Geburtsort:

Klinik

Auch ich möchte gerne meine Erfahrungen mit „der friedlichen Geburt“ teilen – bei mir war besonders, dass ich eine lange Latenzphase vor der Geburt hatte und mir diese unter Corona-Regeln (im Nov. 2020) in der Klinik nochmal etwas herausfordernder vorkam. 😉

Aber zuerst noch ein riesiges Dankeschön an Kristin und ihr Team für dieses tolle Projekt! Ich war schon, bevor ich den Online-Kurs wählte, ein Fan von dem schönen, frei zugänglichen Podcast!

Den Online-Kurs habe ich dann ca. in der 25. SSW begonnen, wobei ich mal regelmäßiger, mal etwas unregelmäßiger geübt habe.

Unser Sohn ist in der 40. SSW an einem Sonntag geboren, aber bereits am Donnerstag davor setzten bei mir um 3 Uhr früh die Wehen ein. Ich schaltete die Hypnose ein und konnte die Wellen sehr gut veratmen. Gegen 11 Uhr vormittags kamen die Wellen recht regelmäßig alle 5 min, sodass wir entschlossen, dann doch ins Krankenhaus zu fahren. Hier wurde ich untersucht und der Muttermund war (erst) bei 1 cm. Ich muss dazu sagen, dass ich mich nicht ganz so „abgeschottet“ hatte, wie es empfohlen wird, und mal tiefer, mal weniger tief im Krankenhaus in Trance war. Ich wurde dann trotz des noch „anfänglichen Befundes“ aufgenommen und wir gingen etwas spazieren. Hier bestätigte mir mein Mann im Nachhinein auch, dass ich wirklich wie in Trance umher ging. Nachmittags dann war der Muttermund bei 4 cm und mir wurde angeboten, ein Entspannungsbad im Kreißsaal zu nehmen. Auch in der Badewanne merkte mein Mann nicht, wie die Wellen kamen und gingen. Leider wurden diese durch das Bad aber schwächer und die beiden Hebammen empfahlen mir nun „etwas Sport“. Hierbei kam ich leider aber so aus der Trance, dass ich die Wellen voller Schmerzen veratmete und ich irgendwann nicht mehr konnte. Mittlerweile war es 01:00 Uhr früh am Freitag (also 22 h später) und ich fragte nach einem Schmerzmittel, was mir gespritzt wurde (keine PDA – diese wollte ich persönlich unbedingt vermeiden!). Ich konnte etwas schlafen und Kraft tanken – aber auch durch das Medikament wurden die Wellen bei mir leider weniger. Am Morgen kam dann ein (älterer) Oberarzt und wieder eine andere Hebamme, die uns dann vor folgende Situation stellten: „Der Kreißsaal kann ohne Wehen nicht länger besetzt werden; auf Station kann durch Corona ihr Mann nicht mit; mit 4 cm lassen wir Sie aber nicht nach Hause, wir schlagen einen Wehentropf vor, da es wahrscheinlich nur noch einen kleinen Schubs braucht“. Wider besseren Wissens habe ich mich durch diesen Druck laut Coronaverodnung „von meinem Mann getrennt sein zu müssen“, dazu hinreißen lassen, ganz leicht einen Wehentropf zu bekommen. Binnen kürzester Zeit fielen die Herztöne meines Babys ab, sodass dieser sofort abgestellt wurde und wir mehrere Stunden am CTG überwacht wurden. Ich musste weinen, weil ich mich überredet und völlig falsch verstanden gefühlt habe! Am Freitagnachmittag kam erneut ein Konsil von Hebammen und einem jüngeren Arzt, die vorschlugen, dass wir doch nochmal nach Hause sollten, was wir dankend annahmen. Es war offensichtlich einfach noch nicht an der Zeit – ich war in einer Latenzphase bei 4 cm „stecken geblieben“. Aber sonst war alles im grünen Bereich – die Fruchtblase war geschlossen und dem Baby und mir ging es gut.

