert und wir nun abbrechen. Aber niemand kam. Um 07:00 Uhr früh war Schichtwechsel. Die PDA ließ immer mehr nach und die Wellen wurden wieder wesentlich stärker.
Dann kam eine neue Hebamme, die mich wieder in Seitenlage legte und die Position des Kindes überprüfte. Ich solle doch mal versuchen, bei der nächsten Welle mitzuschieben, damit sie sehen konnte, wie gut er sich bewegte. Nun bekam ich es mit der Angst zu tun. Meine Kräfte verließen mich und ich hatte Angst, die Presswehen nicht mehr zu schaffen und dann kam diese kleine Stimme in mir hoch die mir sagte, dass mein Becken zu eng sei.
Also was, wenn es jetzt am Ende dann nicht klappen würde, oder ich keine Kraft mehr hätte. Mein Mann hat mir gut zugeredet und mir versichert, dass die Ärztinnen und Hebammen hier nicht weitermachen würden, wenn es zu riskant wäre und auch die Hebamme hat mir Mut zugesprochen. Die Oberärztin kam. Ein wunderschöner Zufall, es war die Ärztin, die uns von Anfang an begleitet hatte, die Wendung versucht hatte und uns bei der Entscheidung eine natürliche Geburt zu versuchen, so liebevoll beraten hatte. Auch sie sprach mir Mut zu.
Und dann geht es plötzlich ans Eingemachte: Mir wird im Vorhinein erklärt, dass wir in Rückenlage beginnen werden, dass ich mich später, wenn der Körper geboren ist, aber in den Vierfüßlerstand drehen müsse und mir dabei geholfen würde. Das war der Zeitpunkt, wo ich unglaublich froh war, dass ich mir die Videos der BEL-Geburten angesehen habe, denn da habe ich genau diesen Ablauf gesehen und wusste deshalb, dass das passieren könnte und dass das nicht vollkommen verrückt ist, mit halb geborenem Kind die Position zu wechseln. Also stimme ich zu.
Die Pressphase beginnt: Zuerst in Rückenlage. Das fühlt sich für mich erstaunlicher Weise sehr gut an. Der Kleine kommt mit dem Hoden voran :) Er rutscht aber immer wieder zurück. Die Hebamme möchte einen Dammschnitt machen und fragt mich um Erlaubnis. Ich stimme zu. Merke den Schnitt, habe aber keinerlei Schmerzen dabei.
Es geht weiter. Die Ärztin möchte einen Kristeller-Griff machen und fragt mich um Erlaubnis. Ich stimme zu. Der Griff fühlt sich nicht im Geringsten schmerzhaft an, sondern wie eine unglaubliche Hilfe. Es geht voran. Der Körper wird geboren, die Beinchen rutschen heraus. Mein Mann, die Hebamme und die OÄ feuern mich an.
Nach jeder Welle denke ich, ich kann nicht mehr weiter machen und mit jeder neuen Welle geht es dann doch irgendwie und ich gebe alles, was ich habe. Dann wechseln wir in den Vierfüßlerstand. Das fühlt sich wesentlich unvorteilhafter an. Komisch, ich hatte es mir genau andersherum vorgestellt. Die Hebamme sagt „Jetzt MUSS der Kopf kommen“. Ich denke „OK, er MUSS jetzt kommen, er MUSS“ und gebe noch einmal alles was ich habe.
Die OÄ macht einen Handgriff an die Clavicula, um das Köpfchen zu kippen und ich spüre, wie der Kopf geboren wird. Ich habe das Gefühl, in zwei Hälften gerissen zu werden, aber egal, einfach weitermachen. Er ist da. Er ist da. Einfach so. Wir haben es wirklich gemacht und wir haben es geschafft. Unglaublich, was für ein Gefühl, dieses wunderschöne Baby auf die Brust gelegt zu bekommen nach all dieser Arbeit. Einfach unbeschreiblich.
Wir einigen uns auf den Namen des Kleinen: I. H. Wir sind überglücklich. Die Plazenta kommt Minuten danach und mein Dammschnitt wird von der OÄ genäht. Der Kinderarzt wurde bereits während der Pressphase gerufen, weil das CTG zwischendurch pathologisch war.
Der APGAR Wert ist gut (7,9,10). Der PH ist aber nicht optimal. Also wird der Kleine nochmal gründlich untersucht und nachdem beim dritten Mal Blut aus der Kopfvene genommen wurde, war auch der PH-Wert in Ordnung. Endlich konnte ich loslassen. Er ist gesund. Er hat keinen Schaden genommen von der Geburt. Ich darf ihn Anlegen, der Kleine trinkt sofort fleißig und wir werden in unser Familienzimmer geschoben. Wir sind überglücklich.
Ein paar Stunden später ist aber sein Blutzucker nicht in Ordnung und er kommt auf die Kinderstation und bekommt eine Infusion. Er muss über Nacht auf der Station bleiben. Die Blutzuckerwerte werden schnell wieder besser und wir denken, dass wir bald nach Hause dürfen.
Am nächsten Tag hat der Kleine aber etwas Blut im Stuhl und er muss eine weitere Nacht zur Beobachtung bleiben. Ich verbringe die Tage auf der Kinderstation und gehe nur zum Schlafen und Essen auf mein Zimmer. Von Wochenbett kann nicht die Rede sein. Der Blutzucker ist weiterhin in Ordnung und am nächsten Tag werden die Entzündungswerte gecheckt.
