Geburtsort:

Klinik

Positiver Geburtsbericht einer weit überwiegend schmerzfreien Geburt am 20.07.2021, 1. Kind bei 38+6

Ab SSW 20 Kursprogramm der friedlichen Geburt, regelmäßiges Üben der Hypnosen aber erst ab SSW 32 mehrmals wöchentlich,

ab SSW 36 insgesamt 3x Akupunktur und sporadisch 75g Datteln pro Tag,

ab SSW 34 Louwen-Ernährung mit einzelnen Ausnahmen,

ab SSW 37 1x täglich Himbeerblättertee, 1x Heublütendampfbad und 3x Dammmassage,

in der gesamten Schwangerschaft bis zur Geburt regelmäßiges Yoga und Spaziergänge

Ich bin durch eine Freundin auf das Programm der friedlichen Geburt aufmerksam gemacht worden und war zunächst skeptisch, ob sich für mich als Kopf-Menschen die Investition in eine mentale Geburtsvorbereitung lohnen würde. Die Erklärung der Methode im Podcast hat mich dann allerdings so abgeholt, dass ich mich für die Buchung des Onlinekurses entschieden habe. Da ich das Thema Schwangerschaft und Geburt möglichst stressfrei und entspannt angehen wollte, habe ich allerdings nie etwas zum Kurs aufgeschrieben und auch die empfohlene Frequenz der Übungseinheiten nicht eingehalten. Für das Üben der Hypnosen habe ich erst mit Beginn des Mutterschutzes regelmäßig (mehrmals die Woche, maximal einmal täglich) Zeit gefunden, was mir aber auch ausreichend erschien.

Am Abend vor der Geburt habe ich zum ersten Mal die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“ gehört und anschließend mit meinem Mann einen langen Spaziergang gemacht. Die Geburt startete in der Nacht um ca. 3:30 Uhr. Ich war bereits gegen 1 Uhr nachts aufgewacht und konnte – wie häufiger während der Schwangerschaft – nicht wieder einschlafen. Daher war ich ins Wohnzimmer auf die Couch umgezogen und hatte dort einen Podcast gehört. Als gegen 3:30 Uhr die ersten niedrigen Wellen kamen, fing ich mit der Bauchatmung an und war sehr unsicher, ob dies der Geburtsbeginn oder nur der Beginn einer vielleicht noch langen Latenzphase ist. Ich habe dann noch einmal die Hypnose zur Förderung des Geburtsbeginns gehört. Die Wellen, die von Anfang an im 5 Minutentakt kamen, blieben.

Um 4 Uhr habe ich meinen Mann geweckt und ihn gebeten, die Wellen mit einer App zu tracken. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann über Kopfhörer auch mit der Hypnose „während der Geburt“ begonnen. Ich habe ohne Probleme zu meinem Kraftort gefunden und konnte mich wirklich gut entspannen. In der Gebärmutter war ich nicht, das war mir allerdings auch beim Üben immer recht schwer gefallen. Daher war meine Tochter einfach mit am Kraftort. Die Bauchatmung war für mich nicht intuitiv (ich hatte sie auch nur selten geübt), sodass ich mich während jeder Welle sehr konzentrieren musste, um sie richtig umzusetzen. Ich war auch die ganze Zeit unsicher, ob ich die Atmung richtig mache, aber das war im Grunde gut, da ich mich so voll auf jede Welle konzentriert habe. Im Nachhinein bin ich auch sehr überrascht, wie gut mir die Bauchatmung unter der Geburt geholfen hat. Neben der Bauchatmung habe ich während einer Welle auch versucht, die Öffnung des Muttermundes zu visualisieren, was ich allerdings wegen der Konzentration auf die Bauchatmung auch immer mal wieder vergessen habe.

