Geburtsbericht von

Kristin

Möge dieser Geburtsbericht andere Frauen – insbesondere auch werdende Zwillingsmamas – in ihrem Vertrauen in sich selbst bestärken, um die einzigartigen Ereignisse Schwangerschaft & Geburt mit allen Sinnen zu erleben

Erste Geburt – Spontan in SL, ambulant, schmerzfrei

An einem heißen Sommertag in 2020 entschied sich meine Tochter A., das Licht der Welt zu erblicken. Es war die SSW 39+0. Am frühen Morgen spürte ich das erste Mal ein leichtes Ziehen im unteren Rücken, das ich nicht ganz einordnen konnte und mich vage an die Vorboten der Menstruation erinnerte. Der Schleimpfropf löste sich ein wenig. So langsam bereitet sich der Körper vor, dachte ich nur. Eine Freundin von mir – wir hatten witzigerweise den gleichen ET – hatte bereits seit Wochen Übungswehen.

Am späten Vormittag hatte ich meinen zweiten geburtsvorbereitenden Akupunkturtermin. Ich wollte die knapp 5 km wie immer mit dem Fahrrad fahren, aber mein Mann bestand darauf, mich aufgrund der gleißenden Hitze zu fahren. Ich freute mich auf den Termin – die Zeit konnte ich gut nutzen, um mit der Schwangerschaftshypnose von Kristin in den Ohren so richtig zu entspannen. Die Hypnosen, die ich während der Schwangerschaft regelmäßig hörte, sind für mich zu wertvollen Entspannungsoasen geworden und ich liebte es, meinem Baby dabei so nah sein zu können.

Als ich von dem leichten Ziehen im unteren Rücken berichtete, ermutigte man mich, mir eine erste wehenfördernde Akupunkturnadel setzen zu lassen – nur eine einzige. So langsam könne es ja losgehen, hieß es mit einem Augenzwinkern. Wieder zu Hause angekommen, nahm das Ziehen in seiner Intensität zu und ließ den Nachmittag über nicht mehr nach. Wie lange Übungswehen wohl andauerten? Ich fragte meine Freundin und bei ihr war es wohl nie sehr lange. Ein wenig aufgeregt, aber dennoch felsenfest davon überzeugt, dass ich mich nur ein wenig entspannen müsste, zog ich mich im Schlafzimmer zurück, steckte mir die Kopfhörer in die Ohren und schaltete die Hypnose ein. Ich verlor das Zeitgefühl.

Irgendwann murmelte ich meinem Mann zu, dass es wohl gut wäre, langsam die Kliniktasche vorzubereiten. Vielleicht sollte ich den Badewannentest machen. Ja vielleicht, aber ich zögerte es hinaus – was, wenn das, was ich in mir spürte, dadurch nur noch intensiver wurde? In dem Moment machte es „Plopp“. Das Wasser lief mir die Beine hinab. Ich konnte es kaum glauben – die Fruchtblase war aufgegangen. Meine Tochter wollte sich tatsächlich noch heute auf den Weg machen! Mein Mann rief in der Geburtsklinik an, organisierte ein Taxi und los ging es. Ich glaube, er war aufgeregter als ich.

Ich war völlig in mich gekehrt, lauschte der Stimme von Kristin und konzentrierte mich auf meine Atmung. Die Wellen waren bereits recht intensiv. Das Außen nahm ich nur verschwommen wahr. In der Klinik angekommen, ging ich bei jeder Welle kurz in die Hocke. Stehen empfand ich als unangenehm. Dann die für mich niederschmetternde Nachricht – Muttermund bei nur 2 cm. Die Gedanken wirbelten nur so durch meinen Kopf. Wie konnte das sein? Wenn das, was ich fühle, nur der Anfang ist, wie soll ich das jemals durchhalten können? 3 – 2 – 1 – ich musste mich zusammenreißen, konzentriert bleiben. Es ist, wie es ist.

