Geburtsort:

Hausgeburt

Bericht für Kristin Graf/Friedliche Geburt

Anfang diesen Jahres haben wir unser drittes Kind bekommen. Unsere Tochter kam in einer ganz schnellen, völlig unkomplizierten und sehr schönen Geburt bei uns zu Hause zur Welt. Ihre beiden Brüder, fünf und neun Jahre alt, waren dabei, als ihre Schwester in unserer Badewanne “schlüpfte”.

Ich habe mich auf diese dritte Geburt mit dem Online-Kurs von Kristin vorbereitet. Auch die Geburten der beiden ersten Kinder waren unkompliziert und schön. Der erste kam im Geburtsraum eines Krankenhauses, in dem Beleghebammen Geburten mit “ihren” Frauen durchführen können, zur Welt, der zweite auch zu Hause.

Warum habe ich mich trotz dieser guten Erfahrungen für eine neue Methode entschieden? Eigentlich gab es dafür zwei Gründe: Erstens hatte ich nach den ersten beiden Geburten das Gefühl, die Geburt ein wenig verpasst zu haben, weil ich damit beschäftigt war, mit den Schmerzen umzugehen. Es war bei keiner der Geburten so, dass ich die Schmerzen als überwältigend oder nicht handhabbar empfunden habe, auch hatte ich keine klassische Übergangsphase mit der oft beschriebenen Verzweiflung. Aber ich war komplett davon eingenommen, mich von Wehe zu Wehe zu bewegen. Ich habe kaum an das Baby in meinem Bauch gedacht, hatte keine Kapazität, es zu fühlen und mich mit ihm zu verbinden. Außerdem hatte ich keinen Pressdrang, sondern es wurde nach vollständiger Eröffnung des Muttermundes die Fruchtblase von der Hebamme (eine andere als dieses Mal) geöffnet, und dann habe ich auf Anweisung gepresst, was ich als nicht besonders schön empfunden habe. Das beides wünschte ich mir anders.

Der zweite Grund war, dass meine beiden großen Jungs sich sehr wünschten, bei der Geburt dabei zu sein. Ich fand das eine sehr schöne Vorstellung. Aber ich wünschte mir, dass ich mich trotz ihrer Anwesenheit auf die Geburt und das Baby konzentrieren könnte und zugleich nicht nur von den Wehenschmerzen eingenommen sein wollte. Beides schien mir durch “Die friedliche Geburt” möglich, wenn auch ganz sicher nicht garantiert.

Tatsächlich ist dann wirklich fast alles so gekommen, wie ich es mir gewünscht habe. Ein unglaubliches Geschenk! Die Geburt begann 10 Tage vor ET um zwei Uhr in der Nacht mit dem Einsetzen der Wehen (das Wort “Wellen” ist trotz des häufigen Hörens nicht in meinen natürlichen Wortschatz übergegangen, daher bleibe ich bei “Wehen”). Es ging gleich richtig los, und mein erster Gedanke war “Krass, das tut so weh, das werde ich nicht wegmeditieren können.” Ich setze mir die Geburtsmeditation auf die Kopfhörer, blieb im Bett liegen und versuchte, mich an meinen Kraftort und zu meinem Baby zu begeben. Der Kraftort funktionierte überhaupt nicht, von Schmerzfreiheit war ich weit entfernt, und ich merkte einen Anflug von Enttäuschung, dass die Methode “nicht funktioniert”. Jedoch stellte ich mich recht schnell darauf ein, dass es eben doch heftig ist, und ich merkte, dass ich ein Gefühl für mein Baby hatte und vor allem ein sehr klares Bild vom Öffnen des Muttermundes. Für mich war es eine sehr hilfreiche Erkenntnis, dass die Wehen nicht einfach den Kopf des Babys gegen den noch geschlossenen Muttermund drücken und das den Schmerz verursacht, sondern dass die Kontraktionen quasi den “Rollkragen” hochziehen, damit das Baby hinaus schlüpfen kann.

