Geburtsort:

Geburtshaus

Geburtsbericht M.

*30.03.2021 (ET 03.04.) 49cm, 3020 Gramm

Vorsicht, ist glaube ich, etwas lang geraten …

Ich lese so gerne die Geburtsberichte hier, deshalb möchte ich auch die Geburtsgeschichte unserer ersten Tochter Matilda mit euch teilen. Am 28.3. war Vollmond. Auf einer Autofahrt habe ich ganz selig den Mond angeguckt und meinen Freund gebeten, dass wir doch beide laut unserem Baby (wir wussten nicht, ob Mädchen oder Junge) sagen, dass wir uns schon freuen. Dass wir bereit sind und es kommen darf, wenn es auch bereit ist. Natürlich habe ich dabei geheult wie ein Schlosshund. Mein Freund ist mit solchen Sachen doch etwas sparsam und ich war wirklich gerührt. Ich hatte noch keine Vorwehen gehabt und laut Hebamme, war das Köpfchen (ein paar Tage vorher) auch noch nicht tief im Becken. Jedoch hatte ich schon seit circa zwei Wochen das Gefühl, dass sich hormonell in meinem Körper einiges verändert. Ich war sehr nah am Wasser gebaut und auch mein Becken hat sich sehr „weich“ angefühlt. Ständig hat es geknackt und gescheppert. Naja, lange Rede kurzer Sinn, anscheinend hat das Mäuschen uns gehört, denn am nächsten Morgen bin ich sehr zeitig wach geworden, und habe auf der Toilette feine Blutfäden im Schleim entdeckt. Wow, dachte ich mir, und sowas wie freudige Erregung hat sich in mir breit gemacht. Aber es war keine Angst oder Sorge dabei, eigentlich gar kein logisches Denken. Es ging auch keine Gedankenkette los mit „was muss ich jetzt tun etc.“. Dafür bin ich dankbar und sehr stolz auf meinen Körper, denn aufgrund jahrelanger Panikattacken hätte es auch ganz anders kommen können! Ist es aber nicht! Und erstaunlicherweise habe ich keinen Gedanken daran verschwendet – der Körper ist so schlau, verdammt!!! Schlafen wollte ich nicht mehr, und es hat sich das ganz starke Bedürfnis breit gemacht, alles gemütlich und heimelig zu haben und mich nach außen hin abzuschotten. Mein Freund hat dann noch vor der Arbeit ein paar Körbe Holz reingetragen und den Ofen angeschürt. Ich habe die Vorhänge zu gelassen, die Telefone und Klingel abgeschaltet, (nur Hebamme und mein Freund hätten mich erreichen können) und war den ganzen Tag damit beschäftigt, andächtig und in meinem Tempo Vorbereitungen zu treffen. Bett überziehen, Kerzen hier und da, überall Getränke mit Strohhalmen (super Sache), Geburtstagsgeschenk für meinen Freund einpacken, der witziger Weise auch am 30.3. Geburtstag hat, Taschen ins Auto räumen… Ich habe trotz schönstem Frühlingswetter, den ganzen Tag die Bude auf Saunatemperatur gehalten. Im Laufe des Vormittags habe ich mich irgendwann unsicher gefühlt. Ist das jetzt alles ok so…? Ich habe auch Fruchtwasser verloren, aber keinen riesigen Schwall. Daraufhin habe ich im Geburtshaus auf den AB gequatscht und wurde sofort zurückgerufen. Nachdem ich erst mal ein bisschen weinen musste und gar nicht so wirklich mehr wusste, was ich eigentlich wollte (einfach Bestätigung und ein liebes Wort), hat sie mir mit ein paar Worten wieder so viel Sicherheit gegeben. (Hebammen sind mehr als Gold wert!!) Bloß das mit dem Fruchtwasser hab ich scheinbar nicht erwähnt. Am Nachmittag habe ich dann nochmal die Hebamme, die zu diesem Zeitpunkt Bereitschaft hatte, angerufen und sie meinte, äääähm… du verlierst seit heute morgen Fruchtwasser und hast noch keine Wehen? Ich denke, wir sollten uns schon mal sehen! Am späten Nachmittag kam mein Freund von der Arbeit und wir sind ins Geburtshaus gefahren. Dort habe ich erzählt, was bisher geschehen ist. Sie hat in meine Binde geguckt, um zu sehen, wie viel Fruchtwasser ich verliere. Vaginal untersucht wurde ich nicht, da die Fruchtblase schon geöffnet war. Ich habe eine Fußreflexzonenmassage bekommen, einen Tee und eine kleine Menge Rizinusöl für ein Spiegelei zu Hause. (Daran habe ich tatsächlich ein bisschen zu beißen, weil es in mir das Gefühl hinterlassen hat, es nicht aus