Geburtsbericht von

Svenja

Liebe Kristin und liebes Team von Die Friedliche Geburt,

es sind jetzt gut drei Monate seit der Geburt unseres zweiten Sohnes vergangen und heute möchte ich euch von unserer Erfahrung erzählen.
Bereits in der Schwangerschaft mit unserem ersten Sohn F. hatte ich von einer anderen Mutter die Empfehlung für den Podcast bekommen und die Herangehensweise hat mich sehr schnell angesprochen, sodass ich meinem Mann davon erzählt habe und wir uns schließlich entschlossen haben, den Onlinekurs zu buchen.

Ich habe an die Methode insbesondere während der Schwangerschaft eine sehr gute Erinnerung, die Hypnosen waren ein wunderbarer Ruhepol zwischendurch und die beruhigte Art der Methode selbst haben mir ein wirklich intrinsisches Vertrauen auf die Fähigkeiten meines Körpers gegeben – etwas, das ich bei meiner eigenen Mutter immer bewundert, aber bisher nicht selbst erfahren durfte.

Während der Geburt von F. habe ich die Hypnosen zu Hause gehört und auch gut angenommen, aber sobald der Ortswechsel in die Klinik kam, hatte ich anscheinend ein starkes Gefühl von Kontrollverlust, sodass ich die Hypnosen kurzerhand „über Bord geworfen“ und versucht habe, mich ganz auf meinen Körper zu konzentrieren. Ich habe die Geburt als ein durchaus positives und sehr intensives Erlebnis in Erinnerung, das ich nicht missen möchte, aber auch als sehr schmerzhaftes Ereignis, von dem mir viele Erinnerungen fehlen.

Daher wollte ich in der zweiten Schwangerschaft die Methode bewusster und möglichst bis zum Ende anwenden. Zum einen, weil ich mir eine schönere Erfahrung der Geburt erhofft habe und zum anderen, um insbesondere den letzten Teil der Geburt für meinen Mann leichter erträglich zu machen als beim ersten Mal.

F. kam im März 2021 zur Welt und Ende des Jahres sind wir nach Genf in die Schweiz umgezogen. Sobald ich die Bestätigung der zweiten Schwangerschaft hatte, habe ich mir den Kurs wieder freischalten lassen und mir bestimmte Videos erneut angesehen. Da sich zwischenzeitlich der Kursaufbau jedoch komplett geändert hat, habe ich mir den Großteil noch einmal angesehen und für bestimmte Videos auch meinen Mann hinzu geholt.
Zu meiner großen Überraschung habe ich festgestellt, dass die Anker, insbesondere der Wortanker, auch nach einem Jahr sofort funktioniert haben. Auch den Kraftort habe ich mit Hilfe von Nadine aus eurem Team noch einmal neu etabliert, da ich den Eindruck hatte, dass ich meinen ursprünglich gewählten nicht gut genug abrufen konnte.

In den Monaten der Schwangerschaft bin ich den neuen Kurs noch einmal durchgegangen und habe auch mit meinem Mann zusammen einige Videos zur Auffrischung geschaut. Anders als beim ersten Mal habe ich nicht so ausführlich und regelmäßig geübt, weil mir dazu im Alltag die Zeit gefehlt hat. Stattdessen habe ich mich mehr mit der Atemtechnik und den Möglichkeiten zur körperlichen Entspannung unter der Geburt beschäftigt, um eine entspanntere und schmerzfreiere, mit etwas Glück auch schnellere Geburt erleben zu können.

Ungefähr in der Mitte der Schwangerschaft haben mein Mann und ich uns dann dazu entschieden, für die Geburt in ein Geburtshaus zu gehen. In der Schweiz (oder zumindest im Kanton Genf, es lebe der Föderalismus…) ist die Begleitung der Schwangerschaft unter anderem auch aufgrund der Unterschiede beim Versicherungswesen etwas anders gestaltet. Die Suche nach einer Hebamme für die Wochenbettbetreuung ist hier nicht schon mit positivem Schwangerschaftstest notwendig, man kann sich da wirklich Zeit mit lassen und bei der Entscheidung für das Geburtshaus als Entbindungsort hat automatisch die zugeteilte Hebamme die Schwangerschaftsbetreuung übernommen.

