Geburtsort:

Klinik

Hallo Kristin!

Ich wollte schon die ganze Zeit schreiben und von unserer Geburt berichten, da nehme ich das jetzt zum Anlass!
Ich habe deinen Kurs im Sommer gebucht und begonnen, anzusehen und die Tiefenentspannung zu üben. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich, hat aber von Anfang an gut geklappt. Anfangs konnte ich mich auf meiner Lichtung „nur“ ganz normal bewegen, mit der Zeit konnte ich auch drüber fliegen und mir alles von oben ansehen. Ich muss sagen, ich habe mal regelmäßig und mal unregelmäßig geübt, vor allem gegen Ende der Schwangerschaft hatte ich eine Phase, in der ich gar nicht geübt habe, aber so viel vorneweg: das hat überhaupt nichts ausgemacht. Ich fand die Hypnosen auch während der Schwangerschaft schon sehr hilfreich, um mit dem Baby in Kontakt zu kommen. Ich finde die (zweifelsohne wichtige!) medizinische Betreuung in der Schwangerschaft ziemlich übertrieben. Vor allem mein Arzt hat immer wieder Gespenster gesehen und mich zu Zusatzuntersuchungen geschickt bzw. wie igel-Leistungen aufschwatzen wollen. Durch die Hypnosen konnte ich mich immer wieder auf das Wichtigste besinnen und meinen Ärger über den Arzt auflösen.
Jetzt aber zum Geburtserlebnis selbst: es war ein Tag nach dem ET, ich hatte schon eine Einleitung aufgrund der errechneten Größe (3800g, hat sogar dann gestimmt!) abgelehnt, da ich unbedingt einen möglichst natürlichen Verlauf wollte und selbst auch recht groß bin. Ich war vor meinem Mann wach und hatte das Gefühl, leichte Verdauungsbeschwerden zu haben, weswegen ich nicht frühstückte. Als mein Mann aufstand und mich sah, sagte er „du siehst aber schlecht aus, hast du Wehen?“ Ca. eine Stunde später musste ich ihm Recht geben. Da habe ich gemerkt, dass es wirklich Wellen sind. Ich zog mich ins Bett zurück bzw. auf meine Lichtung und atmete so vor mich hin. Ich war vollkommen losgelöst von Raum und Zeit könnte man sagen. Ich habe mich nicht ablenken lassen und war richtig in einem Flow. Gegen Mittag habe ich mich mit meinem Mann ausgetauscht, weil er meinte, die Wellen wären zwar unregelmäßig, aber teilweise im Abstand von drei Minuten. Bei einem Anruf im Krankenhaus wurde uns gesagt, wir sollen einfach vorbeikommen. Die kurze Fahrt empfand ich als sehr unangenehm und im Krankenhaus schaffte ich es überhaupt nicht, bei mir zu bleiben. Ich durfte zunächst nur alleine rein und mein Mann ging zum Corona Test. Es wurde ein CTG gemacht und ich musste danach warten. Ich kam nicht wieder in die Tiefenentspannung und merkte, wie ich immer mehr verspannte und es unangenehm wurde, obwohl die Wellen noch sehr flach waren. Nach dem Untersuchungsergebnis (Muttermund geschlossen) sagte der Arzt, das könne noch Tage dauern. Mein Gefühl war ganz anders…. Jedenfalls war ich froh, wieder heim in mein Bett zu können. Da lief es dann wieder rund und ich konzentriere mich sehr stark auf die Visualisierung der Öffnung, da ich keinesfalls tagelang brauchen wollte. Spät abends war es dann recht intensiv und nach einigem hin und her kam der Punkt, an dem ich dann doch ganz klar wusste: jetzt will ich los. Es war nun ca. halb acht und dieses Mal lief alles rund. Es war im Krankenhaus nicht mehr so viel los, wie tagsüber und mein Mann konnte mit seinem Test gleich mit