Geburtsort:

Klinik

Auch ich möchte heute gerne meinen Geburtsbericht beisteuern, da ich, obwohl irgendwie nichts nach Plan lief, die Geburt wirklich positiv erlebt habe.

Ich sollte dazu sagen, dass ich mich zwar mit dem Kurs vorbereitet habe, mir aber von Anfang an klar war, dass ich die Methode für mich anpassen muss und werde. Weder bin ich ein Mensch, der gerne sämtliche Kontrolle abgibt, noch ist mein Mann der Typ Mensch, der plötzlich alles organisiert. Ich wusste also vorher, dass ich selbst kommunizieren werde. Die Gehmeditation habe ich mir nicht einmal angehört…

Eher wollte ich alles aus dem Kurs herausziehen, was mir nützt. Die Atmung und Visualisierung und ganz besonders die positive Einstellung zur Geburt. Ich gehöre nämlich grundsätzlich zur Kategorie Angsthase.

Ich bereitete mich also ca. ab der 13. SSW mit dem Kurs vor. Irgendwann merkte ich, dass es mir wirklich Mut macht und „Lust“, eine natürliche, möglichst interventionsfreie Geburt zu erleben. Sogar so sehr, dass ich gerne in einem Krankenhaus mit Hebammen-Kreißsaal entbinden wollte.

Hier machte mir kurz darauf ein insulinpflichtiger Schwangerschaftsdiabetes einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. Nicht nur, dass ich damit ein anderes Krankenhaus auswählen musste, sondern auch das Wissen, dass ich spätestens zum ET eingeleitet werden würde, frustrierten mich.

Mit dem Podcast zum Thema Geburtseinleitung bekam ich aber wieder neuen Mut und konnte die Sache zumindest wieder etwas positiver sehen.

Auch wenn ich weiterhin gehofft habe, dass der kleine Mann sich vielleicht noch vor ET auf den Tag macht, war es dann am 07.08.21 soweit – ET.

Ich wurde zur Einleitung ins Krankenhaus aufgenommen. Gemeinsam mit meinem Mann konnten wir ein Familienzimmer beziehen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht einmal eine Sen- oder Vorwehe gehabt und wusste nicht, was mich erwartet.
Um 12 Uhr bekam ich einen Rizinuscocktail verabreicht. Und dann wartete ich, machte mir um ehrlich zu sein, aber keine großen Hoffnungen, dass der Cocktail reichen würde…
Ab ca. 14 Uhr merkte ich ab und zu, dass meint Bauch hart würde. Jedoch absolut schmerzfrei.
Um 17 Uhr dachte ich, dass ich ja trotz allem einfach mal die Hypnose zur Geburt hören könnte, da ich auch noch nie reingehört hatte und neugierig war. Ich hörte also eine Stunde lang die Hypnose über Kopfhörer.
Um 18 Uhr merkte ich dann, dass der Bauch nicht nur hart würde, sondern auch etwas zog. Von Schmerz aber noch keine Rede.
Als Erstgebärende hatte ich immer wieder gehört „wenn es echte Geburtswehen sind, dann merkst du das.“ Also dachte ich, dass ich jetzt wohl die ersten Vorwehen habe. Aber immerhin…
Wir aßen dann noch gemeinsam zu Abend und danach machte ich mir nochmal die Hypnose an.

Das Ziehen wurde stärker und war durchaus präsent, jedoch hätte ich noch immer nicht von Schmerz gesprochen.
Gegen 19:30 Uhr ging ich auf Toilette und stellte völlig erstaunt fest, dass mein Schleimpropf abgegangen war. Es tat sich also doch schon etwas – toll! Kaum, dass ich wieder auf dem Bett lag, wurde das Ziehen noch stärker und nun auch etwas schmerzhaft, jedoch noch gut auszuhalten. Ich sagte meinem Mann, dass er ja mal Bescheid geben könnte, dass es langsam loszugehen scheint. Ich hörte, wie man ihm vorschlug, mal die Zeit zu messen. Wenn ich bei 5 Minuten Abständen wäre, dürften wir zum Kreißsaal. Mein Mann fing an, ein paar Wellen zu messen und tatsächlich war der längste Abstand schon nur noch vier Minuten, also ging es rüber.

