Erfahrungsbericht
von Teresa

Die Geburt meines Sohnes ist inzwischen 10 Wochen her. Es ging kurz nach Mitternacht mit Wellen los, die sich wie Übungswellen angefühlt haben, aber einfach öfter hintereinander aufgetreten sind. Die Abstände waren noch ganz unregelmäßig. Weil die Wehen im Liegen zwar nicht wirklich schmerzhaft, aber irgendwie unangenehm waren, bin ich nach einer Weile Herumwälzen im Bett dann doch aufgestanden, um ein Bad zu nehmen.

Ich war mir auch nicht ganz sicher, ob die Geburt wirklich losgeht und im Vorbereitungskurs hatte mir die Hebamme geraten, im Zweifel mit Wärme zu testen, ob die Wehen bleiben oder wieder verschwinden. In der Badewanne verschwanden die Wehen zunächst auch wieder. Ich bin dann nach meinem Entspannungsbad wieder zurück ins Bett und habe noch einmal gut 3 Stunden geschlafen.

Gegen Morgen gingen die Wellen dann wieder los – genau gleich wie in der Nacht, nur diesmal haben sie nicht mehr aufgehört. Weil es wieder im Liegen deutlich unangenehmer war, bin ich aufgestanden und mein Mann hat meine Yogamatte und den Gymnastikball für mich im Wohnzimmer bereitgestellt.

Zu dem Zeitpunkt habe ich auch mit der Hypnose für die Eröffnungsphase begonnen, obwohl ich mir nach wie vor nicht ganz sicher war, ob es wirklich heute losgeht. Irgendwie konnte ich es nicht ganz glauben, freute mich aber schon sehr, meinen Sohn bald kennen zu lernen. Kaum habe ich mit der Hypnose und der Bewegung begonnen, waren die Wellen nicht mehr unangenehm, sonder einfach nur eine spürbare Dehnung.

Je besser mir es gelungen ist, mit der Dehnung mitzugehen anstatt dagegen zu halten, desto weniger spürbar wurde auch dieses Dehnungsgefühl. Mir ist das nicht bei jeder Welle gleich gut gelungen, obwohl ich mit meinen Kopfhörern eigentlich ganz gut von Ablenkungen abgeschirmt war. Die Augen hatte ich geschlossen.

Mein Mann hat mich in regelmäßigen Abständen daran erinnert, zu trinken und zur Toilette zu gehen. Wie vereinbart, hat er mir dazu die Hand auf die Schulter gelegt, ich habe meine Kopfhörer kurz zur Seite geschoben und dann hat er ganz ruhig mit mir gesprochen. Das hat super geklappt.

Im Laufe des Vormittags wurden die Wellen dann regelmäßig, zunächst mit Abständen von 15min. Aufgrund der unterbrochenen Nacht wurde ich in den Wellenpause am Vormittag ziemlich müde. Ich wollte mich für den Fall, dass mein Sohn heute wirklich zur Welt kommt, noch etwas ausruhen und Kraft sammeln.

Da die Dehnung im Liegen aber weiterhin unangenehm war, habe ich mich so aufrecht wie möglich auf unsere Couch gesetzt und mein Mann hat mir ein Nackenkissen, dass wir von unseren Urlauben daheim hatten, gebracht. So konnte ich in den Pausen, die zu dem Zeitpunkt immer noch ca. 15min lang waren, noch zwei kurze Nickerchen machen.

Mittags haben mein Mann und ich dann sogar noch zusammen Pizza gegessen. Appetit hatte ich eigentlich schon, nur während der Wellen musste ich eine Pause einlegen. Nach dem Essen habe ich mich dann auf den Gymnastikball gesetzt und ein bisschen mein Becken gekreist, was sich ebenfalls sehr angenehm angefühlt hat.

Die Abstände wurden nun immer ein bisschen kürzer und wir haben mit einer App die Dauer und Abstände getrackt. Ich habe immer wieder zwischen Ball und Yoga gewechselt, je nachdem was sich gerade besser angefühlt hat. Bewegung war während der Wellen jedoch eindeutig immer besser als ruhig zu bleiben.

So gegen 15:00 waren die Abstände der Wellen dann ca. 5 Min und unsere App hat geraten, ins Krankenhaus zu fahren, was wir dann ganz in Ruhe und ohne Stress auch gemacht haben. Wir hatten zu dem Zeitpunkt eigentlich zwar das Gefühl, die Wellen zuhause noch gut managen zu können, fuhren zur Sicherheit aber trotzdem los.

Im Krankenhaus angekommen, wurde ich in einem Vorzimmer untersucht. Kaum war die Hebamme und der Arzt im Raum, waren meine Wellen plötzlich weg, sodass am CTG nichts aufzuzeichnen war. Auch darauf war ich im Geburtsvorbereitungskurs vorbereitet worden, trotzdem war mir die Situtation ein bisschen peinlich.

Sowohl Hebamme als auch Arzt waren sehr freundlich und haben versucht, mir Mut zuzusprechen, als sie gemerkt haben, dass mir die Vorstellung ohne aufzeichenbare Wehentätigkeit irgendwie unangenehm war. Die Untersuchung hat zwar keine Wehentätigkeit gezeigt, aber eine Öffnung des Muttermundes von 1cm.

Mir wurde frei gestellt, ob ich im Krankenhaus bleiben will, oder noch einmal nach Hause fahren oder spazieren gehen möchte. Wir haben uns entschieden noch eine kleine Runde zu spazieren. Kaum hatte das Krankenhauspersonal den Raum verlassen, waren meine Wellen wieder da.

