Geburtsort:

Hausgeburt

Liebe Kristin,
das war ein spannendes und für uns vollgepacktes Jahr 2020. Ich möchte die letzten ruhigen Stunden des Jahres nutzen, um das zu tun, was mir noch sehr am Herzen liegt. Nämlich Dir meinen Geburtsbericht nachzureichen und damit hoffentlich Deine persönliche Statistik um eine Geburt zu ergänzen. 🙂
Ich hatte, um es gleich vorweg zu nehmen, mit Deiner Methode eine ganz wunderbare, starke Geburt.

Gleich nachdem der Schwangerschaftstest zwei Streifen angezeigt hat und ich somit sicher wusste, dass ich schwanger bin, habe ich eine Hebamme kontaktiert, die Hausgeburten betreut. Ich hatte zwei Beispiele in meinem persönlichen Umfeld, die von ihrer Hausgeburt erzählt haben und mir war sofort klar: Das will ich auch! Ins Krankenhaus gehe ich jedenfalls nicht! Ich hab sie mit den Worten: „Sie lachen jetzt bestimmt. Aber ich hab bis jetzt nur den Schwangerschaftstest und ich will unbedingt mein Kind zuhause bekommen. Haben Sie noch einen Platz frei für mich?“ angerufen. Sie hat nicht gelacht, mir ein paar Fragen gestellt und dann war es beschlossene Sache. Es wird eine Hausgeburt.
Danach hab ich mich im Internet auf die Suche gemacht, wie und was ich brauche, um gut durch so eine (Haus)Geburt zu kommen. Hypnobirthing war auf meiner Google-Liste gestanden, doch dann bin ich auf Dich gestoßen. Deinen Podcast und Deine Kurse. Ich hab Dich rauf und runter gehört. Hab M. (Papa von E.) ständig irgendwas vorgespielt und gesagt: „Dieser Kurs MUSS es sein! Gehst Du da mit mir zusammen hin?“. Wundert mich nicht, er war sofort einverstanden. Und wir fanden den Präsenzkurs in Aichach beide super gut!!! Genauso, wie den Onlinekurs. Du bist in der gesamten Zeit der Schwangerschaft so präsent gewesen in meinem Leben. Du bist zu meinem / unserem Nordstern geworden. Wenn es irgendein neues Thema gab, eine Entscheidung zu treffen, etwas, worum man sich noch kümmern sollte – habe ich neben meinem eigenen Gefühl immer geschaut, was Du dazu gesagt hast.
Wenn ich ehrlich bin, fehlst Du und Deine Podcasts mir seit der Geburt sehr. Ich wünschte, Dich gäbe es auch für die meiner Meinung nach schwerere Zeit. Damit meine ich die Zeit nach der Geburt. Als mein Baby so ein paar Monate alt war, der Schlafmangel gravierende Züge angenommen hatte und ich wirklich an meine Grenzen gekommen bin – habe ich so oft gedacht: Warum hört Kristins Podcast eigentlich mit der Geburt / Wochenbett auf? (ok – tut er nicht komplett… aber gefühlt ist das so). Ich könnte Deine ruhige klare Stimme so oft im Alltag brauchen, wenn es um die Be-/Erziehung, das Zahnen oder schlicht und einfach um Selbstführsorge geht. Da war ich wahrscheinlich öfters an meiner Grenze und verzweifelter, als bei der Geburt meines Sohnes. Und das ist jetzt durchaus als Kompliment für Deine Arbeit gemeint!

