Geburtsort:

Hausgeburt

Geburtsbericht unserer Tochter L.

Schon Wochen vor einem meiner errechneten Termine (31.10. laut Periode, 2.11. laut meiner Rechnung und 6.11. als korrigierter ET) merke ich, wie sich mein Körper auf die Geburt vorbereitet. Ich habe immer wieder Wellen und verliere Teile des Schleimpfropfes. Auch mein Befund lautet „geburtsreif“. Ich kann kaum an etwas anderes denken als die Geburt. Wann es wohl los geht, wie es wohl werden wird. Geplant ist eine Hausgeburt, für die ich im Laufe der Schwangerschaft sehr kämpfen musste (Gestationsdiabetes und stärkere Blutungen nach der ersten Geburt).

Ich schaffe es, mich mit Kristins Hypnosen auch mental auf die Geburt einzulassen, da ich noch öfters merke, wie ich mir vorstelle, dass mir oder dem Baby etwas passiert. Außerdem habe ich auch Bedenken, dass die Geburt ähnlich verläuft, wie die meines Sohnes (langer, heftiger Wehensturm, schlechte Hebamme, keine Presswehen) und somit für mich traumatisch endet. Nichts von meiner Geburt sollte aber so laufen wie bei der ersten. Ich bin mir sehr sicher, dass die positive Vorbereitung auf die Geburt und auch die vielen Geburtsberichte, die ich hier verschlungen habe, meine Geburt auch genauso werden ließen, wie ich es mir gewünscht hatte: selbstbestimmt, intuitiv und friedlich, wenn auch nicht still.

Am 9.11., also offiziell an ET+3 hatte ich vormittags einen Frauenarzttermin. Der Befund meines Arztes lautete „sehr geburtsreif“. Er schätzte, dass es heute oder morgen losgehen sollte und wollte gerne eine Eipollösung durchführen. Ich lehnte dankend ab, da das bei meinem Sohn zu einem heftigen Wehensturm geführt hatte. Schon beim nach Hause laufen bemerkte ich starken Druck nach unten. Zuhause angekommen, erledigte ich schnell noch ein paar Haushaltsaufgaben und legte mich mit „Downton Abbey“ aufs Sofa, um meinem Körper auch das Zeichen zu geben: ich bin bereit. Denn dieses Mal war ich es wirklich. Und es funktionierte.
Um 11.45 Uhr bemerkte ich die erste Welle, die sich nach Geburt anfühlte. Ich nahm sie dankend an und freute mich, als sie immer wieder kam. Um 12.45 Uhr kamen mein Mann und mein Sohn nach Hause. Ich bat meinen Mann, nicht mehr in das weiter entfernte Büro zu fahren. So blieb er im Homeoffice. Ich wehte weiter im Abstand von 8-12 Minuten vor mich hin und wir aßen noch Mittag, räumten auf und putzten das Bad. Ich wollte mich zuhause so wohl wie möglich fühlen und so war das für mich eine Art mentale Einstimmung auf die Geburt.

Um 14.30 Uhr beschloss ich dann, dass es an der Zeit war, allen Beteiligten Bescheid zu geben. Wir riefen meine Schwiegereltern an, dass unser Sohn wohl heute bei ihnen schlafen würde, meine Mama, da ich sie eventuell dabeihaben wollte und natürlich meine Hebamme, die mir während der Schwangerschaft geholfen hatte, mein Trauma aus der ersten Geburt aufzuarbeiten und es zusammen mit Kristins Methode schaffte, die Angst vor der Geburt zu nehmen.
Ich rief sie also an, um sie vorzuwarnen, dass es wohl heute losgehen würde. Ich wollte so früh, wie möglich Bescheid geben, da ich unterschwellig immer im Kopf hatte, dass sie bereits bei einer anderen Geburt sein könnte. Sie war frei und sagte mir, ich solle in die Wanne gehen und ein Buscopan nehmen, um zu schauen, ob die Wellen auch „echt“ seien. Um 15.00 Uhr stieg ich also in die Wanne. Mein Mann und mein Sohn bliesen den Pool auf und leisteten mir dann im Bad Gesellschaft. Erst passierte gar nichts. Um 15.30 Uhr wurde allerdings mein Sohn für ein Theaterstück abgeholt und kaum war er weg, kamen die Wellen zurück und wurden auch etwas intensiver. Ich musste mich bereits sehr konzentrieren. Ich nahm also das Buscopan und bekam zwei heftige Wellen im Abstand von drei Minuten. Genau da rief meine Hebamme A. wieder an. Ich beschrieb ihr die Lage und sie kündigte sich für 17.00 Uhr an. Die Hebammenschülerin L. würde auch dabei sein, was im Vorfeld bereits abgesprochen war. Kurz überkam mich ein schlechtes Gewissen, da sie „meinetwegen“ ihren Vorbereitungskurs und einen anderen Termin abgesagt hatte. Ich dachte kurz, hoffentlich war das jetzt doch kein falscher Alarm.

