Geburtsort:

Hausgeburt

Ein eeeewig-langer Geburtsbericht für eine schnelle 2-Stunden-Geburt (Oder: Wie meine Wünsche nicht in Erfüllung gingen und ich trotzdem total zufrieden bin) 

Ich wollte so, so gerne eine ruhige Geburt. Ich wollte eine leise, langsame Geburt, und ich wollte mein Kind friedlich ausatmen. So wie ich es nun schon öfter gelesen habe. (…) 

Meine größten Ängste bezüglich der Geburt unseres zweiten Kindes waren, dass es wieder so furchtbar schnell gehen und die Wellen wieder von 0 auf 100 auf mich einprasseln würden. Und dass die Plazenta wieder so lange auf sich warten ließe 

Ich hatte mich in der ersten Schwangerschaft schon mit HypnoBirthing beschäftigt. Meine jetzige Hebamme erzählte mir irgendwann nebenbei von Kristins Podcast und dass sie das ganz spannend fand. So hörte ich auch mal rein und mein Mann und ich meldeten uns zum Live-Seminar an. Wir waren sehr beeindruckt von Kristins Wissen und der Professionalität ihrer Arbeit. Ich übte also regelmäßig die Hypnosen, die mir sehr guttaten. Als es ins dritte Trimester ging, wurde ich unruhig, irgendwann dann panisch. (…) Nach einer Woche mit jeweils nur zwei Stunden Schlaf pro Nacht war ich fix und fertig. Ich telefonierte mit Kristin, die mit mir durch eine angstlösende Hypnose ging, und es wurde schlagartig besser. Ich machte die angstlösende Hypnose dann noch selbst 2-3mal und bald waren meine Ängste völlig weg. Ich kann`s nicht erklären und bin davon immer noch tief beeindruckt. (…) 

In SSW 38 war ich der Meinung, dass die Fruchtblase offen sei – also schnell nach Hause und den Ehemann von der Arbeit weggeholt. Dann passierte nichts weiter. Abends kam unsere Hebamme noch zum Check: kein Fruchtwasser verloren, keinerlei Wehen im CTG, aber das Baby bereits fest im Becken, Muttermund weich und 2 cm offen. Später in der Woche kamen mittags Wellen – also wieder schnell nach Hause und den Mann von der Arbeit geholt. Die Wellen wurden weniger und verschwanden. Ich war frustriert, aber immerhin war ich nun der Meinung, dass diese Geburt ganz anders laufen würde als die erste. Nicht von jetzt auf gleich, sondern richtig schön gemächlich.  

In SSW 39 war immer noch nichts passiert. Wir hatten Sommerhitze bei 35 Grad plus. Ich war so fertig, hatte keinen Schlaf mehr und konnte mich nicht lange auf den Beinen halten. Als meine Hebamme bei SSW 39+4 zur Vorsorge kam, war ich echt verzweifelt und begrüßte sie mit „Ehrlich, ich kann einfach nicht mehr. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr.“ Sie sagte, sie könne eine Muttermundmassage versuchen. Davon hatte ich noch nie gehört. War auch eine komische Vorstellung. Aber wenn man verzweifelt ist, ist man ja zu vielem bereit. Unsere Hebamme bestätigte wieder, dass körperlich alles bereit sei und verabschiedete sich schmunzelnd mit den Worten „Bis heute Nacht dann!“. (…) 

Beim morgendlichen Toilettengang stellte ich fest, dass der Schleimpfropf abgegangen war. Endlich! Irgendwann demnächst würde es also losgehen. Ich schrieb meinem Mann und unserer Hebamme, dass ich nochmal versuchen würde zu schlafen, da die Nacht nicht so gut war. Es war 8.35 Uhr.  

