Geburtsort:

Geburtshaus

Sehr schnelle, fast komplett schmerzfreie Traumgeburt im Geburtshaus, 2.Kind, Wassergeburt, verletzungsfrei.
10.09.2021, SSW 40+3, 3030g, KU 34cm

Vorbereitung: Online-Kurs die friedliche Geburt ab der 32. SSW, Epi-no ab der 38.SSW, Heublumendampfbäder, Himbeerblättertee.

Heute vor einer Woche war ich noch mit meinem großen Sohn (4,5 Jahre) M. in der Eilenriede (Stadtwald von Hannover), wir haben Eis auf unserer Lieblingswaldlichtung gegessen und sind danach durchs Unterholz gestromert, auf der Suche nach Bucheckern und kleinen Tierchen… Nicht ahnend, dass ich keine 12 Stunden später unser Baby kennenlernen sollte. Und jetzt sitze ich hier eine Woche später und blicke Dir, kleine J., in deine großen, wachen, wunderschönen und neugierigen Augen und versuche, Worte dafür zu finden, was da vor einer Woche eigentlich passiert ist. Als ich mit M. am Nachmittag nach Hause gekommen bin – O. hatte sich an dem Tag auf sein Vorstellungsgespräch vorbereitet, was eigentlich am Freitag stattfinden sollte – haben wir uns noch einen ruhigen Abend gemacht und ich hatte wie jeden Abend die letzten Tage ordentliche Übungswellen. Da diese doch intensiver waren als bei M., war mir schon seit ein paar Tagen klar, dass es diesmal keine vollen 42 Wochen Schwangerschaft werden würden, bis wir unser zweites Kind kennenlernen würden… Als wir abends ins Bett gingen, sagte ich noch im Scherz zu O. dass ich 60: 40 tippe, am nächsten Morgen noch schwanger aufzuwachen, dachte aber innerlich, dass es auch 40:60 sein könnte und hatte so ein dumpfes Gefühl… Ich hatte vielleicht eine gute Stunde geschlafen, als ich um kurz vor 01:00 Uhr aufgewacht bin. Mit Übungswellen. Dachte ich zumindest erst. Mein einziger Gedanke war: “Nicht jetzt, noch nicht heute Nacht, O. hat doch sein Vorstellungsgespräch morgen, warte noch, Baby!” Aber Du wolltest nicht warten und die Wellen kamen direkt ziemlich regelmäßig. O. hat gleich Lunte gerochen und gefragt, was los ist. Ich, immer noch überzeugt, dass mit Ruhe und ein paar Hypnosen die Wellen schon wieder nachlassen würden (ich habe wirklich kurz überlegt, ob ich die Hypnose bei vorzeitigen Wellen anmache), hab mich stur gestellt und so getan, als wäre nichts.Aber keine 10min später war dann klar: “Okay, dass ist es jetzt, das ist Geburt! J. kommt heute Nacht!” Ich habe zu O. gesagt: “Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht… die Schlechte: Du wirst morgen nicht zu deinem Vorstellungsgespräch gehen. Die Gute: Wir werden heute unser Baby kennenlernen…” Und ab da konnte ich mich drauf einlassen, und es war einfach nur die pure Freude auf das, was kommt!