Ich durfte in die Entspannungsbadewanne und schaffte es tatsächlich, loszulassen und mich dem für mich so neuartigen, intensiven Körpergefühl hinzugeben. Nach etwa einer Stunde machte sich ein seltsames, neues Gefühl bemerkbar. Ein Druck nach unten, den ich zunächst nicht einordnen konnte. Die Hebamme half mir aus der Entspannungsbadewanne. Ich hatte mir eine Wassergeburt gewünscht, doch die Hebamme sagte nur in ruhigem Ton, dass ich es nicht mehr in die Geburtswanne schaffen würde. Der Muttermund war bei 8 cm. Das las ich allerdings erst im Nachhinein im Geburtsprotokoll.

Also ging es direkt in den angrenzenden Kreißsaal. Auf einer Matte kniend hielt ich mich am Bett fest und staunte über die extrem intensiven Presswellen, die sich so anders anfühlten als die Wellen der Eröffnungsphase. Ein immenses, schwer beschreibbares, inneres Körpergefühl – als würde eine Naturgewalt in einem walten. Ich lies los, gab mich völlig hin und hatte eigentlich auch keine andere Wahl. Nach einer Weile riet mir unsere Hebamme, die Position zu wechseln und in die tiefe Hocke zu gehen. Angelehnt an meinen Mann, waren es gefühlt nur noch wenige Wellen, bis die Hebamme meinte, dass ich schon das Köpfchen meiner kleinen Tochter tasten könne. Weich und so unwirklich – ich wich mit meiner Hand wieder zurück.

Ungläubig und im Nebel dessen, was gerade passiert, konzentrierte ich mich auf die nächsten Wellen – und da war sie! Unsere kleine Maus erblickte das Licht der Welt. Was für ein wundervolles und gleichzeitig so überwältigendes Gefühl, dieses kleine Wesen plötzlich in den Armen halten und an sich drücken zu können. Nach ein paar Stunden durften wir nach Hause. Völlig beeindruckt von der Macht der Natur und der Leistung des eigenen Körpers, hinterließ diese erste Geburt ein irres Gefühl in mir. Wow, dachte ich, es ist wirklich etwas ganz besonderes, Mama zu werden! Und ein anderer flüchtiger Gedanke, den ich in dem Moment hatte, sollte sich ein paar Jahre später wieder in mein Gedächtnis schleichen: Eindrücklicher kann doch eigentlich nur eine Zwillingsgeburt sein.

Zweite Geburt – Zwillinge, spontan in BEL, schmerzfrei

Zweieinhalb Jahre später an einem kalten Wintertag in 2023 kam es tatsächlich dazu: Unsere Zwillinge S. und N. erblickten spontan das Licht der Welt, trotz Beckenendlage. Es war die SSW 38+4. Ich erlebte diese Schwangerschaft und Geburt noch einmal ganz anders als meine erste. Die Wochen vor der Geburt glichen einer Gefühlsachterbahn.

Um die 32. SSW drehte sich S., der führende Zwilling, überraschenderweise — eng an ihren Bruder gekuschelt, lagen nun beide mit den Köpfchen nach oben. Dies hatte einen erheblichen Einfluss auf meine Aussicht auf eine natürliche Geburt. Ich versuchte S. zu motivieren, sich wieder zu drehen. Ich hörte die Hypnose zur Beckenendlage von Kristin rauf und runter, übte mich in der Yoga-Position „Indische Brücke“ und probierte verschiedene Übungssequenzen von Spinning Babies aus. Nichts half. S. und N. schienen sich wohl zu fühlen. Na gut, dachte ich, die beiden werden schon wissen, warum sie sich für diese Position entschieden haben. Eine äußere Wendung kam daher nicht für mich in Frage.

