Geburtsort:

Klinik

Schon die ganze Woche dachte ich mir, dass es bestimmt bald los geht und habe täglich mehrere Mediationen gemacht, Podcastfolgen mit * nochmals inhaliert und Videos aus dem Onlinekurs wiederholt. Donnerstags hatte ich dann einen Putzwahn, welchem ich auch nachgegangen bin. Abends fand noch eine Online-Fragestunde der friedlichen Geburt statt – und ich wusste ja schon, dass das meine letzte sein wird und war etwas aufgeregt. Vor der Stunde hatte ich schon das Gefühl, dass die Kontraktionen, die ich schon wochenlang immer mal wieder hatte, regelmäßiger werden und war mir immer sicherer, dass es wirklich bald los geht.

Die Nacht habe ich gut geschlafen, der Große ging in den Kindergarten und ich hatte auch tagsüber wieder das Gefühl der regelmäßigen Kontraktionen. Habe daher auch meiner Freundin, welche um 15:00 Uhr zur Lymphdrainage kommen wollte, abgesagt, da ich gerne den Nachmittag mit meinem großen Sohn verbringen wollte. Ich habe ihn um 15:00 Uhr vom Kindergarten abgeholt und kaum hatten wir zu Hause angefangen zu spielen, habe ich Durchfall bekommen und dabei gesehen, dass der Schleimpfropf sich gelöst hatte. Nun gab es für mich keine Zweifel mehr! Ich hab meinem Mann Bescheid gegeben (der war im Homeoffice und hatte bis 17:00 Uhr einen Call) und habe die Schwiegermutter angerufen, dass sie bald den Großen abholen sollte. So haben wir uns alle vorbereitet, bevor es wirklich richtig los ging. Ich habe dann aber schon gemerkt, dass die Wellen ganz langsam etwas höher wurden und war dann froh, dass ab etwa 17:30 Uhr Ruhe einkehrte und ich mich mit meiner Meditation aufs Sofa legen konnte. So habe ich ein paar Stunden verbracht, bevor ich gegen 21:00 Uhr in die Badewanne wollte. Mein Mann hatte mir das Wasser eingelassen und eine rote Lampe installiert. Ich habe gespürt wie die Wellen kommen und konnte wunderbar mit der tiefen Bauchatmung arbeiten. Gegen 21:30 Uhr ist die Fruchtblase geplatzt. Während der Zeit in der Wanne hat mein Mann die Wellenabstände aufgezeichnet und als er erschrocken feststellte, dass wir bei 2 1/2 Minuten sind, merkte ich, dass er unruhig wurde und alles final zusammen gepackt hat. Ich fand es fast etwas amüsant : ) Ich war in meinem inneren Raum, hier war ich sicher und es war mein Bereich, um den ich mich gekümmert habe. Ich hörte, wie er in Eile den äußeren Raum zur Abfahrt bereit machte.

Gegen 22 Uhr waren wir im Krankenhaus. Und hier kam ich leider etwas aus der tiefen Trance raus, da mein Mann nur bis zum Empfang mit durfte. Eine liebe Hebamme holte mich ab und begleitete mich zum Kreißsaal. Hier machten wir einen Corona Test und sie schrieb das CTG. Ich wollte unbedingt wieder in die Wanne – durfte aber noch nicht. Sie war mit dem CTG nicht sonderlich glücklich, da in jeder Welle die Herztöne drastisch nach unten abfielen. Beim Tasten des MuMu stellte sie fest, dass wir erst bei 2cm waren und der Kopf noch sehr weit oben ist. Uff, aber ich lies mich nicht davon unterkriegen, da ich ja wusste, dass sich der MuMu auch schnell öffnen kann. Nach Absprache mit mir wurde mir ein Zugang gelegt, da sie mir Flüssigkeit geben wollten, in der Hoffnung, dass die Herztöne besser werden. Um 23:00 Uhr konnte mein Mann endlich kommen und er übernahm die Kommunikation. Er war etwas überrascht von der Situation, er dachte auf dem Parkplatz, dass ich bestimmt schon das Baby ohne ihn bekomme, da wir ja mit 2 1/2 Minuten und in guter Verfassung im KH ankamen. Nun ja, nun bekam er ein Update über die Situation. Die Assistenzärztin wollte eigentlich am liebsten direkt in den OP. Die Hebamme hat aber alles für uns getan und nach Rücksprache mit dem Chefarzt (der aufgrund meiner Vorgeschichte (sekundäre Sectio 56h nach Blasensprung), eigentlich auch gerne direkt eine Sectio gemacht hätte) haben wir verschiedene Positionen versucht. Beim Wechsel der Positionen waren die Herztöne für 2,3 Wellen immer besser – was die Hebamme und meinen Mann aufatmen lies – doch dann sackten sie immer wieder ab.

