Erfahrungsbericht
von Th.
Die Hausgeburt unserer Tochter
Mitte Februar 2025 hat alles begonnen. Um die Tage meines Eisprungs herum hatte ich immer wieder ein Ziehen in der Leistengegend und wusste direkt, da ist irgendetwas anders als sonst. Ein paar Tage später, als ich gerade dabei war, eine Patientin zu behandeln, spürte ich ein kurzes sehr intensives Stechen und musste dabei tief durchatmen. So müssen sich Wehen anfühlen, dachte ich. Das war dann wohl der Einnistungsschmerz! Für mich gab es ab diesem Tag keinen Zweifel mehr, ich war schwanger. Der positive Schwangerschaftstest überraschte mich nicht mehr. Für meinen Partner waren die beiden Striche aber von Bedeutung. Er hatte ja auch nicht dasselbe gefühlt wie ich.
Eigentlich hatte die Kinderplanung bei uns noch nicht ernsthaft begonnen. Wir wollten unbedingt gemeinsame Kinder haben, irgendwann mal. Es ist häufig der klassische Satz gefallen: In zwei drei Jahren würde es passen. Dieses kleine ungeplante Wesen hat uns aber sehr glücklich gemacht und im Nachhinein fragen wir uns immer, worauf wir eigentlich noch warten wollten... Schon vor der Schwangerschaft habe ich mich immer für das Thema Geburt interessiert.
Auch in meinem Kopf herrschte das in unserer Gesellschaft verbreitete schmerzvolle Bild von Geburten. Irgendwann bin ich zufällig auf das Thema Hausgeburt gestoßen. Ich war zuerst skeptisch, aber dennoch interessiert. Ich fand den Ansatz spannend, einen anderen Weg als die meisten anderen Frauen zu gehen und wollte wissen, was die Beweggründe für eine Hausgeburt sind. Mir ist bewusst, unter welchem wirtschaftlichen Druck Kliniken stehen und begegne ärztlichem Personal sagen wir mal mit einer gesunden Skepsis. Dass eine Geburt auch als schön empfunden werden kann und die gemütliche Atmosphäre zuhause dazu beitragen kann, fand ich super spannend.
Ich las immer mehr Erfahrungsberichte über Hausgeburten. Nur wenige Frauen entscheiden sich bei der Geburt des ersten Kindes für eine Hausgeburt. Ich fand die Vorstellung, irgendwann mal ein Kind zuhause zu gebären, aber immer stimmiger und den Gedanken an eine Klinikgeburt immer unpassender für mich. Eventuell könnte dazu auch ein bisschen beigetragen haben, dass mich kritisch hinterfragende Dokumentationen über die Geburtsmedizin quasi angezogen haben.
Jetzt war ich also schwanger. Für mich war direkt klar: Ich wünsche mir eine Hausgeburt, einfach ein Bauchgefühl! Auch mein Partner stand dem Ganzen offen gegenüber und vertraute meinem Gefühl. Wir tauschten uns viel über die Vor- und Nachteile von einer Hausgeburt aus und kamen zu dem Entschluss, dass die Vorteile für uns überwiegen.
Ich kontaktierte circa in der siebten Woche unsere Hausgeburtshebammen und wir vereinbarten einen Termin. Das erste Treffen war super, wir haben uns bei den beiden direkt wohl gefühlt.
