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Unsere Traumgeburt von Plan A zu Plan Z – etwas lang geworden

Geburtsbericht B. 23.03.2021 – Bauchgeburt – Schweden – erste Geburt

Kurz vorweg – ich habe bereits in der 20. SSW mit dem Kurs angefangen. Es gab ein paar Tiefpunkte und ich habe deswegen Zwischendurch auch mal gar nichts an Hypnosetraining gemacht. Da ich in Schweden wohne und die Geburtsvorbereitung hier ein wenig anders läuft, habe ich neben der friedlichen Geburt auch noch einen Online Geburtsvorbereitungskurs von einer Hebamme in Berlin gemacht.

SSW 36-38 waren für mich sehr hart und ich hatte keinen Bock mehr. Als dann SSW 40 kam, dachte ich mir “jetzt ist es geschafft”. B. hatte jedoch andere Pläne und ich durfte in SSW 40- 42 lernen, entspannt zu sein. In Schweden wartet man immer ET+14, wenn mit dem Kind alles in Ordnung ist. Grundsätzlich muss ich auch hinzufügen, dass mir die Art, wie man in Schweden während der Schwangerschaft behandelt wird, sehr gut gefallen hat. Man ist nur bei einer Hebamme, es gibt nur zwei Ultraschalltermine (soweit alles in Ordnung ist) und die Terminanzahl ist auch wesentlich weniger. Ich habe mich den wesentlichen Teil meiner Schwangerschaft großartig gefühlt. Man meldet sich hier auch nicht vorher im KH an, sondern wenn es dann los geht, ruft man in seinem Wunsch-KH an und entweder haben diese Platz oder man muss woanders hin. In meinem Umkreis waren 5 Krankenhäuser und eins muss einen nehmen.

Ich hatte mir aber ein KH rausgesucht, dass auf Hypnobirthing spezialisiert war – ich hatte meine Traumgeburt immer sehr intensiv visualisieren können und habe mich immer gewundert, warum ich nicht “sehen” konnte, wie Ben auf natürlichem Wege zu uns kommen wird – mittlerweile weiß ich wieso. In der gesamten Vorbereitung auf die Geburt war der Gedanke an eine Einleitung, einen Wehentropf, eine PDA oder eine Bauchgeburt für mich etwas, dass ich mir nicht vorstellen konnte “sowas brauche ich doch nicht”. Als wir dann in SSW 40 waren, hatte ich immer noch die feste Hoffnung, dass Ben sich doch noch alleine auf den Weg macht, aber ich fing an, mich mit anderen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. ET+7 war ich zum ersten Mal in dem ausgewählten KH für eine Untersuchung. Sowohl mit Ben als auch mit mir war alles in Ordnung – der nächste Termin sollte für ET +14 sein. Einen Tag vor diesem Termin hörte ich bei meinem Spaziergang die Podcastfolge 173 “Warum ein Plan B so wichtig ist” und ich bin so froh, dass ich diese Folge gehört habe. Zwar war auch bei dieser Untersuchung alles in Ordnung, aber man entschied sich neben dem Termin für die Einleitung in zwei Tagen, auch eine Eipollösung zu machen. Ich empfand es als sehr schmerzhaft, sagte B. aber immer wieder “wenn du dich noch von alleine auf den Weg machen willst, ist jetzt der Zeitpunkt” und so sollte es auch sein. Keine vier Stunden später war ich in den Wellen – ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie eine Übungswelle gehabt. Die Wellen kamen sehr stark und sehr schnell in einem regelmäßigen Abstand. Ich versuchte, mich auf einem Gymnastikball und mit der Hypnose einzustimmen, aber die Schmerzen kamen leider doch stärker als erwartet. So riefen wir in meinem Wunsch-KH an. Alle Kreißsäle waren belegt – ich war den Tränen nah, aber es blieb uns keine andere Wahl, also Plan B – ins Unikrankenhaus auf der anderen Straßenseite zu gehen. Da meine Wellen schon im Abstand von 4 Minuten waren, durften wir sofort kommen. Anhand meiner Akte – hier in Schweden ist alles digital – wusste die Nachthebamme schon, dass ich mich via Hypnobirthing vorbereitet habe. Sie fragte mich, ob ich meinen Geburtsplan dabei habe. Über diese Frage war ich sehr überrascht, aber meinen Plan hatte ich natürlich dabei. Wir gingen ihn kurz durch – ich war schon länger nicht mehr in der Hypnose, weil ich nie richtig reingefunden habe, aber ich war entspannt und es ging mir gut. Zu meiner Überraschung konnte ich dann sogar in die Badewanne gehen, weil außer mir gerade keine andere Frau da war.