Zur Geburt selbst:
Mein errechneter Entbindungstermin war der 18. Januar 2019. Hätte die Frauenärztin ihn nicht um den einen Tag vorverlegt, wäre es tatsächlich der 19. Januar gewesen. Und just in den frühen Morgenstunden des 19.1., genauer gesagt um 1 Uhr morgens sind die Wellen losgegangen. Ich war ein bisschen überrascht von dem Körpergefühl und, dass es so klar war: Jetzt geht es los! Und ich habe mich riesig gefreut. Die Tage vorher hatte ich kurze Anflüge von Unsicherheit. Was, wenn das doch nicht so läuft, wie vorgestellt? Oder es heftiger wird, als erwartet? Ich hab mir jedes Mal Zeit genommen für das Gefühl und es angenommen, wie es gerade war. Hingabe nennst Du es. Hat super funktioniert. Als die Wellen wirklich losgegangen sind, war ich so was von bereit dafür und habe mich einfach richtig auf mein Kind gefreut. Ich bin sofort mit meinem Baby in Kontakt gegangen und hab mit ihm innerlich gesprochen. Ich hab Deine Hypnose angeschaltet (per Kopfhörer auf meinen Ohren) und spannenderweise habe ich nebenher noch meinen Geburtsraum schön gemacht zwischen den Wellen. Meine Kerzen angezündet. Noch eine Lichterkette aufgehängt. Mir Apfelschnitze vorbereitet usw…. Ich hatte Bewegungsdrang und bin dem nachgegangen. Etwas später habe ich mir Handtücher, Decken und Kissen geschnappt und mich in den leeren Geburtspool gesetzt bzw. gekniet. So über dem Rand hängend, habe ich Welle für Welle kommen und gehen lassen und visualisiert, so wie Du es uns beigebracht hast. Ich habe tatsächlich den ganzen Prozess genossen! Als M. aufgewacht ist, habe ich ihn zurück ins Bett geschickt und ihm gesagt, dass ich ihn hole, sobald ich ihn brauche. Ich wollte in der Phase meine Ruhe haben.
Gegen 5 oder 6 Uhr morgens ist er dann wieder wach geworden. Da die Abstände kürzer geworden sind – wollte ich ihn jetzt auch in der Nähe haben. Trotzdem war ich konsequent in meiner eigenen Welt. Ich kann es gar nicht so genau beschreiben. Für Deine Methode hab ich vermutlich noch relativ viel mit dem Außen interagiert. Und zugleich war ich komplett bei mir selbst, bei dem, was ich gerade brauche und bei meinem Baby. Alles, was nicht dazu gehört hat, habe ich vollständig ausgeblendet! Das war faszinierend! Dieser Grad an Konzentration.
Gegen 7 Uhr haben wir meine Hebamme M. angerufen, die mich erstmal in die Badewanne geschickt hat. Möglicherweise hat mich die Badewanne rausgebracht… Jedenfalls hatte ich dort drei so heftige Wellen, dass ich beschlossen habe: in meinen Geburtspool kommt kein Wasser! Auf gar keinen Fall!
Ich bin aus der Badewanne gestiegen. M. hat unsere Hebamme zurückgerufen, dass sie sich auf den Weg machen soll. Gegen 9 Uhr war sie da und ich wieder mit meinen Kopfhörern in meiner eigenen Welt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch keinen Bewegungsdrang mehr. Ich war im Geburtspool (ohne Wasser!!!), vorne über den Rand gebeugt, einen Eimer vor mir – mir war ein bisschen schlecht geworden. Dank Deiner Vorbereitung wusste ich ja, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn der Körper nochmal alles los lässt. Übergeben musste ich mich zwar nicht, aber ich habe stattdessen einen Liter Cola getrunken. Für den Kreislauf. 🙂