Mein Mann hat Wellen im Abstand von ca. 5 Minuten getrackt, die aber jeweils sehr kurz waren (10-20 Sekunden). Ich bin dann in die Badewanne gewechselt, um einen Fehlalarm auszuschließen. Dort sind die Wellen gleich intensiv geblieben. Daher habe ich mich noch einmal geduscht, um auf einen Umzug ins Krankenhaus vorbereitet zu sein. Die Wellen waren für mich mit der Bauchatmung und der zwischenzeitlichen Entspannung am Kraftort zu jeder Zeit gut aushaltbar. Ich bin auch immer wieder „aufgetaucht“, um mit meinem Mann das weitere Vorgehen (Packen, Brote schmieren, seine Abmeldung bei der Arbeit) zu besprechen und konnte immer wieder gut in die Entspannung „abtauchen“. Tatsächlich hat mein Mann (gegen 9 Uhr morgens) unter meiner Anleitung sogar noch Unterlagen für unseren Versicherungsmakler zusammengesucht und an diesen verschickt. Das wollte ich dann doch unbedingt noch vor der Geburt erledigt wissen. Ich konnte dabei aber auch feststellen, dass die Wellen durchaus schmerzhaft wurden, wenn ich mich weniger auf die Atmung und Entspannung konzentriert habe. Mein Mann hat auch mehrmals das Wort „Loslassen“ als Anker für mich gesetzt und auch den Duftanker gesetzt. Das war auf jeden Fall schön und hilfreich für die Entspannung. Wir hatten das vorher ca. dreimal geübt. Natürlich war ich nicht stundenlang permanent an meinem Kraftort, aber ich habe immer wieder versucht, dahin zurückzukehren, wenn ich gemerkt habe, dass die Wellen sehr kraftvoll wurden. Einige Wellen habe ich auch im Vierfüßlerstand veratmet, da das eine sehr angenehme Position für mich war.

Gegen 7 Uhr hat mein Mann im Krankenhaus angerufen, unsere Situation geschildert und man sagte ihm, dass wir losfahren sollten, sobald die Wellen jeweils eine Minute dauern würden. Das war allerdings während der gesamten Zeit, die ich dann noch zu Hause war, nie der Fall.

Wir sind trotzdem gegen 11:15 Uhr ins Krankenhaus aufgebrochen, als mein Schleimpfropf abgegangen war und ich mehrere Schwalle Fruchtwasser verloren hatte. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich zu Hause nicht mehr sicher gefühlt und wollte los. Es gelang mir aber weiterhin, die nun etwas höher gewordenen Wellen (weiterhin alle 5 Minuten, nun aber jeweils 20 bis 30 Sekunden lang) zu veratmen und mich in den Pausen in die Entspannung zu begeben. Die Fahrt zum Krankenhaus konnte ich so mit der Geburtshypnose auf den Ohren gut meistern. Bei einer Straßensperrung habe ich meinem Mann sogar noch angeboten, die Navigation mit dem Handy zu übernehmen. Das hat er aber zum Glück abgelehnt. Um 11:45 Uhr beim Krankenhaus angekommen, war der Storchenparkplatz besetzt und ich habe noch vorgeschlagen, alleine zur Anmeldung zu gehen, während mein Mann einen Parkplatz sucht, weil ich mich so fit gefühlt habe und die Wellen mit der Bauchatmung gut unter Kontrolle hatte. Mein Mann hat aber auch diesen Vorschlag abgelehnt, die Warnblinklichtanlage angeschaltet und ist mit mir zur Anmeldung gegangen. Beim Aussteigen aus dem Auto ging dann noch mal ein großer Schwall Fruchtwasser ab und bei jeder Welle musste ich stehenbleiben und mich auf die Atmung konzentrieren; Schmerzen hatte ich aber keine. In den Wellenpausen war es ohnehin immer so, als sei nichts gewesen. Ich bin dann – aufgrund der Corona-Maßnahmen – alleine hoch zum Kreißsaal. Dort musste ich erstmal ein Formular zu Covid-Symptomen ausfüllen und wurde dann in den CTG-Raum geführt. Hier musste ich leider mein Handy abschalten, über das ich zuvor die Hypnose gehört hatte und ich war dann doch zu aufgeregt, das Handy gegen den MP3-Player, den ich dabei hatte, zu tauschen. Da die Wellen nun höher wurden und ich ohne die Hypnose auf den Ohren Schwierigkeiten hatte, in der Entspannung zu bleiben, fragte ich, ob ich mich für das CTG wenigstens hinsetzten dürfte, was leider abgelehnt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war weder mir selbst noch den anwesenden Hebammen klar, wie weit die Geburt schon fortgeschritten war.

Ich legte mich auf die CTG-Liege, bekam (Standard in dem Krankenhaus) einen Zugang gelegt und mir wurde ein Formular zur Chefarztbehandlung vorgelegt, das ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verstanden habe und schließlich sogar erst nach der Geburt ausgefüllt habe. Leider hatte dann noch die Hebamme Schwierigkeiten, den Herzschlag meines Kindes zu finden, was mich extrem nervös und meine Entspannung vollständig zunichte machte. Als ihre hinzugerufene Kollegin sofort den Herzschlag fand und das CTG endlich geschrieben werden konnte, musste ich schon richtig tönen, um die nun durchaus schmerzhaften Wellen einigermaßen in den Griff zu bekommen. Die Hebamme, die auch den Herzschlag nicht gefunden hatte, erklärte mir dann, man müsse gleich noch einen Ultraschall machen, da mein letzter Ultraschall ca. 1 Monat her war, weil ich die letzte Vorsorgeuntersuchung bei meiner Hebamme hatte durchführen lassen. Ich verstand den Grund nicht, war aber zu sehr mit den Wellen beschäftigt, um zu protestieren. In dem Moment habe ich mir so sehr meinen Mann herbeigewünscht, der ja nach unserer Planung die Kommunikation mit dem Klinikpersonal hätte übernehmen sollen.

