Geburtsbericht von

S.

Da ich so gerne die Geburtsberichte hier lese, möchte ich nun auch meinen Beitrag leisten und meine Geburtsreise teilen.

Die Geburt meines kleinen Sohnes J. (3. Kind, 2. friedliche Geburt, geplante Hausgeburt) begann bereits 2 Tage vorher (SSW 35+4). Ich war an diesem Abend sehr erschöpft und zog mich früh zurück. Im Bett spürte ich alle 15-20 Min Wellen. Ich musste mehrmals zur Toilette und zitterte. So hatte ich mich auch zu Beginn meiner 2. Geburt gefühlt. Ich bekam kurz Panik: Die Hebammen waren erst folgende Woche rufbereit und wir hatten keine Betreuung für die großen Geschwister. Mein Mann J. beruhigte mich jedoch, die Nacht verging dann mit Hypnose und wenig Schlaf, die Wellen gingen gegen Morgen aber zurück. An diesem Tag hatte ich planmäßig eine Vorsorge bei meiner Ärztin. Sie gab Entwarnung: keine Geburtswellen, der Kleine „ruckelt nur etwas“.

Am Abend ging es jedoch wieder los. Ich war müde, genervt und fragte mich, wie lange das jetzt so gehen sollte mit den Vorwellen. Gegen 23 Uhr ging ich in die Badewanne, döste vor mich hin, veratmete die Wellen mit der tiefen Bauchatmung, die mir gut tat. Nach ca 1 Stunde legte ich mich wieder mit der Schwangerschaftshypnose ins Bett. Doch an Schlaf war nicht zu denken, dafür waren die Wellen zu stark. Also doch schon Geburt?

Die nächsten Stunden waren mental sehr, sehr anstrengend. Total übermüdet wollte ich mich entspannen, den Wellen hingeben. Ich wollte mich auf die Hypnose einlassen, wie bei meiner letzten Geburt, die ich als so schön empfunden hatte. Gleichzeitig ratterte es ständig in meinem Kopf, kreisten die Gedanken. Irgendwann war ich mir doch (fast) sicher, dass das mehr als Vorwellen sein könnten. Aber dann kamen die Sorgen, die Betreuung für die Kinder möglicherweise umsonst aus dem Bett zu holen oder im Krankenhaus wieder nach Hause geschickt zu werden. Ich ärgerte mich auch, fühlte mich noch nicht bereit für ein Ende der Schwangerschaft. Es war sehr herausfordernd. Zwischendurch versuchte ich die Geburtshypnose zu hören, aber die Worte fühlten sich falsch an. Um ca 3 Uhr hörte ich „Geburtsbeginn mental fördern“. Tatsächlich glaube ich rückblickend, dass es ab diesem Moment wirklich losging. Kurz konnte ich mich den Wellen hingeben und dachte mir, „Ok kleine Maus, dann kommst du heute, es wird keine Hausgeburt und trotzdem gut.“

Irgendwann nach 4 Uhr wurden die Wellen sehr intensiv und die Bauchatmung brachte nicht mehr die Erleichterung. Ich bekam etwas Angst, da ich nicht wusste, wie lange es noch so gehen würde. Intuitiv wechselte ich in den Vierfüßler. Am Ende der Welle wurde der Druck nach unten immer stärker. Ich fühlte mich im Schlafzimmer nicht mehr wohl und spürte eine innere Unruhe. Daher weckte ich J. mit den Worten: Die Wellen sind echt heftig.“ und ging hinüber ins Gästezimmer (Heute weiß ich: Das war die Übergangsphase.). J. kam zu mir. „Wir müssen ins Krankenhaus fahren“, sagte ich zwischen 2 kurz aufeinanderfolgenden Wellen und „Warum können wir nicht einfach die Hebammen anrufen…“, ich war verzweifelt und überfordert.

Er rief im Krankenhaus an. Die nächste Welle kam, ich spürte einen enormen Druck nach unten und hatte das Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen. In der Pause lief ich die 3 Meter zum Badezimmer. Gleichzeitig wurde mir plötzlich klar: das Baby kommt JETZT. Ich saß auf der Toilette, entleerte mich, es blutete auch etwas. Eine Welle kam und ich musste unweigerlich mitschieben. Ich sprang auf, die nächste Welle kam sofort. Dabei musste ich (das erste Mal) gefühlt sehr laut „Haaaa“ tönen, so stark war sie. Ich hielt mich an der Badewanne, ging in die Hocke. Ich spürte bereits das Köpfchen zwischen meinen Beinen, es brannte und ich hielt intuitiv mit der Hand dagegen. Mit der nächsten Welle war der Kopf schon geboren. Ich bekam kurz Angst, dass ich das Baby nicht auffangen konnte und rief nochmal laut nach J., der auch schon kam. Mit der nächsten Welle wurde der Körper geboren und mit Hilfe von meinem Mann fing ich ihn auf.

Ich nahm den Kleinen in den Arm, seine Augen waren geschlossen, er schrie nur kurz und schlief dann erschöpft. Ich stand völlig neben mir. Die Notärztin kam kurz darauf und stellte fest, dass es J. blendend ging. Zur Plazentageburt und Versorgung meines leichten Dammriss wurden wir ins Krankenhaus gefahren, wo wir zur Beobachtung zwei Tage blieben.

Tatsächlich habe ich in den ersten Wochen ein wenig gehadert: Ich hatte mich so sehr auf die Geburtshypnose, den Geburtspool und das Kuscheln zu Hause gefreut. Und nun hatte ich ein wenig das Gefühl, die Geburt „verpasst“ zu haben, da ich bis ganz am Ende unsicher war, ob es wirklich losgeht. Inzwischen jedoch bin ich einfach nur unendlich stolz und dankbar für dieses wundervolle, selbstbestimmte und kraftvolle Erlebnis. Es kam völlig anders als gedacht und trotzdem so, wie ich es mir immer gewünscht und visualisiert hatte: Ich konnte meinen Sohn komplett interventionsfrei zu Hause in meine eigenen Hände gebären.

Danke, liebe Kristin!

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