Und dann kommt die Nachricht. I. hat eine Infektion. Der Grund ist vermutlich der Stress, den er unter der Geburt hatte. Für mich bricht alles zusammen. Er ist krank und die Geburt ist schuld. Ich bin schuld. Die Geburt war doch zu stressig für ihn. Wir hätten abbrechen sollen, gar nicht erst anfangen sollen. Alles meine Schuld. Die Tage im Krankenhaus waren sehr hart und ich habe lange gebraucht, um meine Schuldgefühle in den Griff zu bekommen.
Ich habe meine Hebamme angerufen und sie hat mir versichert, dass so eine Infektion immer vorkommen kann und dass es nichts mit der BEL zu tun hätte. Das Gespräch hilft mir sehr und ich entscheide mich dafür, meine Kraft lieber für I. zu verwenden, anstatt mir ständig Vorwürfe zu machen.
Gott sei Dank spricht I. sehr gut auf die Antibiose an und hat nach drei Gaben nur noch einen minimal erhöhten CRP-Wert. Nach einer Woche im Krankenhaus dürfen wir endlich nach Hause. Die Kinderärzte und Schwestern versichern uns, dass unser Kind nun ganz gesund ist und nicht anders behandelt werden muss, als andere Kinder. Ich versuche das anzunehmen und meine Ängste und Schuldgefühle zu beherrschen.
Mittlerweile ist I. fast 6 Monate alt und entwickelt sich wunderbar. Ich bin unglaublich glücklich, so ein starkes, wunderbares Kind geschenkt bekommen zu haben und ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese natürliche Geburt erleben durfte. Mir ging es zu keinem Zeitpunkt körperlich wirklich schlecht und ich konnte die ganze Woche im Krankenhaus bei meinem Sohn sein, ohne mich körperlich zu übernehmen.
Ich konnte von Anfang an gut Milch abpumpen und hatte schnell einen Milcheinschuss. Wir haben I. während der Antibiose ein bisschen zugefüttert, aber seit wir daheim sind, wird er voll gestillt. Er hat von Anfang an gut zugenommen und nach ein paar kleinen Stillproblemen und zwei Zungenbandschnitten haben wir nun eine gute Stillbeziehung. Die Zeit auf der Kinderstation hat mich sehr geprägt und ich versuche immer noch, das Erlebte zu verarbeiten.
So dankbar ich für die natürliche Geburt bin, manchmal lassen mich die Schuldgefühle noch nicht ganz los. Aber ich versuche, meine Ängste zu beherrschen und glaube, dass es mir die meiste Zeit über auch ganz gut gelingt. Ich denke, das wird eine Übung sein, die mich von jetzt an mein Leben lang begleitet. :)
Ich muss wirklich sagen, ich durfte eine Traumgeburt erleben. Auch wenn ich mir natürlich gewünscht hätte, dass wir nicht einleiten müssen, dass kein Dammschnitt oder Kristeller notwendig gewesen wäre. Aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt der Geburt das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Ich wusste immer, dass alles, was gerade passiert, normal ist und habe mich stets sicher und gut betreut gefühlt. Dafür bin ich unglaublich dankbar.
Außerdem habe ich seit der Schwangerschaft, der Geburt und der Zeit nach der Geburt eine ganz neue Einstellung zu meinem Körper. Mein Körper ist ein Wunder und einfach genial. Alles hat sich sehr schnell und gut zurückgebildet und ich fühle mich wirklich wohl und fit. Was für eine unglaubliche Leistung. Für diese Empfindung bin ich sehr dankbar.
Zum Schluss möchte ich mich noch bei Dir, Kristin und deinem Team und bei Dr. Lütje bedanken. Ich war Dank deinem Podcast und deinem Kurs einfach unglaublich gut auf die Geburt vorbereitet. Für mich war das der Schlüssel zum Erfolg. Ich hätte mir gewünscht, die Hypnose besser nutzen zu können, aber auch, wenn ich durch die Einleitung dieses Tool nicht perfekt nutzen konnte, hat es mich die ganze Geburt lang begleitet und sehr geholfen.
Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass ich Dank all dem Wissen, dass ich mir durch den Podcast angeeignet habe, den Weg der natürlichen Geburt gehen konnte. Mich auch gegen andere Meinungen durchsetzen konnte und mich stets für die richtigen Personen und Wege entschieden habe. Wissen ist Macht.
Deine Arbeit, dieses Wissen in die Welt zu tragen und Frauen gut aufzuklären über die Vorgänge in ihren Körpern, die Medizin und die Missstände, die es leider immer noch teilweise gibt, halte ich für unglaublich wichtig und wertvoll, vor allem in Zeiten wie diesen.
VIELEN DANK DAFÜR! Danke für deine positive Art, dein Vertrauen in die Natur und deine Dankbarkeit für die moderne Medizin. Ich finde, das ist genau die richtige Mischung, die es für schöne und sichere Geburtshilfe braucht. Ich hoffe, der Bericht war nicht zu ausführlich. Ich hatte einfach das Bedürfnis, meine ganze Geschichte zu Ende zu erzählen. :)
Viele liebe Grüße aus Koblenz
T., P. & I.

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