Dann hatte ich plötzlich das Gefühl, dringend zur Toilette zu müssen und habe das auch gesagt. Das CTG wurde also unterbrochen und ich bin zur Toilette. Aber es kam nichts. In dem Moment war mir nicht klar, dass das schon der Pressdrang war. Am Waschbecken nach dem Toilettengang musste ich extrem laut tönen, um die nächste Welle auszuhalten. Das bekam zum Glück eine erfahrene Hebamme mit und beschloss, mich zu untersuchen, bevor es wieder ans CTG gehen sollte. Es überraschte mich, dass das Ertasten des Muttermundes durch die Hebamme sehr unangenehm war. Ich hatte zur Geburtsvorbereitung viel gelesen, aber diese Info hatte ich vorher nicht – sicher ist das aber auch sehr subjektiv. Jedenfalls sagte sie, der Muttermund sei vollständig geöffnet und dass wir sofort in den Kreißsaal umziehen müssten. Ich konnte es selbst kaum glauben, war aber, da die Wellen nun durchgehend sehr hoch waren, einfach nur erleichtert, dass ich endlich da abgeholt wurde, wo ich mich im Geburtsprozess befand. Ich bin dann – das muss so gegen 12:08 Uhr gewesen sein – rüber in den Kreißsaal und bat aufgeregt darum, schnellstmöglich meinen Mann dazu zu holen.

Im Kreißsaal riet mir die Hebamme, mich auf einer Art Liege in den Vierfüßlerstand zu begeben und ab der nächsten Welle mitzuschieben, was ich auch tat. Ich muss sagen, dass ich diesen letzten Teil der Geburt dann schon als sehr schmerzhaft empfunden habe, allerdings war er auch sehr kurz und deshalb insgesamt gut aushaltbar. Um ca. 12:13 Uhr kam endlich mein Mann im Kreißsaal an und zwei oder drei Presswehen später war um 12:23 Uhr unsere Tochter geboren. Ich habe sie dann als erste aufgenommen und auf meine Brust gelegt, wo sie erstmal einige Zeit verbleiben durfte und nach kurzer Zeit auch getrunken hat. Den Abgang der Plazenta habe ich nicht aktiv bemerkt. Sie befand sich wohl schon abgelöst in meiner Vagina und war mit einem kurzen, komplett schmerzlosen Schieben raus. Ich habe trotz des Tempos der Austreibungsphase nur eine kleine Geburtsverletzung (Cut in einer Schamlippe) davongetragen.

Fazit: Ich war bis zum Schluss skeptisch, ob ich die Methode der friedlichen Geburt in der echten Geburtssituation würde umsetzen können und bin überglücklich, dass das funktioniert hat. Die Geburt verlief auch fast genau so, wie ich sie mir im Rahmen der Imagination meiner Traumgeburt vorgestellt hatte. Insbesondere hatte ich mir gewünscht, nicht zu übertragen, am Tag der Geburt möglichst lange zu Hause bleiben zu können und mit einem guten Muttermundbefund im Krankenhaus anzukommen. Dass der Muttermund dann schon vollständig geöffnet war, ich aber nach außen hin zunächst gar nicht so wirkte und dies auch selbst nicht vermutet hätte, lag daran, dass ich in der Entspannung keine nennenswerten Schmerzen gespürt habe. Bestimmt hätte auch die Austreibungsphase schmerzfrei(er) verlaufen können, wenn ich zu diesem Zeitpunkt weiterhin in der Entspannung gewesen wäre. Aber dadurch, dass diese Phase so kurz war, trübt sie keineswegs meinen Eindruck einer selbstbestimmten und unkomplizierten Geburt.

Für die Vorbereitung auf dieses positive Geburtserlebnis möchte ich mich bei dir, liebe Kristin, und bei dem Team der „friedlichen Geburt“, aber auch bei den vielen Frauen, deren Geburtsberichte ich hier so gerne gelesen habe und die mich auf viele Eventualitäten einer Geburt vorbereitet haben, ganz herzlich bedanken.