Geburtsort:

Klinik

Obwohl ich meine erste Geburt nicht als traumatisch empfunden habe, war sie dennoch weit entfernt von dem, was ich eigentlich wollte … Besonders prägnant erinnere ich mich daran, dass ich damals bei jeder Wehe dachte ‚Oooooh nein, da kommt schon wieder eine‘, obwohl ich rational hätte wissen müssen, dass das Ablehnen der Wehen nicht klug ist. Daher stand für mich fest, dass ich bei der zweiten Schwangerschaft eine mentale Vorbereitung oder Hypnobirthing probieren möchte. Bei den Recherchen fand ich ‚Die friedliche Geburt’ und habe ab SSW 30 mit dem Onlinekurs begonnen. Ich habe anfangs fast täglich geübt, zwischenzeitlich aber auch mal einige Tage Pause gemacht, weil mir nicht danach war. Besonders zum Ende hin, hatte ich oft keine Geduld mehr für längere Übungen und habe dann schwerpunktmäßig die Selbsthypnose benutzt, allerdings ohne Kristins Audiodatei – ich habe mich einfach selbst heruntergezählt.

Meine Geburt begann in SSW40+5. Tagsüber war noch alles normal, es ging mir super. So langsam wuchs aber auch meine Ungeduld und ich habe dem Bauchzwerg nochmal eindringlich mitgeteilt, dass er sich bitte bitte, bitte so langsam mal heraus bewegen soll, um uns beiden eine Einleitung zu ersparen. Abends haben wir bei schönstem Frühlingswetter noch gemütlich gegrillt, und ich habe dabei Witze darüber gemacht, dass unsere Störche nach wochenlanger Abwesenheit plötzlich wieder über unserem Garten kreisten. Aber jetzt wo sie wieder da sind, sollen sie bitte unsere Lieferung nicht vergessen. Ich war ziemlich müde und bin zeitig ins Bett gegangen, was auch gut war – denn um 22 Uhr wachte ich bereits mit leichten Wellen wieder auf. Da die Abstände zunächst noch unregelmäßig und die Wellen nicht allzu stark waren, habe ich zunächst versucht mich noch ein wenig auszuruhen und dazu die Geburtshypnose aus dem Kurs gehört. Zwischendurch konnte ich nochmal etwas dösen und als ich von einer stärkeren Welle geweckt wurde und direkt im Anschluss die Fruchtblase platzte, war ich erstaunt, dass es schon 0:30Uhr war. Ich bin dann erstmal aufs Klo geflitzt, habe dort ein oder zwei Wehen lang gesessen und das Fruchtwasser ablaufen lassen und dann begonnen mich anzuziehen. Dann habe ich meinen Mann geweckt, die letzten Dinge in die Kliniktasche geworfen, meinem Mann, der auf den Schock erstmal duschen musste, einen Kaffee gekocht und dann sind wir los gefahren in die Klinik. Auf dem Weg dorthin, habe ich mich wieder mit der Geburtshypnose entspannt, und auch während der Anmeldung in der Klinik (ca. 1:30 Uhr) war ich die meiste Zeit in Hypnose. Zwar musste ich aufgrund der Corona-Pandemie zunächst allein in die Klinik, ich war aber durch das Üben der Selbsthypnose sehr gut dazu in der Lage Fragen zu beantworten um dann schnell wieder ‚abzutauchen‘. Direkt nach dem ersten CTG durfte dann auch schon mein Mann dazukommen. Ich wollte zur Entspannung noch etwas in die Badewanne, der Muttermund war nämlich erst 3cm weit geöffnet und ich hatte die Hoffnung, mit Hypnose und der entspannenden Wirkung des Wassers die Öffnung beschleunigen zu können. Mein Mann hat derweilen den Smalltalk mit der Hebamme übernommen und ihre Fragen dazu beantwortet was ich da auf den Kopfhörern höre. Letztere habe ich dann aber auch weggelegt, weil es sich für mich besser anfühlte, mich selbst zu hypnotisieren und Kristins Anleitung, mich eher in der Konzentration auf mich und unser Baby gestört hat. Auch die Badewanne fühlte sich für mich nicht mehr richtig an (obwohl ich eigentlich von einer Wassergeburt geträumt hatte), sodass ich aufs Kreißbett wechselte. Eine erneute kurze Untersuchung ergab, dass der Muttermund jetzt 6cm weit geöffnet ist und ich war etwas deprimiert – 90min in der Wanne (es war inzwischen 4 Uhr) und nur 3 weitere cm, das hatte sich irgendwie nach ‚mehr’ angefühlt. Ich war zunächst im Vierfüßlerstand, das fühlte sich aber nicht ‚richtig’ an und die Hebamme riet mir dazu, mich nochmal auf die Seite zu legen, damit der Muttermund sich entspannt öffnen kann. So lag ich dann auch eine Weile, erneut in Hypnose, und veratmete weiterhin die Wellen. Kurz darauf (in Wirklichkeit war es wohl eine gute Stunde), veränderte sich die Qualität der Wellen und ich hatte vereinzelt bereits das Gefühl, zum Ende der Welle pressen zu müssen. Die Hebamme hatte das auch bereits bemerkt und bot mir an, das Bett umzubauen, sodass ich wieder in den Vierfüßlerstand gehen konnte. Dieses Mal fühlte sich das auch nicht mehr falsch an, sondern war goldrichtig. Denn gerade dort angekommen überrollte mich auch schon die erste Austreibungswelle. Das Gefühl war einfach unbeschreiblich. Ich war erleichtert und voller Vorfreude darauf, dass ich ganz bald unser Baby im Arm halten würde. Aufgrund seiner Größe (Kopfumfang 38,5cm, 58cm lang und 4260g schwer), brauchte es zwar einige Wellen, um die Geburtswege vorzubereiten und zu dehnen, aber ich war über jede einzelne Welle glücklich und dankbar, weil ich sicher war, dass das alles gut und richtig ist. Um 5:20Uhr hatten wir es dann geschafft und unser kleines Baby lag auf meinem Bauch.

Meine zweite Geburt ein wunderschönes, eindrucksvolles Erlebnis und der Beweis dafür, was eine positive Einstellung zur Geburt, ein gut trainierter ‚Elefant‘ und Vertrauen in den eigenen Körper und seine Kompetenz bewirken können.

Ich habe lediglich wenige Wehen in der Eröffnungsphase als unangenehm empfunden, die Austreibungsphase selbst, war trotz der Größe des Kindes kein bisschen schmerzhaft. Hier hat die ‚Umdeutung‘ von Schmerz zu Druck und Dehnung mir unglaublich geholfen, denn genau so hat es sich angefühlt.
Ich würde also tatsächlich behaupten, dass meine Geburt durch die Methode annähernd schmerzfrei war und bin tief beeindruckt davon, was für ein Wunderwerk der Körper ist, wenn ihm die ‚Maus‘ nicht im Weg steht.

Ich hoffe, ich kann mit dem Bericht der ein oder anderen Mami in Spe Mut machen und sie dazu ermuntern, euren Kurs zu machen. Ich habe auch damit gehadert, aber er ist echt jeden Cent wert und ich bin fast ein bisschen traurig darüber, dass unsere Familienplanung abgeschlossen ist – man soll ja niemals nie sagen, eine schöne, friedliche Geburt hat Suchtpotential  😉

Liebe Grüße,

Anne und O.