eigener Kraft geschafft zu haben) Bis zu dem Zeitpunkt bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass es aus irgendeinem Grund nicht rechtzeitig losgehen könnte! Zu Hause angekommen, habe ich es mir in der Abenddämmerung mit Wärmflasche und Decke auf unserer Terrassen-Couch bequem gemacht, wurde von meinem Freund mit Spiegeleiern bekocht und habe eine große Tasse Wehen Tee auf Ex getrunken. Dann bin ich eingeschlummert. Es war wirklich eine sehr schöne, ruhige Abendstimmung. Irgendwann im Halbschlaf haben die Kontraktionen begonnen. Es war wie ein sanftes Heranfluten. Ich war weiterhin im Halbschlaf und habe mich an der tiefen Bauchatmung versucht, die ich auch zuvor oft geübt hatte. Ich weiß es nicht mehr genau, glaube aber, dass die Atmung für mich gut funktioniert hat. Generell war ich aber noch am „Ausprobieren“ wie ich mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht sanften Wellen am besten zurechtkomme. Ich habe keine Ahnung, in welchem Abstand die Wellen kamen, sie waren jedoch im Rückblick auf jeden Fall regelmäßig und im Nachhinein haben wir ausgerechnet, dass ich insgesamt nur ca. eine Stunde auf der Couch war. Es waren doch recht viele Wellen nach meinem Gefühl. Es wurde dunkel, ich bin rein in die Wohnung, habe meinem Freund erzählt, dass ich jetzt wirklich schon Wehen habe und ich jetzt in die Badewanne gehe. Ehrlich gesagt, bin ich davon ausgegangen, dass die Wellen in der Badewanne wieder etwas abflauen, wir dann ins Bett gehen und es noch länger dauert. Deswegen war es auch ok für mich, dass mein Freund sich nochmal hinlegen wollte. Er hatte an diesem Tag eine Impfung bekommen und war müde und groggy. Ich habe mir ein Bad eingelassen, Kerzen angezündet, Licht gedimmt und die Meditation „Während der Geburt“ auf der Box angemacht. Ich glaube, die Wellen haben auch pausiert, während ich alles fürs Bad vorbereitet hab. Während der ersten paar Wellen, die dann kamen, habe ich auf die Uhr geschaut. Der Abstand war ca. 5 Minuten. Keine Ahnung, was ich mir gedacht habe, irgendwie wohl gar nix mehr, denn das hat in mir weder das Gefühl ausgelöst, ins Geburtshaus fahren zu wollen, noch meinem Freund oder der Hebamme Bescheid zu sagen. Danach hatte sich das mit der Uhr auch erledigt, denn ich war sehr schnell voll und ganz mit den Wellen beschäftigt, mit denen ich in der Badewanne gut zurechtgekommen bin. Ich habe angefangen, zu tönen (was ich mir von mir gar nicht hätte vorstellen können).  Zuerst schüchtern und zaghaft, dann war es nicht mehr aufzuhalten und hat mir sehr gutgetan. Zuerst lag ich in der Wanne, dann saß ich quer in der Wanne im Schneidersitz und habe mich am Beckenrand angelehnt. Die Meditation habe ich irgendwann dazwischen ausgemacht, weil ich mich nicht richtig darauf einlassen konnte. (Das ist aber auf keinen Fall negativ gemeint). Ich hatte die Meditation davor noch nie gehört, hab sie erst sehr spät angemacht, und die Geburt ging insgesamt so schnell voran, dass ich keine Kapazität mehr hatte, mich auf die, für mich noch unbekannte Meditation, einzugrooven. Irgendwann wurde ich „wach“ und dachte mir, ich will jetzt raus aus der Wanne. Ich habe meinen Mann gerufen. Dann hab ich meinen Mann nochmal gerufen… dann habe ich lauter gerufen… dann habe ich gebrüllt… Er hat tief und fest geschlafen und nichts davon, weder mein lautes Tönen, noch mein Rufen nach ihm hat den Weg in sein Bewusstsein gefunden (und er ist eine Seele von Mensch, er hat es wirklich nicht mitbekommen! Die Katze lag übrigens auch friedlich auf der Kommode neben der Badewanne und hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen). Das hat mich leider total aus meiner Entspannung gebracht, da ich keine Ahnung hatte, wie ich alleine aus der Wanne kommen soll. Eine Welle hat die Nächste abgelöst, und ich habe einige Wellen veratmet, bis ein Moment kam, in dem ich aus der Wanne steigen konnte. Ich bin rüber ins