Geburtsort:

Klinik

Ich habe in meiner Schwangerschaft unheimlich gerne die vielen positiven Geburtsberichte gelesen, die mich wahnsinnig bestärkt und mir komplett die Angst vor der Geburt genommen haben. Daher möchte ich auch mein wunderbares Erlebnis mit euch teilen.

Unser kleiner Schatz L. ist unser erstes Kind und hat am 4. März 2021, also vor genau 8 Monaten, am ET+6 mit 3.170g und kerngesund das Licht der Welt in einem kleinen familiären Krankenhaus erblickt. Mein Mann und ich wohnen seit 1,5 Jahren in Schweden und somit ist unser nordischer Prinz auch hier geboren.

Ich habe zwei Monate vor dem Geburtstermin begonnen, mich mit der Methode der friedlichen Geburt vorzubereiten. Bereits vorher hatte ich viel über Hypnobirthing gelesen, aber genau wie Kristin beschreibt, habe ich schnell gemerkt, dass diese doch sehr stigmatisierende Herangehensweise nicht wirklich meine ist. Der Online Kurs hat mir ungelogen komplett die Angst vor der Geburt genommen und ganz ehrlich: ich habe mich von dem Zeitpunkt an richtig darauf gefreut, diese Erfahrung machen zu dürfen.

