Geburtsort:

Geburtshaus

Geburtsbericht 1. Kind 29.06.21 (SSW 39+4) 48cm 2760g 34cm

*tief infiltrierende Endometriose

*diätetisch eingestellte Schwangerschaftsdiabetes

*schnelle, nicht schmerzfreie Geburt

Hallo zusammen,

All die tollen (positiven) Geburtsberichte haben mich in der Schwangerschaft mit Respekt aber so zuversichtlich und voller Vorfreude auf die Geburt blicken lassen. Jetzt möchte ich auch meinen (langen) Bericht mit euch teilen und Gleiches bewirken.

Schwangerschaft:

Nachdem wir nach „relativ“ schneller Zeit (nach Absetzen des Endometriosemedikaments Visanne) schwanger wurden, waren wir überglücklich und dankbar, dass es überhaupt und so schnell geklappt hat. Unser kleines Wunder hüteten wir die ersten 12 Wochen und ich habe ihm immer ermutigend zugesprochen. Gleich von Beginn habe ich Kristins Podcast gehört und war begeistert. In der 19. SSW begann ich mit ihrem Kurs ganz gemächlich. Die Schwangerschaft selbst war sehr entspannt und ruhig, natürlich auch durch den tollen Kurs. Völlig unbesorgt ging ich zu dem kleinen Zuckertest, der leider zu hoch ausfiel. Bei dem darauffolgenden großen Test überschritt ich lediglich den mittleren Wert um 3 Punkte und erhielt aber somit die Diagnose bzw. den Stempel SSD in der 29. Woche. Dementsprechend war ich erstmal total niedergeschlagen, da ich unbedingt ins Geburtshaus wollte. Ab sofort führte ich BZ Tagebuch und achtete noch strenger auf meine Ernährung. Auf Süßigkeiten hatte ich bereits schon 6 Wochen in der Fastenzeit verzichtet. Nach jedem Mittagessen ging ich eine kleine und nach jedem Abendessen eine große Runde spazieren. So schaffte ich es, keine Grenze meiner Blutzuckerwerte zu überschreiten und durfte weiterhin ins GH. Die Kleine entwickelte sich zart, aber sehr gut.

Den Ultraschall in der 30. Woche nahm ich beim FA noch mit, ging aber danach nur noch zu den Hebammen, da ich mich bei der Aussicht auf CTG, Ultraschall und vaginale Untersuchung alle zwei Wochen nicht wohl fühlte. Noch dazu, war jedes Gespräch und jede Vorsorge eine absolute Wohltat im Geburtshaus. So viel Geborgenheit, so viel positiver Zuspruch, so viel Vertrauen in alles.

Geburt:

Bereits am 18.06. also 11 Tage vor der tatsächlichen Geburt hatte ich für ca. 3 Stunden ein starkes Ziehen, vermutlich Senkwellen, ähnlich wie Periodenschmerz. Es verschwand aber wieder und ein Mutterbandziehen blieb bis zum nächsten Tag.

Dieses kam abends immer mal wieder beim Einschlafen bis zur Geburt.

Als ich in der 38. Woche ankam, ging ich nochmal zum Osteopathen, um meinen Körper optimal auf die Geburt vorzubereiten.

Ab dem 19.06. (38+2) begann ich Kolostrum auszustreichen und zu sammeln, was ca. nach einer Woche auch klappte. Ebenso hörte ich ab diesem Tag die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“ und machte einmal ein Heublumendampfbad. Ansonsten genoss ich die Zweisamkeit mit meinem Mann

Am Tag der Geburt wachte ich gegen 05:30 (ohne Wellen) auf, als mein Mann aufstand. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl, ich müsste groß und ging ins Badezimmer. Mein Bauch war hart, aber das war öfters der Fall. Ich tigerte ein bisschen in der Wohnung rum und bat meinen Mann gegen 06:20, erstmal zuhause zu bleiben, bis wir wüssten, ob es wirklich losginge. Ab da musste ich häufiger auf die Toilette und mich übergeben, das war aber vollkommen in Ordnung für mich.

