Erfahrungsbericht
von Tatjana
Über eine Freundin bin ich auf die Methode der "friedlichen Geburt" aufmerksam geworden. Da ich bis zum Beginn meines Mutterschutzes Vollzeit gearbeitet hatte, hatte ich bislang keine Kapazitäten, um mich sowohl körperlich als auch mental auf die Geburt vorzubereiten. Ich habe gehofft, dies in den mir verbleibenden 8 Wochen nachzuholen und als ich dann endlich die Ruhe und Zeit für mich hatte, „übte“ ich fleißig die Hypnosen :)
Bis zum tatsächlichen Geburtstermin war ich eigentlich sehr entspannt, fühlte mich gut vorbereitet und freute mich sogar auf die Geburt. Auch mein Partner hat sich bislang bereits die Videos angesehen und wir haben hin- und wieder ein paar Hypnosen und die Ankermethode geübt.
Als der errechnete Termin (ET) jedoch immer näher rückte und dieser dann letztlich Tag um Tag verstrich, wurde ich immer nervöser.
Am 9. Tag über ET, war ich ein letztes Mal zur Kontrolle bei der Frauenärztin. Es hieß, dass ich am darauffolgenden Tag zur Einleitung in die Klinik sollte. EINLEITUNG?! Das wollte ich auf keinen Fall! Ich hatte immer die Vorstellung von dieser selbstbestimmten natürlichen Geburt. Mein Baby sollte doch selbst entscheiden dürfen, wann es auf die Welt kommt und nicht irgendeine Leitlinie.
Und wie es das Universum so wollte, setzten noch am selbigen Tag gegen frühen Nachmittag die Wehen ein. Zunächst konnte ich diese noch zuhause (ohne Kopfhörer aber mit einer kleinen Kerzenzeremonie) veratmen. Irgendwann hatte ich den Impuls, mit der Hypnose zu starten, setzte die Kopfhörer auf und lauschte Kristin's Stimme. Anfangs fiel es mir sehr schwer, mich zu entspannen. Doch je mehr Zeit verging, umso entspannter wurde ich - trotz der anhaltenden Wehen.
Mein Partner wurde jedoch irgendwann immer nervöser und wollte zeitnah ins Krankenhaus fahren, da die Wehen bereits alle 3 Minuten einsetzten. Ich fühlte mich daheim noch sehr wohl. Doch als die Schmerzen intensiver wurden, verspürte auch ich den Impuls und wir fuhren gegen 19.00 Uhr in unser kleines nächstgelegenes Dorfkrankenhaus, welches nur zwei Kreißsäle hat.
Dort angekommen, wurde ich von der Hebamme, die ich bereits von der Akupunktur und vorherigen regelmäßigen Untersuchungen kannte, empfangen. Sie ist so ein Engel und dass sie ausgerechnet in dieser Nacht Dienst hatte, war ein Segen. Ich überreichte ihr die Dankeskarte, bekam den Venenzugang, wurde ans CTG gehängt und die Wehen haben ordentlich Fahrt aufgenommen.
Bei der Untersuchung war mein Muttermund 2cm offen. Ich habe leider schnell gemerkt, dass ich die Atemtechnik so gar nicht anwenden konnte… immer wenn sich beim Einatmen die Bauchdecke heben sollte, wurden die Schmerzen intensiver. Daher habe ich mich dann nur noch auf die Hypnose fokussiert. Die Wehen waren irgendwann kaum mehr auszuhalten und ich bekam eine Buscopan und ein Zäpfchen, versuchte ruhig zu bleiben und lauschte weiterhin der Stimme in meinen Ohren.
Da ich eine Wassergeburt plante, wurde ich gefragt, ob ich einen Einlauf möchte. Ich bejahte! Für die weitere Eröffnungsphase wollte ich in die Badewanne. Wie lange ich dort verweilte, weiß ich leider nicht mehr. Auch hier waren die Wellen sehr intensiv und kaum auszuhalten. Mir war kalt und übel. Als ich rauskam und erneut untersucht wurde, war der Muttermund bereits bei 9cm. WOW! Damit hatte ich nicht gerechnet und das verschaffte mir wieder Mut.
Da wir ganz alleine im Kreißsaal waren, konnte ich mich komplett frei bewegen und hatte keine Störfaktoren. Das war sehr schön! Doch leider war meine Fruchtblase bis dahin immer noch nicht geplatzt. Die Hebamme war total lieb und meinte, dass ich das „Platzen“ visualisieren sollte. Doch die Intensität der Wehen war so hoch, dass ich mich darauf nicht mehr konzentrieren konnte. Daher wurde sie dann letztlich von ihr aufgepiekst und in der Gebärwanne ist sie dann final aufgegangen.
Es war mein größter Wunsch, unser Baby im Wasser zur Welt zu bringen. Die Hebamme war bereits skeptisch, als sie das Bad einließ, denn meine Wehen ließen schnell nach. Daraufhin wurde mir intravenös Oxytocin verabreicht. Alles nahm wieder Fahrt auf und ich spürte zunehmend Druck nach unten. Die Pressphase war für mich ebenso schmerzhaft und zermürbend, da sich das Baby in meinem Becken verkeilte. Es war Millimeterarbeit.
Ab dem Moment, in dem ich pressen durfte, war ich nicht mehr in Hypnose, was aber auch nicht mehr nötig war. Die Hebamme leitete mich sehr gut an. Ich verspürte einen enormen Druck, doch der Kopf wollte einfach nicht „ums Eck“. Meine Kräfte ließen nach und auf meine Nachfrage, was passiert, falls ich es nicht schaffte, lautete die Antwort: Saugglocke! Das wollte ich auf keinen Fall! Ich klammerte mich in das Tuch von der Decke und schaffte es tatsächlich, dass ich kurz darauf den Kopf spüren konnte. Mit der nächsten Presswelle war er da. Es dauerte 2-3 Minuten bis zur nächsten Presswelle und schließlich gebar ich unsere Tochter.
Was für ein überwältigendes Gefühl! Ich nahm mein Baby aus dem Wasser und empfand pure Erleichterung und Freude! Es war 04:11 Uhr und es war der schönste Moment in meinem Leben. Fazit: Es war eine intensive, aber wunderschöne und selbstbestimmte Geburt, genau so wie ich es mir gewünscht habe. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben <3

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