Meine Geburt lief nicht ganz nach Plan A, war aber definitiv selbstbestimmt, kraftvoll und friedlich. Schmerzvoll würde ich das Gefühl nicht nennen, ehrlich nicht, es war einfach, wie so oft beschrieben, ein wahnsinniger Druck und eine irre Vorfreude auf das, was kommt. In den letzten Tagen vor dem ET war ich supernervös, habe immer mal wieder abends im Bett Wellen gespürt, diese sogar oft auch schon getrackt, und bin dann wieder eingeschlafen, weil nichts war. Freitag wäre ET gewesen, das Wochenende verlief ruhig und entspannt, obwohl ich wirklich schon sehr nervös war. Am Dienstagnachmittag lag ich in einer dicken Decke eingewickelt im Liegestuhl, hab das erste Eis des Jahres gegessen und mich einfach nur wohl gefühlt mit den schon wärmenden schwedischen Sonnenstrahlen auf der Haut. Ich habe zum ersten Mal die Hypnose “Angst abfließen lassen” gehört und ich bin bis heute sicher, dass es kein Zufall war, dass es an dem Abend dann auch wirklich los ging. An dem Tag war ich komischerweise überhaupt nicht hibbelig, sondern total entspannt und dachte gar nicht daran, dass es vielleicht losgehen könnte. Ich hab mich um 22.30 Uhr schlafen gelegt, mein Mann lag in einem anderen Zimmer, weil ich die letzten Nächte schon wirklich sehr schlecht geschlafen habe. Eine halbe Stunde nachdem ich mich hingelegt hatte, spürte ich auch schon die ersten Wellen. Ich dachte mir nicht viel dabei, eher, dass es eh wieder nichts werden würde. Doch die Wellen wollten nicht mehr aufhören, ich konnte nicht mehr wirklich ruhig liegen, deswegen habe ich sie mit einer App getrackt. Der Abstand war über zwei Stunden, doch sehr regelmäßig bei 6-7 Minuten. Ich habe mich ins Wohnzimmer begeben, hab dort versucht, nochmal ein bisschen zu schlafen, aber ich war mir plötzlich sehr sicher, dass es heute wirklich so weit war. Gegen ca. 01.00 Uhr habe ich meinen Mann geweckt. Der war ganz souverän, ist aufgestanden, hat mir erstmal einen Tee gemacht, mir die Decke auf die Couch gelegt und hat sich in ein Organisationstalent verwandelt. Während ich auf einmal aufgeregt wurde und im Haus herumgewuselt bin, noch schnell geduscht hab und noch dies und jenes gepackt habe, hat er mich total geerdet und gemeint, ich sollte doch erstmal die Hypnose hören. Das habe ich dann auch gemacht und ich muss sagen, sie hat mir sehr geholfen, wieder zu mir zurück zu finden. Gegen 04.00 Uhr morgens hatte ich das Gefühl, daheim nicht mehr sicher zu sein und so haben wir im Krankenhaus angerufen und durften auch gleich kommen. 15 Minuten später waren wir da, mein Mann musste Corona-bedingt draußen warten, bis die Muttermunduntersuchung erfolgt war. Ich war bei vier Zentimetern und durfte bleiben. In meinem Geburtsbrief hatte ich angegeben, dass ich sehr gerne Zeit in der Badewanne verbringen möchte. Damit haben wir begonnen und es war wirklich fast wie Wellness. Das Hebammenteam bestand aus zwei Hebammen, die sich wirklich liebevoll in Schichten um uns gekümmert haben. Das Wasser war ganz warm, es wurden Kerzen aufgestellt, das Licht ausgeschaltet und wir hatten eine kleine Box dabei, damit wir die Hypnose hören konnten. So verbrachten wir die ersten vier Stunden. Es war fast schon romantisch. Der Druck war nicht schlimm, zwischendurch habe ich in der Wanne immer mal wieder Akkupunktur bekommen, was sehr, sehr gut tat. Nach vier Stunden dann die nächste Untersuchung und da hieß es dann leider, dass sich am Muttermund NICHTS getan hat. Ich war super enttäuscht, kurzzeitig hat mich der Mut verlassen und ich habe geweint. Ich habe dann ein Beruhigungsmittel bekommen und wir haben uns beide nochmal für ein paar Stunden schlafen gelegt. Der “Kreißsaal” war ein wunderschöner Raum, fast wie ein schönes Hotelzimmer, in dem wir uns wirklich komplett entspannen konnten. Geschlafen habe ich nicht, weil die Wellen so regelmäßig waren, aber es tat trotzdem gut, zu liegen. Bei der nächsten Untersuchung wieder NICHTS. Also begannen wir mit vielen Sportübungen, ich habe mich gefühlt wie im Fitnessstudio. So ging es dann eine ganze Zeit lang, es war mittlerweile wieder Abend, viel ist nicht passiert. Die Wellen waren super regelmäßig. Die Hebammen haben aufgrund der verstrichenen Zeit gemeint, wir sollten Oxytocin versuchen, da sich nun wirklich mal was tun sollte. Bis dahin hatte ich keinerlei Schmerzen, nur Druck, gespürt, habe Akkupunktur bekommen und bin massiert worden, habe vier Becher Erdbeer-Vanilleeis gegessen (was Anderes war nicht möglich) und war immer noch sehr positiv. Leider, das haben wir erst am nächsten Tag nach der Geburt erfahren, war irgendetwas mit dem Oxytocin Tropf nicht in Ordnung, sodass nicht wirklich etwas durchkam zu mir. Als die Hebammen das viel später erst bemerkt und richtig eingestellt haben, “schoss” das Oxytocin richtig in meinen Körper und löste damit aus, dass ich eine einzige, wahnsinnig druckvolle Welle hatte, die einfach nicht mehr aufhören wollte – ich hatte keine Pause mehr, um Luft zu holen oder Energie zu tanken. Das war der Zeitpunkt, an dem ich um eine PDA gebeten habe (was ich ausdrücklich immer verneinte und ich bin mir sicher, dass ich sie unter normalen Umständen auch nicht gebraucht hätte, aber mit dem Oxytocin Einschuss war das nicht mehr möglich). Zudem hatte ich nach der langen Zeit auch nicht mehr so viel Kraft. Durch die PDA, die wirklich super gesetzt wurde, konnte ich total entspannen, konnte mich ganz normal bewegen und meinen Wellen beim Steigen zusehen. In Hypnose war ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr, was mir aber von Anfang an wahnsinnig geholfen hatte, war die Atmung. Der Muttermund hat sich dann auch in regelmäßigen Abständen gut geweitet, es folgten immer wieder Untersuchungen, die Herztöne unseres kleinen Löwen waren durchweg super und nie in irgendeiner Hinsicht gefährdet. Ein kleiner Kämpfer eben! Die letzte Phase hat dann schon nochmal etwas gedauert, mittlerweile war es Donnerstagmorgen. Das Anstrengende war eigentlich, dass wir beide zwei Nächte lang nicht geschlafen hatten, die Kräfte haben mich einfach schon etwas verlassen. Ich wollte es aber unbedingt selber schaffen, unseren Kleinen auf die Welt zu bringen. Ich habe noch nie im Leben so eine Motivation gespürt, etwas schaffen zu wollen, und zugleich so eine Sicherheit, dass ich es auch schaffen werde. Man entwickelt wirklich so etwas wie eine Urkraft und ich finde es ein wahnsinnig tolles Geschenk, diese Erfahrung, von der ich nie gewagt hätte, auch nur zu erahnen, sie machen zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar. Nach ein paar sehr anstrengenden Presswellen durfte ich die, wie ich glaube, allerschönste Erfahrung meiner ganzen Geburt, machen: die Hebamme fragte, ob ich mal fühlen wolle und ich verstand erst nicht ganz. Als ich mich dann getraut habe, konnte ich L. Haare in meinem Scheideneingang fühlen, seinen Kopf mit einem Finger streicheln und ihn sozusagen willkommen heißen. Das war das intensivste Gefühl der ganzen 31 Stunden, welche die Geburt insgesamt gedauert hat. Ich war so überwältigt von dem Gefühl, dass ich, glaube ich, eine ganze Seite nur darüber schreiben könnte. Kurz darauf wurde L. geboren (es hat sich angefühlt, als würde da was aus mir herauspurzeln), er wurde mir sofort auf die Brust gelegt, die Nabelschnur durfte ganz auspulsieren (das ist in Schweden Standard). Mein Mann hat alles mitbekommen, hat das Köpfchen gesehen und durfte nun auch die Nabelschnur durchschneiden. L. hat sich den Weg zu meiner Brust gebahnt, hat den ersten Schluck genommen und wir haben einfach nur geweint vor Glück, vor Überwältigung, und konnten es einfach nicht glauben, von nun an eine kleine Familie zu sein, die in diesem unfassbar schönen Land entstanden ist und mit unserem Kind nun komplett wurde.

Ich danke dir, liebe Kristin, von ganzem Herzen dafür, dass du mir mit deinem Kurs und mit deinen Worten die Angst vor der Geburt komplett genommen hast. Ich habe mich super vorbereitet gefühlt, habe sehr viel gelernt, nicht nur über die Schwangerschaft und die Geburt, sondern vor allem sehr viel über mich selbst. Danke für diese Möglichkeit und dieses wunderschöne Erlebnis, vom welchem ich L. ganz bestimmt mal erzählen werde, wenn er älter ist.