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Geburtsbericht R. | 19.08.20 (ET 18.08) | Selbstbestimmte, wunderschöne Plan-B-Geburt

Trigger: lange Geburt

Endlich schwanger – und dann Corona. Ich muss euch wohl nicht erklären, wie ich mich gefühlt habe: Unsicherheit, Kontrollverlust, Angst und Enttäuschung darüber, dass alles anders kommt, als ich mir das immer vorgestellt habe. Keine Geburtsvorbereitungskurse, keine Möglichkeit, das Team im Krankenhaus kennenzulernen – ich war wirklich geschockt. Etwa in der 26. SSW beschloss ich daher, Kristins Kurs zu buchen, denn von Anfang an fand ich die Podcasts toll und mir gefiel die Idee einer selbstbestimmten Geburt.

Gesagt, getan: Von da an waren die Hypnosen meine Ruheinseln. Es war so schön, ein effektives Werkzeug in der Hand zu haben, wenn einen die Nervosität oder Angst überkommt! Ich habe nicht täglich, aber doch sehr oft geübt und es sehr genossen. Selbst jetzt, so viele Monate später, bekomme ich beim Gedanken an meinen Kraftort , Gänsehaut und das Bedürfnis, zurückzukehren. Allein dafür hat sich in meinen Augen der Kurs schon gelohnt.

Dann war es endlich so weit: Der errechnete Entbindungstermin (18/08) näherte sich. In der Nacht von Sonntag (16/08) auf Montag, wurde ich dreimal wach, da ich ein seltsames Ziehen im Rücken verspürte. Ich dachte noch das wären Verdauungsbeschwerden… Haha, denkste! Am Montag, um etwa 18 Uhr, spürte ich erneut dieses starke Ziehen. Da es sich immer exakt gleich anfühlte, ahnte ich, dass der Geburtsprozess nun wohl begonnen hatte.

Was für eine Aufregung und Vorfreude! Mein Mann und ich gingen noch zwei Stunden spazieren, zuhause trank ich anschließend meinen Himbeerblättertee, aß noch ein paar Datteln und um etwa 22 Uhr fing das Ziehen regelmäßiger an und kam teilweise in einem Abstand von 10 Minuten. Nun gab es keine Zweifel mehr: Das sind Wellen! Ich war tatsächlich überrascht, dass ich im Bauch nichts spürte, sondern ausschließlich im Rücken.

Leider war das Ziehen im Liegen und auf allen Vieren sehr unangenehm. Deswegen verbrachte ich die Nacht sitzend, hüftkreisend und mit Wärmeflasche im Schlafzimmer auf dem Stillsessel. Auch wenn ich nicht mehr wirklich entspannen konnte – diese Nacht hatte etwas Magisches für mich. Die Stille der Stadt, die ich vom Fenster aus beobachten konnte, der laue Sommerwind, der Mond am Himmel … Ich fühlte mich irgendwie verbunden mit etwas „Größerem“ – ein wunderbarer erster Abschnitt des Weges und ich denke so unglaublich gerne an diesen Moment zurück.

Am Dienstag (18/08) wurden die Wellen wieder unregelmäßiger und kamen etwa in einem Abstand von 2 bis 20 Minuten – typisch für die Eröffnungsphase. Ich hatte nicht das Bedürfnis in Hypnose zu gehen, sondern bei meinem Mann zu sein. Deswegen verbrachten wir den ganzen Tag zuhause, sahen fern, aßen, kuschelten und ich veratmete die Wellen, wenn sie kamen. Auch hier musste ich leider den ganzen Tag sitzen, weil die Wellen im Liegen so intensiv waren. Ich war noch immer sehr überrascht, denn ich spürte weiterhin alles ausschließlich im Kreuzbein und zum Teil zog der Schmerz bis in den Ischias – vorne am Bauch war da überhaupt gar nichts. Das blieb übrigens die gesamte Geburt lang so.

Abends fingen die Wellen dann endlich wieder regelmäßig an! Ich blieb im Wohnzimmer bei meinem Mann, allerdings nun mit Kopfhörer und Kristins Stimme auf den Ohren, da ich nun den Drang verspürte, das Rundherum auszublenden. Ich konzentrierte mich auf die Atmung, was mich sehr entspannte, obwohl der Gegendruck, den ich bei der Bauchatmung erzeugen sollte, aufgrund der Rückenwehen nicht besonders viel Effekt hatte.