Meine Gynäkologin hingegen war weniger begeistert von unserem Plan und zeigte ihre persönliche Meinung über Hausgeburten deutlich, in meinen Augen sehr unprofessionell. Auch in unserem familiären Umfeld herrschte viel Skepsis. Ich bin eine Person, die sich viel und gerne darüber austauscht, was mich beschäftigt. Ich hatte gar nicht in Erwägung gezogen, meinem Umfeld die Hausgeburt zu verschweigen. Ich erzählte blauäugig Familie und Freunden davon in der Hoffnung, mich positiv austauschen zu können. Hätte ich doch lieber nur ausgewählten Personen von unserem Vorhaben berichtet! Von Horrorgeschichten über Geburten, eigenen traumatischen Geburtserfahrungen bis hin zu Vorwürfen, dass wir unser Kind gefährden würden, war alles dabei. Ich wusste nach einigen Wochen alle Details über die Geburten von Familienangehörigen, was für Komplikationen es gegeben hatte, welchen APGAR Score die Kinder hatten und das alles ungefragt, nein wie schön! Die kritischen Meinungen bestärkten mich aber nur noch mehr in unserem Vorhaben. Die Diskussionen wurden allerdings immer kräftezehrender und ich wurde immer dünnhäutiger.
Ich war durch den Erfahrungsbericht einer Hausgeburt auf den Podcast „Die friedliche Geburt“ gestoßen und fing bei Folge 0 an. Kristins angenehme Stimme und beruhigende Art kriegten mich direkt. Es tat mir unglaublich gut, den Podcast zu hören, jetzt hatte ich endlich meinen positiven Austausch. Die Wut über anstrengende Diskussionen ließ dadurch nach und ich konnte mich wieder mit positiven Gedanken auf meine Schwangerschaft konzentrieren.
In der 13. Woche erzählte ich meinem Arbeitgeber von der Schwangerschaft und erhielt ein Beschäftigungsverbot. Die freie Zeit nutzte ich, um Dinge für mich zu tun. Ich hatte endlich mal Zeit für alles, was vorher immer liegen geblieben war, trieb viel Sport, stellte die Wohnung auf den Kopf, ging regelmäßig in die Sauna und hörte viele weitere Podcastfolgen.
In unserem Sommerurlaub mit Camper in Norwegen, in der 23. Woche, startete ich den Onlinekurs. Die Hypnose Geburtsvorbereitung probierte ich als Erstes aus. Wir standen an einem Fjord bei strahlendem Sonnenschein und ich machte es mir im Camper im Schneidersitz gemütlich. Ich war völlig baff, wie gut es funktionierte. Ich war tatsächlich beim ersten Üben direkt in einem Trancezustand und fühlte mich danach total entspannt. Auch die Atemtechnik fiel mir leicht. In den folgenden Monaten übte ich mal mehr, mal weniger. Manchmal überkam mich das Gefühl von Druck, mehr üben zu müssen, was aber völliger Quatsch war. Eine Geburt ist ja keine Prüfung, die man bestehen muss.
Im Oktober besuchten wir eine Live-Übungsgruppe bei der lieben Doro in Berlin. Die beiden Übungsgruppen-Tage waren total schön! Der Kurs fand in einem Geburtshaus statt und während wir die Hypnose „Übung der Geburtssituation“ hörten, wurde nebenan ein Kind geboren. Wie passend und wunderschön! Mir haben der Austausch und das gemeinsame Üben sehr geholfen. Auch meinem Partner hat der Kurs gefallen und er wusste jetzt besser, wie er am besten mit mir kommunizieren kann bei der Geburt. Vor allem, dass er mir lieber keine Fragen stellen sollte…
Ich hatte die gesamte Schwangerschaft über die Vorsorgetermine parallel bei meiner Gynäkologin und bei den Hebammen. Ich war also terminlich gut ausgelastet. Meine Gyn wollte sich nicht darauf einlassen, die Termine aufzuteilen. Sie und ich gerieten immer wieder aneinander, bis ich mich vier Wochen vor ET dazu entschied, die Praxis zu wechseln. Ich sagte alle Termine bei ihr ab und schrieb ihr eine lange E-Mail mit meiner Begründung für den Wechsel und einer hoffentlich konstruktiven Kritik. Es tat gut, einmal alles von der Seele zu schreiben. In der 38. Woche hatte ich dann den ersten Termin bei meiner neuen Gyn, die mir die Hebammen empfohlen hatten. Ich war sehr angespannt und hatte Sorge, mich wieder für die Planung einer Hausgeburt rechtfertigen zu müssen. Die Sorge war ein Glück völlig unbegründet. Die Ärztin war sehr nett und verständnisvoll. Ich konnte die letzten Vorsorgetermine mit meinen Hebammen machen und wir vereinbarten, dass ich nur zum CTG komme, falls ich den ET überschreite.