Kurz nach 10 Uhr wachte ich von Wellen auf. Sie waren schon recht intensiv, also rief ich wieder meinen Mann an und bat ihn, nach Hause zu kommen. Ich machte schnell das Wohnzimmer „geburtsfertig“ und wanderte dann mit der Geburtshypnose durch die Wohnung. Die Wellen wurden schnell noch intensiver. Als mein Mann kam, war ich schon sehr in mich versunken und bat ihn, die Hebamme zu rufen. Er machte mir zuerst die Kopfhörer fertig (vorher hatte ich die Hypnose laut übers Handy gehört) und ich konnte noch besser „abtauchen“. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass ich nicht sehr tief in die Hypnose kam. Mein Hirn wollte einfach nicht loslassen und im Hinterkopf wartete ich immer auf den drohenden überwältigenden Schmerz. Die Bauchatmung klappte leider auch nicht gut, weil mein Bauch schon so aufgebläht war, dass dort gefühlt kein Platz mehr zum Reinatmen war. Ich erinnerte mich daran, wie Kristin im Online-Kurs erklärt hatte, dass wir bei Schmerz zur Erleichterung gerne Gegendruck erzeugen. Also streckte ich bei jeder Welle einfach meinen Bauch heraus, soweit ich nur konnte – beim Einatmen und vor allem auch beim Ausatmen. So kämpfte ich mich durch die Wellen, die in kurzen Abständen kamen. Ich lief dabei im Wiegeschritt im Wohnzimmer rum, kreiste mein Becken oder wippte auf und ab. Kurz vor halb 12 spürte ich ganz plötzlich körperliche Schwäche. Ich merkte, dass ich nicht mehr stehen konnte. Ich musste mich leider hinlegen. (…) Aus Angst, dass mein Kreislauf zusammenbrechen würde, sagte ich meinem Mann, dass ich ins Krankenhaus wolle und er unsere Hebamme anrufen solle, damit wir uns dort treffen könnten. Sie parkte aber schon vor unserer Tür und traf um 11.35 Uhr bei uns zuhause ein. Mein Mann klärte sie über die Kopfhörer auf und wir verständigten uns kurz darüber, dass sie gerne schnell ein paar Checks machen würde. Die Verständigung klappte super, unsere Hebamme war sowieso immer sehr umsichtig und respektvoll. Alles ging mit kleinen Berührungen und wenigen Worten. Ich tauchte danach etwas auf und sie sagte, dass sowohl meine Werte als auch die des Babys völlig in Ordnung seien und es zumindest dahingehend keinen Grund gäbe, ins Krankenhaus zu fahren. Sie sagte noch so etwas wie „Deine Entscheidung, wir können ins Krankenhaus! Ich denke aber, dass es jetzt sehr, sehr schnell geht.“. Ich war erleichtert, denn eigentlich wollte ich nicht ins Krankenhaus und ich vertraute unserer Hebamme zu hundert Prozent. Ich tauchte wieder ab. Dass es jetzt schnell gehen würde, glaubte ich nicht, denn ich wartete weiterhin auf den überrollenden Schmerz. Die Wellen waren im Liegen schwieriger zu bewältigen. Es war anstrengend und unangenehm, aber irgendwie schien es trotzdem zu gehen. In Stichworten verständigte ich mich auch ab und an mit meinem Mann. Ich bekam etwas zu Trinken oder ein kaltes Handtuch auf die Stirn. Dann kamen zwei, drei wirklich sehr heftige Wellen und ich dachte „Jetzt schaff ich’s nicht mehr! Das ist jetzt der Schmerz, der mich überrollt“. Im gleichen Moment schoss mir Kristin in den Kopf, wie sie im Online-Kurs über die Übergangsphase spricht „Die Übergangsphase kann wirklich fies sein, aber das Gute ist, sie ist sehr kurz“. Ich konnte gerade noch denken „Wenn das jetzt nicht diese Übergangsphase ist, bin ich echt am Arsch“, da setzten schon die Presswellen ein, und ich hätte beinah gelacht. Es war 11.55 Uhr. Die Presswellen waren unfassbar mächtig. Die Kopfhörer wollte ich nicht mehr. Ich musste lautstark mitpressen und meinem armen Mann die Hand zerquetschen. Es ist unglaublich, welche Kraft die Presswellen freisetzen und wie ich das bei dieser Geburt gemerkt habe. Ich fühlte, wie das Baby auf dem Weg war und wie jede Welle es weitergetragen hat. Ich spürte, wie ich das Baby während der Wellen voran schob und auch, dass es nach jeder Welle wieder ein kleines Stück zurückglitt. Es machte mich wahnsinnig und auch, dass unsere Hebamme nur beruhigend sagte „Das ist ganz normal!“, machte mich noch aggressiver, und ich schob noch kräftiger mit. Irgendwann meinte unsere Hebamme, dass man den Kopf manchmal schon sehen könne. Ich tastete danach und war noch motivierter, nun alles zu Ende zu bringen. Kurz bevor das Baby kam, sollte ich noch eine Welle „verhecheln“ und bei der nächsten Welle nicht mehr mitpressen, sondern meinen Körper „einfach machen lassen“. So glitt unsere Tochter um 12.34 Uhr auf unser Sofa. Sie fing sofort an zu schreien. Ich rief „Wo ist meine Brille. Ich brauche meine Brille.“ (…) 

Unsere Hebamme gab mir ein Handtuch und ich rubbelte unsere Tochter trocken, dann legte ich mich wieder hin und mein Mann hob sie mir auf die Brust. Bald konnte ich sie auch schon ein bisschen stillen. Obwohl es sich für mich innerlich sehr anstrengend und manchmal grenzwertig angefühlt hat, sagen mein Mann und meine Hebamme, dass ich ruhig und konzentriert gewesen bin. Auch, dass ich zwischen den Wellen (egal, wie klein die Pause war) richtig entspannt war, ist wohl nicht selbstverständlich. Meine Hebamme meinte, es sei eine sehr schöne Geburt gewesen – wie aus dem Lehrbuch.  

