Geburtsort:

Hausgeburt

Liebe Kristin, 

am 27.1.2020 kam unser kleiner Sohn P. mit 50cm und 3.160g auf die Welt und, wie versprochen, wollte ich dir noch von meiner geplanten (Haus-)Geburt berichten. 

(…) Tatsächlich war alles etwas „schwungvoller“ als erwartet 😂 

Ich hatte aufgrund der Früh- und Vorwehen (vielleicht auch durch Akupunktur, Datteln und Co.) schon seit vier oder fünf Tagen einen 2-3cm offenen Muttermund. Am 26.1. ist die Fruchtblase bei ET+6 um 18.15 Uhr geplatzt. Meine Hausgeburtshebamme war gegen 19.30/20.00 Uhr bei uns daheim, als gerade leichte Wellen anfingen. Weil soweit alles gut war und das Fruchtwasser klar, meinte sie dann „bis morgen“. Da ich schon häufiger Kontraktionen im 5minAbstand hatte, sollte ich auf kräftige Wellen alle 1-2 min warten. Ich hab 5 min später meinem Freund gesagt „wir rufen sie sicher vor 0.00 Uhr wieder an“.  Dann kamen die Wellen auch schon im 3-5minTakt. Die konnte ich super in Hypnose veratmen und leicht mittönen, wobei es eher ein lauteres Atmen war.  Und dann ist irgendwie auf einmal alles zu schnell gegangen, denn die Abstände wurden direkt so kurz bzw. gab es keine mehr – wie ich jetzt weiß, wurde es zum Ende ein Wehensturm.  

Um 21.55 Uhr hat To. wieder die Hebamme angerufen. Da hatte ich noch maximal 1 min Abstand und, als sie da war, einfach keine Pause mehr zwischen den Wellen. Das hat mich dann doch ein bisschen überfordert:) Es war wohl grad die Übergangsphase (hier hab ich auch verkündet, dass ich eine PDA möchte… und war innerlich total verwirrt, weil ich ja wusste, dass solche Aussagen manchmal in dieser Phase fallen. Ich konnte mir nur beim besten Willen nicht vorstellen, dass es schon soweit ein sollte.) und circa da hab ich das Handy in die Ecke gefeuert 🙃. Meine Hebamme war circa 15 min bei uns, als bereits die Presswehen eingesetzt haben (eine zweite Hebamme wurde zur Unterstützung gerufen). Vollständig eröffnet nach 2h.  

Es wäre wohl auf eine 3h Geburt rausgelaufen, aber P. hatte andere Pläne. 😁 

In der Welle hat man immer den Kopf gesehen und dann ist er wirklich komplett zurück gerutscht. Wir haben alles an Lageänderungen versucht, aber die Herztöne wurden so schlecht. Also musste ich 2-2,5h Presswehen veratmen, um ihm wieder Kraft zu geben. Nur mal zwischendurch durfte ich testweise mitpressen. Dann hat meine Hebamme irgendwann (ich denke so 0.30 Uhr) gesagt, dass wir eine Entscheidung fällen müssen, da es nicht weitergeht, und ich hab direkt gesagt „ab in die Klinik“. Bin dann mit dem Sanka, weiter Presswehen veratmend, ins naheliegende Krankenhaus.  

Um 1.17 Uhr waren wir da, um 1.59 Uhr war er dann auf der Welt, ohne Interventionen.  

Im Kreißsaal angekommen, waren die Herztöne teilweise wohl richtig richtig schlecht, das hab ich Gott sei Dank alles nicht realisiert, jedoch mein Freund (er ist schon noch sehr geschockt und hatte große Angst um uns). Meine beiden Hebammen sind mitgefahren (einfach so toll) und alle vier Hebammen haben mich zusammen angefeuert. (Meine Hebamme meinte hinterher, das wäre die erste Geburt gewesen, bei der sie danach Muskelkater hatte 😂) Er musste einfach sofort raus, sonst hätten sie eine Saugglocke genommen oder anderweitig eingegriffen.  

Aaaber…Ich hab’s hinbekommen😍😍😍und er war da, ich war so unfassbar stolz und selbst jetzt beim Schreiben kommen mir Freudentränen. Er war ein Sterngucker und hatte die Nabelschnur um den Hals, deswegen haben wir uns beide so schwer getan. Und danach war sofort alles vergessen. Ich konnte die Situation, auch währenddessen bereits, annehmen und bin froh, wie es gelaufen ist. Ich glaube, das lag an der tollen Vorbereitung.  Ich habe quasi täglich Hypnosen und Meditationen gemacht und war im Kopf für jeden Fall gewappnet. Ich habe mir auch nie gedacht „wann ist es vorbei“, ich war wirklich nur im Moment. Ich kann nicht sagen, dass es schmerzfrei war, gerade das Presswehen-Veratmen hat schon sehr weh getan, aber es war ja auch ein Gegen-den-Körper-Arbeiten und sehr gewaltig. 

Wir waren ganz toll betreut und sind schon mittags wieder heim. P. war quietschfidel, hatte tolle Werte, hat noch im Kreißsaal getrunken, und er ist trotz der Strapazen sehr gechillt und aufmerksam. Das meinte auch die Kinderärztin bei der U2 daheim: „Hausgeburtskinder sind einfach anders“. So konnte ich die Situation sehr gut annehmen, das wäre wohl sonst nicht so gewesen.  

Ein kleiner Riss am Scheideneingang, mehr ist  nicht passiert, obwohl die Hebammen aus dem Krankenhaus  auch ziemlich mit den Händen rumgefuhrwerkt haben, alles aufgedehnt beim Versuch, dem Kopf zu helfen usw.  Sonst ging es mir prächtig. Die Kinderkrankenschwester hat mich danach schon gleich alleine aufs Klo gelassen. „Sie haben ja eine super Gesichtsfarbe“, der Kreislauf war stabil. 

Es war wild, aber dennoch irgendwie eine Art Traumgeburt, weil ich so stolz war, das geschafft zu haben und natürlich, weil wir unser gesundes Kind in den Händen halten durften. 

Deswegen danke ich dir vielmals für die tolle Vorbereitung. Ich denke, dass ich die Situation ohne mentales Training anders bewertet hätte. So sieht es auch mein Freund, der wirklich alles gegeben hat und der perfekte Geburtsbegleiter war, als Mensch an sich und durch die gemeinsamen Gespräche im Vorfeld. 

Liebe Grüße 

Christina