Der ET rückte immer näher und ich hatte viele Senkwehen, die immer intensiver wurden. Irgendwie ging ich deshalb davon aus, dass unsere Tochter früher kommen würde. Fünf Tage vor meinem ET hatte ich fast jede Nacht starke Vorwehen. Sobald die Sonne aufging, war allerdings alles vorbei. Ich hörte regelmäßig die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“.
In der Nacht drei Tage nach meinem ET wurden die Wehen so stark, dass ich mir sicher war, es geht los. Und wieder, sobald die Sonne aufging, nichts mehr. Zu meinem ET muss ich allerdings sagen, dass die Meinung der Hebammen und Gynäkologin auseinander ging. Sie hatten unterschiedliche Termine berechnet. Die Gynäkologin hatte den Termin früher angesetzt. Da ich laut ihrer Prognose nun schon über dem Termin war, wurde ich immer unruhiger. Ich hatte mich zwar darauf eingestellt, dass es bei einer Hausgeburt zu einer Verlegung kommen kann und mich dank des Kurses und Podcasts mit positiven Gedanken darauf vorbereitet, aber ich wollte auf keinen Fall eingeleitet werden. Dann hätte ich es ja nicht mal zuhause probieren können und von vornherein in die Klinik gemusst. Auch meine Hebammen fanden es ungewöhnlich, dass ich anscheinend einen Tag-Nacht-Wehen-Rhythmus entwickelt hatte. Ich empfand die Nächte als Fehlalarm, doch die Hebammen bestärkten mich und meinten, dass mein Geburtsprozess schon begonnen hat. Ich sollte mich freuen, dass mein Körper Vorarbeit leistet und ich immer wieder Erholungsphasen habe. Das half mir total!
Ich hatte mir gewünscht, dass meine Mutter und mein Partner mich bei der Geburt begleiten. Meine Mutter freute sich sehr darüber und empfand es als große Ehre. Sie war während der ganzen Schwangerschaft eine große mentale Unterstützung für mich und stand hinter meiner Entscheidung für eine Hausgeburt. Durch meine wehenreichen Nächte wurde sie immer ungeduldiger. Ich musste sie mehrmals davon abhalten, früher als nötig anzureisen. Sie war allerdings so nervös, da sie einen Anfahrtsweg von circa drei Stunden hatte und reiste vier Tage nach meinem ET an. So richtig begeistert war ich davon nicht. Ich hatte aber auch nicht mehr die Kraft, sie davon abzuhalten und dachte mir, so lange kann es ja nicht mehr dauern. Sie übernachtete in einem Hotel bei uns in der Nähe. Sie bekochte uns lecker und wir machten gemeinsame Spaziergänge.
Die Nächte wurden wechselhaft, mal Wehen, mal keine Wehen. Meine Laune wurde von Tag zu Tag schlechter. Mein Partner und meine Mutter mussten diese Launen ertragen. Ich hatte mehr und mehr das Bedürfnis, allein zu sein. Außerdem setzte es mich unter Druck, dass meine Mutter mit jeder Nacht, die nicht in einer Geburt endete, mehr Geld für das Hotel bezahlen musste. Sie war mittlerweile bei über 500€ Hotelkosten. Ich wollte auch, dass sie sich wohl fühlt und nicht langweilt. Sie konnte mich zwar mit Unternehmungen ablenken, aber ich wollte mich immer mehr zurückziehen und niemanden sehen.
Neun Tage nach meinem ET sagte ich ihr, dass es besser wäre, wenn sie nach Hause fährt. Wir konnten schließlich nicht vorhersagen, wann es losgeht. Sie reiste etwas frustriert ab. So blöd es klingt, ich war erleichtert.