Es hätte so schön sein können… doch dann folgte der unangenehme zweite Teil. Da die Plazenta bei meiner ersten Geburt recht spät geboren worden war, hatte ich mit meiner Hebamme vorher vereinbart, dass ich nach der Geburt unverzüglich Oxytocin bekommen würde. Also kam ich an den Tropf. Im Laufe der folgenden Stunde wurden alle Kleinig– und Großartigkeiten versucht, um die Plazenta zu gebären. Mein Mann und eine weitere Hebamme kümmerten sich unterdessen um unsere Tochter – U1 und anziehen. Als unsere Hebamme nach einer Stunde sagte „Es tut mir wirklich leid. Ich hätte es dir gerne erspart, aber wir können nicht mehr warten.“, konnte ich überraschend gelassen bleiben. Es ist schon skurril und fühlt sich vollkommen surreal an, wenn man gerade sein Baby bekommen hat und noch mit Blut auf dem Sofa liegt, während die Notärztin, Sanitäter und RTW-Fahrer ins Wohnzimmer stapfen. Ich wurde im Tragestuhl durchs Treppenhaus zum Krankenwagen auf die Straße gefahren. Es ging ins Krankenhaus und zum Glück durfte unsere wunderbare Hebamme direkt mitfahren. Das hat mir unglaubliche Sicherheit gegeben. Ich war weiterhin ziemlich ruhig und gefasst. Mein Mann, unsere Tochter und die zweite Hebamme blieben noch kurz in der Wohnung. Im Krankenhaus ging es hoch in den Kreißsaal. Es folgten verschiedene Untersuchungen. Unsere Hebamme erklärte den verschiedenen Hebammen und Ärzten die ganze Situation. So etwas scheint nicht so häufig vorzukommen. Bald stand fest, dass die Plazenta in einer Operation entfernt werden musste. Bis zur OP-Tür war unsere Hebamme an meiner Seite und verabschiedete sich mit „Ich kümmere mich dann jetzt mal um deinen Mann.“ Dann bekam ich auch schon die Vollnarkose und als nächstes wachte ich in einem freundlichen Raum auf. Mein Mann, unsere Tochter und unsere Hebamme waren wieder an meiner Seite. Wir mussten noch zwei Nächte im Krankenhaus im Familienzimmer bleiben. So sehr ich auch kämpfte, weil ich nach Hause wollte, wurde ich nicht schneller fit. Auch Wochen nach der Geburt war und bin ich körperlich geschwächt und kann noch überhaupt nicht so, wie ich gern will. Trotzdem geht es mir gut.  

Da nun meine größten Ängste hinsichtlich dieser Geburt wahr geworden sind, müsste ich eigentlich am Boden zerstört sein (…). Ich habe in den Tagen und Wochen nach der Geburt viel in mich reingehorcht, aber mir geht es gut. Ja, es war überhaupt nicht so, wie ich mir das gewünscht hatte, und ich jubele nicht, wenn ich daran denke. (…) Aber ich konnte da so gelassen durchgehen, dass ich über mich selbst erstaunt bin. Ich fühle mich (vom körperlichen Zustand mal abgesehen) auch überhaupt nicht schwach. Im Gegenteil, ich fühle mich ziemlich stark und sogar versöhnt mit meiner ersten Geburtserfahrung. Der einzige Wehrmutstropfen ist, sollte ich nochmal ein Kind bekommen, dass es nun wohl keine außerklinische Geburt mehr werden wird. Aber selbst beim Thema “Krankenhaus” scheine ich inzwischen ruhiger zu sein. Das ist der totale Wahnsinn… Das macht mich so froh.  

Liebe Kristin, ich bin davon überzeugt, dass ich all meine Stärke deiner guten Vorbereitung zu verdanken habe! Ich bin wirklich begeistert. Ich hoffe, mein Bericht kann Mut machen, dass eine Geburtserfahrung total gut sein kann, auch wenn es eben gar nicht so gut gelaufen ist. Ich danke dir von ganzem Herzen und hoffe, du wirst noch viele Frauen so liebevoll begleiten. Tausenddank!