Hier hatte ich das erste Mal eine Welle, die mich wirklich pusten ließ, dennoch ging ich weiter davon aus, dass dies bestimmt noch der Anfang ist…
Auf dem Weg zum Kreißsaal hatte ich zwei weitere Wellen, die mich stoppen und atmen ließen.

Angekommen wurde ich untersucht – man stellte fest, dass der Muttermund bereits auf 6cm geöffnet war. Da war es ca. 20:30 Uhr. Ich war absolut begeistert und dachte nur, dass es tatsächlich klappt. Es sollte dann noch ein CTG geschrieben werden. In der Zeit hatte ich noch etwa 10 weitere Wellen, die zunehmend anstrengend und schmerzhaft wurden, wenn auch weiterhin nicht so schmerzhaft, wie ich erwartet hatte.

Dennoch merkte ich bei jeder Welle, dass ich nicht locker lassen konnte (ich hörte zu der Zeit keine Hypnose, sondern versuchte, das Gelernte so anzuwenden). Bei jeder Welle atmete ich tief in den Bauch, jedoch musste ich langsam und heftig ausatmen. „Schlimmer“ fand ich, dass ich mich immer mehr verspannte. Meine Oberschenkel zitterten bei jeder Welle, meine Schultern usw. waren angespannt und das Visualisieren klappte auch so gar nicht.

Aber ich dachte mir, ich versuche halt, das Beste aus der Sache rauszuholen. Ich versuchte also einfach so gut es ging, locker zu lassen und dachte bei jeder Welle, dass es gut ist und mich meinem Kind näher bringt. Auch ging ich, statt zu visualisieren, dazu über, bei jeder Welle mit meinem Daumen kreisende Bewegungen zu machen und mir vorzustellen, ich würde meinen Muttermund weich massieren.

Und dann ging alles recht schnell. Beim CTG fiel auf, dass das Baby die Wellen nicht gut verträgt. Bei jeder Welle fielen die Herztöne. Leider konnte man ja auch nicht sicher sagen, seit wann dies schon so ging, also sagte man mir, dass es nun Sinn machen würde, das Kind per Kaiserschnitt zu holen. Ein Szenario, mit dem ich nicht gerechnet hatte, jedoch vertraute ich auf das, was mir gesagt wurde.

Während ich vorbereitet wurde, ließ ich weiterhin die Augen geschlossen, versuchte zu entspannen und mich einfach darauf zu freuen, dass die Umstände dafür sorgen würden, dass ich noch heute mein Baby in die Arme schließen könnte.

Um 21:45 Uhr kam A. M. also mit 3400 g, 51 cm und per secundärer Sectio auf die Welt.

Leider hatte er wirklich Stress gehabt und das Fruchtwasser war bereits grün und er hatte ein paar Startschwierigkeiten, weshalb man ihn zunächst kurz mitnahm, ohne ihn mir zu zeigen. Sicher hätte ich mir große Sorgen gemacht – hätte ich dies mitbekommen. Ich war aber die ganze Zeit so bei mir, dass der Groschen erst fiel, als sie mir das kleine Menschlein brachten und sagten, dass nun alles in Ordnung sei und es ihm gut geht. Und das war alles, was ich wollte.

Ich war einfach nur froh und dankbar, dass ich durch den Kurs eine Geburt positiv erlebt habe, die mich ohne ihn völlig in Panik (und damit vermutlich Schmerz) versetzt hätte.

Seit Mittwoch sind wir nun wieder zu Hause und genießen unsere Zeit zu dritt.

LG Sarah