M. und unsere Hebamme haben mich ganz wunderbar einfach machen lassen. Sie haben hilfreich was gereicht oder unterstützt, wo ich es gebraucht habe. Ohne viele Worte. Das war ein super Flow. Irgendwann kam noch meine zweite Hebamme, L. Das habe ich zwar noch registriert…, aber so richtig interessiert hat es mich nicht mehr. Gegen 11 Uhr müssen wohl die Presswellen eingesetzt haben. Die habe ich eine ganze Weile „zurückgehalten“. M. meinte, ich darf ruhig mitschieben. Ich wollte aber nicht. Ich hatte das Gefühl, dann reiße ich. In der Zeit habe ich tatsächlich einiges an Kraft verloren und bin aus meiner Tiefenentspannung rausgerutscht. Oder korrekter ausgedrückt: ich war ein bisschen weniger tief drin. M. meinte bei der Geburtsnachbesprechung, dass das Dammschutz war, was ich da getan habe. So wurde das Gewebe gedehnt. Nach einer Weile hat M. dann aber doch zu mir gesagt, ich solle jetzt bitte mutig mitschieben, damit das Baby kommen kann. Dabei hat sie mir geholfen, ein Bein aufzustellen, um in den Hirtenstand zu kommen. Sie hat mir angesehen, dass ich grad viel zu viel Energie aufbrachte. Nach ein paar kräftigen Wellen war der Kopf des Babys da. Bei der Drehung des Babys im Geburtskanal, habe ich M. entsetzt zugerufen: „Nicht wieder zurückschieben!!!“ Sie hat so verdattert geschaut. Erst zu mir, dann zu meinem Partner M. und zu L. Und dann mussten alle drei laut lachen und ich sogar mitschmunzeln. Natürlich hat M. das Baby NICHT zurückgeschoben, es fühlte sich für mich nur so an. :´D
Sobald das Köpfchen geboren war, hat mein Baby auch schon zu schreien begonnen. Das war um kurz vor 12 Uhr. Der kleine Kerl hatte gar nicht die Geduld zu warten, bis er vollständig auf der Welt war. Das Geschlecht des Kindes hatten wir uns vor der Geburt nicht sagen lassen. Sobald er vollständig geboren war, meinte M., ich darf meinen Sohn gern selbst hoch und in den Arm nehmen. Das konnte ich in dem Moment gar nicht. Ich war so mit mir selbst und dem Kraft sammeln beschäftigt, dass ich nur dachte: „Lasst mich einen Moment in Ruhe bitte.“ M. hat ihn hochgenommen und mir in die Arme gelegt. Und dann kam erst so nach und nach die Erleichterung durch. Er ist da! Endlich! Alles gut! Alles dran! Darauf folgte auch die Freude. Langsam und kontinuierlich hat sich das Glücksgefühl eingestellt. Zusammen mit meiner Kraft.
Ich habe mich ins Bett gelegt mit M. und unserem Sohn. Und ab da habe ich jede Sekunde genossen. Oh Mann, war ich da glücklich! Alle Untersuchungen wurden gemacht – alles bestens! Sohn bumberlgsund mit besten APGAR Werten. Ich bumberlsgund, nix gerissen, nix kaputt. So hatte ich es mir gewünscht.
Nach kurzer körperlicher Erholungszeit durfte ich aufstehen und duschen. Und in meinem Übermut habe ich beschlossen, ich könnte ja kurz mal ein bisschen aufräumen und die Handtücher in die Waschmaschine schmeißen, so gut ging es mir… Hat mir eine Standpauke von meinem Partner eingebracht. 😀 Zu Recht! Der hat mich zurück ins Bett geschickt, mit dem Sohn kuscheln. Am Abend haben wir sämtliche Großeltern und frischgebackene Tanten angerufen. Die konnten gar nicht glauben, wie frisch ich mich angehört habe… ob das Baby wirklich schon da sei?! *lach*
E. musste dann noch ganze 3 Tage warten, bis wir uns auf seinen Namen geeinigt hatten. Das war die „schwerere“ Geburt. 🙂
Kurz zusammengefasst: Es war ein Wahnsinnserlebnis! Es war eine super schöne, friedliche und gute Geburt! Und ich bin Dir aus tiefstem Herzen dankbar für die wunderbare Arbeit, die Du da leistest! Ich erzähle super gerne davon. Ich bekomme oft ungläubige Blicke von all denen, die andere Erfahrungen gemacht haben. Das macht mich ein bisschen traurig. Ich mache unfassbar viel Werbung für Dich, weil es mir ein Herzensanliegen ist, dass möglichst viele Frauen davon erfahren! Geburt kann und darf „leicht“ sein. Wobei leicht nicht ganz das richtige Wort dafür ist… Meine Geburt war ja sehr stark!

Jedenfalls: DANKE DANKE DANKE!

Liebe Grüße und einen guten Start ins Jahr 2021,
Christina mit E. und M.