Wie würde der Geburtsmodus nun wohl aussehen? Ursprünglich wollte ich im Geburtshaus entbinden – als ich erfuhr, dass ich zwei Babies in mir trug, musste ich mich von dieser Idee lösen, da Zwillinge per se als Risikoschwangerschaft gelten. Durch Zufall lernte ich in einer Level-1-Klinik eine Oberärztin kennen, die über die nötige Erfahrung verfügte und bereit war, eine natürliche Geburt in Beckenendlage zu begleiten: fast schon eine Seltenheit, da das Fachwissen und die Expertise auf diesem Feld durch die Zunahme von Kaiserschnitten stark zurückgegangen ist. Die Voraussetzungen stimmten soweit: komplikationslose Schwangerschaft, Mehrgebärende, optimale Größe der Zwillinge. Einziges Manko: Die Geburt sollte per Einleitung geplant werden und die SSW 38+0, den sogenannten Zwillings-ET, der auf einer recht umstrittenen Richtlinie zu Zwillingsgeburten beruht, nicht überschreiten.

Die Alternative wäre ein Kaiserschnitt nach Wehenbeginn in der kleinen Geburtsklinik, in der ich meine erste Tochter zur Welt gebracht habe. Dort würde der natürliche Geburtsbeginn abgewartet werden – auch über die SSW 38+0 hinaus. Ich wollte mir zunächst beide Optionen offen halten. Die Gedanken wirbelten durch meinen Kopf. Warum sollten zweieiige Zwillinge für ihre Entwicklung im Mutterleib nicht die gleiche Zeit brauchen wie ein „Einling“? Der Gedanke an einen geplanten Geburtsbeginn ohne medizinische Indikation fühlte sich für mich nicht richtig an. Dann lieber ein Kaiserschnitt, wenn ich den beiden Kleinen dadurch die Zeit im Bauch gewähren kann, die sie für ihr Wachstum und ihre Entwicklung benötigen, bis sie bereit sind, das Licht der Welt zu erblicken. Ich lehnte also die Einleitung ab, zum Unmut der Oberärztin.

Ich setzte mich über die besagte Richtlinie hinweg und übernahm die Verantwortung meine Schwangerschaft über die SSW 38+0 hinaus auf eigenes Risiko weiterzuführen – dies alles in Verbindung mit engmaschigeren Kontrollen. Das war ein guter Kompromiss für mich, um sicherzustellen, dass es meinen Babys gut ging.

Ich begann, mich ein wenig mit dem Thema Kaiserschnitt auseinanderzusetzen; hörte jedoch weiterhin regelmäßig die Schwangerschaftshypnose für Mehrlinge von Kristin – ich liebte den innigen Kontakt zu meinen Babys und gönnte mir diese Momente der Entspannung im bewegten Alltag mit meiner bereits älteren Tochter. Dabei visualisierte ich stets eine natürliche Geburt. Seit einigen Wochen verspürte ich ab und zu ein leichtes Ziehen im unteren Rücken. Es versetzte mich jedes Mal in leichte Aufregung – Übungswehen kannte ich ja nicht von meiner ersten Geburt. Im Zuge einer starken Erkältungsinfektion hatte ich bereits um die 36. SSW erste spürbare Kontraktionen, die sich zu meiner Erleichterung – mit der Hypnose Vorzeitige Wellen in den Ohren – wieder legten. Ich war innerlich noch nicht bereit.

Von allen Seiten wird einem suggeriert, dass Zwillinge früher kämen, beziehungsweise früher kommen müssten. Dem zum Trotz hegte ich innerlich den Wunsch, die 38. SSW zu vollenden. So kam der Tag, an dem ich bereit sein sollte: 39. SSW begonnen, Gewicht von S. und N. etwa zwischen 2,600 – 3,000 g sowie die Möglichkeit einer natürlichen Geburt, da die Oberärztin wieder aus dem Urlaub zurückgekehrt war. An jenem frühen Morgen spürte ich wieder ein vertrautes, leichtes Ziehen im unteren Rücken. Gemeinsam mit meiner Hebamme begann ich mit geburtsvorbereitenden Maßnahmen: Ich strich Kolostrum aus, welches ich mit in die Geburtsklinik nehmen würde, bekam eine entspannende Bauchmassage mit Ut-Öl und ließ mir erste Akupunkturnadeln setzen, darunter eine wehenfördernde.