Ich habe dann um genau 01:29 Uhr im Geburtshaus angerufen. Vorher habe ich zu Oli gesagt: “Die glauben mir doch nie, dass es wirklich schon ernst ist, ich höre mich noch viel zu fit an…” (S., die Hebamme, sagte mir nach der Geburt, dass sie schon etwas skeptisch war, als ich angerufen habe, weil ich noch so entspannt klang…). Da ich aber wusste, wie schnell die Geburt von M. gegangen war und ich diesmal nicht so spät losfahren wollte, verabredeten wir uns für 02:00 Uhr im Geburtshaus. O. organisierte die Betreuung für M. und packte alles zusammen und ich steckte mir meine Kopfhörer in die Ohren und tauchte ab in Hypnose. Anfangs war ich aufgeregt, merkte aber schnell, wie ich immer mehr runterfuhr und zunehmend entspannter und fokussierter wurde. Ich machte mich langsam auf den Weg zum Auto und machte auch hier alles ganz ruhig und nahm mir für jede Welle Zeit. Wir kamen um 02:07 Uhr im Geburtshaus an und wurden von S. begrüßt. Sie fragte mich, ob ich in die Wanne will, ließ mir Wasser ein und tastete einmal meinen Muttermund: 3-4cm bei sehr weichem Gewebe. Ich muss sagen, dass ich ganz kurz etwas enttäuscht war, weil ich dachte, ich wäre evtl. schon weiter, mich dann aber wieder fokussierte und mich darüber freute, dass es diesmal alles vielleicht ein wenig langsamer und entspannter ablaufen würde (Spoiler: entspannter: ja, langsamer: nein). Ich ging also in die Wanne und die Wellen nahmen sofort an Intensität und Frequenz zu. Die tiefe Bauchatmung half mir super bei den Wellen und ich merkte einen großen Unterschied, wenn ich es mal nicht schaffte, sie rechtzeitig anzuwenden. Kristins Stimme in den Ohren und das viele Training half mir wirklich, die ganze Zeit in Tiefenentspannung zu bleiben. Alles an meinem Körper war entspannt und ich spürte ganz bewusst, wie der Muttermund und die Gebärmutter wirklich intensiv arbeiteten.

Dann kam eine ganz kurze Phase, wo ich dachte: “Puh, okay krass, jetzt wird es wirklich intensiv.” Und ich habe kurz Angst aufsteigen lassen. Zack waren Schmerzen da. Und Panik. Und das Gefühl, es nicht zu schaffen. Ich weiß, wie ich innerlich dachte, wie naiv ich war zu denken, dass diese Geburt einfacher und schöner werden würde, nur weil ich ein bisschen Hypnose gelernt hatte. (Wieder Spoiler: ich hatte ja keine Ahnung, wie schön sie werden würde…). Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nahezu lautlos gewesen und ich hatte keinerlei Schmerzen gespürt, lediglich Dehnung. Es war ca. 02:45 Uhr. Ich fing an, bei den Wellen zu tönen und spürte irgendwie Druck, den ich aber auf Nachfrage der Hebamme nicht als Druck nach unten oder Pressdrang wahrnahm, sondern eher eine extrem pralle Fruchtblase spürte, die gegen den Muttermund drückte. Ich bat darum, nochmal zur Toilette zu gehen und hier, ganz alleine, traute ich mich in einer Welle, dem Gefühl nachzugeben und die Welle in voller Intensität anzunehmen und so sprang die Fruchtblase, was mich leicht überrumpelte. Gleichzeitig merkte ich, wie der Druck nach unten sofort extrem zunahm und mein Körper dabei war, das Baby herauszuschieben. Ich rief nach S., die mich zum Glück davon überzeugte, das Kind nicht auf der Toilette zu kriegen, sondern zurück in die Wanne zu gehen. Ich hatte auf der Toilette die erste Presswelle, beim Zurückgehen in die Wanne die Zweite. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt immer noch, die Geburt würde bestimmt noch mindestens eine Stunde dauern und hatte immer noch Angst, es nicht zu schaffen und auszuhalten. Sarah fragte mich, ob ich schon das Köpfchen tasten könne und dieser Moment veränderte zum Glück wieder alles. Ich spürte das Köpfchen vielleicht 2-3cm entfernt und konnte es nicht glauben, dass mein Baby schon fast da war und schon mitten im Geburtskanal steckte. Ab hier war ich wieder konzentriert und entspannt und spürte keinen Schmerz mehr. Nur starke Dehnung und ein sehr intensiv Gefühl. In der dritten Presswelle merkte ich das Köpfchen krönen und redete mit meinem Baby, dass mir das alles gerade ein bisschen schnell ging. “Warte noch… Ganz kurz, Baby… Gib mir noch einen Moment…Eine Welle noch…Warte noch… Ganz kurz…Ich bin gleich bereit…”