Um das ganze jetzt ein wenig zu verkürzen. Der Anfang verlief sehr gut, ich fand wieder in die Hypnose und mein Muttermund öffnete sich schnell auf 5 cm. Allerdings sollte er leider auch dort stehen bleiben. Nach 12 Stunden Wellen erklärten die Hebammen (eine Hebamme hat hier im Krankenhaus den Stellenwert einer Krankenschwester, da sie vorher die Ausbildung durchlaufen müssen und die Hebamme nur eine Spezialisierung ist – ein Arzt kommt erst bei Komplikationen dazu) mir, dass sie wissen, ich wolle keine Schmerzmittel, aber der Fortschritt momentan nicht weit genug sei und man müsse vermutlich mit dem Wehentropf arbeiten, damit ich aber Kraft tanken kann, würde man mir eine PDA sehr empfehlen. Die Hypnose hatte mich bis hierhin weit getragen, aber ich wusste, dass ich eine Pause brauchte und entschied mich, die PDA zu nehmen, Plan C. Das legen der PDA war super und ich hatten einen ganz tollen Arzt. Ca. eine Stunde später begannen wir mit dem Wehentropf (Plan D) – diesen verkraftete B. leider gar nicht und sein Herzschlag sackte total ab… Ich bekam eine Adrenalinspritze – neben meinem Herzrasen normalisierte sich B.s Herzschlag wieder. Da fiel zum ersten Mal das Wort Kaiserschnitt und ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten. Die Ärztin sagte mir aber, wir warten jetzt mal ab und versuchen es noch einmal. Als beide Herzschläge wieder normal waren, starteten wir einen erneuten Versuch. Mittlerweile war ich 18 Std in den Wellen und am MuMu tat sich nichts mehr in den letzten 6 Stunden. Auch der zweite Versuch mit dem Wehentropf endete wie der erste und dieses Mal war es ich, die sagte, „ich kann nicht mehr, ich möchte einen Kaiserschnitt“ ( mein persönlicher Plan Z). Ich wurde von einer wunderbaren Ärztin durch den ganzen Prozess geführt, man gab mir weitere 30 Minuten Zeit und dann ging es in den OP. Auch dort war ich umgeben von wunderbaren Menschen und hatte die Kaiserschnitt-Hypnose auf den Ohren. 18:05 Uhr wurde der Schnitt gemacht und um 18:25 Uhr hatte ich B. in den Armen. Man gab uns die Zeit, die ich brauchte und dann durfte B. mit seinem Papa kuscheln.

Die Geburt von B. war weit entfernt von der Traumgeburt, die ich mir gewünscht oder visualisiert habe. Aber B. war schon, bevor er das Licht der Welt erblickt hat, mein größter Lehrer. Ich habe mich während der gesamten Zeit gefühlt, als wenn alles meine Entscheidung war, das gesamte Personal der Klinik war wunderbar und hat mir meinen Raum gelassen. Mein Partner war immer an meiner Seite und hat mich in allem bestärkt.

Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann noch einmal eine natürliche Geburt erleben kann, aber ich weiß auch, dass die Geburt bzw. der Verlauf genauso sein sollte, wie es passiert ist, weil ich dadurch lernen konnte, dass wir offen für andere Wege sein dürfen. Auch 6 Monate nach der Bauchgeburt kam in mir nie der Gedanke hoch, dass ich als Frau versagt habe, weil es keine natürlich Geburt war, vielmehr bin ich an dieser Erfahrung gewachsen.

Danke liebe Kristin und Team für die wunderbare Leistung, die ihr erbringt und danke an jede einzelne von euch in dieser Facebook Gruppe, die diese Gruppe zu so etwas besonderem machen.