reinkommen. Die Hebamme hatte schon meinen Geburtsplan gelesen, den wir mittags dagelassen hatten und hatte auch sofort Zeit. Als die Untersuchung 4cm Muttermund ergab, war ich sehr erleichtert, dass sich mein Gefühl mit dem Ergebnis deckt und wir gleich in den Kreissaal dürfen. Nach den Abstrichen für meinen Test und einer kurzen Einweisung, ließ mich die Hebamme, wie im Geburtsplan gewünscht, in Ruhe. So konnte ich mich wieder ganz konzentrieren. Mein gemütliches Bett fehlte mir zwar etwas und ich musste mich ein paar Mal übergeben, aber es lief ganz gut. Als ich das Gefühl hatte, dass es jetzt „ernst“ wird, sah ich auf die Uhr und erschrak fast, da erst zwei Stunden vergangen waren. Ich dachte, wenn es sich jetzt schon so intensiv anfühlt, aber es noch lange dauert, dann halte ich das nicht durch. Ich ließ nach der Hebamme klingeln und war mega erleichtert, dass die Untersuchung 8cm Muttermund ergab. Mit dem Ergebnis war für mich alles wieder okay. Das war wohl diese berühmte Übergangsphase 😀
Jetzt wollte ich auch plötzlich nicht mehr liegen und stellte mich an meinen Mann gelehnt hin. Ab jetzt war alles erlernte irrelevant, ich lief auf Autopilot. Atemtechnik, Visualisierung, das war nicht mehr umsetzbar. Mein Mann beschrieb es hinterher als höchst fokussiert und als Naturgewalt. Ich muss wohl getönt haben, in einer (sehr tiefen) Tonlage, die man mir sonst nicht zuordnen würde. Ich nahm kaum noch etwas wahr, es gab nur noch die Wellen, die nach unten drückten und die Pausen. Irgendwann wurde es so intensiv, dass ich mich hinkniete. Mit den Armen auf einen Gebärhocker gelehnt, war die optimale Position bis zum Schluss. Diese letzte Phase dauerte insgesamt knapp zwei Stunden. Die Geburt selbst war dann doch sehr schmerzhaft. Bei der Geburt des Kopfes ist mein Gewebe innen gerissen und so tat mir die Geburt des Körpers nochmal sehr weh. Der Moment der Geburt kam dann ganz anders als ich mir ihn vorher vorstelle: ich hatte vor, mein Baby entweder selbst aufzuheben und als erstes im Arm zu haben oder es meinen Mann nehmen zu lassen. Da aber die Nabelschnur so kurz war, dass sie bei der letzten Presswehe gerissen ist (eine äußerst seltene Komplikation), musste die Kleine natürlich sofort medizinisch versorgt werden. Und ich war auch sooo fertig (ich hatte dadurch ja auch Blut verloren), dass ich kurz brauchte, bis ich mich auf mein Baby einlassen konnte und wollte.
Es war aber trotzdem eine Wahnsinns-Erfahrung! Ich hatte mein Baby die erste Nacht komplett bei mir und am nächsten Tag wurden wir dann verlegt. Sie in die Kinderklinik für eine Bluttransfusion und ich in die dortige Wöchnerinnenstation. Sie war glücklicherweise nach einem weiteren Tag topfit, sodass wir bald nach Hause konnten.

Ich bin so, so froh, diesen Kurs gebucht zu haben. So konnte ich entspannt und mit voller Energie in diese allerletzte, anstrengende Phase starten; ich bin überzeugt, dass ich ohne die Tiefenentspannung in einen Schmerz-Spannungs-Kreislauf gekommen wäre, wie es ja mittags war, als ich mich nicht konzentrieren konnte, und dann gar nicht so toll und interventionsfrei durch die gesamte Geburt gekommen wäre.

Wir sind alle beide dankbar für dieses insgesamt tolle Geburtserlebnis und natürlich für unsere Tochter.

Liebe Grüße, Caroline