Erfahrungsbericht
von Wiebke
Geburtsbericht – Unsere zweite Hausgeburt
Wie schon bei unserer ersten Tochter haben wir uns auch bei unserer zweiten Tochter ganz bewusst für eine Hausgeburt entschieden. Für mich persönlich fühlt sich der Gedanke, ein Kind in einer Klinik zu gebären, sehr befremdlich an – mit Ortswechsel, fremden Gerüchen, unbekannten Menschen und medizinischer Betreuung, obwohl sie vielleicht gar nicht nötig ist. Zuhause hingegen fühle ich mich sicher, geborgen und in meiner Kraft. Deshalb war für mich schon bei unserer ersten Tochter klar, dass ich mir eine Hausgeburt wünsche – und genauso auch bei unserer zweiten.
Bei meiner ersten Geburt hatte ich einen Hypnobirthing-Crash-Kurs gemacht. Während der Geburt selbst konnte ich die Methode jedoch kaum anwenden. Die Wellen waren für mich sehr intensiv und überwältigend, und ich fühlte mich ihnen teilweise hilflos ausgeliefert. Diese Erfahrung hat mich geprägt und mir gleichzeitig gezeigt, dass ich bei einer zweiten Geburt einen anderen Umgang mit dem Schmerz finden möchte.
Ich benutze hier ganz bewusst das Wort Schmerz, denn für mich war Geburt tatsächlich schmerzhaft. Ich glaube nicht daran, dass Geburt unbedingt schmerzfrei sein muss oder soll – ich empfinde das als sehr individuell. Für mich ging es deshalb nicht darum, den Schmerz komplett zu vermeiden, sondern einen Weg zu finden, ihm besser begegnen zu können.
Auf dieser Suche bin ich auf „Die friedliche Geburt“ gestoßen. Etwa ab der 24. oder 25. Schwangerschaftswoche begann ich mit der mentalen Vorbereitung und hörte fast täglich die Hypnosen. Ich visualisierte meine Geburt und setzte mich intensiv mit dem Gedanken auseinander, wie ich mit den Wellen umgehen möchte. Meine innere Haltung war dabei realistisch: Es kann weh tun – aber ich kann lernen, damit umzugehen. Vielleicht wird der Schmerz weniger, vielleicht auch nicht.
Zusätzlich wollte ich meinen Körper so gut wie möglich vorbereiten. Deshalb entschied ich mich bewusst für eine Ernährung nach Empfehlung von Professor Louwen und verzichtete ab der 35. Schwangerschaftswoche auf Zucker und Weißmehl. Außerdem ließ ich geburtsvorbereitende Akupunktur machen.
Neben der mentalen Vorbereitung stellte ich mir verschiedene Hilfsmittel für die Geburt bereit: ein TENS-Gerät, einen Geburtskamm, einen Akupressurball, Wärmekissen und einen Pezziball. Mir war wichtig, während der Geburt intuitiv auf verschiedene Möglichkeiten zurückgreifen zu können.
Der errechnete Termin verging – und bei 40+2 begann schließlich unsere Geburt.
Ein kleiner Wunsch von mir war gewesen, dass die Geburt diesmal mit Wellen beginnt. Bei meiner ersten Tochter hatte ich einen Blasensprung, und die Wellen setzten erst etwa zwölf Stunden später ein. Umso schöner war es, dass es diesmal tatsächlich mit Wellen startete.
Der Tag begann ganz ruhig und friedlich. Ich verbrachte einen wunderschönen sonnigen Tag mit unserer großen Tochter. Beim Spielen bemerkte ich bereits leichte Kontraktionen, konnte sie aber noch nicht eindeutig als Wellen einordnen. Erst später beim Abendessen mit meinem Mann – gegen 18 Uhr – spürte ich sie deutlicher und dachte: Vielleicht geht es heute los.
Ob es wirklich schon Geburt war oder doch noch ein paar Tage dauern würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Nachdem ich unsere Tochter ins Bett gebracht hatte, änderte sich die Situation jedoch schlagartig. Als ich gegen 20 Uhr aus dem Kinderzimmer kam, wurden die Wellen plötzlich regelmäßig – etwa alle vier bis fünf Minuten, jeweils ungefähr eine halbe Minute lang. Es fühlte sich fast so an, als hätte unsere zweite Tochter darauf gewartet, dass ihre große Schwester schläft, bevor sie sich auf den Weg macht.
Von da an begann ich alles vorzubereiten. Ich richtete zwei Räume für mich ein: unser Badezimmer und mein Yogazimmer, um eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Mein Plan war, mich intuitiv zwischen diesen Räumen zu bewegen. Letztlich verbrachte ich die gesamte Geburt im Badezimmer.
Zu Beginn legte ich mich noch einmal hin und startete die Hypnose für die Eröffnungsphase. Etwa eine Stunde lang hörte ich zu, spürte in die Geburt hinein und probierte die Atemtechniken aus. Besonders die tiefe Bauchatmung empfand ich als angenehm. Gleichzeitig merkte ich aber auch: Diese Atmung wird mich nicht allein durch die Geburt tragen. Sie wird ein Teil davon sein, aber nicht die einzige Technik.
Während der gesamten Geburt wechselte ich immer wieder intuitiv zwischen verschiedenen Atemformen – je nachdem, was sich gerade richtig anfühlte.
Die Wellen wurden nach und nach intensiver. Gegen 22:30 Uhr bat ich meinen Mann, unsere Hebamme anzurufen, die etwa 50 Minuten Anfahrt hatte. Als sie gegen 23:30 Uhr ankam, musste ich die Wellen bereits sehr konzentriert veratmen und begann auch zu tönen. Rückblickend vermute ich, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt schon am Ende der Eröffnungsphase befand.