An diesem Tag hatte ich mein drittes CTG. Es sah alles so weit gut aus. Die Gyn war etwas beunruhigt wegen des ETs, sprach jedoch noch nicht von einer Einleitung. Sie wollte mich am folgenden Tag nochmal sehen. Wieder zuhause entspannte ich mich mal so richtig, hörte mir auch ein paar Hypnosen an. Abends gingen mein Partner und ich in die Sauna. Wir dachten, vielleicht bringt es ja etwas. Wir aßen Wohlfühlessen und schauten fern. Ich ging früh ins Bett und schlief schnell ein.
Diese Nacht war es anders. Sobald die Sonne aufging, um 5:30 Uhr, wurde ich wach. Ich musste zur Toilette und spürte ein paar Vorwehen. Als ich mich wieder hinlegte, wurden die Wehen intensiver und es zog in meinem unteren Rücken. Die Abstände wurden immer kürzer und ich begann, sie selbst zu tracken. Ich wollte erstmal schauen, ob die Wehen bleiben oder abflachen, bevor ich meinen Partner aufweckte. Ich hörte mit Noise Cancelling Kopfhörern die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“. Kurze Zeit später machte ich einen Einlauf als Test, ob es Vorwehen oder echte Wehen sind. Außerdem gab es mir ein beruhigendes Gefühl, wenn der Darm entleert ist. Ich hatte in den Wochen zuvor ab und zu schon einen Einlauf probiert und dieser war wirklich unangenehm.
Das Problem war, dass ich mir eben nicht sicher war, ob es sich um Vorwehen oder Geburtswehen handelt. Danach war ich mir sicher, definitiv Geburtswehen. Ich legte mich wieder hin. Nach circa zwei Stunden war ich bei 3-5 Minuten Abständen. Ich sagte meinem Partner Bescheid und bat ihn weiter zu tracken.
Ich machte mir die Hypnose „Eröffnungsphase“ an und konzentrierte mich ganz auf meinen Körper. Es tat mir gut, die Wehen laut zu vertönen. Mein Partner fing an, alle Vorbereitungen für die Geburt zu treffen. Wir hatten ihm eine To Do Liste erstellt und eine Kiste mit allen Utensilien vorbereitet. Ich bekam von alldem nichts mit. Ich hatte das Bedürfnis, in die Badewanne zu gehen.
Ich rief meine Mutter an, die ja am Tag vorher abgereist war. Sie hatte noch einen wichtigen Arzttermin, machte sich aber im Anschluss auf den Weg. Die Wehen waren mittlerweile so intensiv, dass ich meinen Partner darum bat, den Hebammen Bescheid zu geben. Die Wanne tat mir gut. Ich wollte die Hypnose nicht mehr über die Kopfhörer hören, weil meine Ohren weh taten und machte mir die Musikbox an. Ich hörte, wie mein Partner mit unserer Hebamme telefonierte. Als die beiden auflegten, musste ich Pipi. Als ich wieder in die Wanne stieg, hatte ich eine sehr intensive Wehe und verlor meinen Schleimpfropf.
Ich freute mich total! In meinem Unterbewusstsein hatte ich immer noch Sorge gehabt, dass die Wehen wieder aufhören würden. Jetzt konnte ich mir endlich zu 100% sicher sein, es ging wirklich los!! Lukas rief nochmal die Hebamme an und sie machte sich auf den Weg. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich im Wasser darüber nachdachte, wie krass wir Frauen eigentlich sind und was unser Körper leisten kann. Ich fragte mich, wo wohl meine Grenze sein würde und konnte den Wunsch nach einer PDA in gewisser Weise verstehen. So ganz konnte ich also meinen Kopf nicht ausschalten.
Die Hypnose entspannte mich aber immer wieder. Ich konnte spüren, dass sich mein Muttermund immer mehr weitete und wollte selbst fühlen, ob sich schon etwas getan hatte. Ich konnte mit meinen Fingern die Fruchtblase ertasten. Was für ein Gefühl!