Die Wellen wurden immer intensiver, ich wollte in die Wanne, ich merkte, dass mir dieses Gebärbett nicht taugt und ich kam nicht mehr tief in die Trance. Ich spürte mittlerweile Schmerzen und diese aber, wie bei meiner ersten Geburt, im Rücken und im Oberschenkel. Mittlerweile war es ca. 0:30 Uhr oder 1:00 Uhr. Ich hörte, wie die Hebamme zu meinen Mann sagte, dass der Kopf noch sehr weit oben und der MuMu bei 3cm ist. So konnte der Kopf nicht auf den MuMu drücken. Sie sagte auch, dass sie beim Tasten ganz komisch an meiner Symphyse vorbei müsse. Es war etwa 1:30 Uhr, als uns die Hebamme, nach weiterer Rücksprache mit dem Chefarzt (der Bereitschaftsdienst hatte und zu Hause war), anbot, für eine Std. eine PDA zu versuchen oder direkt mit Spinalnarkose eine Sectio zu machen. Wir haben uns – aufgrund der Vorgeschichte der ersten Geburt – direkt für die Sectio entschieden.

Nach der Entscheidung für die OP wollte ich die Wellen nicht mehr aushalten, ich empfand sie als unnötig und schmerzhaft. Ich versuchte, mir trotzdem weiterhin zu sagen, dass die Wellen mich meinem Kind näher bringen und dankbar für die Wellen zu sein.

Aufgrund meiner Wirbelsäulenstellung ist es scheinbar schwierig bei mir, eine PDA/Spinalnarkose zu legen und sie brauchten 5 Versuche (5 ist auch die maximale Anzahl der Versuche, sonst gibt es eine Vollnarkose). Die Hebamme gab alles, um mich anzufeuern, die bestmögliche Stellung aus meiner Wirbelsäule herauszuholen. Und tatsächlich schafften wir es im letzten Versuch.

Die Hebamme hat sich auch dafür eingesetzt, dass ich zumindest einen Kopfhörer im Ohr haben darf und meine Mediation hören kann. Es war wirklich wundervoll, die “Mediation während eines Kaiserschnitts” zu hören. Ich war bei meinem Baby (…nun ja, das andere Ohr hörte auch die OP und aufgrund meines medizinischen Vorwissens konnte ich das Denkhirn nicht komplett abschalten). Aber ich war bei meinem Baby, sagte ihm das, was Kristin in der Mediation sagte. Ich fühlte mich genauso, wie das, was Kristin sagte und fühlte mich wirklich wohl und sicher und merkte, wie glücklich ich bin und wie sehr ich mich auf unsere Tochter freute. Und ja, es war für uns die Traumgeburt, auch wenn wir es so nicht geplant hatten. Ich wusste, dass es die richtige Entscheidung war und fühlte mich damit absolut im Reinen.

Unsere kleine Maus kam gesund und munter aus dem Notausgang heraus und wurde mir, noch während ich zugenäht wurde, auf die Brust gelegt. Im OP merkte ich schon, dass sie sich auf die Suche nach der Brust macht und als wir dann zurück im Kreißsaal waren, konnte sie dann schön trinken. Die Hebamme war ganz überrascht, wie toll sie das macht und meinte, sie sei ein Naturtalent. Ich bin so dankbar, dass ich mich dieses Mal an all diese Momente erinnern kann.

Gegen 5:00 Uhr sind mein Mann und ich in unsere Familienzimmer, wo er dann auch endlich etwas Schlaf fand. Ich war zu aufgeregt, um zu schlafen und hab mit der kleinen Maus gekuschelt.

Eigentlich war mein Plan, ambulant zu entbinden. Im Vorgespräch hat der Chefarzt mir empfohlen, als Sicherheit ein Familienzimmer zu reservieren. Da, falls es nicht ambulant klappt, mein Mann, wegen Corona, 2 Stunden nach der Geburt nach Hause muss. Ich bin froh, dass ich diesen Plan in der Hinterhand hatte und auch, dass ich, dank Kristin einen Plan B und C hatte und mit der Geburt völlig im Reinen bin. Ich bin glücklich, diese wundervollen Stunden des Geburtsbeginns zu Hause erlebt zu haben und dankbar, dass wir uns im Krankenhaus so selbstbewusst für die Sectio entschieden haben. Ich würde sagen, dass diese Geburt meine Traumgeburt war : )