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Hausgeburt

Geburtsbericht von Lasse Karl 06.02.21/ 11:46/ 4110 g/ 53cm/ 35 cm Kopfumfang

Vertrauen und Geduld- Haus-Wassergeburt beim ersten Kind weit über dem „Termin“

 

Schwangerschaft und Terminüberschreitung

Ich hatte eine sehr schöne, harmonische und entspannte Schwangerschaft und habe mich schon immer darauf gefreut ein Kind zu gebären. Mich faszinierte das Thema Schwangerschaft und Geburt. Ich genoss also nach der ersten Übelkeit die Schwangerschaft und stellte mir immer eine kraftvolle Geburt vor. Das Einzige was mich von Beginn der Schwangerschaft beschäftigte, war eine mögliche Terminüberschreitung, da dies in unserer Familie bereits vorkam.

Warterei auf das Baby

Ich gab am 11.01 meine Masterarbeit noch schnell mit dem Hintergedanken ab, das Baby könnte ja jederzeit kommen. (ET der Frauenärztin durch Ultraschall: 18.01, ET der Hebamme und mir mittels Zyklusbestimmung durch Temperatur: 23.01.) Ha ha ha! Die Stimmung wechselte zwischen Aufregung, Entspannung und Genervtheit. Warum wollte der Knirps nicht raus? Offensichtlich hat er gemerkt, dass wir uns vorgenommen hatten, ihm die Zeit zu geben, die er braucht, aber auch die war schließlich nicht unendlich. Am Ende versuchte ich alles, um ihn herauszulocken. Keine Lebensmittel mit hohem GI seit Weihnachten, Himbeerblättertee, Heublumendampfbäder, Akupunktur, Nelkenöltampons, gutes Zureden, immer wieder die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern“, Entspannung, dann wieder viel Bewegung. Doch das Kind blieb drin. Er strampelte weiterhin kräftig, die CTG’s sahen gut aus, also warteten wir. Meine Hebamme machte zwei Tage vor der Geburt noch eine „Traumreise“ mit mir, wobei ich mich auch nochmal (neben dem Baby) mit der Gebärmutter und der Plazenta beschäftigte, ihnen dankte, usw. Insgesamt hatte ich also noch genug Zeit zum Üben mit verschiedenen Hypnosen und der Atemtechnik. Besonders die Atemtechnik habe ich so richtig erst um den Termin herum erlernt.

