Geburtsort:

Klinik

Geburtsbericht unserer kleinen Tochter F., 2. Kind – Spontangeburt nach vorzeitigem Blasensprung und Einleitung bei SSW 37,5

53cm, 3180g, KU 35cm

15.05.2021, 21Uhr

Es kam alles anders als erwartet…

Unser 1. Kind kam vor 6J.nach vielen Tagen unregelmäßiger Wehen und vieler ungewollter Interventionen nach voller MuMu Öffnung bei 40,4 per Sectio zur Welt. Er war mit 60cm und 4600g riesig. Als sie ihn mir im OP zeigten, hatte ich keinerlei Gefühle für ihn und deshalb auch jede Menge Schuldgefühle.

Ich kam mit dem Geburtserlebnis überhaupt nicht zurecht. Stillprobleme, Wochenbettdepression mit stationärem Aufenthalt und Antidepressiva für 10Mo. waren die Folge.

Unsere Tochter ist ein absolutes Wunschkind, auf das ich lange warten musste.

Durch die erste Geburtserfahrung war ich sehr traumatisiert, weshalb ich mir vor 2Jahren Hilfe suchte und das Trauma aufarbeiten konnte. Meine Therapeutin begleitete mich auch durch die gesamte Schwangerschaft.

Ich machte in dieser SS vieles anders. Bewegte mich viel, ernährte mich so gut es ging nach Louwen ab der 17.ssw und bekam ab der 19.ssw dennoch die Diagnose SS- Diabetes. Dank der Ernährung waren die Werte nach dem Essen immer gut, nur der Nüchternzucker machte Probleme. Ich sträubte mich lange gegen eine Insulintherapie (aus Angst vor den ganzen zusätzlichen Untersuchungen und Interventionen unter der Geburt). Ab der 30.SSW war es aber aufgrund der Werte nicht mehr zu umgehen, ich musste zur Nacht Insulin spritzen. Mein Wunsch, im Geburtshaus zu entbinden war geplatzt.

Aber eine Klinikgeburt war für mich nach kurzer Trauer dann auch in Ordnung.

Eine Freundin mit ähnlicher Geschichte schwärmte für ein Krankenhaus im Leipziger Umland. Dort stellte ich mich mit umfangreichem Wunschplan vor und hatte ein gutes Gefühl.

Auf Kristin bin ich durch verschiedene Mamagruppen und Hypnobirthing aufmerksam geworden. Habe bei meinen abendlichen Spaziergängen den Podcast rauf und runter gehört und mich nach anfänglicher Skepsis schnell für den Onlinekurs entschieden.

Die Hypnosen habe ich nach Lust und Laune jeden Abend gehört, empfand sie aber auch nach Arztbesuchen und stressigen Alltagssituationen immer als sehr hilfreich und Kristins Stimme so erdend.

Mein Partner konnte während der SS keine richtige Beziehung zu unserer Kleinen aufbauen, konnte mich auch sonst nicht wirklich mental unterstützen. Er hatte große Angst, dass sich die Geschichte vom Großen wiederholt und er mich wieder psychisch am Boden sieht, wollte mir zu Liebe dennoch mit in den Kreißsaal. Je näher der Termin jedoch rückte, umso unruhiger wurde er „ich pack das nicht“.

Da fand ich eine Podcastfolge sehr hilfreich. Nur ich kann mein Kind auf die Welt bringen, das kann niemand anderes für mich tun. Mit diesen Gedanken schaute ich zuversichtlich Richtung Geburt.

Die Geburt:

Bei 37,3 am 13.5. (Donnerstag 20Uhr) platzte mir nach einem anstrengenden Tag beim Abendessen die Fruchtblase. Wehen waren keine da und so aßen wir erstmal, packten aufgeregt die letzten Sachen für die Klinik zusammen und ließen den Großen von den Großeltern abholen. In Absprache mit der Hebamme ging ich noch mal in die Wanne mit Kerzenschein und Kristin auf den Ohren, aber es tat sich nichts. Also ging ich ins Bett, rief die Klinik an, die mir bis früh Zeit gab, eigene Wehen zu entwickeln.

Bis 5Uhr habe ich nur gedöst, immer wieder „Geburt mental fördern“ gehört, aber es tat sich nichts, ich war wohl zu aufgeregt.