Ich blieb weiterhin im Badezimmer und ließ Wasser in die Badewanne ein. Während der nächsten Zeit wechselte ich ständig die Positionen: Ich war im warmen Wasser, lief umher, saß auf dem Pezziball oder stützte mich ab – immer so, wie es mein Körper gerade brauchte. Es war eine sehr bewegte Geburt mit vielen Positionswechseln.
Zwischendurch nutzte ich auch das TENS-Gerät. Es hatte drei Programme, doch schon das erste empfand ich als völlig ausreichend. Nach einer Weile nahm ich es wieder ab und wechselte erneut zwischen Badewanne, Bewegung und Wärme – mal auf dem Rücken, mal auf dem Bauch.
Auch die Wellenpausen gestalteten sich sehr unterschiedlich. Manchmal legte ich mich komplett auf den Boden und ruhte mich aus, um wirklich tief zu entspannen. In anderen Pausen blieb ich in Bewegung, lief ein paar Schritte umher oder machte bestimmte Bewegungen mit den Beinen. Ich folgte dabei ganz intuitiv meinem Körper und dem, was sich in diesem Moment richtig und hilfreich anfühlte.
Als ich schließlich in die Übergangsphase kam, wurde es für mich sehr intensiv. Ich war vollkommen in meiner Geburtswelt und rief irgendwann ganz klassisch: „Ich kann nicht mehr.“ In diesem Moment merkte ich auch, dass mir die Hypnose nicht mehr diente, und ich schaltete sie aus.
Von da an führte ich mich selbst weiter durch die Wellen – unterstützt von meiner Hebamme. Wenn ich das Gefühl hatte, etwas Bestimmtes zu brauchen, sagte ich es ihr, zum Beispiel wenn ich das Bedürfnis hatte, etwas von oben nach unten zu ziehen. Sie zeigte mir dann Möglichkeiten oder Bewegungen, die ich ausprobieren konnte. Mein Mann war die ganze Zeit bei mir, massierte mich und bestärkte mich.
Irgendwann – ich hatte völlig jedes Zeitgefühl verloren – sagte meine Hebamme zu mir:
„Du bist jetzt komplett offen. Zehn Zentimeter.“
Im Vorfeld hatten wir vereinbart, dass sie mir während der Geburt nicht sagt, wie weit der Muttermund geöffnet ist – nur dann, wenn ich vollständig geöffnet bin. Als sie mir das sagte, gab mir das noch einmal einen enormen Motivationsschub. Ich wusste: Jetzt beginnt die Austrittsphase.
Bei meiner ersten Geburt hatte ich diese Phase als weniger herausfordernd empfunden. Auch diesmal war sie kraftvoll, aber gleichzeitig erlebte ich sie sehr bewusst. Ich spürte intensiv, wie mein Baby durch mein Becken wanderte. Trotz der Schmerzen war dieses Gefühl unglaublich faszinierend und schön – so kraftvoll und ursprünglich.
In der Austrittsphase platzte schließlich auch meine Fruchtblase – also deutlich später als bei meiner ersten Geburt, bei der alles mit dem Blasensprung begonnen hatte.
Unsere Tochter wurde schließlich im Vierfüßlerstand in der Wanne geboren während ich mich bei meinem Mann abstützte. Ich konnte sie in dieser Position nicht selbst auffangen, aber ich spürte ganz deutlich, wie sie aus mir herausgleitete. Meine Hebamme fing sie auf, damit sie nicht ins Wasser fiel, und überreicht sie mir. Da war es 01.42 Uhr.
Dieser Moment, als unsere Tochter geboren wurde, war für uns alle unglaublich berührend. Sie hat nicht geschrien und wirkte sehr friedlich und suchte direkt die Brust. Und als wäre alles perfekt aufeinander abgestimmt gewesen, wachte genau zehn Minuten später unsere große Tochter in dieser Nacht auf. Sie war damals fast vier Jahre alt. Sie durfte sofort zu uns kommen und ihre kleine Schwester begrüßen.
Kurz darauf lagen wir alle gemeinsam im großen Bett – eingekuschelt als Familie. Auch die Hebammen und die Studentin, zu der wir durch die Betreuung schon eine sehr vertraute Beziehung hatten, waren noch bei uns. Es war ein ruhiges, warmes und liebevolles Ankommen.
Rückblickend hat mir die Vorbereitung mit den Hypnosen von „Die friedliche Geburt“ auf jeden Fall sehr geholfen – besonders in der Eröffnungsphase. Bis zur Übergangsphase haben sie mich getragen und unterstützt. Danach habe ich sie bewusst ausgeschaltet, weil ich gemerkt habe, dass sie mir in diesem Moment nicht mehr dienten.
Was mir jedoch durchgehend geholfen hat, war eine innere Haltung, die ich aus der Vorbereitung mitgenommen habe: die Wellen wirklich zu bejahen. Immer wieder habe ich während der Geburt laut „Ja“ getönt. Ganz bewusst dieses Wort – als ein inneres Einverstanden-Sein mit dem, was gerade passiert. Auch wenn es weh tat, habe ich versucht zu sagen: Ja, ich nehme diese Welle an. Sie bringt mich näher zu meinem Baby. Ja, ich gehe da durch.
Eine Geburt voller Intensität, Kraft und Vertrauen – und ganz klar nicht schmerzfreier, aber getragen von dem Gefühl, den Wellen bewusst begegnen zu können.

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