Ich lachte in mich hinein. Das hatte ja schon einmal super funktioniert. Tatsächlich. Das Ziehen nahm über den Tag hinweg in seiner Intensität zu. Ich war aufgeregt. Unsicher, ob es sich nicht doch um Übungswehen handelte, fuhren wir gegen Mitternacht in die Geburtsklinik. Der Muttermund war bei 2-3 cm, die Wellen deutlich spürbar. Dann die ernüchternde Nachricht – die Oberärztin würde erst um 8 Uhr morgens wieder im Dienst sein. Gut, dachte ich gefasst, dann wird es eben ein Kaiserschnitt. Ich stellte mich darauf ein und hoffte, dass es schnell gehen würde, damit die Wellen nicht noch intensiver werden würden. Ein erneuter Muttermund-Befund: unverändert. Die Ärzte schienen es mit dem Kaiserschnitt nicht eilig zu haben und brachten uns in ein Überwachungszimmer. Dort schlief ich ein, die Wellen hörten auf. Als ich wieder aufwachte, stand die Oberärztin vor mir und fragte mich schmunzelnd, ob wir es noch einmal versuchen sollten.

Natürlich! Ich war mir sicher, dass die Wellen wieder einsetzen würden und willigte ein, die Probe-Tablette für eine Einleitung zu nehmen. Etwas in mir sagte mir, dass ich die nächste Tablette nicht brauchen würde. Mit der Hypnose “Geburtsbeginn mental fördern” auf den Ohren schlief ich ein – und tatsächlich, ich wachte auf und vernahm ein vertrautes “Plopp”. Die Fruchtblase war aufgegangen. Plötzlich wurde es hektisch. Ich kam in den Kreißsaal und staunte über das Gewusel – es war eine ganz andere Atmosphäre, als bei meiner ersten Geburt in der kleinen Geburtsklinik, die ich in vollkommener Ruhe erleben durfte. Mir wurde die seitliche Rückenlage angeraten und während ich der Stimme von Kristin lauschte, versuchte ich, mich auf meine Atmung und meine Babys zu konzentrieren.

Es ging los. Ich spürte die Wellen deutlich intensiver als bei meiner ersten Geburt. Irgendwann rutschte mir ein ‘holy sh*t` über die Lippen und ich hörte die Oberärztin leise auflachen. Ich spürte das Bedürfnis nach einem Positionswechsel, was aber nicht möglich war. Der Druck nach unten nahm zu und ich ließ mich, der Hebamme und der Oberärztin voll und ganz vertrauend, anleiten, die Atmung zu verändern und aktiv mitzuschieben. Es funktionierte. Mit dem Po zuerst, erblickte unsere kleine Maus S. das Licht der Welt. Was für ein unbeschreibliches Gefühl! Eng an mich gedrückt hielt ich sie in den Armen und dachte, wow – sie sieht meiner ersten Tochter so ähnlich. Ich genoss diesen Moment des Glücks zutiefst und tankte unendlich viel Kraft.

Dann durfte sie bei Papa auf der Brust kuscheln, während ich mich auf die andere Seite drehte. Die nächste Welle ließ nicht lange auf sich warten. Etwa 8 Minuten später kam unser kleiner Sohn N. auf die Welt – in einem Rutsch und mit dem Fuß zuerst. Wieder dieses unfassbare Gefühl! Wie eindrücklich und zugleich einzigartig jede Geburt doch ist. Eng aneinander gekuschelt lagen wir vier im Kreißsaal und staunten voller Stolz über unsere zwei kleinen Mäuse und das Wunder der Natur – irre, einfach ein irre schönes Gefühl!

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