Als sie kam, wurden die Wellen tatsächlich weniger. Ich merkte allerdings, dass ich sie durch Hinsetzen auslösen konnte. So schrieben sie ein CTG, um die Herztöne während der Wehe zu überprüfen und erledigten etwas Papierkram. In der Zwischenzeit kam auch mein Sohn kurz nach Hause. Ich wollte ihn gerne noch sehen, bevor er zu seinen Großeltern gehen sollte und er blieb tatsächlich noch eine Stunde hier und aß mit den Hebammen am Küchentisch sitzend sein Abendbrot. Um 18.30 Uhr beschlossen wir gemeinsam, dass A. und L. noch einmal nach Hause fahren. Wir sollten ebenfalls versuchen, noch etwas Schlaf abzubekommen.
Kaum war A. aus dem Haus, bemerkte ich auf dem Klo eine Blutung und recht viel Schleim, der abging. Mein Mann rief A. also zurück. Sie meinte, ich zeichne und das ist alles normal. Es sollte nur nicht stärker werden. Sie untersuchte mich noch mal und stellte fest: „gute 3 cm“. Ich freute mich, dass wohl doch etwas voranging und es tatsächlich losgehen sollte.

Ab 19.00 Uhr waren mein Mann und ich wieder alleine.
Wir aßen dann noch zu Abend und legten uns auf die Couch. Den TV schalteten wir wieder aus, ich wollte mich lieber konzentrieren. Ich probierte bei jeder Welle ein bisschen aus und stellte fest, dass ich im Liegen längere Pausen hatte, die Wellen aber stärker und länger kamen, im Stehen kamen sie alle 5 Minuten, dafür kürzer und besser zu veratmen. So wechselte ich zwischen Umherlaufen und Liegen hin und her. Mein Mann drückte mir bei einigen Wellen die Hände ins untere Kreuz, was mir sehr half. Ich war immer noch euphorisch, dass ich die Wellen so gut wegstecken konnte und vor allem sehr dankbar für die Pausen, in denen ich, anders als bei meiner ersten Geburt, immer wieder Kraft tanken konnte.
Ich fand dann, es war Zeit für die Hypnose „Während der Geburt“. Mein Mann schlummerte hinter mir und ich schaffte tatsächlich einige Wellen mit Kristins Hilfe sehr gut zu veratmen. Vor den Schmerzen an sich hatte ich keine Angst und konnte auch die Wellen gut meistern, bei denen ich es nicht schaffte, korrekt zu veratmen. Irgendwann kam meine Mama vorbei und ich schickte meinen Mann ins Bett. Wir lagen ganz ruhig auf der Couch und lauschten Kristins Stimme. Meine Mama sagte noch: „Hach, so etwas Beruhigendes hätte ich mir bei meinen Geburten auch gewünscht!“

Um 0.30 Uhr merkte ich, dass es nun Zeit wurde, meinen Mann wieder zu wecken. Die Wellen wurden intensiver und die Abstände kürzer. Ich tönte schon seit geraumer Zeit bei jeder Wehe mit, weil es mir einfach guttat, den Druck rauszulassen. Kaum war mein Mann da, überkam mich eine Welle, die wirklich lange und schmerzhaft war. Ich erinnere mich, dass ich zwischendurch hervorpresste: „Hau ab, du blöde Welle. Ich habe keine Lust mehr!“ Im Nachhinein betrachtet, war das wohl die berühmte Übergangsphase. Nach ein paar weiteren Wellen, die wieder etwas kürzer waren, spürte ich, jetzt müssen wir A. wieder anrufen. Sie kam schneller als erwartet und war um 1.30 Uhr da.

Sie schrieb ein CTG und lobte mich bei jeder Welle, die ich mittlerweile auf dem Ball nahm. Mein Mann, meine Mama und A. wechselten sich ab, mich während der Wehen zu stützen. Der Schlauch löste sich vom Pool und spritzte meine Füße nass. Dann musste kurz gewischt werden, aber nichts brachte mich wirklich aus der Ruhe. Alle ließen mich einfach machen und unterstützten mich während den Wellen, wenn ich es brauchte.
Dann war der Pool voll. Ich wollte noch die nächste Welle abwarten. Als sie vorüber war, sagte A: „Jetzt aber rein, sonst wird das nichts mehr mit dem Pool!“ Da hätte ich schon stutzig werden sollen. Da sie mich aber nicht mehr untersucht hatte, dachte ich, es wäre wohl noch lange nicht so weit.