Das Geburtshaus hat ein Konzept, das sehr gut mit dem der Friedlichen Geburt harmoniert, die Betreuung durch die Hebamme war unfassbar einfühlsam und persönlich und da es direkt neben dem Uniklinikum liegt, hat es auch etwas mehr von der Sicherheit, die manchen Familien in Geburtshäusern fehlt.
Lediglich die Tatsache, dass in Genf Französisch gesprochen wird, hat uns anfänglich etwas Sorge bereitet. Wir kommen zwar beide im täglichen Leben ganz gut zurecht, unser Schulfranzösisch reicht jedoch nicht für den sicheren Umgang im medizinischen Kontext. Auch hier konnten uns die Hebammen jedoch beruhigen, unsere zugeteilte Hebamme spricht perfektes Englisch und die übrigen Kolleginnen genug, um in einer Geburtssituation zurecht zu kommen.

Der errechnete Geburtstermin war der 1.1.23. Um uns über die Weihnachtsfeiertage zu unterstützen und unseren älteren Sohn betreuen zu können, ist meine Mutter bereits Mitte Dezember angereist, mein Vater etwa eine Woche später. Anders als bei der ersten Schwangerschaft habe ich mich dieses Mal im dritten Trimester mit dem Gewicht und Umfang des Bauchs wesentlich mehr und auch früher herumgequält, daher hatte ich die Hoffnung, dass unser kleiner Mann sich schon etwas früher auf den Weg macht.
Geburt hat ja auch viel mit dem Kopf zu tun, was uns auch mal wieder bewiesen wurde, denn sobald mein Vater mit den Babyklamotten angereist und die neue Wickelkommode aufgebaut war, ging es los.

Mitten in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember war ich gegen 2:30 Uhr schlagartig wach und unruhig, hatte aber keine Wellen. Ich konnte nicht wieder einschlafen und habe mich noch gewundert, was mich so nachhaltig geweckt hat, als die ersten Wellen begannen. Sie waren direkt sehr regelmäßig und ca. 5 bis 10 Minuten auseinander (ganz genau habe ich nicht auf die Uhr geschaut), daher habe ich mir direkt die Hypnosen angemacht.

Um mir noch mal die Traumgeburt zu visualisieren, habe ich als erstes die Hypnose zur Vorbereitung auf eine Geburtshausgeburt gehört und anschließend die lange für die Eröffnungsphase.
Die Wellen ließen sich sehr gut verarmen und ich war sehr konzentriert bei der Sache, habe meinen Mann aber noch nicht geweckt. Zunächst habe ich mich durch verschiedene Positionen probiert und dann festgestellt, dass ich mich tatsächlich im Liegen auf der Seite am wohlsten gefühlt habe. So habe ich einige Zeit verbracht, bis die Wellen stärker und schneller aufeinander folgend kamen.

Gegen 5:30 Uhr habe ich meinen Mann geweckt. Wie wir besprochen hatten, hat er sich im Hintergrund um alles Organisatorische gekümmert: meine Eltern angerufen, damit sie da sind, sobald unser Sohn wach wird, mit der Bereitschaftshebamme im Geburtshaus telefoniert und immer mal wieder nach mir geschaut und die Abstände der Wellen gemessen.

Gegen 8 Uhr waren sie ungefähr 3 Minuten auseinander, sodass wir entschieden haben, ein Taxi zu rufen und ins Geburtshaus zu wechseln. Mittlerweile war auch unser älterer Sohn wach, sodass in der Wohnung eine gewisse Grundunruhe entstanden war und auch wenn es mich nicht direkt gestört hat, hatte ich doch das Bedürfnis, jetzt in Ruhe den Ort zu wechseln.
Mein Mann hat mir beim Anziehen geholfen, währenddessen habe ich immer weiter die Hypnose gehört und die Augen möglichst viel geschlossen gehalten; das Gleiche auf der recht kurzen Taxifahrt. Die Taxifahrerin war sehr freundlich und hat mich nicht groß behelligt, beim Ein- und Aussteigen geholfen und uns zum Abschied viel Glück gewünscht.

Bei der Ankunft im Geburtshaus hat uns die Bereitschaftshebamme A. in Empfang genommen, gar nicht groß mit mir gesprochen, sondern sich eher mit meinem Mann verständigt. Wir wurden ins Geburtszimmer geführt und ich konnte mich dort wieder auf das Bett legen. Während das CTG geschrieben wurde, hat A. den Raum abgedunkelt, es waren nur noch einige Punktstrahler an und die Rollläden geschlossen. Auch hier habe ich mich vor allem im Liegen auf der Seite wohlgefühlt. Während das CTG geschrieben wurde, ist die äußere Fruchtblase geplatzt und die Wellen haben noch einmal an Intensität zugenommen. Sie waren zwar schmerzhaft, aber nicht auf diese unangenehme Weise, wie ich es von F. Geburt in Erinnerung hatte.

Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde bin ich dann doch in die Badewanne gewechselt und habe sofort eine Erleichterung gespürt. Das warme Wasser war sehr beruhigend und hat den Wellen die Spitzen genommen. Mein Mann hat währenddessen die Hypnosen auf den Lautsprecher umgeschaltet.
Jetzt kam auch der Schichtwechsel bei den Bereitschaftshebammen und J. und Al. haben übernommen.
Im Wesentlichen haben die beiden mich machen lassen. In der Wanne gab es ein Kissen geformt wie ein Stillkissen, das das Gewicht meines Oberkörpers sehr gut gehalten hat, sodass ich quasi im Vierfüßler war, mich aber mit den Händen am Badewannenrand festhalten konnte.

Ich war weiterhin sehr konzentriert, habe die Augen fast durchgängig geschlossen gehalten und immer nur kurz mit meinem Mann oder den Hebammen kommuniziert. Die Zeit in der Badewanne kam mir gleichzeitig lang und kurz vor, da ich immer wieder im Hinterkopf den Gedanken „gespürt“ habe: „Was, wenn es doch so lange wie beim ersten Mal dauert?“. Dieser Gedanke hat mich immer wieder beunruhigt, zeitgleich hat jedoch die Hypnose und der tiefenentspannte Zustand dazu geführt, dass ich kein Zeitgefühl wie im Alltag hatte. An diesen Abschnitt der Geburt habe ich entsprechend wenig Erinnerung, jedoch weiß ich noch, dass ich jedes Mal, wenn die Kristin in der Aufnahme gesagt hat „Du machst das sehr gut,“ gedacht habe: „Danke, Kristin“ und mich diese Versicherung immer wieder beruhigt hat.

Darüber hinaus war mein Mann dieses Mal viel souveräner im Umgang mit der Situation allgemein, hat immer wieder den sprachlichen Anker gesetzt und mich an den Schultern gestreichelt, um das Oxytocin zu stimulieren. Auch die Tatsache, dass die zweite Hebamme bereits da war, hat mir Mut gemacht, denn die wird erst dazu gerufen, wenn es in die Endphase der Geburt geht.

Nach ungefähr zwei Stunden in der Wanne wurde ich gefragt, ob ich bereits Pressdrang habe, was ich verneint habe. J. bat außerdem darum, meinen Muttermund tasten zu dürfen. In den Vorgesprächen hatte ich ursprünglich gesagt, dies nicht zu wollen, aber in dem Moment habe ich dennoch zugestimmt, da es sich irgendwie richtig angefühlt hat. Ich war bei ungefähr 8 cm und sollte daher Pressen vermeiden, sollte ich doch den Drang spüren.

Daraufhin wurde ich gebeten, für ein paar Minuten aus der Wanne zu kommen, um – wenn ich es richtig verstanden habe – die Hormonpegel zu regulieren und den Körper nicht zu sehr zu ermüden. Außerdem sollte ich zwischen den Wellen meine Hüften kreisen lassen und tief in die Knie gehen, um zu helfen, die innere Fruchtblase platzen zu lassen (mir war gar nicht bewusst, dass es zwei gibt…). Das ging relativ schnell und für mein Empfinden spektakulär, nach ein paar Turnübungen platschte ein Schwall Wasser auf meine Füße und ich durfte wieder in die Badewanne. Mein Mann, der für ungefähr eine Minute zur Toilette gerannt war, hat das zu seinem Bedauern verpasst.

Nachdem ich wieder in die Badewanne eingestiegen war, nahmen die Wellen eine neue Qualität an, ich hatte innerhalb kürzester Zeit Pressdrang und habe nun wesentlich lauter auf A und O getönt. Dies war auch der Zeitpunkt, wo mein Mann die Hypnose abgestellt hat, da sie mich abgelenkt hat. Aufgrund der Erfahrung aus der ersten Geburt, wo man mich ja intensiver angeleitet hatte, habe ich gefragt, ob ich nun pressen dürfe. Die Antwort „If you want to“ hat mich zunächst überrascht und etwas hilflos gemacht, da ich so viel Eigenverantwortung unter Geburt bisher nicht erlebt und auch nicht erwartet hatte. Ich habe mich dann jedoch ganz auf meinen Körper konzentriert, habe weiterhin versucht, die Schultern und den Kiefer locker zu lassen und den Atem meinen Körper hinunter strömen zu lassen.