Die 45min Autofahrt in die Klinik waren super. Mein Mann hat das so toll gemacht, ich hätte ewig fahren können und konnte erste Wellen veratmen und war wirklich entspannt. In der Klinik angekommen war der MuMu bei 1cm, mein Mann musste wieder nach Hause und ich kam erstmal auf ein Zimmer.

Ohne Blasensprung hätte ich auch noch mal nach Hause gedurft. So tat sich weitere Tage nichts. Ab Freitagmittag bekam ich Antibiose in 6h Takt, durfte Gott sei Dank weiterhin raus und ging viel spazieren und konnte in der Natur ordentlich positive Gedanken sammeln, mich bei Freunden ausweinen und viel nachdenken. Bis auf ein paar unregelmäßige Wellen tat sich aber immer noch nichts.

Ich wurde ungeduldig, konnte im Doppelzimmer mit weinendem Baby nachts nicht entspannen. Eine Frau nach der anderen kam und hielt ihr Baby vor mir im Arm.

Völlig fertig ging ich zum Kreißsaal und sie ließen mich eine Nacht dort schlafen. Ich konnte noch mal richtig Kraft tanken.

Samstag früh legten sie mir einen Ballonkatheter, der aber auch bis 15Uhr nicht viel bewegte.

Die Klinik hatte eine sehr resolute, aber absolut ehrliche Oberärztin. Die kam mit meinem Wunschplan und wir besprachen alle möglichen Optionen. Ich warf all meine Wünsche über Bord und bat um einen Oxytropf (vor dem ich große Angst hatte, weil ich beim ersten Mal davon einen Wehensturm bekam).

Nun ging es endlich voran, ich bekam Wellen, die ich Dank Atemtechnik und intuitiver Bewegung gut veratmen konnte. Es machte mir sogar Spaß und ich dachte mir „wenn das so weiter geht, hältst du deine Maus heute noch im Arm“. Ich redete viel mit unserer Kleinen, konnte aber nichts visualisieren.

Die Hebammen hielten sich an meinen Wunschplan, ließen mich viel allein, tasteten nicht nach dem MuMu.

Die Stunden gingen dahin, der Tropf wurde immer wieder erhöht, der Ballonkatheter war immer noch gelegt. Ich wusste, dass das kein gutes Zeichen war, weil der normalerweise bei MuMu 3-4cm von allein irgendwann rausfällt.

Nebenan hörte ich wieder eine Frau, die ihr Kind vor mir bekam und ich brach in Tränen aus. Ich ging zur Toilette, musste noch einmal richtig entleeren und plötzlich traf mich der Schlag. Ich schaffte es kaum noch zurück ins Bett. Die Oberärztin schaute nach dem Ballonkatheter, der hatte sich gelöst und lag nur noch lose in der Scheide. Sie entfernte den Katheter und meinte gegen 19Uhr plötzlich, „Frau Jesse sie sind bei 8cm.“

Ich rief total aufgeregt, „ruft meinen Mann an, aber der schafft es eh nicht.“

Ich wurde förmlich von den Wellen überrannt, wusste nicht mehr, wohin mit mir, die plötzlichen Schmerzen und der Druck nach unten waren einfach überwältigend.

Plan B:

Ich bat um Lachgas. Auch davor hatte ich Bedenken (beim Großen empfand ich das als ganz furchtbar, weil mir nur schlecht davon wurde).

Bei dieser Geburt wurde das Gas mein bester Freund.

Ich konnte mich damit wieder sehr gut auf das tiefe Einatmen konzentrieren und es nahm mir die Schmerzspitzen, sodass ich nur noch diesen unangenehmen Druck nach unten verspürte.

Schnell war der MuMu voll eröffnet, ich komplett nackt, 2 Hebammen und eine Ärztin waren plötzlich bei mir, abwechselnd massierten sie mir den Steiß. Bei jeder Wellenspitze musste ich mit jedem Ausatmen aus vollem Leib tönen. Ich kniete die meiste Zeit aufrecht auf dem Bett, hing mit dem Oberkörper über dem aufrecht gestellten Kopfteil. Ich wusste nicht, wohin mit dem Druckgefühl, sodass ich mit meinem Unterarm immer wieder gegen das Bett schlug, das war in dem Moment sehr befreiend. Auch die Hebammen meinten, ich solle es ruhig raus lassen.

Durch das Lachgas war ich sehr befreit, redete total viel Blödsinn und entschuldigte mich in den Wellenpausen immer wieder bei den Hebammen.

Mit jeder Welle dachte ich irgendwann „macht doch einfach den Kaiserschnitt“.