Mein Mann setzte sich auf den Hocker vor den Pool und die nächste Welle nahm ich in seinen Armen hängend, während A. mit ihren Händen an meiner Wirbelsäule entlang fest nach unten strich. Ich merkte da schon einen leichten Pressdrang, dachte aber, es läge an A.s Händen. In der Pause verkniff ich mir die Frage, wie lange es noch dauern würde, denn ich dachte zu dem Zeitpunkt, es wäre noch zu früh für die Frage. Im Nachhinein betrachtet, schoss sie mir zum gleichen Zeitpunkt wie damals bei meinem Sohn in den Sinn: nämlich genau drei Wehen, bevor das Baby geboren war.
Die nächste Welle kam und ich merkte, dass sich mein Baby nach unten schob. Ich rief meinem Mann ins Ohr: „Ich glaube, sie rutscht runter. Ich glaube, sie kommt jetzt!“ Irgendwann kamen auch die zweite Hebamme und die Hebammenschülerin und mir wurde nebenbei noch ein Zugang gelegt. Das war so abgemacht, dass sie schnell reagieren konnten, falls ich nach der Geburt wieder mehr Blut verlieren sollte. All das nahm ich nicht wirklich wahr. Ich war ganz bei mir, meinem Mann und unserem Baby.
Meine Hebamme meinte noch, wenn ich muss, darf ich gerne mitschieben. Meine Mama ließ noch mehr Wasser in den Pool. Die nächste Welle war der Hammer. Ich schrie aus Leibeskräften die Urgewalt aus mir heraus. Das war also der berühmte Pressdrang, den ich bei meiner ersten Geburt leider nicht verspürt hatte. Auf Knien an meinem Mann hängend, drückte ich vier Mal während der Welle mit und dann war der Kopf da. Mir wird für immer ein Rätsel bleiben, wie Frauen es schaffen, leise zu gebären. Ich fühlte mich wie ein wildes Tier, dass von seinen Instinkten und seinem Körper beherrscht wurde.

Meine Hebamme wies mich an, unten zu bleiben. Erst später erfuhr ich, dass die Nabelschnur wohl sehr fest um den Hals gewickelt war. Sie musste sie entfernen und der Kopf durfte ja noch nicht aus dem Wasser kommen. Mit der nächsten nur noch halb so schlimmen Welle, flutschte dann auch der Körper aus mir heraus. Und dann sah ich meine Mama. Ihr freudiger, gerührter, ungläubiger, stolzer Blick brachte mir vor Augen, dass ich es wohl tatsächlich geschafft hatte. Ich lehnte mich im Pool zurück und bekam meine Tochter sofort auf die Brust. Ich spürte sofort keinerlei Schmerzen mehr. Zwischen den Beinen fühlte sich alles normal an. Ein Gefühl, dass ich ebenfalls von meiner ersten Geburt nicht kannte. Auch war im Wasser kaum Blut zu sehen. Das beruhigte mich ungemein. Sie legten ein Handtuch um sie und dann stieg doch kurz Panik in mir auf. Sie schrie nicht. A. massierte sie etwas mit dem Handtuch und entlockte ihr doch ein paar Töne. Sie atmete und ich war so überwältigt, erleichtert und stolz. Und gleichermaßen auch fassungslos, da ich wirklich nicht damit gerechnet hatte, dass sie es dann doch so eilig hat, nachdem sie mich wochenlang auf die Folter gespannt hatte.

Eine knappe halbe Stunde später kam dann auch die Plazenta mit zwei leichten Wellen. Ich sollte dann aus dem Pool, um den Blutverlust besser einschätzen zu können. Sicherheitshalber bekam ich noch ein paar Einheiten Oxytocin, aber auch da kam keine Panik bei den Hebammen auf.
A. untersuchte mich und bestätigte, was ich bereits fühlte. Keine Naht nötig, es sieht alles gut aus. Ich freute mich riesig, gerade weil das Geburtsgewicht dann eben doch bei 4120g lag. Sie hatte meinen Sohn (4005g) also – entgegen jeglicher ärztlicher Prognosen – tatsächlich noch einmal überboten.

Der Ausflug ins Bad zum Duschen und Pinkeln verlief leider weniger erfolgreich. Mein Kreislauf machte einfach nicht mit. Also lagen wir auf der Couch und genossen einfach unser Babyglück. A. schlief dann noch ein paar Stunden bei uns und wurde um halb 9 Uhr bereits zur nächsten Geburt gerufen. Mein Sohn durfte seine Schwester auch noch vor dem Kindergarten in der Welt begrüßen.

So entspannt und intuitiv wie die Geburt waren auch die ersten Tage in dem Leben von L. Kein ständiges Personal-Wirr-Warr, keine Blutzuckertests, keine dauernden Gewichts- und Temperaturkontrollen bei ihr oder Eisenwert- und Blutdruckskontrollen bei mir. Keine Anweisungen zum Stillen von vier verschiedenen Hebammen. Einfach nur Ruhe und entspannte Hebammen. Das merkt man auch an ihr. Sie schreit kaum und ist ansonsten auch sehr pflegeleicht.

Auch wenn mir von vornherein klar war, dass ich die Geburt sehr wahrscheinlich nicht in Hypnose verbringen wollte, hat mir Kristins Kurs unglaublich geholfen, meine negativen Erfahrungen der ersten Geburt zu verarbeiten und in eine positive Vorfreude zu verwandeln. Allein die Werkzeuge, die sie für eine Geburt mitgibt und die meinen ganz persönlichen Geburts-Werkzeugkasten ergänzt haben, waren Gold wert. Danke für die Zuversicht und den positiven Fokus auf das leider so negativ belegte Thema Geburt.