Die erste Hebamme kam nach einer halben Stunde und begrüßte mich mit ihrer beruhigenden Art in der Wanne. Ich freute mich, sie zu sehen. Sie hörte die Herztöne ab und tastete nach meinem Muttermund. Ich hatte meinen beiden Hebammen im Vorhinein gesagt, dass ich die Zentimeter nicht wissen will, um mich nicht unter Druck zu setzen und das war gut so! In den Wehenpausen fing ich immer mehr an, stark zu zittern, was für mich unangenehmer war als die Wehen selbst. Tatsächlich hörte das Zittern auf, wenn ich mich vollkommen auf die Hypnose konzentrierte.
Ich war recht viel allein im Badezimmer und mein Partner und die Hebamme schauten nur ab und zu nach mir. Ich brauchte meine Ruhe. Da ich die ganze Geburt über wahnsinnigen Durst hatte und literweise Wasser trank, musste ich wieder Pipi. Ich hiefte mich aus der Wanne und mich übermannte eine sehr heftige Wehe. Bei Bewegung waren die Wehen einfach zu stark. Ich wollte danach nicht mehr ins Wasser zurück und ging ins Wohnzimmer. Ich veratmete eine Wehe am Küchentisch, hockte mich im Vierfüßler auf meinen Gymnastikball und wollte mich dann unbedingt ins Bett legen. Ich lag entweder auf der Seite oder auf dem Rücken mit angewinkelten Beinen.
Die Rückenlage stellte sich als meine intuitive Geburtsposition heraus. Die Herztöne waren die ganze Zeit über stabil und ich habe immer noch die Worte von der Hebamme im Kopf: Schön, die Kleine ist die ganze Zeit so entspannt. Bei einer sehr sehr intensiven Wehe, die sich schon nach Pressen anfühlte, platzte mit voll Karacho meine Fruchtblase unter der Decke. Mein Partner hatte neben mir gestanden und sich richtig erschrocken, weil es so ein lauter Knall war. Ich spürte das warme Wasser meine Beine entlanglaufen. „Was war das??“ „Meine Fruchtblase ist geplatzt!!!“
Das hatte sich irgendwie total befreiend angefühlt. Jede Wehe, die danach kam, fühlte sich so viel effektiver an. Ich hatte so ein intensives Körpergefühl ab diesem Moment und konnte genau spüren, wie sich alles in mir weitete.
Jetzt kam auch die zweite Hebamme. Ich bekam zwar um mich herum alles mit, war aber dennoch in meinem eigenen Trancezustand ganz bei mir und meinem Baby. Mich beruhigte immer der Satz aus der Hypnose: „Es gibt immer nur diese eine Welle und danach gibt es nur diese eine Pause“. Dadurch fühlte es sich nach jeder Wehe für mich nach einem Fortschritt an. Ich wechselte immer wieder von der Rückenlage auf die Seite und mein Partner presste mit aller Kraft gegen mein Steißbein. Ich denke, das waren die letzten Züge der Eröffnung meines Muttermunds. Das Pressen gegen mein Steißbein half mir so sehr! Irgendwann wusste ich, dass ich komplett geöffnet war und konnte richtig fühlen, wie unsere Tochter mit jeder Wehe tiefer rutschte. Das habe ich auch immer ganz begeistert in den Pausen mitgeteilt.