Die Atemtechnik aus dem Kurs hat zunächst sehr gut funktioniert (anders als bei der ersten Geburt), aber als die Wellen dann länger und intensiver wurden, musste ich während des Luftholens aktiv den Bauch rausgestreckt lassen, um den Schmerz gut ertragen zu können. Irgendwann in dieser Zeit habe ich dann auch zu langem Ein- und Ausatmen gewechselt. Dies hat für mich am besten funktioniert. J. hatte zwar den Hinweis gegeben, schneller ein- und länger auszuatmen, hat mich aber nicht versucht, zu überzeugen, es anders zu machen, als es sich für mich gut angefühlt hat.

Das Pressen habe ich dieses Mal ganz anders wahrgenommen, da ich ja kein Lachgas bekommen habe. Somit waren die Wellen an den Spitzen für mich natürlich wesentlich intensiver, sie haben sich aber auch produktiver angefühlt. Dass der Kopf geboren wurde, habe ich dieses Mal auch sehr intensiv wahrgenommen und mit meiner Aussage „oh it’s real, the ring of fire“ die Hebammen zum Lachen gebracht. Sobald der Kopf da war, hat mein Mann tatsächlich hingeschaut (was er bei der Geburt unseres ersten Sohnes unbedingt vermeiden wollte, dann aber der Situation geschuldet nicht konnte) und ich hörte ihn nur sagen „Oh wow, look at that little face!“. Es hat mich so ungeduldig gemacht, dass alle im Raum das Gesicht unseres Kindes schon sehen konnten, aber ich nicht, dass ich einen neuen Drang verspürt habe, den Körper jetzt möglichst schnell zu gebären, um mein Kind in den Armen halten zu können.

Mit den nächsten zwei Wellen wurde dann der Körper geboren; auch dies war eine ganz andere Erfahrung für mich, da er mit so viel Schwung aus mir herausgeschossen kam, dass es mich regelrecht in den Badewannenrand katapultiert hat. Während ich mich von den Erlebnissen der letzten Minuten erholt und kurz durchgeatmet habe, hat die Hebamme unseren Sohn im Wasser festgehalten. Als ich mich dann mit der Hilfe ihrer Kollegin umgedreht habe, konnten wir gemeinsam unseren Sohn L. in Empfang nehmen. Es war ein sehr emotionaler Moment für mich, der mir dieses Mal auch die Tränen in die Augen getrieben hat.

Während wir uns noch in den Arm genommen haben, wurden beide Hebammen aktiv; mir wurde eine Spritze mit Oxytocin in den Oberschenkel verabreicht und relativ schnell die Schere zur Abnabelung überreicht, obwohl wir im Vorgespräch darum gebeten hatten, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen. Beim Aussteigen aus dem Pool sah ich dann aber auch, dass sich das Wasser sehr stark verfärbt hatte, das war auch der Grund für den schnellen Umzug aus dem Pool in das Bett. Die Hebammen haben uns jedoch sehr unaufgeregt versorgt; wir haben zwei Stunden zu dritt auf dem Bett verbracht, konnten uns ausruhen, kuscheln und kennenlernen.

Die Geburt hatte alles in allem gut 9 Stunden gedauert, also war es tatsächlich schneller als beim ersten Mal gegangen und ich war zwar erschöpft, habe mich aber wesentlich schneller erholt.

Anders als in Deutschland habe ich die nächsten zwei Nächte im Geburtshaus verbracht, was für mich und unseren kleinen L. sehr angenehm war, um uns zu erholen. Und quasi als erstes Weihnachtsgeschenk für unseren älteren Sohn sind wir dann am Heiligabend nach Hause gekommen und konnten Weihnachten das erste Mal als Familie zu viert feiern.

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett waren wieder unglaublich bereichernde Erlebnisse, die ich nicht missen möchte. Mein Erlebnis insbesondere der Geburt war beim zweiten Mal zwar wesentlich intensiver, aber gleichzeitig leichter, da ich mich viel besser vorbereitet gefühlt habe.

Vielen Dank an dich, Kristin, und dein Team für die Unterstützung während der Schwangerschaft und dafür, dass deine Methode sich so wunderbar an die Abläufe zu Hause, in der Klinik und im Geburtshaus eingliedern lässt. Zusammen mit der wunderbaren Betreuung durch die Hebammen und das übrige Gesundheitspersonal konnte ich zwei wunderbar selbstbestimmte Geburten erleben.

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