Das Köpfchen zog sich nach der Welle auch tatsächlich noch einmal kurz zurück und ich atmete durch und konzentrierte mich mit all meiner Kraft, erinnerte mich an das Training mit dem Epi-no und darauf, wie ich mitschieben musste und ließ die vierte Welle anrollen. Und dann gebar ich das Köpfchen meines Babys in meine Hände. Dieser Moment war so unglaublich, dass mir die Tränen kommen, wenn ich daran denke. Da war kein Schmerz, nur pure Klarheit und alles um mich herum, alles was es je gab, war nicht existent. Es gab einfach nur mich und dieses unglaubliche Gefühl, gerade etwas ganz besonderes ganz bewusst zu erleben. Ich war völlig euphorisch und rief nur immer wieder: “Das Köpfchen ist da… Das Köpfchen ist da… Hallo, mein Baby… J. … Hallo, J. …” Ich wusste, dass ich den anstrengendsten Teil geschafft hatte, obwohl es so gar nicht anstrengend war… Sarah sagte mir, dass ich nochmal tief durchatmen solle, was gut war, weil ich vor lauter Glück und Euphorie total flach und schnell atmete. Ich sammelte mich noch einmal, nahm diesen Moment zwischen den Welten in denen mein Baby halb auf der Welt und halb in meinem Bauch war, noch einmal ganz bewusst wahr… Und gebar mit der nächsten, der fünften Welle, mein Baby in meine Hände. Um 02:56 Uhr. 49min, nachdem wir im Geburtshaus angekommen waren und zwei Stunden, nachdem ich aufgewacht war. Ich spürte, wie es sich durch den Geburtskanal drehte ins Wasser hinein und schaute meinem wunderwunderschönen Baby ins Gesicht. Stille. Und Bäm: Liebe. So unglaublich große Liebe. Ganz kalt erwischt. Ich dachte, bei meinem zweiten Kind könnte es vielleicht länger dauern, bis sich dieses Gefühl so stark einstellt. Konnte ich mir ein paar Tage zuvor doch nicht vorstellen, wie mein Herz auf einmal so stark wachsen sollte, um neben der riesen Liebe für meinen großen Sohn noch Platz für jemand anderen zu haben. Und plötzlich war es so einfach. Als ich mein Baby, dass noch unter Wasser war, anblickte, war da nichts außer Liebe. S. wickelte die Nabelschnur, die sich einmal um den Hals gewickelt hatte ab und ich nahm mein Baby hoch und begrüßte es in dieser Welt. “J., da bist Du ja endlich. Was machst Du denn für Sachen. Du hattest es wohl eilig.” O. stand auch leicht neben sich und war völlig geflasht und fragte: “Und, was ist es?” Ich hatte völlig vergessen, dass es ja noch die Überraschung mit dem (für uns völlig irrelevanten) Geschlecht gab und schaute nach. Ein Mädchen. Wir haben eine Tochter. Kleine J., wie schön, dass Du so wundervoll geboren bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst.

Danach war kuscheln angesagt und versuchen zu verstehen, was da gerade passiert war. Und damit bin ich immer noch beschäftigt. Ich bin in der letzten Woche diese Geburt in Gedanken so oft durchgegangen und kann manchmal immer noch nicht glauben, dass sie so unglaublich schön war und J. einen Start ins Leben hatte, den ich mein gesamtes Leben nicht vergessen werde. Ich streichele x-mal am Tag über ihren Kopf, den Kopf, den ich als erstes berührt habe, als ich sie geboren habe und versuche, dieses Gefühl irgendwie zu konservieren, weil es nie wieder ein ähnliches Gefühl geben wird.

Ich bin so unglaublich dankbar, auf mein Bauchgefühl gehört und mich mit der friedlichen Geburt vorbereitet zu haben und auch wenn wir uns jetzt erstmal mit zwei Kindern eingrooven werden und schauen, was das Leben die nächsten Jahre so bringt, kann ich es mir jetzt schon nicht vorstellen, dass das meine letzte Geburt gewesen sein soll.