Mit der Hypnose „während der Geburt“ versuchte ich mich langsam einzugrooven. Es gelang mir aber nicht. Die Bauchatmung funktionierte nicht, sodass ich bei Wellen immer in Bewegung sein und tief ein- und ausatmen musste. Ich versuchte, mir trotzdem immer „Loslassen“ zu sagen und den Muttermund zu visualisieren. In den Pausen konnte ich dafür aber gut mit Kristin zur Ruhe kommen und mich auf die nächste Welle vorbereiten. Die Abstände waren hier vlt. bei 7 Minuten. Ich habe das ganze nie getrackt. Ziemlich bald dachte ich mir: „Wenn das nur der Anfang ist, muss ich doch ins KH und brauche eine PDA“ und war ein bisschen enttäuscht, dass ich doch überrumpelt wurde und alles unterschätzt hatte. Mein Mann ließ mir gegen 07:30 ein Bad ein und hatte, wie vereinbart, alles abgedunkelt und ein paar Lichtlein angemacht. Die Wanne tat total gut, aber nach ein paar Minuten darin überkam mich eine starke Welle. Ich sprang heraus und merkte, dass ich etwas Schleim an den Schenkeln hatte, konnte aber keine Farbe oder sonst viel mehr erkennen. Ich veratmete und bat anschließend meinen Mann, im Geburtshaus anzurufen, da es nicht normal wäre, wie stark die Wellen bereits gewesen sind. Eigentlich wollten wir bis zum Schichtwechsel 09:00 warten, und ich dachte mir „na toll, jetzt bin ich eine Erstgebärende, die viel zu früh anrückt und wahrscheinlich wieder heimgeschickt wird“. (Was natürlich nicht schlimm ist, aber ich hatte mir fest vorgenommen, solange wie möglich zuhause zu bleiben.)