Nach einer Stunde im Bett mit Kontraktionen alle fünf bis sieben Minuten weckte ich meinen Mann und bat ihn, mir Wasser in die Badewanne zu lassen. Ich dachte, ich bade erstmal, bevor wir unsere Hebamme aufscheuchen. Allerdings war ich dann schon, bevor genug Wasser in der Wanne war, der Ansicht, dass es schnell gehen würde. Daher rief mein Mann unsere Hebamme sofort an. Weil sie ganz in der Nähe wohnt, war sie schon eine viertel Stunde später da. Da wir uns alle noch auf Corona getestet haben (tiefer Nasenabstrich zwischen zwei Wehen ist eine ganz feine Sache!), war ich schon eine Weile in der Wanne, als sie zu mir kam. Sie hat ganz still auf dem Boden neben der Wanne gesessen und geschaut, wie ich da so liege und atme. Nur ganz kurz habe ich die Augen geöffnet, sie begrüßt und ihr gesagt, dass die Wehen schon ganz ordentlich sind. “Das sehe ich”, sagte sie, obwohl ich ganz ruhig war. Sie hat mit dem Dopton die Herztöne kontrolliert. Wie in der Vorsorge hat sie mich auch hier gefragt, ob sie das machen darf. Ich habe es immer sehr geschätzt, dass sie nie etwas gemacht hat, ohne mich zu fragen, ob das jetzt o.k. ist. Jetzt, unter der Geburt, habe ich ihr gesagt, sie solle mich für das Abhören nicht noch mal fragen, sondern es machen, wann immer sie es für nötig hält.

An dieser Stelle muss ich vielleicht sagen, dass ich mich recht im Stillen mit Kristins Methode beschäftigt und vorbereitet habe. Ich habe meinen Mann und meine Hebamme informiert, was ich da mache, aber so richtig im Detail habe ich es nicht besprochen. Ich glaube, zum einen wollte ich mir Diskussionen und skeptische Fragen ersparen und zum anderen wollte ich keine Erwartungen wecken, die dann vielleicht gar nicht in Erfüllung gehen. Daher hatte ich das Anker-Setzen auch nur selbst gemacht. Ich konnte mir auch zu keinem Zeitpunkt vorstellen, dass ich eine der drei vorgeschlagenen Wege des Ankerns von meinem Mann würde gebrauchen können. Ich hatte das Gefühl, ich kann das nur alleine, und wenn es nicht klappt, dann mache ich diese Geburt wie die anderen beiden davor.

Die Hebamme hat mich außer dem gelegentlichen Abhören der Herztöne komplett in Ruhe gelassen und hat mit meinem Mann im Wohnzimmer den Geburtspool aufgebaut. Den hatten wir uns ausgeliehen, und er stand schon seit zwei Wochen aufgepustet im Schlafzimmer. Nun musste noch ein Folie drüber gezogen werden und dann sollte das Wasser rein.

Aber dazu kamen die beiden gar nicht mehr. Denn ich hatte inzwischen das Gefühl, dass das Baby sich schon ein Stück nach draußen schieben wollte. Am Ende jeder Wehe konnte ich den Druck des Köpfchens fühlen. Deshalb habe ich unsere Hebamme gebeten, einmal nachzusehen, wie weit es schon so wäre. Vorher hatte sie noch keine vaginale Untersuchung gemacht. Sie hat mich untersucht und dann überrascht und mit einem kleinen Lachen gesagt “Tja, kein Wunder, dass Du schon so einen Druck des Köpfchens fühlst – das Baby ist schon halb durchs Becken. Fühl mal, der Kopf ist schon zu spüren.”

“Dann schaffen wir es gar nicht mehr in den Pool, oder? Können wir die Geburt hier machen?”, habe ich gefragt. Und zum Glück war das kein Problem. Die zweite Hebamme, die zur Geburt dazu kommen sollte, wurde angerufen (und eine viertel Stunde später wieder abbestellt, weil das Baby schon da war). Mein Mann hat die Kinder geweckt. Schon seit Wochen hatte der Kleinere davon gesprochen, dass er unbedingt dabei sein will, “wenn der Kopf rauskommt”. Und dem Großen war es auch ganz wichtig, dabei zu sein, denn bei der Geburt seines Bruders war er erst eine gute halbe Stunde nach der Geburt nach Hause gekommen. Diesmal wollte er seine Schwester sofort begrüßen. Beide Kinder haben wir sorgfältig mit Büchern, Gesprächen, Tönen und Stöhnen und einer tollen “Sendung mit dem Elefanten” (Ableger der Sendung mit der Maus, WDR-Produktion, absolut empfehlenswert!) auf die Geburt vorbereitet. Unsere Nachbarn standen für ihre Betreuung bereit, falls es ihnen zu viel geworden wäre.

