Geburtsort:

Klinik

Geburtsbericht L. M., 31.10.21, 39+6

Vorneweg: Die Geburt lief völlig anders als erwartet und klingt auf Außenstehende zunächst vor allem anstrengend – für mich war sie jedoch ein wunderschönes Erlebnis, an das ich unglaublich gerne zurückdenke – und gerade, weil es so lange gedauert hat, waren es ganz besondere und intensive Tage.

Die ganze Woche hatte ich schon ein starkes Ruhebedürfnis. Am Donnerstag (39+3) bin ich morgens gegen 02:00 Uhr mit leichten, aber regelmäßigen Wellen aufgewacht. Die Tage zuvor hatte ich immer wieder ein Ziehen im Unterbauch, das ich vorfreudig als Senkwehen interpretiert habe.
Ich habe mich dann mit der Geburtsmeditation aufs Sofa zurückgezogen und die Zeit genossen, dabei konnte ich auch gut in die Hypnose finden. Tagsüber wurden die Wellen dann wieder deutlich weniger.

Am nächsten Tag bin ich wieder gegen 02:00 Uhr morgens aufgewacht, wieder mit regelmäßigen, etwas intensiveren Wellen – diese habe ich v.a. als starke Dehnung im unteren Rücken wahrgenommen. Diesmal blieb ich – mit der Geburtshypnose auf den Ohren – im Bett und mein Mann hat mir in der Welle den unteren Rücken massiert, was sehr wohltuend war.
Tagsüber wurden die Wellen erneut schwächer, blieben aber immer präsent. Im Laufe des Tages ging der Schleimpfropf ab und meine Vorfreude wuchs weiter. Nach einem Spaziergang am Nachmittag wurden die Wellen wieder stärker, und ab ca. 21:00 Uhr abends habe ich mich wieder voll darauf konzentriert und die Wellen veratmet. Eine Wärmflasche im unteren Rücken war sehr wohltuend. Gegen 23:00 Uhr bin ich für 2h in die Badewanne gegangen, wo ich sehr gut entspannen konnte.
Nach einer weiteren Stunde im Bett hatte ich schließlich das Bedürfnis, in die Geburtsklinik aufzubrechen (ca. 02:00 Uhr am Samstag). Hierfür habe ich die Hypnose unterbrochen, dabei habe ich mich wohler gefühlt. Mein Mann durfte glücklicherweise sofort mit in den Kreißsaal.
Dort wurde ich ans CTG angeschlossen und ich habe mir Pezziball und Bodenmatten bringen lassen. Kurz darauf hatte ich in einer Welle einen filmreifen Blasensprung. Im Anschluss folgte eine vaginale Untersuchung, der MuMu war bei 2cm.
Die erste Zeit im Kreißsaal hörte ich noch die Hypnose, legte dann die Ohrhörer aber relativ schnell ab. In der Wellenpause konnte ich, denke ich, ganz gut in den hypnotischen Zustand finden, wurde aber durch die Wellen meistens wieder herausgebracht.

Einige Zeit verbrachte ich tönend im Vierfüßer auf dem Boden, mit der Zeit wurden die Wellen jedoch so intensiv, dass ich die Hebamme um Schmerzlinderung bat – ich bekam Paracetamol i.v. und ging am frühen Vormittag in die Entspannungswanne, wo ich ca. 3,5h verbrachte.
Hier waren die Wellen inzwischen sehr, sehr intensiv. Eine erneute vaginale Untersuchung, die auf meinen Wunsch durchgeführt wurde, ergab einen Befund von 4cm.
Da ich bereits sehr erschöpft war und mich auf eine noch länger dauernde Geburt einstellte, wünschte ich mir eine PDA, um Kraft tanken zu können. Diese konnte wegen eines Notfalls im OP erst nach 2,5h gelegt werden, war für mich dann aber genau das richtige – ich konnte die Wellen weiterhin deutlich wahrnehmen, mich darauf konzentrieren und mitgehen, aber fühlte keinen Schmerz mehr und konnte in den Wellenpausen entspannen und etwas schlafen.
Um 19:00 Uhr war schließlich der Muttermund vollständig eröffnet – die Hebamme meinte, in 1-3h würden wir unsere Tochter kennenlernen! Um 20:00 Uhr war Schichtwechsel, und die beiden Hebammen, die ab dann für uns zuständig waren, waren unglaublich toll – als erstes haben sie meine „PDA-Rückenlage“ beendet und mich in den Vierfüßlerstand und weitere Positionen mobilisiert, auch mein Mann wurde mit eingebunden, was sehr schön war. Inzwischen spürte ich die Wellen wieder deutlich im Rücken (in der Austrittsphase wirkt die PDA nicht mehr so sehr), durfte aber mitpressen, was sich super angefühlt hat. Nach einiger Zeit konnte man die Haare unserer Tochter sehen – sie wurden mir mit einem Spiegel gezeigt.
Die Hebamme tastete während der Welle und stellte fest, dass das Köpfchen in der Welle gut vorgeschoben wurde, aber leider immer wieder komplett zurückrutschte. Daher wurde durch die Gynäkologin ein Ultraschall durchgeführt, wo leider festgestellt wurde, dass das Köpfchen quer zum Beckeneingang lag (hoher Gradstand). In Rücksprache mit den Hebammen (die wissen wollten, ob ich noch motiviert bin), versuchten wir durch verschiedene Lagerungen, das Köpfchen zur richtigen Drehung zu bewegen.
Nach insgesamt 4h Pressen war hier leider kein Fortschritt zu erkennen, sodass mir letztlich zwei Möglichkeiten erklärt wurden: Kristellern oder Kaisergeburt. In Rücksprache mit meinem Mann entschieden wir uns bald für die Kaisergeburt, die dann wirklich wunderschön war – ich durfte meine Tochter nach Entwicklung des Köpfchens selbst herauspressen, ohne Zutun der Gynäkologinnen.
Im OP wurde sie mir direkt zum Bonden auf die Brust gelegt, ging dann während der Naht mit dem Papa in den Kreißsaal, wurde mir dort auch wieder direkt angelegt und durfte das erste Mal stillen. Erst nach einiger Zeit wurde dann die U1 durchgeführt.

Fazit: Ich hatte trotz unerwartetem Verlauf eine wunderschöne Geburtserfahrung, an die ich bisher jeden Tag voller Glück zurückdenke – und das mit Sicherheit zum einen wegen der positiven und intensiven Geburtsvorbereitung durch Kristins Kurs (besonders wichtig fand ich, dass man einen Plan B und Plan C bereithält und sich nicht auf eine bestimmte Vorstellung von Geburt einschießt, sondern alles auf sich zukommen lässt – ich war die gesamte Schwangerschaft voller unglaublicher Vorfreude auf die Geburt), zum anderen aber auch wegen der tollen Geburtsbegleiterinnen, die jederzeit auf Augenhöhe und empathisch kommuniziert haben und trotz eines stressigen Dienstes geduldig und ruhig dabei waren.