Dann fingen die Presswehen an. Ich kann gutverstehen, warum es sich für viele Frauen befreiend anfühlt. Auch für mich waren es angenehmere Wellen als in der Eröffnungsphase, dennoch sehr herausfordernd! Ich habe die Presswehen nicht mehr als schmerzhaft empfunden, sondern als einen immensen Druck. Irgendwann fragte ich allerdings die Hebamme immer wieder, wie lange es noch gehen würde. Für mich fühlte sich alles schon so weit an. Die Hebamme und mein Partner fanden immer die richtigen Worte mich zu beruhigen. Schön fand ich auch, dass die Hebamme teilweise die Worte der Hypnose mitsprach. Es lief allerdings immer noch die Hypnose der Eröffnungsphase. Als darin gesagt wurde, dass ich mich darauf konzentrieren soll mich vollständig zu öffnen, wurde ich pampig. „Mein Muttermund ist längst geöffnet!“ waren meine Worte. Eine schöne Anekdote im Nachhinein!
Mein Partner machte schnell die Hypnose für die Austrittsphase an. Er stand an meinem Kopfende und presste bei jeder Wehe meine Schultern zusammen. Ich krallte mich an seinem Nacken fest und wir atmeten zusammen. Ich lag wieder auf dem Rücken mit angewinkelten Beinen. Die Hebamme sagte mir, ich solle versuchen nicht so stark mitzuschieben und mich mehr auf die Atmung konzentrieren. Tief in den Bauch einatmen und schön kräftig ausatmen! Mein Partner leitete mich an. Ohne ihn hätte ich viel mehr mitgeschoben. Meine Blase war mal wieder gut gefüllt und die Hebamme bat mich nochmal auf die Toilette zu gehen, damit unser Baby mehr Platz hat. Ich gab alles, aber bis auf einige heftige Presswehen auf der Toilette erreichte ich nichts. Ich hielt sogar auf dem Klo die Hand unter meinen Schritt, weil ich Sorge hatte, dass unsere Tochter dort geboren werden würde. Mein Partner hatte mich zur Toilette begleitet und ich weiß noch, dass ich zu ihm gesagt habe, dass ich nicht mehr kann und keine Kraft mehr habe. Ich kann mich aber auch genau daran erinnern, dass ich mir in dem Moment dachte „Nein, ich kann eigentlich noch. Ich will gerade einfach nur jammern. “.
Zurück im Bett legte mir die Hebamme einen Katheter und ich fühlte mich richtig erleichtert. Es ging in die Endphase, die Abstände wurden immer kürzer und mein Körper presste, ohne dass ich es groß beeinflussen konnte. Die Hebamme hielt den Kopf bei jeder Wehe etwas zurück, um meinen Damm zu schützen. Sie zeigte mir immer wieder mit ihren Händen, wie viel sie schon vom Kopf sehen kann und mein Partner teilte mir voller Freude mit, dass er die Haare sehen kann. Ich fühlte nach dem Kopf und freute mich riesig! Ich fragte nach, wo meine Mutter wäre und mein Partner wollte sie anrufen, aber dann kam auch schon die nächste Presswehe und ich brauchte ihn an meiner Seite. Wir atmeten und pressten gemeinsam. Dann kam der Kopf raus und ich sah, wie mein Partner und beide Hebammen vor Freude weinten. Mein Partner sagte mir, dass ich jetzt ein letztes Mal tief ein- und ausatmen soll, ohne zu sehr zu pressen.
Mit der letzten Wehe kam der restliche Körper von unserer Tochter im wahrsten Sinne des Wortes aus mir herausgeflutscht. Die Hebamme hielt sie aufrecht, weil sie etwas viel Fruchtwasser geschluckt hatte und die Kleine gluckste. Dann kam der erste Schrei. Ich brauchte einen kurzen Moment, um zu realisieren, was gerade passiert war. Bevor sie mir auf die Brust gelegt wurde, musste ich eine Sache loswerden. Ich sagte „Können wir mal kurz festhalten, wie krass ich bin?!“. Und so fühlte ich mich auch, einfach krass. Was sind wir Frauen bitte für unglaubliche Wesen?!