So ging das bis etwa 2 Uhr nachts, bis die Wellen während 90 Minuten endlich in 5-Minuten-Abständen kamen und mein Partner und ich das Bedürfnis hatten, ins Krankenhaus zu fahren. Es war Nacht und die ganze Stadt war wieder still – genau so, wie ich es immer für meine Traumgeburt visualisiert hatte. Das Krankenhaus ist nur zwei Autominuten entfernt – ich hatte allerdings das Bedürfnis, nicht zu spät dort anzukommen, da ich wusste, dass ich aufgrund von Corona noch allein bürokratische Dinge zu erledigen hatte, auf Corona getestet werden würde und bei der ersten Untersuchung mit der Hebamme ebenfalls allein sein werden würde.

Dies war dann alles ganz gut möglich – ich musste zwar ein paar Pausen machen zum Veratmen und ich war von einem hypnotischen Zustand weit entfernt, aber trotzdem sehr ruhig und mit einem Gefühl, dass alles gut ist. Die Hebammen schlossen mich ans CTG an und untersuchten meinen MuMu: Gebärmutterhals verstrichen, aber der Muttermund noch ganz geschlossen. Ich traute meinen Ohren kaum… So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt! Schließlich hatte ich schon seit Montag nicht mehr richtig geschlafen und bemerkte nun die Müdigkeit schon etwas. Da meine Wellen jedoch schon sehr intensiv und regelmäßig waren, versicherte mir die Hebamme, dass der tatsächliche Geburtsprozess bald starten würde, und es wurde mir angeboten, im KH zu bleiben. Auch wenn das für manche nicht nachvollziehbar ist: Ich verbinde mit Krankenhäusern kein negatives oder befremdliches Gefühl, eher im Gegenteil. Meine Mutter arbeitete als Krankenpflegerin, und für mich ist es ein Ort der Sicherheit, weshalb ich das Angebot gerne angenommen habe.

Da das Ergebnis meines Corona-Tests noch nicht vorlag, bekamen mein Mann und ich allein ein Zimmer mit Dusche und Gymnastikball. Dort verbrachte ich die nächsten Stunden, zum Teil mit, zum Teil ohne Hypnose. Ich kann jedoch auf jeden Fall sagen, dass das Körpergefühl während der Hypnose viel schwächer war – ich hatte sogar einmal Angst, dass die Wellen weniger werden würden. Mein Mann meinte irgendwann, als ich die Kopfhörer nach einiger Zeit abnahm: „Dieser Kristin müssen wir ein Geschenk schicken!“ In dieser Zeit löste sich auch der Schleimpfropf.

So ging das bis etwa 06 Uhr morgens. Dann bat ich meinen Mann, mit der Hebamme zu sprechen, da ich langsam das Gefühl bekam, keine Kraft mehr zu haben, und wissen wollte, wie weit wir schon waren. Es war nicht das Körpergefühl der Wellen, das nicht auszuhalten waren – sondern ich war einfach so unglaublich erschöpft. Ich dachte die ganze Zeit: Ich will doch bitte nur kurz 30 Minuten schlafen!

Wir watschelten zum Untersuchungsraum, wo mir gesagt wurde, dass der Muttermund einen Zentimeter offen war – puh, da musste ich echt einmal schlucken. Die Hebamme meinte, ich solle noch einmal versuchen, unter der warmen Dusche und am Gymnastikball zu entspannen. Wenn es nicht mehr geht, würde man mir eine Art „Betäubung“ geben, so dass ich für die nächsten Stunden etwas benommen sein würde. Das war für mich eine Horrorvorstellung – ich wollte die Geburt bewusst erleben. Die Alternative war eine PDA. Das war mein Plan B und gleichzeitig etwas, das ich eigentlich verhindern wollte. Hier in der Stadt, in der ich wohne, gibt es im KH leider keine anderen Schmerzmittel, deswegen wusste ich, dass mir im Fall des Falles nur eine PDA bleibt. Aber ich gab noch einmal alles und duschte lange warm. Auch hier verstrichen etwa noch einmal zwei Stunden bis ich bemerkte, dass ich an einer Grenze angekommen war. Ich wusste: Ich muss mich irgendwie kurz ausruhen, und zwar sofort. Deswegen fiel bei knapp drei Zentimetern Muttermundöffnung die Entscheidung für eine PDA.