Wir sind dennoch noch einmal losgegangen, da wir immer noch das Gefühl hatten, die Situation gut im Griff zu haben. Ich habe dann auch meine Kopfhörer wieder aufgesetzt, die ich im Krankenhaus abgenommen hatte. Auch diesmal wurden die Wellen dadurch gleich weniger unangenehm.

Da ich beim Spazieren trotzdem alle paar Meter stehen bleiben musste, um tief einzuatmen und mich auf meinen Knien abzustützen, fuhren wir dann doch lieber nach Hause. Zuhause habe ich ein Bad mit meinem Lieblingsbadezusatz genommen und das Wasser angenehm warm eingelassen.

Währenddessen wurden die Wellen dann immer höher und die Abstände immer kürzer. Das warme Wasser und der Duft fühlten sich aber sehr angenehm und entspannend an, was es leichter machte, der Dehnung nachzugeben. Nach meinem Bad waren die Abstände nur noch eine Minute lang und die Wellen auch wirklich intensiv, weshalb wir noch einmal ins Krankenhaus gefahren sind.

Auf dem Weg vom Parkplatz zur Geburtsabteilung hat eine Krankenschwester, die gerade auf dem Weg nach Hause war, meinem Mann noch einen Rollstuhl gebracht, damit er mich schneller zum Kreißsaal bringen konnte. Ich hatte zwar die Augen geschlossen und über meine Kopfhörer die Hypnose gehört, aber ich konnte sie rufen hören: „Oh Schreck, oh Graus, da will was raus!“. Das fand ich ziemlich lustig und musste kurz lachen, auch wenn mir die Situation eigentlich so gar nicht schrecklich vorkam. Immerhin würde mein Sohn bald zur Welt kommen und ich freute mich.

Auf der Geburtenstation wurde ich ohne neuerliche Voruntersuchung direkt in den Kreißsaal gebracht. Weil gerade Schichtwechsel war, wurde ich noch kurz von der Hebamme, die ich vom Nachmittag kannte, begrüßt und gleich von ihr mit der Nachthebamme bekannt gemacht. Die „neue“ Hebamme hat mich dann gefragt, ob es für mich ok wäre, wenn sie mir einen Zugang legt. Das war für mich in Ordnung.

Anschließend hat sie noch eine Untersuchung gemacht, auch wieder nach Rückfrage, ob das für mich passt, und mir dann gesagt, dass der Muttermund nun 5cm geöffnet sei. Die Wehentätigkeit war dieses Mal auch aufzeichbar. Da zu dem Zeitpunkt bereits 20h vergangen waren und ich mit noch ein paar Stunden gerechnet habe, habe ich die Hebamme um ein Schmerzmittel gebeten, das mir eine Verschnaufpause verschaffen sollte.

Während die Hebamme das Schmerzmittel vorbereitet hat, sollte ich noch einmal auf die Toilette gehen, um dann etwas schlafen zu können. Nachdem ich meine Blase entleert hatte, platze plötzlich meine Fruchtblase und gleichzeitig setzte der Pressdrang ein. Die Intensität der Wellen war damit noch stärker, aber dass ich mitschieben konnte, gab mir irgendwie das Gefühl, die Geburt selbst steuern zu können.

Das geplante Schmerzmittel konnte mir die Hebamme nicht mehr geben, da sie meinte, mein Sohn wird bald geboren werden und das Medikament hätte ihm Probleme bei der Atmung bereitet. Sie bot mir stattdessen an, Lachgas zu probieren, was ich annahm. Es machte allerdings nicht viel Unterschied, ob ich es einatmete oder nicht.

Die Wellen kamen mir zu dem Zeitpunkt eher wie eine enorme Kraft vor und weniger wie ein Schmerz. Ich war total fasziniert, dass ich so eine Kraft entwickeln konnte. Das hatte ich mir vorher nie vorstellen können. Ich spürte bei jeder Welle, wie sich das Köpfchen im Geburtskanal ein bisschen nach unten bewegte.

Mein Mann hat die Hypnose auf die für die Austreibungsphase umgestellt, aber zu dem Zeitpunkt war ich so auf die Situation und das Drücken konzentriert, dass ich nicht mehr bewsusst wahrgenommen habe, was Kristins Stimme über meine Kopfhörer gesagt hat.

Wenige Presswehen später war zuerst das Köpfchen meines Sohnes geboren, das ich kurz tasten konnte. Es war unglaublich weich – genau wie Kristin gesagt hat, dachte ich in dem Moment. Kurz darauf folgte die nächste Welle mit der mein Sohn ganz geboren war. Ich konnte ihn gleich schreien hören und war sehr erleichtert, dass auch er die Geburt gut geschafft hatte. Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war, durfte mein Mann sie durchtrennen.

Der Gynäkologe kam noch einmal, um zu sehen, ob ich eine Geburtsverletzung hatte, die er versorgen musste. Da ich keine hatte, war die Untersuchung auch sehr schnell wieder beendet. Sowohl mein Mann als auch ich konnten es kaum glauben. Wir haben noch mit vielen Stunden gerechnet, als wir im Krankenhaus ankamen, doch am Ende waren wir nur eine Stunde im Kreißsaal. Wir waren überglücklich!

Die Hebamme hat mir meinen Sohn auf die Brust gelegt und wir haben die nächsten 4 Stunden damit verbracht, zu kuscheln und zu stillen. Wenn ich an den Tag zurück denke, freue ich mich gleich wieder, dass alles so problemlos verlaufen ist und ich Dank der guten mentalen Vorbereitung sehr positiv gestimmt in die Situation gehen konnte, was sicherlich auch zu dem unkomplizierten Verlauf beigetragen hat. Deshalb ein großes DANKE an Kristin und ihr Team!

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Journalistin
Nora Imlau22.09.2019
Hebamme
Nina