Geburtsort:

Klinik

Hallo liebe Kristin,

ich bin unerwartet sonntags, den 03.01.2021 (2 Wochen vor ET) ins Krankenhaus gekommen, da ich vorher anrief und abnehmende Kindsbewegungen hatte.
Sie wollten mich direkt da behalten, weil meine Plazenta scheinbar einige Altersflecken/Kalkflecken hatte und das Kind quasi reif war, laut Ultraschall.
Für mich war es total okay, dass ich dort bleiben musste, da ich mich auf das Team verlassen habe und mir es natürlich am wichtigsten war, dass es dem Baby gut geht.
Also wurde montags die Geburt eingeleitet, erstmal mit einem Mittel, das nur leicht angeschlagen hatte, tagsüber hatte ich schon leichte Wellen.
Mein Freund durfte ja leider nur eine Stunde pro Tag zu Besuch kommen, aber ich habe mich ja mental auch darauf vorbereitet, dass ich die meiste Zeit sowieso alleine sein werde, aufgrund von Corona.
Die Nacht von Montag auf Dienstag hatte ich allerdings schon Wellen, sodass ich etwas schlecht geschlafen habe bzw. fast gar nicht.
Ich beschäftigte mich aber dennoch tagsüber mit Stricken etc., ich hatte noch keine wirkliche Muße für die Hypnose.
Dienstag um 12 Uhr wurde ein anderes Mittel ausprobiert (Gel), das direkt angeschlagen hat und die Wellen stärker wurden über den Tag.
Abends gegen 18 Uhr wurde nochmal etwas Gel gegeben und danach hatte ich richtig starke Wellen und auch schon die Hypnose auf meinen Ohren.
Ich legte mich in mein Bett und wollte etwas wärmendes gegen die Schmerzen haben.
Die Schwester brachte mir einen Wickel, den ich direkt auf meinen Bauch legte. Und gefühlt 2 Minuten später lag ich in einem nassen Bett, da meine Fruchtblase geplatzt war. Das war gegen 20 Uhr.
Ich rief die Schwester nochmal und durfte noch schnell duschen und dann bin ich direkt zum CTG gegangen. Dort musste ich dann eine Stunde liegen, ich hatte die ganze Zeit die Hypnose auf den Ohren und habe die Bauchatmung gemacht, die ich sehr lange und sehr viel geübt hatte. Sie hat mir total geholfen alles zu veratmen.