Geburt

Den Tag vor der Geburt hatte ich den ganzen Tag drückende Rückenschmerzen. Da ich aber nichts mehr interpretieren wollte, machte ich mir dabei keine Hoffnungen. Abends (9 Uhr) aß ich in Absprache mit meiner Hebamme ein Rührei in Rizinusöl. Danach waren mein Mann und ich aufgeregt, weil wir irgendwie doch dachten, dass dies vielleicht der nötige Anstoß wäre. Um 1 Uhr nachts bemerkte ich dann etwas Ungewöhnliches in meinem Bauch. Ich bereitete alles so vor, wie bei der Hypnose zur Traumgeburt vorgestellt. Machte Kerzen und die Hypnose „Geburtsbeginn mental fördern an“ im Wohnzimmer an, kochte Tee und legte mich gemütlich aufs Sofa. Nach 1 Stunde und einigen Toilettengängen später, realisierte ich, dass das was ich zu veratmen versuchte, doch echt heftige Darmbeschwerden waren (Nebenwirkung des Riszinusöls). Enttäuscht erlosch mit den Kerzen die Hoffnung darauf, endlich die Geburt (zu Hause) zu erleben und ich legte mich wieder ins Bett. Um 04:30 wurde ich dann von einem harten Bauch geweckt und es keimte Hoffnung auf: Das könnten doch jetzt wirklich Wellen sein. Ich startete das überlegte Prozedere zur Geburt also ein zweites Mal in dieser Nacht und taperte ins Wohnzimmer. Die Wellen merkte ich durch den harten Bauch, den Druck im Kreuzbeinbereich. Nach jeder Welle musste ich einmal Pipi machen. Selbstverständlich kam irgendwann quasi nichts mehr raus, aber ich musste trotzdem nach jeder Welle einmal „unten öffnen“. Da es mir zu nervig war jedes Mal auf Toilette zu rennen und es mir an Land trotz dicker Binde und Wickelunterlage (, die wir für die Hausgeburt besorgt hatten) nicht möglich war, dies zu tun, beschloss ich in die Badewanne zu gehen. Ich liebe baden über alles. In der Schwangerschaft wurde mir jedoch zum Ende hin auf dem Rücken schlecht und ich tat mich deswegen sehr schwer, Meditationen in der Wanne zu machen. Am Tag der Geburt war davon nichts zu spüren. Die Wanne war ein Träumchen, die Meditation „Geburtsbeginn mental fördern“ lief laut an meinem Handy, Kerzen brannten und ich freute mich einfach nur wahnsinnig, dass es endlich los ging. Die Wellen kamen und gingen, der kleine Mann meldete sich regelmäßig in den Pausen bei mir und ich war sehr bei ihm und mir und in Vorfreude auf die Geburt. Um halb sieben kam mein Mann ins Bad und wir tauschten uns kurz aus. Ich sagte, dass ich glaube, dass wir heute wirklich ein Kind bekommen. Irgendwann in den nächsten zwei Stunden baute er den Pool in unserem Wohnzimmer auf. Da ich von Beginn an eher mehrere Wellen pro durchlaufender Hypnose hatte, bat ich meinen Mann doch einmal grob auf die Uhr zu schauen, auch um der Hebamme Bescheid geben zu können. Das Ergebnis war „Alle 2-3 Minuten so für 20 Sekunden“. Dies war eigentlich genau der verabredete Zeitpunkt, um die Hebamme anzurufen, da ich jedoch erst seit drei Stunden überhaupt Wellen hatte, war ich mir trotzdem unsicher, ob es jetzt schon so weit war, sie anzurufen und gegebenenfalls zu wecken. Diese Entscheidung darüber hat mich ein wenig aus der Hypnose herausgebracht. Ich vernachlässigte die Atmung, bewertete die Wellen, all das was man nicht machen sollte, und vor allem war es mir bewusst und ich ärgerte mich darüber. Irgendwann kam ich zu dem Entschluss, dass die Hebamme JETZT kommen sollte. Diese ließ über meinen Mann ausrichten (der die Telefonate führte), dass sie sich dann in den nächsten 1.5 Stunden auf den Weg macht. Nachdem mir erstmal die Kinnlade runterfiel, fing ich mich doch gerade dadurch ziemlich schnell. Ich war sicher, dass das Kind nicht in den nächsten 1.5 Stunden kommen würde, die Hebamme wusste Bescheid und ich konnte mich wieder voll und ganz auf mich konzentrieren. Die Geburtshypnose lief laut über unsere Lautsprecher und im Geburtspool im eigenen Wohnzimmer zu sein war im Vergleich zu unserer sehr kleinen Badewanne so schön. Ich akzeptierte die Schmerzen unter den Wellen und zog die durch die friedliche Geburt gelernte Atmung wieder konsequent durch und fand in die Hypnose zurück. Besonders in den Wellenpausen war ich in vollkommener Entspannung, visualisierte immer wieder den Muttermund und das Baby, was sich gerade seinen Weg bahnte. Für mich waren die Wellen sehr verschieden intensiv. Ich kann nicht sagen, ob das einfach so war oder durch verschiedene Tiefen der Hypnose gegeben war. Auf eine sehr anspruchsvolle folgten drei, bei denen ich das Gefühl hatte „Oh die kann ich jetzt aber gut bewältigen“. Je mehr ich alles so annahm, wie es gerade war und es natürlich nicht bewertete, desto mehr wurde aus Schmerzen wieder ein intensives, kraftvolles Körpergefühl. So verlor ich Raum und Zeit aus dem Blick, war ganz im Moment und wurde erst aus meinem Zustand erweckt, als ich so gegen 09:45 auf einmal während einer Welle groß auf Toilette musste. Plötzlich glasklar sagte ich meinem Mann: „Ruf K. an (Hebamme) und sag ihr ich habe einen Pressdrang und ob ich mitschieben darf.