Erfahrungsbericht
von Tamara
46h Wehen mit Bauchgeburt-Ende
An ET + 3 ging es endlich los, soooo sehr freute ich mich auf die ersten Wellen und wie es sich wohl anfühlen würde.
Gegen 02:00 Uhr nachts verspürte ich erste Wellen und war sofort super wach (nach nur 2h Schlaf, was sich später noch als suboptimal herausstellte).
Gegen 04:00 Uhr wurde mein Partner wach und beschloss an diesem Tag, nicht zur Arbeit zu gehen. Die Wellen waren schon relativ regelmässig, so alle 8 Minuten und für mich noch super angenehm. Ich saß/hockte im Bett und konnte jede Welle gut annehmen. So vergingen die ersten Stunden bis ich gegen 07:30 Uhr duschen wollte. Die Wellen blieben vorerst noch und wurden regelmässiger, etwa alle 5 Minuten. Die Hypnose hatte ich nicht aktiv auf den Ohren, jedoch war ich ganz bei mir und begann, die Wellen nun auch schon leicht zu veratmen, im Vierfüßlerstand (nach der Dusche wieder im Bett).
Wir beschlossen, bald mal ins Krankenhaus zu fahren, um den aktuellen Stand zu checken. Doch plötzlich wurden die Abstände wieder länger und die Wellen weniger. Trotzdem wollte ich ins Krankenhaus um zu sehen, welche Hebamme Dienst hatte und wie die Atmosphäre dort ist.
Dort angekommen, um ca. 11:00 Uhr waren die Wehen fast ganz weg, wir wurden trotzdem sehr liebevoll empfangen und hatten die Gewissheit, das alles in Ordnung ist. Den Muttermund, welcher am Vortag bei einem Kontrolltermin schon etwa 2 cm offen war, haben wir nicht gemessen. Wir bekamen die Option, dort zu bleiben oder nochmal nach Hause zu fahren. Da wir nur 5 Minuten Fahrzeit hatten, fuhren wir also nochmals nach Hause, um etwas Kraft zu tanken und zu essen.
Vereinzelt kamen die Wellen wieder und an Schlafen konnte ich nicht denken. Ich zog mich wieder zurück ins Zimmer und dort nahmen die Wellen wieder Aufschwung. Ab 18:00 Uhr kamen sie dann alle 2-3 Minuten und auch viel intensiver. Ich verbrachte die Zeit kniend vor dem Bett und wieder in der Dusche. Nun machte ich auch die Hypnose an und veratmete so die Wellen gut.
Ab 21:00 Uhr half dann auch mein Partner aktiv mit, in dem er Gegendruck auf meinem Steißbein erzeugte. Das half mir ungemein.
Gegen 23:00 Uhr wollte ich dann wieder ins Krankenhaus. Die Wellen waren regelmässig und für mich schon sehr intensiv.
Im KH angekommen wurde der Muttermund auf 3 cm getastet und ich veratmetete weiterhin fleißig. Gegen 02:00 Uhr bekam ich auf Wunsch ein Buscopan verabreicht, da die Schmerzen schon sehr toll waren. Leider wurde ich langsam auch müde, da ich in den letzten 24h nur 2h geschlafen habe, da wusste ich noch nicht, dass ich noch einige Stunden wach sein werde.
Irgendwann nachts wünschte ich ein stärkeres Schmerzmittel, um noch etwas schlafen zu können. Mein Partner fuhr nach Hause und ich konnte 3h etwas vor mich hin dösen. Am Morgen wollte ich den Muttermundbefund nicht wissen, stattdessen versuchte ich mich in der Wanne, wo ich jedoch mit den Wellen gar nicht zu Recht kam.
Gegen Mittag wurden die Wellen erneut schwächer und unregelmässiger, so versuchten wir den restlichen Tag über, die Wellen durch Spazieren, Akkupunktur, warmen Duschen, Wechselbädern....in Schwung zu bringen. Der Muttermund war dann am Nachmittag bei ca. 5-6 cm, doch ich war mit meinen Kräften nach insgesamt schon 37h ziemlich am Ende. Zudem wurde mir nun ein Wehentropf angehängt, um den Vorgang zu beschleunigen. Die Wehen kamen nun wieder alle 2 Minuten, aber waren sehr heftig, daher entschloss ich mich schlussendlich gegen 19:00 Uhr (beim Schichtwechsel mit beiden Hebammen) für eine PDA, um endlich die nötige Kraft, die ich zum Weitermachen brauchte, zu bekommen. Mein Partner fuhr nach Hause, um ebenfalls nochmals Kraft zu tanken und wir wollten ihn anrufen, sobald der Muttermund vollständig eröffnet und ich wieder kraftvoll für die Presswellen bereit bin - so war der Plan.