Ich hörte, wie die Jungs sich schwer taten, wach zu werden. Mein Mann musste sie aus dem Bett scheuchen. Gleichzeitig merkte ich, wie eilig das Baby es jetzt hatte. In diesen wenigen Minuten war es am schwersten, bei mir zu bleiben, weil ich nicht wollte, dass die Kinder jetzt die Geburt doch noch verpassen. Die Fruchtblase ist dann diesmal ganz von alleine aufgegangen, ich habe gemerkt, wie das Köpfchen den Enddarm entleert (tja, das auch zu merken gehört dann wohl auch dazu, wenn man alles besser wahrnimmt), und dann habe ich einmal kurz mitgeschoben, ganz intuitiv, und der Kopf war geboren. Meine drei Jungs (Papa und Brüder) kamen gerade noch rechtzeitig ins Bad um zu sehen, wie das Baby mit dem Kopf schon aus mir heraus schaute. So halb geboren habe ich ihm über den Kopf gestrichen. Die Hebamme saß neben der Badewanne und sagte, ich solle jetzt noch einmal entspannen, tief atmen und warten, dass das Baby sich dreht, damit die Schultern gut herauskommen können. Ich merkte genau, als das Baby sich gedreht hat, und eine Wehe später war es ganz geboren. Die Hebamme hat es aufgefangen, ich habe es selbst aus dem Wasser gefischt und auf meine Brust gehoben – ein rosiges Baby, das einen kurzen Schrei gemacht und dann ganz ruhig seine um es rum versammelte Familie angeschaut hat.

Die ganze Geburt von der ersten Wehe bis zu diesem Moment hat knapp zweieinhalb Stunden gedauert.

Was hat mir “Die Friedliche Geburt” gebracht? Es ist natürlich immer schwer zu sagen, was gewesen wäre, wenn… Aber ich habe diese Geburt so bewusst und in Verbindung mit meinem Baby erlebt, wie ich es mir gewünscht habe. Ich bin äußerlich völlig entspannt und still, nur mit bewusster Atmung gegen den Wehen-Druck, in der Badewanne geschwebt, auch wenn mich das innerlich sehr viel Konzentration gekostet hat. Die von Kristin gelehrte Atmung als Gegendruck gegen die Kontraktion fand ich ausgesprochen hilfreich. Ich konnte meinen Kiefer, meine Schultern, meine Beine… entspannen, weil die Geburtsmeditation in meinen Ohren mich immer wieder daran erinnert hat. Bis auf ein paar “Uh, uh, uh” beim Austritt des Kopfes konnte ich auf Tönen oder gar Schreien verzichten, und ich hatte das Gefühl, dass diese Stille mir den Blick nach Innen und zu meinem Baby erleichtert hat.

War es schmerzfrei? Nein – aber zwei Mal hatte ich eine Idee davon, wie es schmerzfrei sein könnte: einmal erahnte ich das Gefühl, ganz weit weg von dem Schmerz zu sein, ihn quasi nur aus der Ferne wahrzunehmen, aber nicht so sehr auf mich zu beziehen. Und zwischendurch gelang es mir eine Wehe lang, die Wehe nur als Dehnung dieses “Rollkragens” zu interpretieren. Aber das waren sehr kurze Momente, und diese schöne Geburt als schmerzfrei bezeichnen, wäre eine Lüge. Ich finde auch wichtig, da nicht zu hohe Erwartungen zu wecken, habe aber den Eindruck, dass du das in einigen Podcast-Folgen auch schon tust, Kristin.

Ich kann mir vorstellen, dass ich bei einem etwas längeren Geburtsverlauf und vor allem einem etwas langsamerem Start vielleicht noch tiefer in die Meditation hätte gehen können. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass die Meditation und das bewusste Atmen und auch die Verbindung mit meinem Baby mich sehr viel Konzentration gekostet hat. Das war bei meinen anderen Geburten nicht in dem Maße nötig, ich habe mich da stärker gehen lassen. Ich weiß nicht, ob ich diese Konzentration noch über viele Stunden hätte aufrecht erhalten können. Ich hatte daher immer auch im Hinterkopf, dass ich im Zweifel auf meine alte Methode “keine Methode, einfach machen” umsteigen und trotzdem eine gute Geburt haben kann.

Vor der Geburt habe ich mich nur mit positiven Geburtsberichten im Internet beschäftigt. Aber nach der Geburt habe ich natürlich wieder mehr Kontakt mit anderen frischen Müttern und da höre ich wieder viele Geschichten, wie schwierig und teilweise schrecklich andere Frauen ihre Geburten erlebten. Erst in diesem Kontrast ist mir sehr deutlich geworden, welches Privileg es ist, drei so schöne Geburten gehabt haben zu dürfen, und besonders diese dritte so bewusst erlebt und mit meiner Familie geteilt zu haben. Ich hatte einfach unglaubliches Glück mit meiner Hebamme und mit den Umständen, die mir diese friedlichen Starts ins Leben für unsere Kinder geschenkt haben. Die Methode der “Friedlichen Geburt” war dabei sicherlich ein Baustein.