Wir verabredeten uns im Geburtshaus mit unserer Hebamme. Mein Mann arbeitete seine To Do Liste ab, packte alles ins Auto und machte sich fertig. Es war kurz nach 9:00, als wir ans Auto gingen. Ich musste nochmal eine heftigere Welle veratmen, bevor ich einstieg. Wir sind gerade mal 500m gefahren, als ich einen enormen Druck nach unten/ hinten spürte und laut tönen musste. Ich befahl meinem Mann, sofort anzuhalten, da ich eine Presswelle hatte. Bis wir anhielten, war sie vorbei und wir riefen unsere Hebamme an und unterrichteten sie, dass ich denke, die 45 min Fahrt nach Würzburg nicht zu schaffen. Sie redete uns kurz gut zu und sagte, wir sollen Gas geben. Gesagt, getan, in der nächsten Ortschaft ca. 3 min später, erreichte mich die nächste Welle. Ich tönte wieder wie wild und forderte, dass mein Mann anhielt und einen Rettungswagen rief. Auch das nächste Krankenhaus ist 45 min entfernt. Er befolgte es. Als die Welle jedoch vorbei war, sagte ich, dass ich es doch schaffe, und so beendeten wir das Telefonat mit der Leitstelle. Das Ganze hielt aber nur für 2 Minuten an und nun war ich fest davon überzeugt, es geht nur noch mit der Unterstützung eines Rettungswagen. Wir machten einen Treffpunkt aus und gaben auch unserer Hebamme Bescheid. Kaum waren wir auf dem Parkplatz angekommen, sprang ich aus dem Auto und begab mich in den Vierfüßler Stand zum veratmen. Als erstes erreichte uns der Notarzt. Er bat meinen Mann zu checken, ob das Köpfchen schon zu sehen ist (war es noch nicht) und setzte sich auf den Fahrersitz, um mir einen Zugang zu legen. Ich war ein bisschen genervt und dachte, jetzt geht das ganze Krankenhaus-Schema los. Der Rettungswagen traf ein und zeitgleich zum Glück eine Hebamme aus dem Geburtshaus, die im Vorort wohnte und somit schneller da sein konnte. In einer Pause zogen wir auf die Liege in den Wagen um. Ich äußerte mein Sorge, nicht ins GH gehen zu können und sie nahm mit einer Selbstverständlichkeit dem Rettungsdienst den Wind aus den Segeln und schlug vor, dass sie mich einfach dorthin, anstatt ins Krankenhaus fuhren. Der Notarzt willigte ein, als ich es auf eigenen Wunsch bestätigte. Dann tastete sie meinen Muttermund und sagte, dass für mich Unbegreifliche: der Muttermund ist vollständig eröffnet, wir müssen nirgends mehr hin. Durch den Stress hatten sich die Presswellen etwas beruhigt. Der Notarzt stand nun links von mir und hielt meine Hand und die Hebamme rechts von mir. Mein Mann hatte keinen Platz mehr drinnen. Nach zwei Wellen, wechselte ich in den Vierfüßler auf der Liege. Es war eine kleine akrobatische Herausforderung. So langsam konnte ich mich fallen lassen und widmete mich nun voll und ganz meinen Körper. Machte das, was er mir sagte und gab einfach nach. Um mich herum nahm ich nur noch wenig wahr. Unsere Bereitschaftshebamme traf gegen 09:45 ein und löste ihre Kollegin ab. Sie wollte es versuchen, ins GH zu fahren, also fuhren wir mit 60 km/h in einer Kolonne die restlichen 25 km. Mein Mann durfte auf dem Beifahrersitz mitfahren. Mittlerweile wurde ein Baby Notfallkoffer angefordert, der uns auch noch folgte. Mein Fruchtwasser lief nun auch immer mal, es war schön rosig und auch die Herztöne waren zu jedem Zeitpunkt super. Die Wellen und auch wir nahmen Fahrt auf. Die Kleine wusste, was sie wollte. So schafften wir es natürlich nicht mehr bis ins GH. Um 10:08 erblickte unsere kleine R. in einer langen Presswelle das Licht der Welt. Ich autschte, weil es so sehr brannte. Sie schrie sofort und war rosig. Ich war so überwältigt, dass ich sie nicht gleich hochnahm. Die Nabelschnur war relativ kurz. Als ich bereit war, konnte ich sie auf meinen Bauch nehmen. Wir ließen die Nabelschnur auspulsieren und als wir am GH ankamen, presste ich die Plazenta heraus. Das fühlte sich sehr erlösend an. Der Papa durfte die Kleine nun auch endlich begutachten. Die Rettungswagen Türen öffneten sich und ich nahm das erste Mal das große Team wahr, das so unglaublich kooperativ war und gezeigt hat, wie gut die „Rettung“ funktionieren kann. Ich bedankte mich bei allen und zog dann ins Bett im GH um, um ausgiebig mit R. zu bonden. Nach einer Weile fand die U1 statt, inklusive Blutzucker messen, danach wurde die Plazenta begutachtet und als Allerletztes wurde ich untenrum versorgt. Ich hatte keine Geburtsverletzung, außer einer äußeren Schürfung, ich war total happy!

Trotz des ungeplanten und unerwartet aufregenden Ablaufs haben es die Hebammen geschafft, wieder Ruhe und Sicherheit für mich in die Geburt zu bringen – Sie haben es wieder zu dem gemacht was es ist: das natürlichste der Welt

Ich bin unendlich DANKBAR dafür, wie alles abgelaufen ist. Es war komplikationslos und das Zusammenspiel von Hebammen und Rettungsdienst vorbildlich. Ziemlich sicher auch deshalb, weil meine Hebammen zu jederzeit ruhig waren und die Situation mehr als im Griff hatten.

Fun fact:

Immer, als ich das Mental Training Traumgeburt gemacht habe, hatte ich das Gefühl, die Zeit reicht nicht. Also spulte ich meine Vorstellung immer ganz schnell ab, sodass ich alles unterbekam. Die Fahrt ins GH ging dabei irgendwie immer unter.

Liebe Kristin, liebes Friedliche Geburt Team,

vielen Dank für eure so wichtige und bestärkende Arbeit. Ihr wart eine Bereicherung für meine Schwangerschaft und ich werde sie immer ganz besonders, als etwas Heiliges, in Erinnerung behalten.