Doch es kam anders, die PDA wurde gesetzt und leider wirkte sie nur einseitig. Durch den Wehentropf waren die Wellen extrem stark. Dazu kam, dass ich durch die PDA liegen sollte und das war für mich kaum auszuhalten. Die PDA konnte kein zweites Mal gelegt werden und ich nahm jede Welle so intensiv wahr, wie noch nicht zu vor. Ich war am Tiefpunkt meiner Geburtsreise angelangt. Mit dem Gedanken, "jetzt kann mir nichts mehr helfen" - war ich kurzzeitig am Ende. Mein Partner kam wieder ins KH und ich fühlte mich wie ein wild gewordenes Tier, jede Welle ein Kampf, ich war nicht mehr bei mir und ich konnte es kaum glauben, dass ich diesen Wunsch plötzlich verspürte: Bauchgeburt! Ab diesem Moment schöpfte ich wieder Hoffnung und sprach meinen Wunsch also aus: Ich will eine Bauchgeburt! War dies doch zuvor meine größte Angst, wollte ich jetzt nichts sehnlicher als endlich meine Maus in den Armen zu halten.
Der Oberarzt kam, um nochmals den Muttermund zu tasten. Leider immer noch bei 6 cm und das Köpfchen noch nicht wirklich im Becken und so willigte er für eine Bauchgeburt ein. Ich wollte noch kurz meine Kopfhörer schnappen, um die passende Hypnose dafür zu hören. Allerdings ging nun alles sehr schnell und ich nahm die Kopfhörer nicht mit in den OP. Trotzdem war ich von diesem Zeitpunkt an wieder total bei mir und völlig entspannt. Die Bauchgeburt nahm ich als absolut positiv wahr und freute mich sehr, endlich unsere Tochter sehen zu dürfen.
An ET + 5 um 00:03 war sie endlich da, unsere kleine V. Gesamt vergingen 46h von der ersten Welle bis zur Geburt und ich war, als ich den ersten Schrei hörte, überglücklich. Nach der Bauchgeburt durfte ich sie kurz an mich nehmen, bevor sie zum Bonding auf Papas Brust gelegt wurde. Ich wurde währenddessen zugenäht und kam ca. 20 Minuten später zu den beiden in Kreiszimmer und durfte nun auch endlich Bonden. Es war wunderschön und für mich war die Bauchgeburt eine absolut positive Erfahrung. Wenige Stunden nach der OP stand ich auf und ab da an ging es mir immer besser. Schmerzen hatte ich kaum wahrgenommen und auch nur minimal Schmerzmittel benötigt. Die Wunde verheilte bestens und auch meiner Tochter geht es prächtig. Seit Anfang an ist sie ein absolut entspanntes Baby und weint kaum bis gar nicht. Ich denke, dass liegt zum Teil auch an meiner Vorbereitung mit der friedlichen Geburt und meiner positiven Einstellung dadurch.
Ich bin stolz auf mich, meine Bedürfnisse zu jedem Zeitpunkt geäußert und unseren gemeinsamen Weg gefunden zu haben. Nicht einmal habe ich an unserem Geburtsweg gezweifelt und ich würde es immer wieder so machen, da es für mich zu diesem Zeitpunkt die einzig richtige Entscheidung war. Auch bin ich dankbar, dass so individuell auf mich eingegangen wurde und vor allem an die Hebamme, die mir auch mehrmals versicherte: "Auch die Gondel für das letzte Stück zu nehmen, ist völlig in Ordnung." Damit meinte sie die Bauchgeburt ;-)
Abschließend erzählte mir der Oberarzt, der die OP durchführte, dass die Maus die Nabelschnur um den Hals hatte und etwas verkeilt im Bauch lag und wahrscheinlich deshalb nicht ins Becken rutschen konnte. Ich möchte mit meiner Geschichte Mut machen, dass jeder Weg gleich richtig und wichtig ist und es nicht darauf ankommt, auf welche Weise unsere kleinen Wunder auf die Welt kommen. Auch muss eine Bauchgeburt keineswegs "schlecht" oder mit vielen Schmerzen verbunden sein.
Seid mutig und kommuniziert eure Bedürfnisse und Wünsche, um eure Geburt zu etwas ganz Besonderem zu machen!

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