Ich habe dann aber irgendwann mal auf die Uhr geschaut, weil es mir doch sehr lange vorkam, also so richtig in Trance war ich nicht, aber ich kann auch nicht beschreiben, wie es ist, richtig in Trance zu sein.
Nach einer Stunde kam dann eine Hebamme, machte mir die CTG Bänder ab und untersuchte den Muttermund. Sie sagte, super, der Muttermund ist 4-5 cm offen, bitte informiere deinen Partner und dann bitte in den Kreissaal.
Mein Freund machte sich auf den Weg und ich bin zum Kreissaal gegangen. Ich konnte auch noch relativ gut laufen und war noch sehr fit.
Ich wollte im Kreissaal erstmal in die Wanne ein Entspannungsbad nehmen. Eigentlich war mein großer Wunsch, auch in der Wanne zu entbinden.
Als ich dann um circa 21:30/22 Uhr in den Kreißsaal ging, hatten die Hebammen gerade Schichtwechsel und ich war total glücklich darüber, dass ich genau die Hebamme hatte, die Sonntags bei mir das erste CTG gemacht hatte. Sie war so toll und hatte eine ganz positive und ruhige Aura. Mein Freund klärte einige Dinge mit ihr vor der Tür und ich lag mit Kopfhörern in der Wanne. Ich hatte nicht wirklich ein Zeitgefühl, aber ich war circa eineinhalb Std in der Badewanne und veratmete die Wellen.
Da ich trotz laufender Hypnose doch ziemliche Schmerzen hatte, fragte ich nach Lachgas.
Die Hebamme sagte mir aber, dass sie mir das erst später geben kann. Ich nahm die Antwort einfach so hin. Ich hatte noch zwei weitere Male später gefragt, aber es nie bekommen. Mein Freund erzählte mir danach, dass ich ein paar Mal gefragt habe, aber die Hebamme sagte immer nur, dass sie es vorbereitet, aber bekommen habe ich es nie. Ich glaube einfach, dass die Hebammen eine wahnsinnige Menschenkenntnis haben und einfach einschätzen können, ob die Frau es auch ohne Schmerzmitttel packt.
Scheinbar war sie sich bei mir da auch sicher. Ich musste dann aber aus der Wanne raus, weil ein CTG gemacht werden musste. Ich veratmete die Wellen weiter auf einem Ball, der Toilette und am Ende noch auf der Liege. Teilweise waren die Wellen auf dem Ball echt heftig und als ich später darüber nachdachte, war das wohl die Übergangsphase.
Obwohl ich Schmerzen hatte, half mir die Atmung weiter, um mich von Welle zu Welle hangeln. Ich zählte mich einfach durch und damit kam ich ganz gut durch die Wellen. Irgendwann untersuchte mich die Hebamme und ich sagte zu ihr, dass ich eigentlich gar nicht wissen möchte, wie weit ich bin. Sie grinste nur und sagte, dass wir bald Geburtstag feiern können.
Kurz danach sagte sie auch zu mir, dass ich ab jetzt anders atmen muss, da ich schon in der Pressphase war, was ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkte.
In dieser Phase nahm ich die Kopfhörer ab und konzentrierte mich nur noch auf die Hebamme. Das Gefühl war ein besseres als bei den vorherigen Wellen.
Irgendwann sagte sie, dass sie jetzt ein paar Kollegen holen möchte, da die Herztöne des Kindes nicht gut waren.
Plötzlich standen 8 Leute vor mir, aber ich war einfach immer noch tiefenentspannt und es interessierte mich fast nicht. Das war sehr gut, denn ich habe dem Team total vertraut. Das Problem war, dadurch dass die Herztöne des Kindes so abfielen, ging es zu langsam. Ich wurde an den Wehentropf gehängt.
Ich hatte dann die Möglichkeiten, es aus eigener Kraft zu schaffen in den nächsten Wellen, oder es wird Blut am Kopf des ungeborenen Kindes abgenommen (den man schon gesehen hat) oder die Saugglocke.
Ich wollte es natürlich erstmal selbst versuchen, denn Blut abnehmen, wenn er noch nicht mal auf der Welt ist, das wollte ich dann doch nicht. Die Hebamme motivierte mich extrem und ich gab alles und hab immer wieder lange ausgeatmet, aber ich schaffte es noch nicht. Aber irgendwann, als es wirklich eine letzte Welle war, schaffte ich es aus eigener Kraft. Es war auch die letzte mögliche Welle, bevor die Saugglocke zum Einsatz gekommen wäre. Ich war natürlich unendlich stolz, dass ich es aus eigener Kraft geschafft habe und wir die Glocke nicht gebraucht haben, wäre aber auch damit fein gewesen, wenn es anders gelaufen wäre, Hauptsache gesund.
Es war ein unbeschreibliches Gefühl, dieses kleine Wunder auf die Brust gelegt zu bekommen. Ich habe auch überall noch gezittert von meinem Marathon, aber ich glaube das ist normal. Und auch die Nachgeburt und das Nähen war alles total okay, denn ich hatte ja das kleine Wunder bei mir.
Dem kleinen L. ging es gut und die ganze Mannschaft marschierte wieder nach draußen. Die Nabelschnur wurde auspulsiert und der Kleine war nur noch bei mir.
Ich stillte ihn auch direkt im Kreißsaal noch und es war alles wunderschön.
Auch die Tage darauf hat Lasse nur nackt auf meiner Brust gelegen, das war einfach wundervoll. Alles in Allem, hatte ich eine wunderschöne (zum Glück auch komplikationsfreie) Schwangerschaft und eine absolut wundervolle Geburt.
Ich hätte es mir nie so schön ausgemalt und bin auch unglaublich stolz auf mich und wie ich das alles gemacht habe. Auch wenn ich eigentlich eine Wassergeburt wollte, es kommt ja immer anders als man denkt.
Ich habe mich auch total gut aufgehoben gefühlt in diesem Krankenhaus.
Tolles Personal und total bonding- und stillfreundlich (hatte ich danach ausgesucht).
Ich finde es auch schön, dass Lasse am Tag der heiligen drei Könige geboren ist 🙂
Die Tage darauf musste ich sehr viel weinen vor Glück und von Babyblues war bei mir keine Spur, was für mich natürlich sehr schön war. Dass es solche Glücksgefühle gibt, hätte ich vorher nie gedacht.
Ich liebe es, Freundinnen und Bekannten von meiner Geburt zu erzählen und die positiven Reaktionen darauf sind toll. Vielen habe ich Mut gemacht, weil man eben doch immer viele schlimme Geschichten hört.
Ich wollte dir zum Schluss einfach Danke sagen für deine wundervolle Arbeit und für dein großartiges Konzept. Kein Trauma zu haben, war das Ziel und das habe ich bei weitem übertroffen. Auch wenn sie nicht schmerzfrei war, konnte diese Geburt für mich nicht schöner sein. Und das wirklich im tiefsten Lockdown, vorher ohne Partner im Krankenhaus und nach der Geburt auch, da alle Familienzimmer voll waren. Aber auch das habe ich gut geschafft und hat mich eng mit meinem Baby zusammengeschweißt.
Danke Kristin, mach weiter so.
Hoffentlich kann ich nochmal dieses Wunder einer zweiten Schwangerschaft erfahren und kann dein Programm nochmal machen.

Ganz, ganz liebe Grüße,

Deine Laura