Die wurde mir eine Stunde später problemlos gelegt und ich schlief sofort für rund eineinhalb Stunden ein.

Danach war alles sehr entspannt: Der Muttermund ging zügig auf, ich hatte einen Blasensprung und bei vollständiger Öffnung wurde die PDA abgestellt, so dass ich die Wellen etwas spüren konnte. Die Pressphase war – obwohl sie genau so war, wie ich sie mir nicht vorstellte, nämlich im Liegen – unfassbar toll. Ich fühlte mich wie eine Göttin. Ich empfand die Phase auch nicht als extrem anstrengend, sondern es machte mir sehr viel Spaß pressen zu dürfen und zu bemerken, wie unsere Kleine zu uns kam. Um 20:03 Uhr war es schließlich soweit und wir durften unsere Tochter in die Arme schließen. Sie saugte sofort an der Brust und ich glaube, erst in dem Moment, in dem sie auf meinem Bauch lag, realisierte ich, dass dieses kleine Wesen 9 Monate in meinem Körper gewachsen war. Ein unglaubliches Gefühl!

Auch das Wochenbett war ein Traum – wir zogen uns zu dritt zurück und lehnten für mehrere Wochen jeglichen Besuch ab (mit Ausnahme der Schwiegereltern, die zweimal Essen bringen durften). Auch hier war ich dankbar für das Wissen, das ich mir im Kurs angeeignet hatte. So konnte ich selbstbewusst und bestimmt Grenzen setzen und eine Ruheinsel schaffen, in der ich mich vollständig erholen konnte.

Ich habe es dem Kurs und auch dieser tollen Facebook Gruppe zu verdanken, dass ich mich während der Geburt insgesamt sehr wohl fühlte mit all meinen Entscheidungen. Ich vertraute den Hebammen zu jeder Zeit und auch die PDA , so wie die liegende Geburtsposition waren etwas, das sich für mich im Moment stimmig anfühlte. Der gesamte Prozess war sehr ruhig und entspannt. Ich hatte einen Dammriss (vermutlich wegen der Geburtsposition), doch selbst der war für mich überhaupt kein Problem, weder im Moment der Geburt noch während der Heilung. Meine Kleine kam gesund auf die Welt und ist ein wunderbares, ausgeglichenes Menschlein. Es war also eine selbstbestimmte Geburt ohne jedes Trauma – genau das, was das Ziel des Kurses ist.

Aber ich will ehrlich zu euch sein: Die Tatsache, dass ich mich so bald für eine PDA entschieden habe, nagt noch immer ein wenig an mir und ja, zum Teil habe ich auch ein wenig das Gefühl des Versagens. Nach all dem Wissen, das ich mir angeeignet hatte, nach all der Vorbereitung… Vor allem in Gesprächen mit anderen bemerke ich, dass mich bestimmte Kommentare noch verletzen („Bei mir war´s auch lang, aber ich habe einfach durchgehalten“ etc.) und dabei ständig das Gefühl hochkommt, als wäre es keine „richtige“ Geburt gewesen. Dabei erzähle ich so gerne von der Geburt meiner Tochter, denn sie war ruhig, schön und selbstbestimmt.

Das ist auch der Grund, weshalb ich nun doch, nach fast 9 Monaten, diesen Geburtsbericht verfasst habe – um für mich endlich abzuschließen, die Geburt meiner Tochter anzunehmen und endlich zu sagen: Alles war perfekt – so, wie es war. Wir haben alles gegeben und es hätte nicht besser kommen können. Und ja, es war eine wunderschöne Traumgeburt!

Egal, ob mit Unterstützung oder ohne, ob durch den Bauch oder vaginal, ob in 3 Stunden oder in 30 – wir sind alle Heldinnen und das sollten wir feiern.

Carina H.