Wohnzimmer, habe meinen Freund geweckt und ihn gebeten, die Hebamme anzurufen. Ab da an waren die Wellen dann Wehen. Raus aus der Wanne, die Aufregung, dass er nicht aufwacht und seine überrumpelten Fragen waren zu viel auf einmal. (Beim nächsten Kind darf er höchstens neben der Wanne ein Nickerchen machen!) Ich bin in den Vierfüßlerstand gegangen. Die Hebamme hat sich am Telefon zwei Wellen angehört und uns gesagt, wir können kommen, wenn wir möchten. Könnten aber auch noch warten. Ich wollte aber ins Geburtshaus und wir haben uns dort für in einer Stunde verabredet. Mein Mann hat mir irgendwelche Klamotten von ihm übergestülpt. Ich hab mir eine Schüssel geschnappt und musste mich übergeben (was aber nicht schlimm für mich war). Dann haben wir uns auf den Weg zum Auto gemacht, wo ich bei jeder Welle wieder in den Vierfüßlerstand gegangen bin. Auf der Fahrt ins Geburtshaus (normal 15 Minuten, nachdem die Kiste ein Sportfahrwerk hat und mein Mann dementsprechend wirklich sehr langsam fahren musste, waren es wohl eher 30 Minuten. Ich bin etwas eingenickt und konnte Kraft sammeln. Am Geburtshaus angekommen, wurden die Wehen wieder regelmäßig und häufig und es hat einige Kontraktionen gedauert, bis ich vom Beifahrersitz aus direkt in den Vierfüßler gegangen bin – die Kleine wollte jetzt wirklich langsam raus! Dort hat sich auch die Fruchtblase „richtig“ geöffnet. Ich habe mich nochmal ordentlich übergeben. Unsere Hebamme kam herunter, um uns nach oben zu begleiten. Ab da an war die Welt wieder in Ordnung.  Ich habe mich sicher und aufgehoben gefühlt.  Sie hat mich abgeholt und „runtergebracht“, mit mir geatmet und ich hatte wieder das Gefühl, dass alles gut ist und ich mit den Wehen zurechtkomme. Wenn ich sie auch als sehr schmerzhaft empfunden habe, aber es war total in Ordnung. Mein erstes Bedürfnis war, die nasse Hose auszuziehen, mich „sauber zu machen“, meine Zähne zu putzen. Die Hebamme und mein Mann haben mir dabei geholfen. Die Hebamme sagte: „du presst doch schon“… und hat im anderen Geburtszimmer Bescheid gegeben, dass sie jetzt ganz bei mir bleibt, weil ich jetzt mein Kind gebäre. Wie jetzt, dachte ich mir und durch meinen Kopf schoss der Gedanke, dass das, was ich als mich überrollende Wellen empfunden habe, weil ich aus meiner Entspannung gekommen bin, dann schon die Übergangsphase gewesen ist. Diese Ruhe der Hebamme(n) hat mir so unendlich gutgetan! Das Wissen, dass in dieser Wohnung in einem fort Kinder geboren werden, mit der Hilfe dieser Frauen, die Ruhe und Selbstverständlichkeit wie sie mit mir umgegangen sind und mich unterstützt haben, hat mir ein so gutes, sicheres Gefühl gegeben. Ich wollte unbedingt nochmal pieseln (musste dann aber nicht – das war wohl schon der Druck nach unten) und hab mich auf den Topf gesetzt. Die Hebamme hat mich gefragt, wo ich hinmöchte. Ich könne aber auch einfach hierbleiben. Wenn das Köpfchen draußen ist, muss ich dann aber etwas aufstehen, damit sie das Kleine greifen kann. Oder ich halte es selbst. Nachdem ich sonst nicht wirklich wusste, wohin mit mir und ich mich auf dem Klo eigentlich ganz wohl gefühlt hab, war 2 oder 3 Wehen später das Köpfchen da. Ich habe ganz intuitiv meinen Fuß auf die Klobrille gestellt und mich etwas nach oben gedrückt, und sie hielt unser Baby in den Händen! Jemand hat ein Handtuch gebracht und ich durfte die Kleine zu mir auf den Bauch nehmen! Hammer!!! Sie hat sofort ein bisschen gequäkt und gezeigt, dass es ihr gut geht. Noch mit der Nabelschnur verbunden, sind wir hinüber in das gemütlich hergerichtete Geburtszimmer getrappelt und haben uns auf das große Bett gelegt. Die Kleine durfte zum ersten Mal an meiner Brust trinken, die Nabelschnur auspulsieren. Dann durfte mein Mann die Nabelschnur durchtrennen. Die Plazenta wurde ohne Probleme geboren. Wir lagen auf dem Bett, das kleine Menschlein friedlich an meiner Brust, und plötzlich waren wir Eltern!