“. Sie war bereits unterwegs und ich solle die Wehen veratmen (und von der Toilette runterkommen und lieber Vierfüßler oder Seitenlage einnehmen). Um ehrlich zu sein, drang diese Information nicht mehr zu mir durch. Ich hatte aus den oben genannten Aussagen aufgeschnappt ich solle auf mein Gefühl hören. Ich tastete also selbst nach meinem Muttermund. Dies hatte ich zum Ende der Schwangerschaft mehrmals „versucht“. Es fühlte sich eindeutig anders an als während der Schwangerschaft. Der Muttermund war nach vorne gerutscht und somit wirklich einfach tastbar. Ich fühlte mit gespreizten Fingern, dass er auf jeden Fall einiges geöffnet war und ich meinte, einen Teil des Kopfes spüren zu können. Da ich den Kleinen schon einige Wellen nicht mehr treten spürte, bat ich meinen Mann einmal den Puls mit seinem Ohr am Bauch zu hören. Auch das hatten wir seit der 30. SSW immer mal wieder gemacht und es gab mir schon während der Schwangerschaft und besonders im Hinblick auf die Terminüberschreitung ein Sicherheitsgefühl. Alles gut soweit. Trotzdem war dies der Moment, der mich aus der Hypnose während der Wellen „schmiss“. Vorher befand ich mich während der Wellen in der Rückenlage im Pool. Das fühlte sich jetzt nicht mehr stimmig an. Aber was passte denn nun? Ich suchte verzweifelt nach einer besseren Position. Und wann zum Henker kam endlich die Hebamme?! In einer Wellenpause lag ich mit dem Kopf auf dem Poolrand und plötzlich spürte ich wie mein Lieblingsmensch mich im Nacken zart streichelte (unser Anker) und tatsächlich erinnerte es mich daran, dass ich nichts besseres tun konnte als mich zu entspannen und es half mir, in dem Moment wieder in eine tiefere Entspannung zu gelangen. Nach vielleicht sechs dieser anfänglichen „Presswellen“ traf dann endlich mit unserer Hebamme wieder eine Ruhe und Sicherheit ein. Sie untersuchte mich und sagte, dass der Muttermund nahezu vollständig eröffnet sei (9.5 cm/ noch eine kleine harte „Kappe“) und ich mitschieben dürfte. Unser Kind würde in der nächsten halben Stunde auf die Welt kommen. Wir machten große Augen. Doch es sollte anders kommen. Ich fand immer noch keine zufriedenstellende Position, wechselte zur Meditation für die aktive Geburtsphase. Doch es fühlte sich alles nicht stimmig an. Nach einer halben Stunde, sagte ich es geht einfach nicht. Ich brauche Veränderung. Unsere bis dahin sehr zurückhaltende Hebamme versuchte mir durch einen Berührung zu zeigen, wohin ich mitschieben sollte. Sie bestärkte mich, betonte, dass alles ganz normal sei und das erste Kind eben seine Zeit durch den Geburtskanal bräuchte. Ich beteuerte immer wieder, dass ich dachte, die aktive Geburtsphase wäre der leichte Teil der Geburt. Durch die Kommunikation im Außen, konnte ich ihre Stimme nicht mehr hören und wir machten nur die Hintergrundmusik in Dauerschleife an. Meine Hebamme holte auf mein Verlangen den Gebärhocker aus dem Auto und währenddessen geschah etwas, dass mir half, zu meiner Eigenverantwortung zurückzufinden. Niemand konnte mir helfen, dieses Kind hier zu Welt zu bringen und ich musste jetzt einfach mitschieben. Im Nachhinein betrachtet, habe ich bis dahin nicht wirklich mitgeschoben, vielleicht war es meine persönliche Übergangsphase. Ich kann es nicht sagen. Als ich dann jedoch kurz alleine im Raum war, fand ich meine Position. Die Wellen verbrachte ich daraufhin im Vierfüßler mit dem Kopf auf dem Poolrand. Der Blick in das Wasser hypnotisiert mich. Ich tauchte vor jeder Welle gedanklich ab und ließ sie über mich herüberschwappen. Die Wellenpausen verbrachte ich in meiner altbewährten Rückenlage (von der ich nie dachte, dass ich sie einnehmen würde). Ich tastete wieder und spürte wie das Köpfchen sich seinen Weg durch mein Becken suchte. Endlich! Es ging voran! Die Hebamme bestätigte dies und hörte zwischendurch auch zweimal auf die Herztöne. „Dein Sohn macht das genauso gut wie du.“, war die Antwort. Ich legte meine Hand auf meine Scheide und gebar seinen Kopf in meine Hand. Die eigene Kraft zu spüren, war magisch und es half meinem Körpergefühl zu realisieren, was gerade „da unten“ passiert. Die Hebamme tastete nach seiner Nase, musste jedoch seine Schultern nicht entwickeln und nach zwei weiteren Wehen lag dann dieses kleine Menschlein vor mir im Wasser und ich konnte ihn selbst entgegennehmen und ihn mir auf die Brust legen. Es war vollbracht! Wir hatten es geschafft. Putzmunter und gleichzeitig mit einer weisen Ruhe schaute Lasse mich und seinen Papa, der hinter mir überwältigt von Freudentränen stand, an. „Selbstbestimmte, kraftvolle Geburt“ war es, was meine Hebamme in den Mutterpass eintrug und genauso fühlte es sich an. Ich bin immer noch erfüllt von großer Dankbarkeit und Demut. Dankbarkeit dafür, dass alles so reibungslos verlaufen ist. Dankbarkeit dafür, dass zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Impulse, wie der Geburtsvorbereitungskurs „die friedliche Geburt“ und alles drum herum (besonders auch die Facebookgruppe mit den vielen positiven, bestärkenden, undogmatischen Worten), in mein Leben getreten sind. Und natürlich große Dankbarkeit für dieses kleine Menschlein, was von nun an unser Leben zu einem noch größeren Abenteuer macht und uns jeden Tag zeigt, dass was wir gestern dachten zu wissen, sich heute schon wieder geändert haben könnte.