Ich hatte nach wie vor Kristin auf den Ohren, hörte aber gar nicht, was sie sagte, konnte weder Kraftort noch Gebärmutter visualisieren. Aber ihre Stimme brachte mich doch immer wieder etwas runter und ich besann mich auf die Atmung.

Aufgrund des insulinpflichtigen SS Diabetes musste dauerhaft ein CTG geschrieben werden, was ständig verrutschte. Der Kleinen wurde daher eine Elektrode an den Kopf gelegt. Hatte ich vorneweg auch kategorisch abgelehnt, wollte ich doch so sehr sanft und entspannt gebären.

Aber in der Situation dachte ich einfach nur noch „ich kooperiere, damit das hier alles schnell vorbei geht.“

Die Hebammen leiteten mich toll an, wir versuchten viele verschiedene Positionen, F. rutschte Millimeter für Millimeter im Becken weiter nach unten.

Mein Mann war gegen 20Uhr endlich da, aber ich wollte ihn nicht rein lassen.

Mit der tollen Hebammenunterstützung fühlte ich mich total sicher. In einer Wellenpause sagte er mir kurz Hallo, das gab mir noch mal richtig Aufschwung.

Ich war voll eröffnet.

Wir wechselten in den Stand. Wieder wusste ich nicht, wohin mit mir, die Ärztin reichte mir ein Tuch und mit jeder Welle „spielten wir Tauziehen“. Ich konnte mich voll in das Tuch hängen und so in die Hocke gehen. In den Wellenpausen lehnte ich mit dem Oberkörper auf dem Bett. Ich war überrascht, wie sehr ich doch nach jeder Presswehe außer Atem war. Die Hebammen machten Dammschutz, leiteten mich zum Pressen an, was mich echt wütend machte. Immer wieder hieß es „doller, fester, länger“, dabei tat ich schon mein Bestes. Ich entgegnete dann immer wieder „tu ich doch“.

Ich erlebte mich da wirklich von einer Seite, die mir im Nachhinein echt unangenehm ist.

Da war es glaub‘ ich ganz gut, dass ich den Präsentkorb schon im vornherein abgegeben habe.

21Uhr war unsere Kleine dann ganz schnell da, sie lag vor mir, sie schrie nicht, die Hebammen motivierten mich sie aufzuheben. Sie schaute mich mit großen Augen ganz entspannt an. Ich ließ meinen Mann dazu kommen. Ich weinte und war so stolz, dass wir es geschafft hatten. Wir kuschelten auf dem Kreißsaalbett und versuchten gleich anzulegen, was mit meinem riesigen Busen nicht so leicht war.

Ich hatte Geburtsverletzungen, die genäht werden mussten. Aber auch hier half mir das Lachgas. Ich nahm das Nähen nur als unangenehmes zupfen wahr.

Die anschließende Zeit auf der Wöchnerinnenstation war weniger schön. Ich bekam meine Maus trotz des ganzen theoretischen Wissens nicht richtig an die Brust, sie wurde schnell apathisch und bekam Gelbsucht. Ich wurde sehr getriggert und dachte an die Anfangszeit mit meinem Großen, war schnell an meiner Belastungsgrenze. Ich gab ihr noch 2 Tage ausgestrichenes Kolostrum und nahm dann die Abstillpille. Ich bin sehr traurig, dass ich am stillen wieder gescheitert bin. Aber Dank der jahrelangen Therapie erkannte ich schnell, wo meine Grenzen waren.

Unsere Maus ist sehr tiefenentspannt, schläft noch viel. Wir sind alle so verliebt. Ich kuschel viel mit ihr nackt, gebe die Flasche mit Liebe und freue mich einfach schon auf die Zeit nach dem Wochenbett.

Letztendlich kann ich sagen, es war nicht meine Traumgeburt, ich wäre gerne stärker gewesen, sie war nicht sanft und entspannt und dennoch bin ich sehr glücklich und vor allem stolz.

Kristins Kurs hat mich eines gelehrt: es kommt immer anders als man denkt und dennoch kann es gut werden. Ich habe mich auf nichts versteift, blieb für alles offen und kann wirklich sagen, dass diese Geburt trotz allen Hürden selbstbestimmt und vor allem heilsam war.

Liebe Kristin, liebes Team „der friedlichen Geburt“, liebe Gruppe,

DANKE FÜR ALLES!

Ohne euch wäre es sicher nicht so verlaufen.