Ich hätte mir von dem ersten Team (Arzt/Hebamme am Morgen) gewünscht, dass diese mir direkt, zuversichtlich und bestärkend, dazu geraten hätten nach Hause zu fahren, anstatt den Wehentropf anzulegen (es gab keinen Grund, mich zu dem Zeitpunkt auf Station zu behalten, denn die Fruchtblase war geschlossen, CTG total i.O. und ich hatte zu Hause Begleitung durch meinen Mann). Das nachfolgende Team hatte es so bestätigt, aber wir wurden sehr verunsichert – gerade bei dieser ersten Geburt.

Freitagabend starteten dann die Wellen erneut, aber immer sehr unregelmäßig (von alle 3 min bis alle 15 min war alles dabei) – hier konnte ich mich aber wieder gut in Trance bringen. Nichtsdestotrotz rief ich am Samstag dann meine Wochenbetthebamme an und bat um Rat, da ich quasi den ganzen Donnerstag und Freitag schon mit Wellen verbracht habe. Sie kam spontan vorbei und bestätigte erneut, dass der MuMu bei 4 cm stünde, aber soweit alles gut ist – ich solle durchhalten und solange wie möglich daheim bleiben! Am Tag fand ich etwas Schlaf und gegen Abend ging es wieder los mit starken Wellen. Wieder nahm ich Entspannungsbäder, wieder die Hypnose auf die Ohren, mein Mann unterstützte mich, wo er nur konnte… aber irgendwann kam ich raus und die Kräfte verließen mich – es war Sonntag ganz früh morgens. Nach 3 Tagen Wellen war ich dann doch ziemlich „ausgelaugt“ und ich wollte dann doch unbedingt ins Krankenhaus für ein Schmerzmittel. Als wir gegen 8:30 Uhr ankamen, war mein MuMu immerhin bei 7 cm und die Hebammen gaben mir nur noch was Pflanzliches und machten sich offensichtlich für die Geburt bereit. Zu dem Zeitpunkt war mir „alles ziemlich egal“ und die Wellen wurden auch nochmal intensiver – ich glaube, ich habe hier tatsächlich erst richtig „losgelassen“ und dann ging es auch alles recht schnell. Ich hatte gefühlt keine Kraft mehr – und trotzdem war die Austreibungsphase dann überwältigend kraftvoll! Um kurz nach 11 Uhr wurde unser Sohn gesund und natürlich geboren. Die Austreibungsphase empfand ich viel erleichternder, da ich hier mithelfen konnte und wusste, es geht voran! Nach der Geburt lief dann auch alles wie im Bilderbuch – sofortiges längeres Bonding, Nabelschnur auspulsieren lassen etc. Das Krankenhaus und die allermeisten Hebammen waren auf sanfte, natürliche Geburten eingestellt und ich fühlte mich allzeit gut aufgehoben – bis auf die eine Schicht, die einen anderen Weg einzuschlagen versuchte.

Meine „Learnings“ waren (die aber auch schon im Kurs/Podcast betont werden…):

  1. Wider besseren Wissens und meines Bauchgefühls, habe ich mich aus Angst zum Wehentropf überreden lassen, u.a. natürlich auch in der Situation den Coronaregeln geschuldet. Ich hätte anfangs mehr Selbstvertrauen gebraucht, um noch zu Hause zu bleiben – mir wurde erst im Krankenhaus klar, dass es nicht nur um den regelmäßigen Abstand der Wellen ging, sondern auch um eine gewisse Länge. Anfangs waren diese meist nur 45 s, aber kamen ja schon alle 5 min, und später waren sie dann aber > 1 min.
  2. Ich habe mich doch zu oft ins „Außen“ begeben. Allerdings waren die allermeisten Hebammen sehr einfühlsam, aufbauend und unterstützend, was ich wirklich auch als wundervollen Schatz empfand.
  3. Ohne die mentale Vorbereitung hätte ich höchstwahrscheinlich diese 3 Tage nicht so durchgehalten (alle Hebammen und Ärzte waren nach der Geburt dann doch ziemlich beeindruckt von mir und auch meine Wochenbetthebamme war erstaunt, dass ich noch weitere 24 h nach ihrem Konsil zu Hause blieb.)

Unser Sohn ist mittlerweile einige Monate alt und ein ganz ausgeglichenes kleines Kerlchen. Ich bin so unendlich froh, dass wir trotz einigen Herausforderungen die Geburt auf ganz natürliche Weise „vollbringen“ konnten.