Unsere Tochter wurde mir mit einem Handtuch bedeckt auf die Brust gelegt. Ihre Wärme zu spüren, war für mich die größte Belohnung. Mein Partner und ich küssten uns und waren einfach nur glücklich. Unsere Hündin war die ganze Zeit dabei gewesen und lag ruhig in ihrem Bett neben unserem. Auch sie durfte I. jetzt kennenlernen. Sie schleckte ihr einmal über die Händchen und kuschelte sich dann zufrieden zu uns. Die Hebamme sagte mir, ich könnte versuchen ein wenig zu pressen für die Nachgeburt und schon war die Plazenta draußen. Ein Kinderspiel im Vergleich zu den Stunden davor!
Ich hatte einen Dammriss, der aber glücklicherweise bei uns zuhause durch die Hebammen versorgt werden konnte. Mein Partner rief meine Mutter an. Sie war bereits zwanzig Minuten vor der Geburt angekommen, hatte sich aber nicht getraut zu klingeln. Er erzählte mir im Nachhinein, dass sie vor Freude ins Telefon schrie. Sie kam also nur ein paar Minuten nach der Geburt an und wir hatten einen wundervollen Mutter-Tochter-Großmutter-Moment.
Die Hebammen bauten mit unseren Küchenstühlen vor unserem Bett eine Art Gynäkologenstuhl, damit ich meine Beine hoch gelagert ablegen konnte für die Wundversorgung. Die beiden nähten sehr sorgfältig und einfühlsam meinen Dammriss, bestimmt zwanzig Minuten lang. Ich hörte währenddessen die Hypnose bei Geburtsverletzungen. Unsere Tochter lag währenddessen auf meiner Brust und trank mittlerweile fleißig.
Nachdem die Hebammen die U1 gemacht hatten, gab es noch einen Plazenta Smoothie. :D Die Hebammen hatten uns vorher gefragt, was wir mit der Plazenta machen wollen. Einfach alles in den Müll zu werfen, kam für mich nicht in Frage. Die Hebammen mixten uns einen Smoothie mit vielen Früchten, Haselnussmus, Zimt und Kurkuma und eben einem Stück der Plazenta. Es klingt merkwürdig, aber das war der leckerste Smoothie, den ich je getrunken habe. Auch meinem Partner schmeckte es! Dann wurde nur noch gekuschelt. Unsere Tochter bekam sogar ein Geburtstagsständchen mit einer selbstgemachten Kerze von den Hebammen.
Für mich war es meine Traumgeburt, selbstbestimmt und in Ruhe. Ich hätte mir kein schöneres Ankommen für unsere Tochter vorstellen können. Ob ich am Ende durch Kristins Worte in Hypnose war oder in meinem eigenen Trancezustand, kann ich gar nicht richtig sagen. Ich hatte aber definitiv ein sehr intensives Körpergefühl und habe alles sehr bewusst miterlebt. Die Eröffnungsphase habe ich als schmerzhaft empfunden, den Schmerz allerdings nicht negativ wahrgenommen. Ich empfand ihn eher als zielführend und habe mich diesem hingegeben. Ich denke, dass ich meinen Kopf nicht zu 100% ausschalten konnte. Ich habe mich dann doch während der Geburt immer wieder gefragt, wie lange es wohl noch dauern wird, was noch auf mich zukommen wird und ob wir nicht doch noch in die Klinik fahren müssen.
Was ich aber sagen kann, ist, dass mir der Podcast und die Hypnosen unglaublich während der Schwangerschaft geholfen haben. Die ganzen negativen Einflüsse von außen in Bezug auf meine Hausgeburt konnte ich so viel besser ausblenden und Kristin hat mich immer wieder bestärkt, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich weiß nicht, ob ich das ohne diesen Input durchgestanden hätte. Umso mehr freue ich mich auf eine eventuelle zweite Schwangerschaft und Geburtserfahrung. Ich weiß jetzt, was mir während einer Schwangerschaft guttut oder nicht und vor allem weiß ich, wie schön, aber dennoch intensiv, eine Geburt sein kann. In meiner Vorstellung kann ich mich beim nächsten Mal noch viel mehr fallen lassen und darauf freue ich mich jetzt schon.

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