Es war für mich zwar nicht schmerzfrei, aber ich habe gemerkt, wie gut es tut, in Entspannung zu sein. Und wie sehr der Körper all das will. Ich habe erst in den letzten Wochen den Online-Kurs gemacht, und regelmäßig die Geburtsvorbereitung lang geübt, zu der ich mich gut entspannen kann. Auch jetzt, wo die Kleine schon da ist, höre ich die Meditation immer noch gerne! Auch durch den Podcast, den ich schon die ganze Schwangerschaft über hin und wieder höre, habe ich ganz viel Bestätigung erfahren und Vertrauen entwickelt, dass wir Frauen Gebären KÖNNEN! Ich würde den Kurs immer wieder machen, und habe vollstes Vertrauen darin, dass die Methode funktioniert. Und auch für mich funktionieren kann, wenn ich mich intensiver damit vorbereite, auch meinen Mann und die Hebamme mit einbeziehe. Ich muss sagen, trotz Schmerzen, denke ich sehr gerne und häufig an Matildas Geburt. Würde es jederzeit wieder tun und hätte nach der Erfahrung von Geburt und Wochenbett sowieso am liebsten jedes Jahr wieder ein Baby (Stand jetzt – und mein Mann ist natürlich nicht einverstanden).

Ich wünsche allen Noch-Nicht-Mamis und allen Schon-Mal-Mamis, denen bald eine Geburt bevorsteht, alles Liebe, eine schöne Schwangerschaft, eine wunderschöne Geburt und eine magische Kennlernzeit!

Nicole B.